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Q

Quartier
1) Maßeinheit für Goldschmiede
2) Zinnernes Trinkmaß, ähnlich der Maß in Bayern.

Queller
Dickfleischige sukkulente einjährige grüne Watt-Salzpflanze die sich im Herbst rot verfärbt. Durch ihre verschiedenen Verzweigungsformen ist die Pflanze sehr formenreich. Der Queller ist die wichtigste Pionierpflanze der Landgewinnung. Sein Bewuchs trägt zur Sedimentierung (Ablagerung von Schlick) und damit zur Landgewinnung bei.
Queller wachsen entlang der Meeresküsten und bevorzugen salzhaltige feuchte bis nasse gelegentlich überflutete Standorte auf Schlick oder Sand. Sie sind Erstbesiedler von überfluteten Wattböden.
Früher wurde die alkalihaltige Asche des Quellers zur Bereitung von Soda benutzt, die beim Zusammenschmelzen von Glas gebraucht wurde. Die Asche des Quellers kann bis zu 15 % Soda enthalten. Aus dieser Verwendung bildete sich für den Queller auch der Name Glasschmalz.

Quern
1) Handmühle mit der die Bauern ihr Korn selbst zu Mehl mahlten. Wo ein Mühlenzwang (s. d.) bestand, mussten die Bauern für ihren privaten Bedarf um eine Befreiung nachsuchen und um freie Benutzung des Querns bitten.
2) Angeliter Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg an der Ostsee. Der Name leitet sich ab von Mühle oder Handmühle. Zur Gemeinde Quern gehört auch der Scheersberg (s. d.)

Querset
Kätner und kleinere Festeleute waren von der Leding (s. d.) und der Stud (s. d.) befreit. Sie hatten dafür eine kleinere Abgabe zu entrichten, die sich Querset nannte.

Quie /Quieg
Ein Jungvieh.

Pfeil oben


R

Racker
Siehe unter Schinder.

Radfahrerkarte
1916 verfügte die Preußische Regierung, dass mit dem Fahrrad nur fahren durfte, der eine Radfahrerkarte hatte. Zum Erhalt dieser Fahrerlaubnis war eine vorherige Erlaubnis zur Benutzung von Fahrradbereifung erforderlich und die Kenntnis der Polizei-Verordnung zum Radfahren. Wer diese Erlaubnis nicht hatte, fuhr mit Taureifen oder band Weidenruten um die Felgen und radelte auf Feldwegen.
Schon die Preußische Radfahrer-Polizei-Verordnung vom 8. Juni 1895 über den Gebrauch von Fahrrädern auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen regelte die Verhaltenspflichten von Radfahrern.

Ranen
(die Roten). Westslawisches Volk auf Rügen und dem umliegenden Festland. Im 12. Jh. waren die Ranen gefürchtete Seeräuber auf der Ostsee, trieben aber auch regen Handel mit Skandinavien und Dänemark.
Die Ranen verloren ihre Unabhängigkeit durch König Waldemar I.. Er unterwarf sie und brachte sie zum Christentum. Ihr Führer Jaromar I. wurde Lehnsmann des dänischen Königs und die Insel Rügen wurde Bestandteil des dänischen Bistums Roskilde. Die Ranen kämpften nun auf Seiten der Dänen gegen die Pommern, bis 1186 ganz Pommern dänisch wurde.

Ransnäffninge
ausgewählte Gerichtshelfer aus den Reihen der Bonden für Fälle von Raub und Diebstahl (Ran = Raub. Näffn = nennen, berufen, auswählen).

Raseneisenstein / Raseneisenerz
Kein Gestein, sondern ein eisenhaltiges Sediment, das bis zu 20 - 40 % Eisen enthalten konnte und in geringen Tiefen auch in Grundwasserböden Norddeutschlands gefunden wurde. Besonders eisenhaltig war das in feuchten Heidelandschaften und an Gewässern vorgefundene Raseneisenerz. Es bildete den Grundstein der Eisenherstellung, die auch im Norden weit verbreitet war. Raseneisenstein konnte sehr leicht mit Hacke und Spaten gewonnen werden. Er kam hauptsächlich in feuchten sumpfigen Niederungsgebieten vor. Die Verhüttung entstand schon zu Zeiten der Germanen und Wikinger in Rennöfen (s. d.).
Reste von Schlacken und Brennöfen fand man in Süderschmedeby, Havetoft, in der Treeneniederung, um den Langsee und in Klappholz.

Räuberhöhle
Hügelgrab als "Ganggrab" aus der jüngeren Steinzeit zwischen Idstedt und Schleswig gelegen. Die Grabkammer ist bis heute begehbar. Im Mittelalter hatte sie über längere Zeit einer Bande von Wegelagerern als Unterschlupf und Versteck gedient, was zu dem volkstümlichen Namen Räuberhöhle für ein Grab führte.

Raubernannte
Aus acht Männern bestehendes Eidkollegium einer Harde, das bei Diebstahl und Raub bei der Wahrheits- und Urteilsfindung half. Sie wurden von den Bauern für ein Jahr ernannt und vom Amtmann des Königs vereidigt. Es war kein staatliches Organ, sondern ein Hilfsorgan der Bauerngemeinden.

Rauchen
Siehe unter Tabak.

Rechensmann
Jede Trinte (s. d.) hatte einen Rechensmann. Er war eine Art Gemeindevorsteher. Zuständig für die Einziehung von Steuern, Brüchen (Strafgeldern) (s. d.), Verbittelsgeldern (s. d.) für den Landesherrn.

Recognitionsgelder / Rekognition
1) Jährliche Steuerabgabe für ländliche Gewerbetreibende.
2) Anerkennungsgelder die als eine Art Pacht bezahlt wurden.
3) Auch Schutzgelder.
4) Gebühr für amtliche Eintragungen und Beglaubigungen.

rectus
(lat.) richtig. rec. = Abkürzung für empfohlen.

Redder
Ein Weg der auf beiden Seiten von Knicks (s. d.) begrenzt wurde.

Redzellast / Ritzellast
Nach dem Jütschen Low kleine Gebührnisse , welche ein Bauer von seinem Gute "jährlich seinem Herrn zu leisten schuldig war".

Reep / Reepemate
Mess-Schnur oder Messkette zur Landvermessung. (s. a. u. Wang)

Reepschläger
Beruf. Auch Reifer oder Seiler. Hersteller von Seilen.

Reet / Reetdächer
Reichere Bauern und Bürger deckten ihre Häuser mit Reet, ärmere mit Stroh ein. Reet musste im Winter geschnitten sein, noch besser war Winterreet vom Boot aus geschnitten. Dabei nahm man ein Ende des Halms mit, der unter der Wasseroberfläche gehärtet und besonders dauerhaft war.
Das Reetdach hielt zur Südseite 30 bis 40 Jahre und nach Norden fast die doppelte Zeit. Das Abtauen durch die Sonne "kränkte" (schädigte) das Dach. Die Firstabdeckung erfolgte regelmäßig mit Heidsoden (Placken s. d.)
Zum Handwerkszeug des Dachdeckers gehörten das Klopfbrett, die mit einer langen Öse versehene Nähnadel (zum Annähen des Reets auf den Latten) und das Knieleder (zum Schutz der Kniee vor den langen, scharfkantigen Reethalmenden.
Genäht wurde mit Zink- oder Kupferdraht. Dabei gab es einen Binnen- und einen Butennäher (Außennäher) die durch Zuruf miteinander zusammenarbeiten.

Refection
Wiederherstellung. Es gab Wege- und Brückenrefectionen.

Reformation im Norden
Durch Martin Luther angestoßene Erneuerungsbewegung im Christentum zu Beginn des 16. Jh. die mit einer erheblicher Erneuerung der Weltordnung verbunden war.
Für Martin Luther war der übertriebene Ablasshandel Anlass zur Verfassung seiner 95 Thesen im Jahre 1517. Luther unterzog die Traditionen der Kirche einer strengen Prüfung. Das führte zu einer massiven Kritik am Papsttum. Traditionen die seiner Meinung nach der Schrift (Bibel) widersprachen, lehnte er ab.
Zum theoretischen Ringen um die richtige Auslegung der Bibel traten bald politische Aspekte hinzu.
In Husum fand 1522 die erste evangelische Predigt statt. Mit Pastor Harmen Tast, Husum und damit begann die Reformation in Schleswig-Holstein.
1525 verkündete ein entlaufner Mönch namens Friedrich in Schleswig als erster "die reine Lehre".
An der St. Nicolaikirche in Flensburg fand die erste protestantische Predigt am 30. 11. 1526 statt.
Mit der Kirchenordnung von 1542 galt die Reformation im Norden als abgeschlossen.
1555 war die juristische Teilung der christlichen Kirche in Katholiken und Protestanten vollzogen.
Große Förderer der Reformation im Norden waren König Friedrich I. (1523-1533) und dessen Sohn Christian III. (1533 - 1559)

Reformationen
Verbesserte Stadtrechte die das Lübische Recht (s. d.) ablösten.

Regal, Regalien
Leistungen der Nutzer an den Fürsten, der dafür wirtschaftlich nutzbares Hoheitsrecht, z.B. Wasser-, Mühlen-, Steuer- , Münzregal vergab.

Regest
lat. res gestae = die getanen Dinge
1) Zusammenfassung des Inhaltes einer mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Urkunde.
2) Inhaltsangabe einer Urkunde nach Datum geordnet.

Rehejagt / Rehegeld
Es gibt zwei Erklärungen:
1) eine Steuer, eine Abgabe, als Ablösung von der Pflicht einen Mann bei den Treibjagden zu stellen und die Jäger und Pferde bei den Wolfsjagden zu verpflegen."
2) Unterhalt für die Jäger des Königs die durch Abhalten der Jagd dafür sorgten, dass in der Gegend die Schäden an den Weidetieren nicht überhand nahmen.

Reichsbankhaft 1813
Durch den dänischen Staatsbankrott 1813 (s. d.) ausgelöstes Gesetz zur Haftung der Grundbesitzer für Schulden des dänischen Staates.
Zur Wiederherstellung der Staatsliquidität wurden der Reichsbank 6 % vom Wert aller Grundstücke, Zehnten und Gebäude zugeschrieben (Reichsbankhaft), welche die Eigentümer entweder auf einmal abzutragen oder in reichlich 30 Jahren mit
61/2 % zu verzinsen hatten.
Durch diese Bankhaft floß ein großer Teil des Silbergeldes aus den Herzogtümern an die neue Reichsbank. Unerträglich für die Schleswig-Holsteiner war, dass den Dänen selbst diese Schuld nicht aufgebürdet wurde. Durch diesen Ausfall mussten die Herzogtümer 5 Millionen Reichsbanktaler zusätzlich aufbringen.
Im Zuge der Umstellungen kam es auch zu einer Währungsreform innerhalb der wertvolle Schleswig-holsteinische Courant-Taler in wertlosere Reichsbanktaler umgetauscht wurden. Das schürte die Wut auf die Dänen.
Die Reichsbankhaft führte für viele Bauern zu unerschwinglich hohen Belastungen und in Folge zu zahlreichen Konkursen. Verstärkt wurde die Entwicklung noch durch eine Viehseuche 1813 und den Krieg 1814 und hohe Einquartierungslasten.
Siehe auch unter Staatsbankrott.

Reichsdänisch / dän. Rigsdansk
Analog zum Hochdeutsch die Standardvariante der dänischen Sprache. Als Schriftsprache basierte sie auf der Sprache von Seeland und Schonen und verdrängte vom 15. bis 18. Jh. langsam die regionalen Varianten der dänischen Sprache.

Reismühle in Flensburg
Ehemaliges bedeutendes Industrieunternehmen in Flensburg am Süderhofenden. Die Reismühle wurde 1833 errichtet und wurde das größte Unternehmen der Fördestadt. Produkte wurden nach Ostdeutschland, Schweden, Dänemark und Übersee exportiert.
Als man im vorigen Jh. feststellte, dass Reis besser schmeckte, wenn man ihn ungeschält einführte, begann Flensburgs Kaufmann Hans Thomsen Fries damit ihn völlig ungeschält zu importieren. Er gab dem Reis den Namen "Paddy" unter dem dieser bekannt wurde. Es wurde dazu ausschließlich Carolina-Reis aus Hinterindien verwendet der hier enthülst wurde.
1858 wurde die Reismühle von dem Flensburger Handelshaus H. C. Kallsen stark ausgebaut.
Der vom Hafen mit Pferdefuhrwerken gebrachte Roh-Reis wurde von Staub, schlechten Körnern und fremden Bestandteilen befreit. Dann gelangte er in die Schälmaschinen, die die äußere Hülle und die innere Silberhaut entfernten. In Rüttelapparaten wurden noch anhaftende lose Bestandteile entfernt und in einem komplizierten Verfahren erhielt er den erwünschten Glanz. Dann wurde er von Siebmaschinen sortiert.
In den ersten Jahren schälte man 5.000 bis 10.000 Zentner Roh-Reis. 1892 waren es schon 230.000 Zentner die zum größten Teil exportiert wurden. Ein Abfallprodukt, das Reisfuttermehl wurde ein begehrtes Futter für Rinder und Schweine.
Am 1. 1. 1901 wurde die Reismühle an die Reismühlen GmbH in Bremen verkauft. Hier waren die neun in Deutschland bestehenden Reismühlen vereinigt.
Als man in den Ursprungsländern begann dort an Ort und Stelle den Reis zu schälen und zu bearbeiten, musste die Flensburger Reismühle 1908 schließen.

Rekognition / Recognition
1) Grundheuer (Pachtzins) des Festers (Pächters) an den Grundherrn.
2) Anerkennung, Beglaubigung. Rehkognitationsgeld = Bezahlung für solche amtlichen Eintragungen.

relicta filia (vidua)
(lat.) zurückgelassene Tochter (Witwe).

Remonstranten
(von lat. remonstrare = zurückweisen.)
Protestantische reformierte Religionsgemeinschaft in Holland und Schleswig-Holstein. Sie wurden auch Arminianer genannt.
Ihr Gründer war der Theologe Jacobus Arminius (1560 - 1609). Ihre Wurzeln hatten sie in den Niederlanden des 17. Jh.
Sie betonten die Willens- und Glaubensfreiheit des Menschen.
Sie lehnten den Kalvinismus ab und mussten als Verfolgte ihre niederländische Heimat verlassen. Einige emigrierten in das Herzogtum Schleswig und waren 1621 Mitbegründer Friedrichstadts und Glückstadts. Nach Beendigung ihrer Verfolgung 1630 kehrten viele Remonstranten nach Holland zurück.

remonstrirung
(lat.) Einspruch.


Remonte / remontieren
Junges, für die Wehrmacht (Kavallerie) bestimmtes, noch nicht zugerittenes Pferd. In einer Remonte-Verordnung von 1776 wurde die "Stellung der Nationalpferde" und der Umgang mit ihnen vorgeschrieben.
Unter remontieren versteht man die Ergänzung des Pferdebestandes durch Jungpferde.

Remuneration
Entschädigung, Vergütung, Arbeitsentgeld.

Rendsburger Vergleich
Im Rendsburger Vergleich vom 10. 7. 1675 verzichtet der gottorfsche Herzog Christian Albrecht gegenüber dem dänischen König auf seine 1658 erreichte Souverenität am schleswigschen Anteil. Der Vertrag bestimmt, dass der Herzog kein Bündnis mit fremden Mächten eingehen darf und bestehende Bündnisse sich nicht gegen den König richten dürfen. Der Herzog muß das Amt Schwabstedt und den herzoglichen Anteil am Domkapiel- und Kirchengut von Schleswig an den König abtreten und ihm auch alle Festungen überlassen.

Rennofen
Vorrichtung zur Gewinnung von Eisen aus Raseneisenstein (s. d.) Es war ein aus Lehm und Stein errichteter Schachtofen. Beheizt wurde er mit Holzkohle, Holz oder Torf und mit dem Blasebalg belüftet. Je nach Bauart wurden 1100 bis 1550° C erreicht. Dieses Verfahren fand schon bei den Germanen (s. d.) und Wikingern (s. d.) statt und hielt sich fast 2000 Jahre. Pro Verhüttung konnten mehre Kilo bis zu einem Zentner Eisen gewonnen wurden. Besonders eisenhaltig war das in feuchten Heidelandschaften und an Gewässern vorgefundene Raseneisenerz. Die Eisengewinnung war mit einem riesigen Holzverbrauch verbunden und die hauptsächliche Ursache für das Abholzen der Wälder in Schleswig-Holstein.

Rentekammer
Von 1660 bis 1848 die oberste Zentralbehörde für die Wahrnehmung der materiellen Belange des Staates. Die königliche Rentekammer war ein Gremium hoher Staatsdiener, die für den Herzog oder König Entscheidungen trafen. Die Rentekammer war in einen deutschen und in einen dänischen Teil getrennt. Die dänische Rentekammer befand sich in Kopenhagen, die deutsche, für Gottorf zuständige in Kiel.
Die Großfürstliche Rentekammer zu Kiel war die Zentralbehörde des gottorfischen Staates für Domänen und Einkünfte, Finanzen und Rechnungen.
Sie war auch die federführende Zentralbehörde für die Volkszählungen (s. d.)

Repartition / reparttionis
Verteilung, anteilmäßige Zuteilung. Beanspruchung.

requisitum
(lat.) Zubehör, Notwendiger Gegenstand.

Rescript
Verfügung, Bescheid "z.B. "Dänisches Sprachreskript" (s. d.).

Restant
(lat. restare = zurückbleiben, übrig bleiben) Rückständiger Schuldner.

Reunion
Gewaltsame Gebietsaneignung, Einverleibung.
Anno 1684 z. B. erließ der dänische König ein Patent, in dem er die Einziehung des gottorfschen Anteils am Herzogtum Schleswig bekannt gab und durchsetzte.

Reunionsprozess
Bis in die erste Hälfte des 19. Jh. bestehendes Recht, das einem Bohlbesitzer gestattete, ein früher von dem Bohl abgetrenntes Landstück jederzeit zurück zu fordern.
(siehe auch unter Beispruchsrecht und Laghäfd)

Reuter
ursprünglich Militärreiter.

Reuterbohl
Eine Einrichtung seit 1670, wonach ausgesuchte Bohlstellen einen Reiter für die Kavallerie stellen mussten. Wurde bald wieder aufgehoben.
"Der auf einer Reuterbohl wohnet, soll entweder selbst reiten können oder einen tüchtigen Kerl für sich halten mit zugehörigem Pferd, Gewehr und Kleider, wie sich gebühret und auf der Mynsterung für gut mag befunden werden".
Dafür wurde die Reuterbohl außer von Wolfsjagden von allen Bürden und Beden und Abgaben freigestellt.

 Reuterkate
In Fortsetzung der Reuterbohleinrichtung ab 1680 erbaut zur Unterbringung von berittenen Soldaten. Auch diese Einrichtung wurde bald wieder aufgegeben, aber der Name hielt sich noch lange.

Revenuen / Revenüen / revenues
Einnahmen der Obrigkeit und der Kirche von ihren Untertanen und Gläubigen. Z. B. beim Erwerb von Liegenschaften. Eine Zusammenfassung von Abgaben aller Art.

Rezess
Veralteter Ausdruck für einen landes- oder ortsrechtlichen Vergleich. Es wurden z. B. Regelungen (Vergleiche) über die Allmende oder das Huderecht (s. d.) getroffen.
Historisch stellte der Rezess auch den Abschluss eines Vertrages dar.

Ribe / Ripen
Eine der ältesten Städte Dänemarks im Südwesten Jütlands. Während des Mittelalters bis in die frühe Neuzeit war Ribe wichtigster dänischer Hafen an der Nordsee. Erst 1870 verlor Ribe diese Bedeutung an die neu gegründete Hafenstadt Esbjerg.
Schon im Jahre 860 als der Missionar Ansgar von Bremen einen Standort für seine Kirche suchte, war Ribe eine blühende Stadt. 1403 wurde Ribe von den Wenden geplündert. Zwischen 1176 und 1402 zerstörten sieben Brandkatastrophen große Teile der Stadt. Die beiden Fluten (s. d.) von 1362 und 1512 schädigten die Stadt sehr. Ein großer Brand 1580, vier Pestepidemien, mehrere große Fluten führten zum Niedergang der Stadt.
Eine weitere Pestepidemie im Jahr 1659 kostete einem Drittel der Einwohner das Leben. Die Einquartierung von Soldaten in mehreren Kriegen raubte den Bürgern den einstigen Wohl- stand.
Obwohl Ribe als Enklave im Herzogtum Schleswig südlich der Königsau gelegen war, gehörte es immer zum Königreich Dänemark.
Ribe selbst nennt sich auch Storchenstadt, obwohl nicht mehr so viele Störche wie früher nach Ribe kommen. Vor etwa 100 Jahren sollen es noch um die 4.000 Paare gewesen sein.
Siehe auch unter Dom zu Ribe.

Richtstätten / Galgen
Beispiele:
Gulliberg, Galgenberg bei Klockries. Hier fand am 2. 12. 1786 die letzte Hinrichtung statt. Die ganze Bevölkerung wurde dabei verpflichtet Augenzeuge zu sein.
Horn Holz. Flensburger Hinrichtungsstätte. Am 17. 10. 1820 fand die letzte Hinrichtung statt. Gerichtet wurden sdechs Menschen
(siehe auch unter Galgen)

Riemer
Beruf. Sattler der auf die Herstellung von Riemen, Gurten spezialisiert war.

Ringeln
Aufstellen der Moorsoden zum Trocknen in kleinen runden Haufen.

Ringreiten / Ringreiterfeste
Im Norden noch häufig praktiziertes mittelalterliches Turnier nach mittelalterlichen Regeln. Schon 1597, 1603 und 1649 wurde von großen Ringreiterfesten auf Gottorf, Hamburg und Schleswig berichtet. Seit 1665 unterhielt die Stadt Kiel eine ständige Reiterbahn "Campus maritius" (= Marsfeld) fürs Ringreiten, die 120 Schritte lang und 8 Schritte breit war.
1693 wurde in Tondern neben dem Schützenkorps ein erstes Reiterkorps gegründet, welches das Ringreiten pflegte.
Um 1730 gab es in Eiderstedt eine Ringreitergilde. Von nun an entstanden überall Ringreitergilden.
Der Reiter musste im vollen Galopp eine Lanze durch einen Ring stechen, der von einem torartigen eichenlaubumkränzten Gerüst herabhing. Sieger war, wer die meisten Ringe aufgespießt hatte.
Ringreiterfeste wurden früher in jedem Dorf gefeiert und von den Ringreiter-Gilden durchgeführt. Für viele Dörfer war es das größte Fest des Jahres.

Ringtränke
In Nordfriesischen Überschwemmungsgebieten des Deichvorlandes in denen die Weiden bei Hochwasser mit Salzwasser überschwemmt wurden, war die Versorgung des Viehs auf den Feldern mit Süßwasser von großer Bedeutung. Auf kleinen Warften (Wurten) (s. d.) die oben mit einer Senke versehen waren, sammelte sich bei Regen das Trinkwasser fürs Vieh. Außerdem konnte sich das Vieh bei Hochwasser auf diese Wurten retten.
Erste Ringtränken wurden schon um 1500 n. Chr. gebaut.

ristricus
(lat.) Stiefvater.

Robbenjagd
(siehe unter Seehundjagd).

Roest
Adeliger Gutshof bei Gelting (s. d.). Die ursprüngliche Burg wurde schon 1231 in König Waldemars Erdbuch genannt. Jahrhundertelang war das Adelsgeschlecht der von Rumohrs hier ansässig.
1590 wurde das Herrenhaus gebaut, 1641 der Ost- und 1770 der Westflügel.
Bekannt war Roest für langjährige Betreibung der Leibeigenschaft. Gut Roest war 1740 mit fast tausend Leibeigenen der volkreichste Gutsbezirk in Angeln. 1797 wurde das Gut Roest parzelliert und am 1. 5. 1799 die Leibeigenschaft aufgehoben.
Den ältesten Teil des Herrenhauses, ein zweigeschossiges Backsteinhaus mit Doppelgiebel errichtete 1590 Asmus von Rumohr, dem auch das Gut Rundhof (s. d.) gehörte. Den linken Flügel baute 1641 dessen Enkel Heinrich von Rumohr.
(Ein ausführlicher Artikel von Richard Albert über die Leibeigenschaft auf Gut Roest findet sich im Jahrbuch des Angler Heimatvereins 1969, Seite 40ff)

Rossmühle
Von Pferden in Göpeln (s. d.) angetriebene Mühlen. Oft als Graupen- und Grützmühlen.
Sie unterlagen nicht dem Mühlenzwang (s. d.)

Roter Haubarg
Die Geschichte des Haubargs begann 1575 bis 1579 kurz nach der Entstehung des Adolfkooges. Er gehörte dem Gottorfer Herzog Adolf.
1579 brannte der erste Haubarg (s. d.) ab und wurde von Arrien Wallichs aus Witzwort wieder aufgebaut. Da das Haus nicht total abgebrannt war und teilweise erhalten blieb, besteht der neue Haubarg aus dem Vorhaus aus dem 17. und dem Hinterhaus aus dem 18. Jh. Die ursprünglich aus roten Ziegeln bestehenden Mauern wurden weiß übertüncht.
Das gewaltige Reetdach ruht auf acht großen Ständern und erreicht im First eine Höhe von 17 m und hatte 700 qm Wohn- und Wirtschaftsfläche.
Die Besitzer waren sowohl Gast- als auch Landwirte.
Im 1579 abgebrannten Erstbau befand sich ein großes Kellergewölbe mit Eichenpfählen, Ketten und Halseisen und es diente als Gefängnis.
Die Familie Asmussen, die den Haubarg 1796 kaufte vermachte der Stadt Husum im Jahr 1870 270 Demat wertvollsten Marschlandes als eine Stiftung für Hilfsbedürftige der Stadt. Die Stadt Husum (s. d.) erbaute der Spenderin Catharina (Tina) Asmussen auf dem Marktplatz vor der Kirche den "Tine-Brunnen".

Rotes Kreuz
Bis Mitte des 19. Jh. gab es keine Kriegs- und Verwundetenkrankenpflege. 1859 reiste der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant nach Italien. Dabei wurde er am 24. Juni 1859 bei dem kleinen Ort Sulferino Zeuge einer Schlacht bei der an einem einzigen Tag rund 6.000 Menschen getötet und 25.000 verwundet wurden. Das Leid der Soldaten entsetzte ihn so, dass er den ursprünglichen Zweck seiner Reise vergaß und sich mehrere Tage der Versorgung der Verwundeten widmete. Unter dem Eindruck dieser Erlebnisse schrieb er ein Buch, in dem er die Gründung von Hilfsorganisationen beschwor. Er schickte es auf eigene Kosten an führende europäische Politiker und Militärs.
Am 22. August 1864 wurde in Genf die erste Genfer Konvention "betreffend die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen" von 12 Staaten unterzeichnet. Schon vorher hatten Konferenzen und internationale Komitees etliche Regelungen und Absprachen getroffen. Hervorzuheben war dabei die Konferenz vom 29. Oktober 1863 an der 16 Länder teilnahmen und eine Resolution annahmen.
Der Norden war deswegen interessant, weil am 16. April 1864 bei der Schlacht von Düppel auf den Düppeler Schanzen erstmals in der Kriegsgeschichte Hilfskräfte und mit Dr. Louis Appia und dem holländischen Hauptmann Charles van de Velde, auch offizielle Deligierte unter dem Zeichen des Roten Kreuzes an einem Krieg teilnahmen und den Verwundeten halfen.
(Siehe auch unter Düppeler Schanzen und unter Vaterländischer Frauenverein)

Rotgießer
Beruf des 18. Jh.. Auch Apengießer. Er stellte aus Legierung von Kupfer und Zink (Messing) Gussarbeiten her.

Rudekloster / Rüdekloster / Rhyekloster
Zisterzienserkloster "Rus regis" in Glücksburg. Das Vorgängerkloster in Schleswig wurde 1040 von Bischof Rudolf von Schleswig gegründet. Die Mönche stammten vom Kloster St. Michaelis (s. d.) in Schleswig, von wo sie wegen unsittsamen Lebenswandels 1192 ins neu gebaute Kloster Guldholm (Güldenholm) (s. d.) am Langsee kamen.
Seinen endgültigen Platz erhielt das Rudekloster 1209 durch Umsiedlung auf das Gebiet des heutigen Glücksburgs (s. d.) Die Mönche gaben dem Kirchspiel Munkbrarup den Namen (munk = Mönch).
Den Zehnten erhielt das Kloster von Munkbrarup, Grundhof und Broager. Für die Bauern eine gute Zeit die zu dem Spruch führte: "Unter dem Krummstab ist gut leben."
Die Mönche wirkten sich sehr segensreich auf die Bevölkerung aus. Sie brachten neue Erkenntnisse für die Landwirtschaft, den Wege- und Brückenbau, das Mühlenwesen, die Be- und Entwässerung, die Jagd und den Fischfang und für die Medizin.
Nicht immer aber waren die Mönche bei der Obrigkeit beliebt. 1259 geriet ihr Abt Arnfast in den Verdacht den dänischen König Christoph I. mit Gift im Abendmahlskelch umgebracht zu haben.
1283 wurden die Mönche auf Geheiß des Schleswiger Bischofs für einige Zeit aus dem Kloster verjagt.
1528 schloss sich der Konvent unter Abt Johannes Hildebrandt der Reformation (s. d.) an. Zehn Jahre später wurde das Kloster säkularisiert (verweltlicht) und kam mit allen Besitzungen in königlichen Besitz. König Friedrich II. überließ es 1582 seinem Bruder Herzog Johann dem Jüngeren von Sonderburg, einem Sohn des dänischen Königs Christian III., der es abreißen und 1582 darauf das Glücksburger Schloss (s. d.) errichten ließ.

Rüffel / Rüffelbrett
Geriffeltes Holzbrett als Waschbrett. In späterer Herstellung wurde es mit geriffeltem Blech beschlagen. Es wurde in die Waschbalge (Waschballig) gestellt und darauf die Wäsche gerieben.

Rugh
Roggen.
Ruhr
Bakterielle sehr ansteckende Darmerkrankung. 1750 bis 1762 grassierte die Ruhr im Herzogtum Schleswig und raffte viele Menschen dahin.

Rum
Alkoholisches Getränk aus Zuckerrohr.
Rum-Verschnitt beruht auf der Tradition alter Flensburger Rumhandelshäuser den aus Dänisch-Westindien importierten Jamaika-Rum mit Monopolalkohol und Wasser auf Trinkstärke zu verschneiden. Der Jamaika-Rum war dazu besonders wegen seines intensiven Geschmacks geeignet.
Flensburg war durch seine große Seeflotte (Westindienflotte), seine Zugehörigkeit zu Dänemark (Schutz auf den Weltmeeren durch Dänemarks Neutralität) ab Mitte des 18. Jh. einer der wichtigsten Standorte der Rumherstellung.
Von 1802 bis 1807 kamen über 300.000 Liter 70- 80%iger Rum nach Flensburg.
Insbesondere wurde die Strecke nach Dänisch-Westindien befahren. Dänisch-Westindien gehört nicht zu Indien sondern zu den Antillen, jener Inselkette in Mittelamerika, zu der auch Kuba und Jamaika gehören.
In Flensburg wurde das Zuckerrohr von den Jungferninseln in Zuckerraffinerien zu Zucker verarbeitet. Als Nebenprodukt fiel dabei Rum an, welcher in den Schnapsbrennereien auf angenehme Trinkstärke herabgesetzt wurde.
Zu den bekanntesten Flensburger Rumhäusern gehörten Balle (1717), Sonnberg (1781), Pott (1848) und Hansen (1883).

Rummelpott / Rummelpottlaufen
In Norddeutschland bekanntes, selbsthergestelltes Instrument aus einem mit Leder als Trommelfell bespanntem Topf. In der Mitte wurde ein Stock durchgesteckt, der beim Rein- und Rausziehen kräftige rummelnde Töne von sich gab. Der Rummelpott konnte auch etwas kleiner aus einer Dose mit Strohhalm bestehen.
Zu Sylvester zogen Kinder vermummt oder verkleidet damit von Haus zu Haus (Rummelpottlaufen) und sangen Bittgesänge für kleine Gaben. "Fru maak de Dör up de Rummelpott will in"

Rundhof / Rundtoft
Größtes Herrengut in Angeln und Kätnerdorf in Stangheck, (heute Amt Geltinger Bucht). Gut Rundhof wurde 1231 erstmalig als Königsgut erwähnt. Es war der Hauptsitz des Runi. Errichtet war es an Stelle einer noch älteren Wasserburg. Vom König ging es 1285 ans Adelsgeschlecht Skram (Schramm). 1391 ging es an die von Krummendieks, über die von der Wisch und die von Seefelds, an die von Ahlefelds.
1431 wurde "Runtofft" geschleift. 1460 stand es wieder.
Durch Heirat gelangte es 1557 in den Besitz des Adelsgeschlechtes derer von Rumohr in deren Händen es über 400 Jahre blieb. Mit zwei Ausnahmen wurde es in zwölf Generationen vom Vater auf den Sohn vererbt.
1610 wurde das ältere Herrenhaus und 1756 wurde das neue Herrenhaus mit Kavaliershaus (zur Aufnahme des Hofstaats) und Pferdestall von dem Baumeister Sonnin gebaut.
Die gesamte Landfläche betrug 811 ha; zum Haupthof gehörten 465 ha, zum Nebenhof 189 ha. Der größte Teil waren Wald und Wiesen.
Am 1. 5. 1800 wird auf Gut Rundhof die Leibeigenschaft aufgehoben.
1814 wurde Gut Drült (s. d.) abgetrennt.

Runen / Runensteine
Älteste Schriftzeichen der Germanen vom 2. bis 12. Jh. als geritzte und gravierte Inschriften auf Gegenständen und Steindenkmälern (Runensteine). Ihren Schwerpunkt hatten die Runen im südskandinavischen und jütländischen Raum. Runen wurden vor allem als Gedenkschriften für Verstorbene oder besondere Ereignisse verwendet. Eine Buch- und Urkundenschrift wurden die Runen nie.
Das alte Futhark-Alphabet hatte 24 Zeichen (Runen).
Ein Runenstein wurde in Busdorf gefunden mit der Inschrift:
"König Sven setzte den Stein nach seinem Gefolgsman Skarde, der nach Westen gezogen war, aber nun den Tod fand bei Haitabu."
Besonders reichlich waren die Runenfunde in Schweden, wo man ca. 2.500 Runensteine fand. Erst im 16. Jh. ging in Schweden die Zeit der Runen zu Ende.
Bis in unsere Zeit hinein fanden Runen Verwendung als Hausmarken (s. d.)
Mit der Christianisierung begann der Wechsel zur lateinischen Schrift.
Der Runenstein von Jelling/Dänemark zeigt das älteste Christenbildnis des Nordens und wird als "Dänemarks Taufschein" bezeichnet. 1994 wurde er von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und unter Denkmalschutz gestellt.

Rungholt
Eines von sieben Kirchspielen der ehemaligen Insel Strand im Nordfriesischen Wattenmeer in der Nähe Nordstrands. Rungholt versank bei der Zweiten Marcellusflut (Grote Manndränke) (s. u. Fluten) am 16. Januar 1362. Heute noch sind zahlreiche Spuren im Watt zu finden.
Einige Teile wurden wiederbesiedelt gingen aber in der Sturmflut von 1532 unter.
Lange galt Rungholt als eine Legende, heute aber weiß man durch Funde, dass es Rungholt wirklich gegeben hat. Rungholt war einst der Haupthafen der versunkenen Edomsharde.

Rus Regis
"Land des Königs". Frühe Bezeichnung für die Region in der um 1200 in Glücksburg das Zisterzienserkloster (s. u. Rudekloster) gebaut wurde.

Pfeil oben



S

Sagesald
Straf- und Brüchegelder, Gebühren und andere Einnahmen aus der Jurisdiktion.

Säkulum
(lat.) Jahrhundert. Zeitraum von 100 Jahren.

Salarium
1) Sold. Ursprünglich Salzdeputat. Römische Beamte und Soldaten erhielten eine Ration Salz, das Salarium für ihre Reisen. Dieses wurde später in Geld umgewandelt. Daraus leitet sich der Begriff Salär für Lohn ab.
2) Gehalt des Vogtes.
3) Leistungen für den Landschreiber.

Salveguard / Salvaguardie / Salvugardi
Sicherheitswache (im 16. u. 17. Jahrhundert) Eine Art Landmiliz, mit Naturalien bezahlte Schutztruppe der Kirchspiele gegen kriegerische Übergriffe von Plünderern.

Salzhandel
Handelsbereich von höchster wirtschaftlicher Bedeutung. Salz diente nicht nur als Würz- und Konservierungsmittel, sondern auch als Zahlungsmittel. Erster Salzhandel in Europa war seit der Jungsteinzeit bekannt. Wer über Salz verfügte, verfügte über Macht.
Der Transport erfolgte mit Pferdefuhrwerken oder mit Schiffen, die bis zu 65 Tonnen fassten. Das von der Lüneburger Saline stammende Salz wurde über einen 1398 gebauten Kanal nach Lübeck befördert. 1441 bekamen die Lüneburger und Lübecker ein Privileg für diesen Salzhandel.
1470 garantierte König Christian I. den Städten Lübeck und Lüneburg ein Salzmonopol für die nordischen Länder. 1500 machte der Salzhandel 24 - 31 % des gesamten Lübecker Handels aus.
1524 wurde Lübeck vom Salzzoll nach Bergen/Schweden befreit.
1780 gab es eine königl. Verordnung über den Salzhandel in den Herzogtümern. Alle Städte, Flecken und Landdistrikte mußten eine bestimmte Menge Salz zu einem bestimmten Preis abnehmen, der weit über dem des englischen Salzpreises lag und das darum viel geschmuggelt wurde.
Eine große Bedeutung hatte auch das Friesensalz (s. d.) (Torfmoorsalz).

Sandführer
Beruf. Er fuhr Sand von Balastberg (s. d.) auf die Schiffe.

Sandmann / Sandmänner
Hardesgerichtsbeisitzer. Wahrmann, Wahrheitsfinder. Sand (dän.) = wahr. Vom königlichen Vogt wurden jeweils acht Sandmänner für jede Harde als Richter ernannt, deren Rechtsprechung bei Totschlag, Verstümmelung, Heerwerk, Notzucht und Streitigkeiten um Feldscheiden erforderlich wurde. Sie wurden vom Hardesvogt (s. d.) auf Lebenszeit berufen und gehörten zu den angesehendsten Bürgern.
Sie waren Beisitzer bei den Thinggerichten in verantwortungsvoller Stellung bei Grundstücksangelegenheiten, Landtausch, Parzellierungen, Grenzfestsetzungen u. ä. erstinstanzlichen Entscheidungen.
Siehe auch unter Wahrheitsmänner.

Sankelmark
Schlachtort im 1. Dänisch- Österreichischem Krieg. Es gab hier 1863 eine Schlacht, da sich die Dänen bei ihrem Rückzug auf den See zurückgezogen hatten und von dort nicht weiterkamen. (siehe auch unter Oeversee)

Satten
Große flache runde etwa 10 cm hohe Schüsseln (Bütten) mit 40 cm Durchmesser zum Abrahmen der Milch. Nach dem "Holsteinischen Aufrahmungsverfahren" wurde die Milch in Satten geseiht und in der Regel nach 24 Std., im Winter nach 48 Stunden entrahmt. Sie wurden häufig noch in den Wohnstuben auf Regalen abgesetzt.
Siehe unter Buttern.

Sechsmänner
Siehe unter Kirchspielmänner.

Sechswöchnerin
Auch Kindbetterin. Frau nach der Geburt eines Kindes. Neun Tage sollte sie das Bett hüten. Innerhalb einer Frist von sechs Wochen nach Geburt sollte sie das Haus nicht verlassen, durfte keinen Brunnen benutzen (Wasser aus dem Brunnen schöpfen) und sollte sich schonen. Nach einem alten heidnischen Brauch machte die Geburt unrein und musste durch priesterlichen Segen geläutert werden. Die Sechswöchnerin galt sie in dieser Zeit als "unrein" und durfte die Kirche nicht betreten und kein Abendmahl empfangen.
Der erste Gang nach der Entbindung (Introduktion s. d.) musste der Gang in die Kirche sein. Beim ersten Kirchgang nach einer Geburt musste die Wöchnerin erst von Pastor geweiht werden und wurde erst danach von ihm in die Kirche geführt. Dafür zahlte sie ihm ein Priesteropfer (s. d.) ein Dankopfer. Sie dankte dabei Gott für ihr Kindlein und bat um deren Schutz. Dieses verkündete der Pastor von der Kanzel.
(siehe auch unter Introduktion, Kirchfrau)

Seehundjagd / Robbenjagd
In früheren Jahrhunderten war der Seehund einer ständigen Bejagung ohne Schonzeit und ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht ausgesetzt. Alles vom Fell über das Fleisch bis zum Speck (Tran) wurde gebraucht und der Seehund galt den Fischern da er Fischfresser war als Konkurent.
Besonders schlimm wurde es, als auf den Nordseeinseln Seebäder entstanden und es als Sport und Hauptvergnügen betuchter Gäste galt den Seehund zu jagen. Waffentragend spazierten sie stolz durch die Straßen und an den Stränden entlang. Bis in die ersten Jahre des 20. Jh. hinein wurden die Seehunde von jagdwütigen Gästen, die von Fischern auf die Liegeplätze gebracht wurden, geschossen. 1920 - 1930 (bis dahin gab es keinen Jagdschutz) war der Seehund fast ausgestorben. Erst 1934/35 erhielt der Seehund durch ein Jagdgesetz eine Schonzeit und konnte sich wieder vermehren.
Eine nochmals schlimme Zeit für den Seehund gab es 1945 nach Ende des 2. Weltkrieges, als englische Besatzungssoldaten ungehemmt Seehunde abschossen.
Erst die völlige Jagdruhe ab 1973 bewirkte ein Anwachsen der Bestände.

Seelenwärmer
Die wollene Kleidung der Frauen war so warm, dass sie auch im Winter keine Mäntel trugen. Wurde es dennoch einmal zu kalt, so banden sie sich gewebte Umschlagtücher oder gestrickte "Seelenwärmer" um Rücken und Brust, die die Arme freiließen.

Seezeichen
Die ältesten Hinweise auf den Gebrauch von nächtlichem Feuer als Nachtseezeichen für die Seeschiffart finden sich 375 bis 377 bei Homer. Aber schon 283 v. Chr. gab es den Pharos -Leuchtturm von Alexandrien. Die Römer verwendeten auch schon Tonnen und Bojen.
1222 errichtet die Stadt Lübeck in Falsterbro an der Südwestspitze Schonens (s. d.) einen Leuchtturm. In Deutschland wurden zur gleichen Zeit in Travemünde, 1306 auf der Südspitze von Hiddensee und 1348 in Warnemünde Leuchttürme gebaut. 1576 gab es ein Leuchtfeuer auf Borkum, 1644 auf der Insel Neuwerk und 1630 auf Helgoland. Auf Helgoland handelte es sich um ein Steinkohlenfeuer.
Von Tonnen und Bojen wurde im Nordseeküstenbereich schon in der Hansezeit (s. d.) Gebrauch gemacht. Die erforderlichen Mittel dafür wurden durch die Erhebung eines Tonnen- und Bakengeldes gedeckt.
Im 19. Jh. nahm das Seezeichenwesen einen großen Aufschwung.
1873 übernahm das Deutsche Reich die Aufsicht über das Seezeichenwesen. Auch internationale Regelungen wurden getroffen.
Seit 1912 gibt es das internationale Seenotzeichen SOS (Save our Seeles = Rettet unsere Seelen)

Seife
Schon im Mittelalter hergestelltes aber sehr teures Waschmittel. Schon 1795 mehren sich in Dänemark Hausrezepte zum Herstellen eigener Seife aus Talg, Kalk und starker Aschenlauge.
Über Jahrhunderte hinweg wurde auch eigene Seife durch Kochen von Fetten und tierischen Fettabfällen hergestellt. Auch verendete Tiere wurden zur Seifenherstellung verwandt. Die Seifenmasse musste stundenlang kochen und erkaltete dann im Waschkessel. Nach einigen Tagen hatte sich an der Oberfläche eine feste Seifenschicht gebildet, die in handliche Stücke geschnitten wurde.
Durch die Entwicklung von Soda und durch die Einführung von Palm- und Kokosöl sowie südamerikanischem und australischem Talg wurde die Seifenherstellung ab 1850 industrialisiert. 1870 gab es grüne Seife zu kaufen, die aber sehr teuer war. In vielen Haushalten durfte Seife nur am Sonntag benutzt werden.
Siehe auch unter Buchenholzasche, büken, waschen.

Selbstergänzung
Form der Magistrats- und Bürgermeisterwahl in Flensburg. Vom Mittelalter (Stadtgründung) an bis 1742 kam der Rat der Stadt durch Selbstergänzung zustande. Das bedeutete, dass der Rat selbst seine Mitglieder wählte.
Im Rat der Stadt waren die beiden Hälften Flensburgs, der Norden durch St. Marien und die Ramsharde und der Süden durch St. Nicolai und St. Johannis paritätisch vertreten. Jeder Teil hatte die gleiche Anzahl Ratsherren und je einen gleichberechtigten Bürgermeister. In der Praxis aber hatte fast immer der Dienstälteste ein besonderes Gewicht. Schied ein Bürgermeister aus, so war ein Kandidat aus seinem Stadtteil (Norden oder Süden) automatisch der Kandidat für die Neuwahl. Bei der Bürgermeisterwahl hatten nur die Senatoren des anderen Stadtteils Stimmrecht.
Von 1742 bis 1870 und von 1933 bis 1945 wurde der Bürgermeister durch den Landesherrn ernannt. Von 1870 bis 1933 wurde er direkt durch die Bürgerschaft gewählt.

selig
verstorben (auch weiland)

Sendkost
1) Kirchenälteste mussten jährlich vor der Gemeinde Rechenschaft ablegen. Diese Zusammenkunft hieß nach dem gr. Wort Synode = Send und die dabei gewährte Bewirtung Sendkost.
2) Verköstigung der Sendrichter.
Sendrichter
Zuständiger Archidiakon, der sich seit dem Mittelalter als Zwischeninstanz zwischen Bischof und Gläubige geschoben hatte.

Sententinen
Straftaten die in Sententienregistern festgehalten wurden.

sepultus
(lat.) beerdigt, begraben.

Sequestrierung / Sequestrationszeit
Zwangsverwaltung eines States oder Staatsteiles.
In Schleswig-Holstein kam es im Laufe seiner Geschichte häufig zu Sequestrierungen, hauptsächlich durch die dänischen Könige über die Herzogtümer der Schleswig-Holsteinischen Herzöge.

servus
(lat.) Knecht, Diener, Höriger, Sklave.

Session
1) Eine sich lange hinziehende Tagung oder Sitzung.
2) Gerichtssitzung (cum sessione et voto = mit Sitz und Stimme.
3) Kommission zur Einberufung Wehrpflichtiger

Sessionsdistrikte
Wehrbezirke, die von Ämtern, Landschaften und Gütern gebildet wurden. Sie waren eingeteilt in Lagen, die 6 - 8 Bauernhöfe umfassten. In den Lagen wurden Lageregister geführt, die alle Dienstpflichtigen von ihrer Geburt an enthielten und nach Zu- und Abgangslisten durch den Pastor regelmäßig vervollständigt wurden.

Setzwirt / Sitzwirt
Von Behörden eingesetzter Hofverwalter, meistens der zweite Ehemann der Witwe des verstorbenen Hofbesitzers. Er wurde für den Erben aus erster Ehe der Frau eingesetzt und führte den Hof bis zur Volljährigkeit des Hoferben.

Sichte / Siche
Mähsense des 14. Jahrhunderts.

Sichten
Niederungen, tief gelegene Wiesenflächen, moorige Stücke im Acker.

Siddel
(Nordfriesland) Abseite. Schräge Seitenkammern an den Fachständerhäusern, die meist als Speise- oder Abstellkammern genutzt wurden.

Siek
Bodensenkung, sumpfige Niederung. Häufig Bestandteil von Ortsnamen.

Silberverwalter
Er hütete mit untergebenen Silberdienern das Tafelgeschirr an Höfen und Schlössern.

Sime-Jü
Der am 22. Oktober am Simon Judä abgehaltene Vieh- und Pferdemarkt in Flensburg der für den Raum eine ähnliche Bedeutung hatte wie der Jacobi-Markt (s. d.) in Süderbrarup.

Sintrepul
(Angeln) Eisenschlacken als Rückstände der Eisenherstellung aus Raseneisenstein (s. d.)

Sippe
Großfamilie. Eine nicht scharf umrissene Gruppe miteinander verwandter Personen, in engerem Sinne die Gesamtverwandtschaft eines einzelnen Menschen (also auch die mütterliche Seite).
Gesamtheit der Blutsverwandtschaft und Schwägerschaft einer Person in auf- und absteigender Linie einschließlich der Seitenverwandten, ihren Ehepartnern und Nachkommen.
Im Gegensatz zur Sippe umfast das Geschlecht nur die agnatische Abstammung von Vater-Sohn-Folgen und lässt die weiblichen Linien (Töchter, Mütter) außer Acht.

Sirupspeck / Specksirup
Traditionsreiches ländliches Essen. Mehlspeisen wurden in eine warme Tunke aus Sirupspeck, der in der Pfanne auf den Tisch gestellt wurde, gestippt. Neben der Buchweizengrütze (s. d.) kam er wöchentlich mindestens einmal auf den Tisch.

Sklavenkasse
Gesammelte Geldmittel zum Freikauf von Seeleuten die von Piraten gefangen und in die Sklaverei (Galerensklaven) verkauft wurden. Im 17. Jh. blühte von den Ostseehäfen aus der Orienthandel (Gewürze). Vorwiegend im Mittelmeer wurden viele dieser Handelsschiffe von Piraten (Barbaresken) gekapert, die Mannschaften gefangen genommen und als Ruder- und Arbeitssklaven in die Sklaverei verkauft. Die einzige Möglichkeit sie zu befreien bestand darin sie freizukaufen. Dafür fehlte aber den Kaufleuten und Reedern das Geld. König Friedrich IV. von Dänemark schuf eine staatliche Sklavenkasse aus deren Mitteln die Freikäufe finanziert werden sollten. Als sich diese Kasse schneller lehrte als füllte, verfügte er 1716, dass in der Kirche dafür gesammelt werden sollte. Aber auch das reichte nicht und so führte er 1723 eine Steuer ein, die man im Volksmund Türkensteuer nannte, weil die Türken wie die Piraten Moslems waren.
Auch die Hanse führte solche Sklavenkassen ein. Mitte des 18. Jh. mussten Seeleute und Reeder in Dänemark eine Art Lösegeldversicherung abschließen. In der ersten Hälfte des 17. Jh. wurden von allen Sklavenkassen gemeinsam allein in Algier 20.000 christliche Sklaven freigekauft. Ähnliche Zahlen dürfte es in den übrigen Korsarenstädten gegeben haben.
1747 schloss König Friedrich der V. einen Frieden mit Algier. Gegen eine jährlich zu zahlende Summe wurden nun dänische Schiffe verschont.
1624 wurde eine Hamburger Sklavenkasse durch die Hamburgische Admiralität gegründet. Dafür wurde der Besatzung je nach Rang ein Betrag von der Heuer abgezogen.
1629 entstand auch vom Rat der Stadt Lübeck eine 1627 beschlossene Lübecker Sklavenkasse. Sie bestand bis ins 19. Jh.
1792 verbot Dänemark den Sklavenhandel in seinen wenigen dänischen Kolonien.
Die letzte Lösegeldzahlung erfolgte 1805.

Skraaper / Schraber
Austernfischer in der Nordsee um Sylt. (siehe unter Austernfischerei)

Sloothaken
(Plattdeutsch) Gestielter Haken zur Reinigung von Gräben, mit dem man Kraut aus den Gräben zog.

Snitger / Snitker
Beruf: Tischler, Schnitzer. Bildhauer. Drechsler.

socer
(lat.) Schwiegervater

socrus
(lat.) Schwiegermutter
Söl´ring
Nordfriesischer Dialekt der auf Sylt gesprochen wurde.

solotus
(lat.) ledig.

solvent
(lat.) zahlungsfähig.

solvit
(lat.) hat bezahlt.

Sommerbraut
Zu den dörflichen Abwechslungen gehörte ein Bauernball. Die ledigen Bauernsöhne kamen zusammen, um auszumachen wer welche Bauerntochter dazu einlud. Keines der Mädchen sollte als Mauerblümchen übrig bleiben. Die Einladung an das Mädchen sprach der dafür vorgesehene Bauernsohn aus.
In einigen Dörfern Angelns war es üblich um die Pfingstzeit eine "Sommerbraut" zu wählen, die dann zu den Veranstaltungen von ihm eingeladen wurde. Aus vielen solcher Sommerbräute wurden später Ehefrauen. Wer nicht zum Bauernstande gehörte wurde nicht eingeladen.

Sommer, dürre regenarme sonnenreiche .....
Anno 1652 war ein sehr trockener und warmer Sommer. An Getreide war starker Mangel. Aber 1653 folgte ein sehr fruchtbares Jahr mit guten Ernten.
Anno 1669 war ein trockener und dürrer Sommer der im Herbst anhielt. Es kam in Nordfriesland zu Trinkwassermangel vor allem auf den Halligen.
Anno 1670 Auch dieser Sommer war dürre und es wuchs kaum Gras. Heu war sehr teuer. Kühe wurden zu Billigpreisen verkauft weil kein Futter mehr vorhanden war.
Anno 1911 war ein besonders trockenes Jahr.

Sommer, regenreiche ...
Anno 1338, 1339, 1340 zerstörte Regen die Ernte.
Anno 1405-1406 regnete es von August bis in den milden Winter.
Anno 1468 blieb das Korn wegen ständigem Regen auf dem Feld.
Anno 1489 hatte es auf Eiderstedt diesen Sommer so viel geregnet wie es in hundert Jahren nicht geregnet hatte. Zu St. Jacob (25. Juli) lief das Wasser über alle Wege und alle Äcker waren halb verdorben.
Anno 1585 Nasser Herbst, das Korn wurde im Winter auf Schlitten geholt.
Anno 1588 regnete es 23 Wochen lang ununterbrochen.
Anno 1648 gab es von Pfingsten bis in den Herbst ständig starken Regen der alle Felder überflutete. Die Schäden waren ganz erheblich. Es regnete auch den ganzen Herbst und in Nordfriesland konnte kein Torf gewonnen werden.
Anno 1649 fiel am 11. Juli ein schrecklicher Regen mit Hagel und Donner. Die Hagelkörner waren so groß wie Musketenkugeln und waren so dick gefallen, dass alle Felder bedeckt waren. Seit Menschengedenken hatte es kein solches Unwetter gegeben.
Anno 1650 war ein sehr nasser Sommer. Niemand konnte sich erinnern, dass jemals in einem Jahr soviel Regen gefallen war.
Nahrungsmittel waren knapp und teuer.
Anno 1661 war ein nasser Sommer der großen Schaden an den Feldfrüchten anrichtete und zu Nahrungsmangel und sehr hohen Nahrungspreisen führte. Noch 1662 war die Hungersnot groß. Roggen, der in guten Jahren 4 Mark kostete, kostete jetzt 24 Mark und kam von Hamburg.
Anno 1663 Nach einem fruchtbaren Sommer setzte ab Johanni (24. Juni) Regen ein und überflutete niedrig gelegenes Land und alles gemähte und ungemähte Heu verfaulte. Das in Schocken stehende Korn wuchs aus und war verdorben. Der Torf musste mit Schiffen aus dem Moor geholt werden.
Anno 1673 Nah einem dürren Sommer folgte 14 Tage nach Johanni (24. Juni) Regen und Sturm und Heu und Korn wurden verdorben "mit Kummer geborgen". Torf blieb meistenteils im Moor stehen. Gleiche Verhältnisse gab es auch im Folgejahr 1674.
Anno 1750 von Pfingsten bis zum Herbst Regen.
Anno 1752 Es regnete und stürmte den ganzen Sommer hindurch.
Anno 1790 vom 24. Juni bis 7. September nur Regen.
1931 Regen- und Hochwasserkatastrophe in Nordfriesland.
1937 Vom 21. 7. bis 1. 8. fielen in der Schleswigschen Geest in 12 Tagen 134 mm Niederschlag = 122 % des Juli-Durchschnitts

Sommerschule
siehe unter Hirtenschule.

Sonderburg
Dänische Stadt an der Flensburger Förde deren Altstadt auf der Insel Alsen (s. d.) liegt, während der westliche Teil zur Kimbrischen Halbinsel gehört. Zwischen beiden verläuft der 250 m breite Alsensund.
Gründungsdaten der Stadt sind nicht bekannt. 1169 wurde eine Burg zum Schutz gegen wendische Seeräuber errichtet. 1253 wurde die Ortschaft das erste Mal erwähnt. Erst 1353 wurde Sonderburg zur Residenz von Herzog Waldemar V. der später als Waldemar III. König von Dänemark wurde.
Wann Sonderburg Stadtrecht erhielt ist unbekannt. Sonderburg war aber im 15. Jh. eine vollwertige Stadt, die im Laufe der Jh. in viele Kriege und Auseinandersetzungen verwickelt war.
Zwischen Sonderburg und dem Haus Glücksburg (s. d.) wie auch zu Gottorf (s. d.) standen enge familiere Verbindungen.
Bei der Abstimmung 1920 (s. d.) stimmten 59 % der Sonderburger für den Anschluss an Deutschland. Dass es trotzdem zu Dänemark kam, lag daran, dass das gesamte Abstimmungsgebiet geschlossen behandelt wurde.

Sonntagsnamen
Kirchliche Sonntage hatten bis in die Neuzeit hinein lateinische Namen. Diese fanden in fast allen Kirchenbüchern Verwendung und waren für Ahnenforscher (Genealogen) von Bedeutung.
Stellvertretend sollen hier nur die für den Osterfestkreis genannt werden:
Invokavit (1.), Remineszere (2.) , Okuli (3.), Lätare (4.) Judika (5.), Palmarum (6. Sonntag der Passionszeit).
Quasimodogenti (1.), Misericordias Domini (2.), Jubilate (3.) , Kantate (4.), Rogate (5.) , Exaudi (6. Sonntag nach Ostern)
(siehe auch unter Kirchenfeste)

Sonn- und Feiertagsruhe
Bis ins 18. Jh. hinein gab es üble Missstände bei Einhaltung der Sonn- und Feiertagsruhe. 1736 erließ König Christian VI. eine entsprechende Verordnung. Jeder hatte sich sonntags zur Anhörung der Predigt in der Kirche einzufinden. Wer sich nicht daran hielt wurde mit Strafen (siehe unter Kirchenstrafe) bedacht. Keiner durfte während der Kirchzeit aus Mutwillen einen Streit oder Tumult beginnen. In Läden durften keine Waren und Galanterien verkauft werden. In Werkstätten und Häusern durfte nicht gearbeitet werden. Bei Zuwiderhandlung wurde die Werkstatt bis zu zwei Wochen geschlossen. Ausgenommen waren Apotheker, und etwas eingeschränkt auch Bäcker und Bauern während der Heu- und Erntezeit.
Wer Strafen nicht bezahlen konnte, "solle am Leibe mit dem Halseisen auf dem Kirchhofe oder sonsten bestraffet werden".
Gasthäuser durften an Sonn- und Feiertagen "keine sitzenden Gäste" zulassen und "ab 5.°° Uhr abends überhaupt keinen auszapfen".
Während der Predigt sollte nicht geplaudert und gelaufen werden. Auch sollten an diesen Tagen keine großen Feste (üppige Hochzeiten, Verlobungen und Taufen) stattfinden. Comedien, Schauspiele und dergl. Dinge sollten nicht gehalten werden.
1840 wurden die Regeln von König Christian VIII. modifiziert.

Sood / Soot
Gemauerte Zisterne auf den Halligen (s. d.) in denen das Regenwasser der Dächer als Trinkwasser für die Menschen aufgefangen wurde. Brunnen waren auf den Halligen nicht möglich, weil auch das Grundwasser versalzen war.
In trockenen Sommern kam es zu großen Notlagen auf den Halligen, welche die Bewohner in tiefe Verzweiflung stürzte.
(siehe auch unter Fething)

Sootmeister
Zu Beginn des 17. Jh. in Flensburg von der Stadt eingeführtes Amt. Aufgabe des Sootmeisters war es für eine geordnete und gerechte Wasserversorgung der Bürgen aus den zahlreichen Brunnen der Stadt zu sorgen.

soror
(lat.) Schwester.

sororius
(lat.) Schwager.

Spadelandrecht
Die Deicherhaltung war bis ins 18. Jh. alleinige Aufgabe derer, die hinter dem Deich Land besaßen. Das mittelalterliche Spadelandrecht teilte jedem sein Stück Deich und das dazugehörige Spadeland (Vorland aus dem die Erde für den Deichbau (s. d.) entnommen wurde) zu. Diese Deichpflicht bedeutete für die Deichbauern eine unerträgliche Belastung. Als Zeichen, dass sie aufgaben, steckten sie dann den Spaten in ihr Deichstück und verließen ihr Land. Wer sich das Land aneignen wollte, zog einfach den Spaten heraus und übernahm damit die Spadeland-flicht am Deich. (Siehe auch unter Deichlast)

Spinngeld
Abgabe der Hufner, Kätner und Insten an ihren Gutsherrn.
Es betrug z. B. 1797 auf Gut Roest 6 Schilling jährlich.

sponsa
(lat.) Braut

sponsalia / Sponsalie
(lat.) Verlobung aber auch Eheunterricht oder Mitgift.

sponsus / sponsa
(lat.) Bräutigam, Verlobter / Braut, Verlobte

Sporteln / Sportelwesen
Vom lat. sportula = Geschenk. Gebührenwesen. Besonders in der Dänenzeit (s. d.) wurden für die Südschleswiger sehr willkürlich alle möglichen Gebühren (Sporteln) erfunden.
Die Höhe und Art der Sporteln wurden teilweise den Beamten überlassen und waren Teil ihrer Bezahlung. Es war in ihr Ermessen gestellt selbst neue Sporteln einzuführen.

Sprache / Sprachreskript
Um 800 gab es zwischen den Sachsen und den Jüten eine Grenze die Eider-Levensau. Nördlich gab es noch Sachsensiedlungen. Nach Errichtung des Danewerkes durch dänische Könige entstand ein Niemandsland zwischen Eider und Schlei. Nördlich sprach man jütisch, sönderjysk und plattdänisch, südlich niederdeutsch.
Mit der Entwicklung Lübecks im 12. Jh. und der Hanse verbreitete sich die niederdeutsche Sprache auch im Norden immer mehr. Der Adel brachte deutschsprachige Bedienstete ins Land und Kaufleute und Händler wanderten in den Norden ein. Die Sprache des Handwerks und der Landbevölkerung blieb plattdeutsch.
Im 15. Jh. war die Amts- und Kirchensprache plattdeutsch.
Katholischer Gottesdienst (überwiegend in Latein) wirkte sich nicht auf die Sprache aus.
Bis 1540 wurde vermehrt niederdeutsch gesprochen. Seit 1448 regierten sogar dänische Könige, die kein dänisch sprechen konnten. Der Gebrauch der deutschen Sprache wurde als fein empfunden.
Die Reformation verstärkte die Entwicklung zum Niederdeutschen.
1540 geschah der Wechsel zum Hochdeutschen zunächst in der Amtssprache. Der Volksmund nahm sie lange nicht an und wendete sich vermehrt der angeldänischen oder jütischen Mundart zu.
Über viele Jahrhunderte dominierte Plattdeutsch als Umgangssprache im Norden. Mitte des 17. Jh. wurde in Angeln fast nur plattdeutsch gepredigt.
1739 erfolgte das 1. königliche Sprachreskript; blieb aber zunächst ohne Wirkung.
Von 1761 bis 1764 wanderten über 700 Familien als Kolonisten aus Süddeutschland ein und verstärken das Hochdeutsch.
1810 erfolgte das 2. königliche Sprachreskript König Friedrichs VI. und forderte dänisch (jütisch) als Kirch-, Schul-, Amts- und Volkssprache. In vielen Amtsstuben blieb es unbeachtet.
Die Französische Revolution förderte das Bürgertum, das mitzureden begann. Es entstanden im Norden zwei sich sehr feindlich gegenüberstehende Lager die entweder dänisch oder deutsch als Sprache wollten.
Anfang bis etwa Mitte des 19. Jh. sprach man ein Gemisch aus Hoch- und Plattdeutsch, mit Ausdrücken aus dem Friesischen und Dänischen. Die Hauptbestandteile der Sprache waren deutsch.
Am 14. 5. 1840 erfolgte ein neues Sprachreskript das dänisch als Amtssprache vorschrieb und viel Unbehagen und Auflehnung auslöste. Es kam 1848 zur Erhebung (s. d.) der Schleswig-Holsteiner gegen Dänemark. Die Schleswig-Holsteiner wurden bei Idstedt besiegt. Die Dänen führten jetzt zwangsweise und rigeros dänisch als Unterrichts- und Kirchsprache ein.
Am 14. 2. 1851 erfolgte das 3. Sprachreskript. Das Herzogtum Schleswig wurde in drei Distrikte eingeteilt: Die Uggelharde gehörte zum "gemischten Bezirk" in dem abwechselnd deutsch und dänisch gelehrt und gepredigt wurde.
Viele schickten ihre Kinder nun in deutsche private Schulen um dem dänischen Unterricht zu entgehen. Im Volk entstand ein fürchterliches Gemisch aus plattdeutsch, hochdeutsch und jütisch (dänisch) d. sog. "Kartüffeldansk".
Viele Lehrer und Pastoren konnten selbst nicht dänisch, dass sie nun unterrichten mussten. Sie wurden teilweise entlassen (allein in Angeln wurden 100 Geistliche entsetzt (entlassen) und teilweise auf Wartegeld gesetzt. Dänisch sprechende Personen, die als Lehrer eingesetzt wurden waren entweder keine Lehrer oder sprachen kein deutsch. Der Sprachwirrwarr an den Schulen war komplett.
1871 kam der Landesteil Schleswig unter preußische Verwaltung und damit wurde die Schul-, Kirch-, und Amtssprache wie auch zunehmend die Volkssprache hochdeutsch.
1920 kam es durch Volksabstimmung zur Zugehörigkeit zum Deutschen Reich. Nur der nördliche Teil von Schleswig kam zu Dänemark.
Ab 1945 kam es durch den Zuzug von Flüchtlingen, den Medien und durch andere Einflüsse zu einem absolut überwiegenden Hochdeutsch als Volkssprache.

Sprakaleg
Bastard (uneheliches Kind).

Sprickelholz / Spruckholz / Struuk
Das bei dem "Auf den Stock setzen" der Knicks (s. d.) anfallende Holz. Einmal im Jahr kam der Buschhacker (Maschine) auf den Hof und zerkleinerte die Äste zu Sprickelholz zum Beheizen der Herde.

Springflut
Bei Neu- und bei Vollmond zweimal im Monat auftretende Flut die einen Tidenhub auslöst. Bei der Neumond-Springflut steht die Sonne von uns aus gesehen hinter dem Mond und verstärkt die Anziehung und erhöht den Wasserstand. Bei der Vollmond-Springflut steht die Sonne dem Mond gegenüber und verstärkt die Nadirflut (s. d.)
Normalerweise war die Springflut mit nur wenigen cm höherem Wasserstand wenig spektakulär.

spuria / spurius
(lat.) uneheliche Tochter / unehelicher Sohn, auch uneheliches Kind.

Stuprata / Stuprator / Stuprum
(lat.) Die Geschändete, = uneheliche Geschwängerte. / Schänder, Vergewaltiger, Erzeuger. / Schändung einer Frau durch außerehlichen Beischlaf; auch für Unzucht.
Die Strafe für eine Stuprata wurde beim 1. Kind mit einer Unzuchtprämie von 10 Rtlr. belegt, bei Vermögenslosigkeit ersatzweise 10 Tage Gefängnis bei Wasser und Brot.
Beim 2. Kind wurden die Strafen verdoppelt.
Nach der 3. unehelichen Geburt wurde die Stuprata mit 2 Jahren Zuchthaus bestraft.

Successor
Nachfolger, Nachrücker, Erben.

Süd-Jütland
(siehe unter Nordschleswig)

Südschleswig / Sydslesvig
Nördlichste Landschaft Deutschlands. Geographisch reicht Südschleswig von der Eider (s. d.) und dem nördlichen Teil des Nord-Ostseekanals im Süden bis zur deutsch-dänischen Grenze im Norden. Der Begriff Südschleswig (Sydslesvig) war fast nur in Dänemark gebräuchlich und findet sich politisch in der dänischen Minderheitenpartei Südschleswiger Wählerverein (SSW) wieder. Südschleswig stellt keine administrative Einheit dar. Es gehören die Kreise Schleswig-Flensburg (Angeln), Nordfriesland, die kreisfreie Stadt Flensburg und der Nordteil des Kreises Rendsburg-Eckernförde dazu.
Zum Kreis Nordfriesland gehören Eiderstedt, die nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand und die Halligen (s. d.)
Historischer Hauptort war Schleswig.
Zur Geschichte sie unter Herzogtümer, Nordschleswig, Abstimmung.

Subhastation
Öffentliche Versteigerung.

Subsidenz / subsistence
Unterhalt zum Leben.

Süderhofenden
Siehe unter Norderhofenden.

Sundzoll
1425 von Dänemark durch König Erik II. als handelspolitische Maßnahme eingeführter Schutzzoll. Zollpflichtig waren alle nichtdänischen Schiffe mit Ausnahme der Hansestädte Lübeck, Hamburg, Rostock, Stralsund und Wismar die Helsingör passierten und durch den Öresund in die Ostsee fuhren oder umgekehrt.
Für Dänemark war der Sundzoll bis ins 19. Jh. die wichtigste Einnahmequelle und erreichte zeitweise ein Achtel der dänischen Staatseinnahmen. Allein von 1557 bis 1657 befuhren fast 400.000 Schiffe die Meerenge.
1567 wurde die Art der Erhebung verändert und nach Warenwert (Akzise) und nicht mehr nach Schiffszahl bemessen.
1842 wurde der Sundzoll auf internationalen Druck für alle Schiffe auf 1 Prozent ihres Warenwertes reduziert und 1857 auf Drängen der USA ganz abgeschafft und Dänemark erhielt eine Entschädigung von 30.476.325 dän. Reichsthalern.

Supplikant / Supplik / Supplic /Supplique
Bittsteller. Jemand, der bittlich um etwas nachsuchte (bei Fürsten oder Gerichten). Die schriftlich vorgetragene Bitte war der Supplik.

Suspendierte Kinder
Kinder, besonders aus armen und kinderreichen Familien, die im Alter von 10 bis 11 Jahren von zu Hause weggeben wurden, um in anderen Haushalten selbst für ihren Unterhalt zu sorgen.
Eines der letzten suspendierten Kinder wurde 1902 weggeben.

"Sylter Blau"
Der blaue Farbanstrich der Wände in nordfriesischen Häusern war keine "nationale Besonderheit", sondern diente lediglich als Schutz vor Fliegen, die angeblich die blaue Farbe mieden.

Syndicus
(lat.) rechtskundiger Stadtschreiber, auch Rechtsanwalt. Doktor des Rechts.

Syssel / Sysel
Die Entstehungen von Sysseln und deren Alter sind ungeklärt. Ersmalig werden sie 1231 in König Waldemar II. Erdbuch erwähnt.
Danach war das Land nördlich der Schlei in Syssel aufgeteilt. Sie waren den Harden übergeordnete Verwaltungs- und Gerichtsbezirke. Im Norden der Barwit-Syssel, der Ellumsyssel zwischen Hardersleben und Flensburg. Angeln gehörte mit seinen Harden zum Idstedt-Syssel (Istathesyssel), entspricht heute in etwa dem Kreis Schleswig-Flensburg.
Die Syssel haben sich nie zu einer festen administrativen und rechtlichen Einheit entwickelt. Im ausgehenden Mittelalter erscheinen sie nicht mehr als Syssel sondern als Amt, als die den Harden übergeordnete Institution.

Sysselleute
Unverheiratete Nachbarn und Freunde die bei der Vor- und Nachbereitung der Hochzeitsfeier halfen.

Pfeil oben


Sch

Schäferhaus
1719 im Westen von Flensburger gegründete Schäferei mit Schankerlaubnis. Schäferhaus wurde von der Stadt zur Armenhilfe angelegt. Die gewonnene Wolle wurde in einem Arbeitshaus versponnen und verkauft. Der Erlös kam den Armen zu Gute.
Weil in Schäferhaus das Wasser fehlte, musste das Vorhaben bald wieder aufgegeben wurden. Die Gastwirtschaft Schäferhaus hingegen am Ochsenweg gelegen brachte reichlich Gewinn.

Schaffer / Schafferamt
Nachbar, meistens der Lehrer oder Küster, der gebeten wurde bei Trauerfesten, Taufen und Hochzeiten, den Empfang und die Betreuung der Gäste zu übernehmen. Dieses Schafferamt (laufender Küster) wurde in manchen Gemeinden bis 1920 gepflegt. Häufig trug der Schaffer zu diesen Festen auch etwas vor und verfasste dazu sog. Schafferstücke.

Schalenstein
Größere Steine und Findlinge mit Vertiefungen. Diese brachten die Menschen dazu die Formen der Vertiefungen zu deuten und ihnen geheimnisvolle Kräfte "anzudichten". Opferschalen, Fruchtbarkeitsschalen, Teufelsschalen usw.

Schaluppe
Siehe unter Schiffstypen.

Schandbrief
In gereimter und oft humoristischer Form geschriebener Brief, der anonym zugestellt wurde und die Schand- und Missetaten des Adressaten enthielt mit der Drohung, den Inhalt öffentlich zu machen.
Scharfrichter
Der mit der Schärfe des Schwertes richtende der seit dem Mittelalter die Todessstrafe vollzog als Nachfolger des Henkers solange gehängt wurde.
Zur Aufgabe des Scharfrichters gehörte nicht nur die eigentliche Hinrichtung sondern auch die Folter zur Geständniserzwingung. Zuständig war er auch für Körper- (Verstümmelung, Züchtigung) und Ehrenstrafen (Pranger, Halseisen usw.). Scharfrichter war ein unreiner unehrenwerter Beruf und darum wurden ihm fast immer auch unangenehme und geächtete Aufgaben wie die Kloakenreinigung, das Abschneiden und die Bestattung von Selbstmördern, die Aufsicht über die Prostituierten übertragen.
Im Amt Gottorf musste der Scharfrichter die Aufgaben des Abdeckers (Kadaverbeseitigung) übernehmen, daneben war er Toillettenreiniger und Gefangenenverpfleger. Außerdem oblag ihm das Einfangen herumtreibender Hunde.
Andererseits hatten Scharfrichter auf Grund ihrer Tätigkeit gute medizinische, vor allem anatomische Kenntnisse. Viele nutzten diese, um sich durch chirurgische Tätigkeiten (z. B. Einrenken oder Schienen und Heilen von Knochenbrüchen), oder die Verabreichung von Heilmitteln aller Art (darunter nicht selten Salben aus Menschenfett) einen Nebenverdienst zu sichern.

Schatzung
Alte Abgabe oder Steuer die nach Schätzung des Vermögens oder Einkommens erhoben wurde. Die Ergebnisse wurden in Schatzungsregistern / -listen festgehalten.
Es gab unterschiedliche Schatzungen: Erb-, Vieh-, Monats- und Kopfschatz.

Schauenburger
Ein Adelsgeschlecht aus dem Wesertal bei Rinteln. (Schaumburg-Lippe) Graf Adolf I. erhielt 1110 vom sächsischen Herzog und späterem Kaiser Lothar die Grafschaft Holstein zu Lehen. 348 Jahre blieben die Schauenburger Herrscher über Holstein und später durch Heirat auch über Schleswig.
Für die Schauenburger Grafen von Holstein war das Herzogtum Schleswig ein willkommener Puffer zwischen ihrem holsteinischen Territorium und dem mächtigen Dänemark.
Durch Landesteilungen (s. d.) der Schauenburger zerfiel Holstein im Laufe des 13. Jh. in fünf Teilstaaten. Es entstanden mehrere Schauenburger Linien.
Im Jahre 1459 starb die Hauptlinie mit dem kinderlosen Adolf VIII. aus. Dieses Grafengeschlecht hatte seit 1111 Holstein als Lehen des deutschen Kaisers regiert.
1640 starb das Geschlecht der Schauenburger mit Otto VII. ganz aus. Die Ländereien wurden geteilt. Pinneberg wurde von Dänemark eingezogen, den Rest teilten sich einige Fürsten.

Schauer
Landwirtschaftliche Scheune oder Unterstand zu Lagerzwecken.

Schauungsmänner
Siehe unter Stuhlmänner.

Scheersberg / Scheersbergfest
Die höchste Erhebung in Angeln mit 70 m über NN. Seit 1706 gab es einen Krug auf dem Schersberg, der 1884 abbrannte und 1903 durch einen Bismackturm im neugotischen Stil des Architekten Prahle aus Flensburg erstetzt wurde. Der Turm selbst ist 32,30 m hoch, die Gesamthöhe über NN beträgt 102 m.
1920 nach der Abstimmung (s. d.) wurde ein Nordmarkfest ins Leben gerufen, dass jährlich am Scheersberg stattfand. Es sollte der Stärkung der deutschen Identität im Grenzland zu Dänemark dienen. Jährlich einmal wurde in einem großen volkstümlichen Treffen ein Treuegelöbnis gegenüber der deutschen Heimat und dem deutschen Volkstum erneuert. Ab 1921 entwickelte es sich zu einem Turn- und Sportfest der Jugend.
Heute ist es das "Scheersbergfest" das 2008 zum 74. Mal stattfand.
Seit 1960 befindet sich die Internationale Bildungsstätte Jugendhof auf dem Scheersberg.

Scheideglocke / Scheidegeläut
Glockengeläut am Sterbetag im Gegensatz zum Trauergeläut am Beerdigungstag.

Schick
Gastgeschenke zu Festen (Hochzeiten, Taufen usw.) in Form von Naturalien (Eier, Hühner usw.) für die sehr üppigen Festessen.

Schiffergelag, Flensburger ....
Gelag = dän. Laug = Zunft.
Das Flensburger Schiffergelag besteht seit 1580 und ist aus der seit 1390 bestehenden St. Marien Kaufmannsgilde hervorgegangen. Sie besteht ununterbrochen bis heute fort. Ursprünglich war sie 1580 eine Kapitänsbruderschaft. Später ein Zusammenschluß von Schiffern. Alle Flensburger Schiffer, welche das Bürgerrecht besaßen, die Handwerksmeister, Segelmacher wie auch die Schiffszimmerer und Reepschläger waren Mitglieder.
Im Jahre 1602 bauten sie ihr Gildehaus, das heute noch bestehende Kompagnietor, da das Schiffergelag zu jener Zeit Kompagnie genannt wurde.
Die Mitglieder nennen sich Brüder, der Leiter ist einer der Ältermänner.
Das Schiffergelag kümmerte sich beispielsweise um verarmte Seeleute, und gab Schiffbrüchigen Unterkunft.
Die Knudsgilde (s. d.) war bis ins 15. Jh. sehr eng mit dem Schiffergelag verbunden
Einnahmen hatte das Schiffergelag aus dem Verkauf von Sand an der Ballastbrücke (s. d.), das Vermieten von Prähmen (s. d.) bei der Reperatur von Schiffen, von Pech- grapen, Pechkellen, Kratzeisen und Teerquasten. Außerdem handelte das Gelag mit Schiffsausrüstungen Teer, Pech, Werg, Hanf u. a. Stoffen.
Das Sonderburger Skipperlaug besteht seit 1571.
Es gab noch Schiffergesellschaften in Hadersleben, Husum, Kappeln und Arnis.

Schiffstypen, alte ..
Die Beschreibung alter Schiffstypen ist sehr schwierig, da ohne Formalität und Regel und ohne Pläne nach Gefühl gebaut wurde. Das gilt besonders für die kleineren Schiffe.
1750 gehörten 113 Schiffe mit zusammen 2996 Kommerzlasten Ladefähigkeit zur Flensburger Flotte. 1807 waren es 217 Schiffe mit 14.806 Kommerzlasten (s. d.).
Eine Kommerzlast entsprach fast genau zwei Registertonnen.
Bark: Ursprünglich dreimastiges Schiff. Später auch vier- und fünfmastiges Segelschiff. Schiffe mit mehr als drei Masten nennt man Viermastbark usw. Sie trägt am vorderen Mast Rahsegel und am letzten Mast Gaffelsegel. Die "Gorch Fock war eine Bark.
1807 gehörten 14 Barkschiffe zur Flensburger Flotte.
Brigg: Siehe unter Brigantine (französischer Ausdruck für Brigg)
Brigantine: Ursprünglich ein kleineres Segelkriegsschiff, das auch gerudert wurden konnte. Kampfschiff der Piraten. Ab Ende des 17. Jh. Segelschiff mit zwei Masten. Der vordere war der Fockmast, der hintere der Großmast. Am Fockmast führt dir Brigantine viereckige, querformatige Rahsegel und am Großmast trägt sie Schratsegel. Die Brigantine stellt eine Mischform aus Brigg und Schoner dar.
1807 gehörten 76 Brigantinen zur Flensburger Flotte.
Ewer: Vermutlich vom holl. Envarer = Einfahrer, was auf ursprüngliche Einmannbesatzung hindeutet. Es war ein kleiner aus Friesland stammender Segelschifftyp mit Flachkiel und einem oder zwei Masten. Einmastige waren Giek-Ewer, zweimastige waren Besan-Ewer. Der Ewer war seit dem Mittelalter bekannt. Erste Erwähnung fand der Ewer 1252. Besonders als Frachtschiffe in der Küstenschifferei eingesetzt.
Fleute: Langes Handelsschiff holländischen Ursprungs mit rundem Achterschiff mit stark eingezogenen Seitenwänden. Sie hatte einen flachen Boden und eine lang gestreckte bauchige Form. Sie entstand Ende des 16. Jh. und spielte bis ins 18. Jh. in der europäischen Handelsschifffahrt eine führende Rolle. Sie war einfach zu segeln und hatte ein großes Ladevolumen. Ein streng rational gebautes Schiff ohne zierende und unnütze Aufbauten. Später wurde sie durch die Galiot abgelöst.
Fregatte: Im 18. u. 19. Jh. Schiff mit einer Volltakelage. Im 16. Jh. relativ kleines schnelles Kriegsschiff mit niedrigen Aufbauten an Bug und Heck. Bis Mitte des 18. Jh. wurden viele Kriegsschiffe als Fregatte bezeichnet. Getakelt waren sie grundsätzlich als Vollschiffe.
1807 gehörten 37 Fregatten zur Flensburger Flotte.
Galeasse: Weiterentwicklung der Gallere. Segelschiff, das auch gerudert wurden konnte. Ein mit Gaffelsegeln ausgestattetes Schiff. Es wurde als Kriegsschiff benutzt. Während bei Galleren alle Kanonen am Bug konzentriert waren und nur nach vorne schießen konnten, waren sie bei den Galeassen über das ganze Schiff verteilt und konnten auch seitlich feuern.
1807 gehörten 67 Galeassen zur Flensburger Flotte.
Galeone: Segelschiff aus der 1. Hälfte des 16. Jh. Es wurde stark weiterentwickelt und war zu Beginn des 17. Jh. ein großes Kriegsschiff, das mit vielen Kanonen bestückt war. Sie war das Standdard-Kriegs- und Handelsschiff des spanischen Königreichs. Sie hatte drei bis fünf Masten, die mit Rahsegeln versehen waren. Hohe seitliche Aufbauten behinderten das Entern durch Seeräuber, machten sie beim Segeln aber auch schwerfällig.
Galeote: Zunächst Name für kleine Galeeren mit etwa 16 - 20 Riemen an jeder Seite, die aber jeweils nur von ein bis zwei Mann gerudert wurden. Später bezeichnete man auch mittelgroße, sehr schnell segelnde Fahrzeuge die im Seekrieg eingesetzt wurden als Galeote. Die Ruderer waren gleichzeitig mit Musketen bewaffnete Soldaten. Teilweise waren diese Schiffe auch mit Geschützen versehen.
1750 gehörten 60 Galeoten zur Flensburger Handelsflotte.
Huker: Im 17. u. 18 Jh. der bedeutendste Fischereischiffstyp in der Nordsee. Er war geeignet flache Gewässer zu befahren und wurde in der Grönlandschiffahrt zum Robbenfang eingesetzt.
Karacke: Segelschiff des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Neuzeit. Erstmals tauchte der Schiffstyp im 14. Jh. auf und war bis weit ins 17. Jh. weit verbreitet. Sie war ein Dreimaster, im 16. Jh. auch Viermaster und war in Kraweelbauweise ausgeführt.
Knorr: Frachtschiff aus der Wikingerzeit das im Schnitt 16 - 18 m lang war, hochseetauglich und bis zu 60 Tonnen Fracht tragen konnte.
Kraweel: Ein Handelsschiff der Hanse mit größerem Rumpf, glatter Oberfläche und höherer Geschwindigkeit als andere Schiffstypen dieser Zeit. Die Bauweise stammte aus dem Mittelmeerraum.
Kuff: Flachschiff mit Segeln das fast bis an den Strand fahren konnte und zur Verladung von Ziegeln und von Kohle diente. Sie sind Ewern (s. d.) vergleichbar.
Pinasse: Im 16. 17. Jh. kleines hochseefähiges Schiff mit Schonertakelage und Möglichkeit es zu rudern. Sie hatte drei Masten und war neben England und den Niederlanden auch an der Nordsee verbreitet.
Pinkschiff: Dreimastiges Lastsegelschiff mit Lateinsegel am hinteren Mast. Segelschifftyp mit spitzem Heck.
Prähme Flacher offener breitbordiger Lastkahn.
Schaluppe: Größeres einfaches Frachtschiff der Küstenschifffahrt. Einmastsegler mit langem Bugsprit. Sehr schnelles Segelschiff. Kleiner Handelssegler aber auch Piratenschiff.
Schmacke: Schmackschiff. Es war ein einmastiger Küstensegler mit flachem Boden und geringem Tiefgang der gut für die Wattschifffahrt geeignet war. Sie fasst 50 bis 80 Mann. Schmacken brachten die Walfänger von den Inseln zu ihren Reedereieinen in Amsterdam, London oder Kopenhagen. Die Aufbauten waren so flach, dass die Männer darin nur liegen konnten.
Schnau: Zweimastiger Rahsegler mit typischem Schnaumast (Quermast am Hauptmast). Etwas kleiner als die Brigg. Ein hervorragender Segler.
Schoner: Segelschiff mit zwei Masten das vornehmlich mit Rahtopp getakelt wurde. Am ersten Mast hatte es ein Schonersegel, am zweiten ein Großsegel und am dritten ein Besansegel. Der vordere Mast war kleiner oder gleichgroß wie der hintere. Später gab es auch Schoner mit mehr Masten. 1880 entwickelte sich der reine Gaffelschoner. Für die Bedienung der Segel war nur eine kleine Mannschaft erforderlich. Der erste verbürgte Stapellauf fand 1713 in Amerika statt.
Yacht / Jacht: Im 17. Jh. in Holland als Plattbodenschiff gebaut. Spielte in der Kriegs- und Handelsschifffahrt keine Rolle.

Schift
Landstück. Wechseläcker mit mehreren Bauern. Teilstück einer Wiese. Wurde durch Vermagschiftung (s. d.) zusammengelegt.

schiften
1) Austausch von Landstücken
2) Im nordfriesischen Verlobung = Wechseln der Ringe und Austausch von Brautgeschenken. Sehr häufig erhielt der Bräutigam eine Meerschaumpfeife mit Silberbeschlag und die Braut eine goldene Kette oder Armband.

Schimmelreiter
1888 von Theodor Storm geschriebene Novelle. Hauptfigur war der fiktive Deichgraf Hauke Haien, der aber auf historische Vorbilder zurückging. Eine gespenstische Geschichte mit viel Hintergrunderfahrung zum Deichbau (s. d.) und den Sturmfluten (s. d.).
Die Novelle wurde 1934, 1978 und 1994 dreimal verfilmt.

Schinder
Auch Abdecker oder Racker genannt. Er war für die Beseitigung toter Tiere (Viehseuchen) zuständig. Eigenständiges Vergraben größerer toter Tiere durch die Bauern wurde streng bestraft.
Sein amtlicher Titel war "Meister Kaltschlachter". Der Schinder oder Abdecker bekleidete ein öffentliches Amt. Er lebte von seinem Lohn (Taggeld und freie Wohnung) den er dafür erhielt und von den Fellen der toten Tiere. Wegen des Gestanks der von seiner Tätigkeit ausging und auch ihm anhaftete, musste er außerhalb der Ortschaften wohnen. Oft gehörte auch das Einfangen und Töten streunender Hunde zu seinen Aufgaben.
In einigen Orten war der Schinder auch für die Beseitigung von Selbstmördern zuständig und musste sie aus dem Todeshaus holen und außerhalb der Kirchhofsmauer begraben.
Der Schinder wurde von jedem gemieden und man durfte mit ihm nicht in Berührung kommen. In der Gastwirtschaft hatte er ein eigenes Trinkglas ohne Fuß, damit er es halten musste und nicht absetzen konnte. In vielen Kirchen gab es eine Schindertür. Nur durch diese durfte der Schinder die Kirche betreten und im Schinderstand (abgeteilter Raum der ihn den Blicken der Gläubigen verbarg) Platz nehmen.
Wer einen Schinder berührte oder ihm Handreichungen machte war für immer aus der menschlichen Gesellschaft ausgeschlossen
Schipp / Schipp Landes
1) Getreidemaß im Schleswigschen; der achte, seltener der 10. Teil einer Tonne.
1) Landmaß. Ein Schipp Landes war so viel, als man mit einem Schip Korn besäen konnte. Später rechnete man acht Schipp auf eine Tonne.

Schlafbänke
Im 16. Jh. herrschten in den Bauernhäuser zum Schlafen Schlafbänke vor. Die tagsüber zum Sitzen verwendet wurden. In besseren Häusern waren sie mit Kissen gepolstert.

Schlagfluss
plötzliche Krankheit wobei die Kranken ihrer Sinne beraubt wurden und unempfindlich und unbeweglich da lagen und schwer atmend Luft holten. Es war eine sehr häufige Todesursache damaliger Zeit.

Schlei
Flussähnlicher Meeresarm der Ostsee. Sie war ein vom Meer überfluteter Schmelzwasserfluss der letzten Eiszeit. Mit 42 KM die längste Förde in Schleswig-Holstein. Sie ist durchschnittlich 1,3 KM breit und etwa 3 m tief. Sie beginnt in Kappeln (s. d.) und endet in Schleswig (s. d.) und trennt die Landesteile Angeln (s. d.) und Schwansen (s. d.) voneinander.
Um 1150 herum war die Schlei einer der wichtigsten europäischen Schifffahrtswege (s. u. Haithabu und Winkinger).

Schleswig, Barockgarten und Globus in ....
Siehe unter Barockgarten.

Schleswig (Herzogtum)
Nach den Vereinbarungen zwischen Karl dem Großen (747 - 814 n. Chr.) und dem dänischen Wikingerkönig Gudfred (804 - 810 n. Chr.), sowie zwischen dem deutschen könig Konrad II. (990 - 1039) und dem dänischen König Sven Gabelbart (965 - 1014) lag die Grenze zwischen dem Frankenreich bzw. dem späteren Heiligen Römischen Reich und Dänemark an der Eider.
Nördlich dieser Grenze setzte der dänische König Stadthalter (Jarls s. d) ein. Diese waren Mitglieder der Königsfamilie. Der Königssohn Abel nannte sich nach deutschem Vorbild Herzog von Schleswig.
1312 wird Erich II. mit dem Herzogtum Schleswig belehnt. 1326 verlehnt König Waldemar das Herzogtum an seinen Vormund Gerhard III.
1386 starb das Schleswiger Herzogsgeschlecht aus und die Schauenburger (s. d.) erzwangen vom dänischen König ihre erbliche Belehnung mit dem Herzogtum Schleswig. Nun erwarb der holsteinische Adel viel Besitz im Herzogtum Schleswig.
1459 starb das Schauenburger Geschlecht aus. Dem Adel in beiden Herzogtümern war daran gelegen, dass weiterhin die gleichen Herren regieren sollten und sie wählten König Christian I. von Dänemark zu ihrem Landesherrn. Dabei wurde 1460 im Vertrag von Ribe (s. d.) festgelegt, dass die Herzogtümer Schleswig und Holstein auf ewig ungeteilt sein sollten.
1544 aber teilte König Christian III. die Herzogtümer für sich und seine zwei Stiefbrüder in drei Teile auf. Jeder bekam in Schleswig-Holstein an allen Stellen etwas und aus den Herzogtümern wurde ein Flickenteppich. 1580 starb die Harderslebener Linie und es wurde erneut auf zwei aufgeteilt.
1564 kam es durch König Friedrich II. von Dänemark zu einer weiteren Landesteilung, da er mit seinen Söhnen teilte.
Das Herzogtum Schleswig versuchte mehr Unabhängigkeit von der dänischen Krone zu bekommen und die herzogliche Linie Gottorf suchte die Allianz zu Schweden. Im Großen Nordischen Krieg besetzte daraufhin Dänemark 1713 den herzoglichen Anteil Schleswig. Nun war das Herzogtum Schleswig wieder vereint in königlich dänischer Hand. Erst 1773 kam es zu einer Vereinigung auch mit dem Herzogtum Holstein.
1830 nach Aufkommen der Nationalen Bewegung (s. d.) gab es von dänischer Seite erneut Bestrebungen das Herzogtum Schleswig in das dänische Königreich zu integrieren und von Holstein zu trennen. 1848 protestierten die deutschen Liberalen dagegen und forderten die Aufnahme Schleswigs in den deutschen Bund (s. u. Norddeutscher Bund). Das hatte blutige Auseinandersetzungen zwischen Dänemark, Schleswig-Holstein, Preußen und deren Verbündete zur Folge (s. u. Kriege). Nach der Niederlage von 1851 verschärfte die Dänische Politik ihre Drangsalierung im Herzogtum Schleswig (s. u. Sprachreskript).
Änderung brachte der deutsche Krieg von 1866. Im Prager Frieden wurde 1867 bestimmt Schleswig und Holstein zur preußischen Provinz Schleswig-Holstein zu machen.
Das Herzogtum Schleswig hatte sein Ende gefunden.

Schleswig (Stadt)
Kreisstadt an der Schlei. Der Name kam aus dem dänischen und bedeutete "Bucht der Schlei".
Im Jahre 804 wurde Schleswig das erste Mal als Sliasthorp erwähnt. Zunächst war Schleswig eine Nebensiedlung des bedeutenden Handelszentrums Haithabu (s. d.).
Um 900 eroberten schwedische Wikinger unter König Olaf II. (995 - 1030) die Gegend.
934 machte König Knuba (um 934 war er König von Dänemark) Schleswig tributpflichtig.
947 gründet Kaiser Otto I. (912 - 973) des Heiligen Römischen Reiches das Bistum Schleswig.
983 erobert der dänische König Harald Blauzahn († 987) die Gegend zurück.
Als Haithabu 1066 von den Slawen zerstört wurde, übernahm Schleswig die Bedeutung und wurde der bedeutendste Umschlagplatz des nordeuropäischen Handels.
1134 wurde der Dom erwähnt. (s. u. Dom zu Schleswig).
1161 wurde Schloss Gottorf (s. d.) erwähnt, das auf Schleswiger Grund gebaut wurde.
1356 starben 4/5 der Schleswiger Bevölkerung an der Pest.
Nach der Reformation wurden bis auf wenige Ausnahmen im überbordenden Glaubenseifer fast alle Kirchen gewüstet (bis auf die Grundmauern zerstört).
1528 wird das Franziskanerkloster ein Armenhaus.
Nach der Landesteilung (s. d.) der Herzogtümer Schleswig und Holstein 1544 wurde Gottorf die Residenz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf.
1721 nach Verlust der Residenzfunktion wurde Schloss Gottorf Sitz des Obergerichts der Regierungs- und Justizbehörde für das gesamte Herzogtum.
1755 entsteht eine Fayencemanufaktur.
1843 wurden Regierung und Gericht getrennt und die Ständeversammlung eingeführt die ihren Sitz in Gottorf hatte.
1848 brach der Bürgerkrieg aus und es kam am 23. April 1848 zur Schlacht bei Schleswig und die Stadt verlor nach der Neuordnung sämtliche herzoglichen Behörden.
1864 wurde Schleswig preußisch.
Von 1868 bis 1917 wurde Schleswig Sitz der Bezirksregierung. Danach wurde Kiel Provinzhauptstadt.
Heute ist Schleswig Sitz des Oberlandesgerichts, des Landesarchivs, des Landesmuseums für Kunst und Kunstgeschichte und des Archäologischen Museums.

Schleswig-Holsteinische Erhebung
Siehe unter Nationale Erhebung und Erhebung.

Schleswig-Holsteinische Farben / Fahne / Flagge
Blau-Weiß-Rot ist eine Kombination aus den Farben des Herzogtums Schleswig (blau-gelb) und des Herzogtums Holstein (rot-weiß). Die Landesflagge entstand zu Beginn des 19. Jh. als antidänische patriotische Flagge und ist wahrscheinlich studentischen Ursprungs. 1840 wurde sie erstmals verwendet. 1844 wurde ie blau-weiß-rote Fahne beim patriotischen Schleswiger Sängerfest gezeigt und auch Sängerfahne genannt. Die dänische Regierung sah in ihr eine Gefahr und verbot sie am 31. 7. 1845. Von 1848 bis 1850 wurde sie zum Symbol für die Erhebung (s. d.) gegen Dänemark.
Preußen hat sie offiziell nie anerkannt und erst mit der Bildung des Landes im Jahre 1945 wurde sie offizielle Fahne. 1949 wurde sie offiziell von den Alliierten anerkannt. Aber erst am 18. 1. 1957 verabschiedete der Landtag ein Gesetz, das Wappen und Flagge festlegte. Die Landesflagge kann von jedermann frei benutzt werden.

Schleswig-Holsteinische Geschichte
"Die Geschichte Schleswig-Holsteins ist so kompliziert, dass nur drei Menschen sich darin auskannten: Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, der Prinzgemahl der Queen Victoria, aber der sei schon tot; ein deutscher Professor - aber der sei verrückt geworden; er selbst, Lord Pam - aber er habe alles wieder vergessen, zum Glück, sonst wäre er auch noch verrückt geworden."
(vom britischen Premierminister Lord Palmerston - Zeitgenosse und Gegenspieler von Bismarck)
Darum an dieser Stelle gar nicht erst ein Versuch.

Schleswig-Holstein-Lied
"Schleswig-Holstein meerumschlungen" ist die Hymne des Landes. Sie preist die Einheit der Herzogtümer Schleswig und Holstein (Doppeleiche, stammverwandt). Erstmalig wurde sie am 24. Juli 1844 beim Schleswiger Sängerfest unter dem Jubel von 12.000 Schleswig-Holsteinern vorgestellt. Die Melodie stammt vom Schleswiger Kantor Carl Gottlieb Bellmann. Der ursprüngliche Text von dem Berliner Karl Friedrich Straß traf nicht die damalige schleswig-holsteinische Stimmungslage und wurde kurz vor dem Fest von dem Advokaten Matthäus Friedrich Chemnitz umgetextet und dem Willen nach Einheit und Unabhängigkeit der Herzogtümer angepasst.
Ursprünglich wurde es mit sieben Strophen gesungen.
Auf dem Rückweg von Schleswig sang jeder das neue Lied. Alten Männern standen Tränen in den Augen. Fremde lagen sich in den Armen. In wenigen Tagen hatte das Lied allgemeine Verbreitung gefunden.
(siehe auch unter "Up ewig ungedeelt")

Schleswigsche Geest
Landstrich im Norden zwischen der nordfriesischen Marsch und dem östlich gelegenem Angeln. Im Süden geht die Geest (s. d.) in die Eider-Treene-Nierung über und wird im Norden durch die deutsch-dänische Grenze begrenzt. . Die Geest gehört zu den wenig fruchtbaren Böden. Ab dem 6. Jh. wurde die schleswigsche Geest von den Dänen und Jüten besiedelt. Einer der wichtigsten Verkehrswege alter Zeit, der Ochsenweg (s. d.) verlief durch die Schleswigsche Geest.
Im 18. Jh. um 1761 bis 1765 wurden Heide- und Moorkolonisten (s. d.) in der Schleswigschen Geest angesiedelt. Insgesamt waren es mit den Familienangehörigen gut 4.000 Personen.
Die Schleswigsche Geest umfasst folgende Harden:
Karrharde, Wiesharde, Uggelharde, Norder Goesharde, Süder Goesharde, Ahrens- und Treiaharde, Kopperharde, Hohnerharde.

Schlickläufer
Postboten die zu Fuß bei Ebbe durchs Watt liefen und Inseln und Halligen mit Post versorgten. Siehe dazu auch unter Wattpost.
Der erste Schlickläufer von Wyk nach Föhr war eine Frau, die 14tägig später auch ein- bis zweimal wöchentlich übers Watt nach Utersum und zurück lief. 1802 übernahm die Post mit einer Postjolle die Versorgung und die Zeit der Schlickläufer ging zu Ende.

Schloss Glücksburg
Residenzschloss im Norden der Bundesrepublik Nahe Flensburgs. Es zählt zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern Nordeuropas. Es war Sitz der Herzöge des Hauses Schleswig-Holstein und zeitweise auch Residenz dänischer Könige. Zu regelmäßigen Besuchen kam auch die letzte deutsche Kaiserin Auguste Victoria (1858 - 1921).
Das Land rund um das spätere Schloss wurde im 16. Jh. ausgehoben, mit einem Wall eingefasst und die Schwennau und Munkbrarupau zu einem See aufgestaut.
Den Auftrag zum Bau gab 1581 Herzog Johann (Hans) der Jüngere (1545 - 1622), Sohn des dänischen Königs Christian III., der durch Erbgang das Rudekloster (s. d.) von seinem Bruder bekommen hatte.
Am 21. 12. 1582 wurde auf dem Gelände des abgebrochenen Klosters der Grundstein gelegt. Für 6.000 Mark Lübsch baute es der Baumeister Nicolaus Karies von 1582 bis 1587.
Herzog Johann (Hans) der Jüngere verlegte seine Hauptresidenz von Sonderburg nach Glücksburg. Nach seinem Tod regierte hier dann eine Teillinie des Herzoghauses bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1779. Noch Mitte des 19. Jh. war es die bevorzugte Sommerresidenz des dänischen Königs Friedrich VII. (1808 - 1863) des letzten Sprosses im Mannesstamm des Oldenburg'schen Königshauses.
Das Schloss trägt über dem Eingangstor die Inschrift: "GGGMF = Gott gebe Glück mit Frieden".
In der Hausgruft neben der Kapelle sind 38 Angehörige der herzoglichen Familie bestattet. Die letzte Bestattung fand 1811 statt.
Während des Schleswig-Holsteinischen Kriegs 1848 - 1850 zogen am 11. April 1848 gut sechzig dänische Soldaten in das Schloss ein. Als sie es beim Rückzug verlassen mussten, da zerstörten, verwüsteten und plünderten sie das Schlossinnere und die Kapelle auf das Schlimmste. Was nicht niet- und nagelfest war wurde mitgenommen und der Rest zerstört, oder an die Glücksburger Bevölkerung verramscht.
Am 15. 11. 1863 starb König Friedrich VII. von Dänemark auf Schloss Glücksburg.
Im Zweiten Schleswigschen Krieg 1864/65 diente das Schloss auch als Kaserne und Lazarett.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges nahm Reichsminister Albert Speer das Glücksburger Schloss als Quartier und wurde dort am 23. Mai 1945 von den Alliierten verhaftet. Bis zum Sommer 1945 diente das Schloss als Haftanstalt für gefangen genommene deutsche Offiziere.

Schloß Glücksburg - Rangfolge der Bediensteten
Herzog Philipp Ernst führte 1728 eine Rangordnung für seine Schlossbediensteten ein:
1) Hofmeister oder Hofmarschall war der höchste Beamte im Herzogtum und Stellvertreter des Fürsten.
2) Kammerjunker. Begleiter, Gesellschafter und absolut verschwiegener Vertrauter des Fürsten, der immer aus adeliger Familie stammte.
3) Kammerpage. Auch er war adeliger Herkunft. Er war ein junger Adelssohn, der zum Höfling ausgebildet wurde.
4) Oberförster. Er musste nicht von Adel sein.
5) Sekretär oder Amtsschreiber. Er verwaltete die herzogliche Kanzlei und führte die herzogliche Korrespondenz und verwaltete die täglichen einnahmen und Ausgaben.
6) Amtsverwalter. Er war Verwalter aller Güter.
7) Bereiter. Seiner Obhut unterstanden die rd. 25 Reit- und Kutschpferde und die Kutscher, Postreiter, Reitknechte und Vorreiter.
8) Bürgermeister von Aerösköbing auf der Insel Aeroe, der einzigen Stadt im Glücksburger Reich.
9) Kammerinspektor. Seine Aufgabe war es Ding und Recht zu heben, Contributionen und Brüchegelder einzutreiben und die Aufsicht über Dämme und Vorwerk zu halten.
10) Maitre d`hotel. Er war der Hausvogt, der Wirtschaftsleiter des Schlosses, dem Keller und Küche anvertraut waren. Er führte die Köche, bestimmte den tägl. Küchenzettel und bereitete die fürstliche Tafel.
11) Kammerdiener. Er half beim An- und Auskleiden und musste der Herzog barbieren (rasieren und verarzten)
12) Conditor und Mundschenk.
13) Hof-Musici (Hofmusikanten) mit 2 - 3 Musikern und dem Hofsänger. Sie sorgten für musikalische Unterhaltung und erteilten den Kindern der fürstlichen Familie Musikunterricht
14) Zwei Trompeter. Sie bliesen jeden Mittag und Abend zur Tafel. Sie mussten auch dem Hof-Musici zur Verfügung stehen.
15) Silberdiener und Tafeldecker
16) Zwei Mundköche die täglich etwa 50 Personen am Schloss zu bekochen hatten. Die übrigen Bediensteten aßen außerhalb des Hofes.
17) Oberjäger. Er schützte die Hölzungen und Gehege, jagte bei den Mankjagden (s. d.) und war für die fürstliche Hundehaltung zuständig.
18) Leibdiener. Er begleitete den Fürsten auf Reisen und erledigte persönliche Botengänge und wartete bei der fürstlichen Tafel auf.
19) Sechs Lakaien des Fürsten und seiner Gemahlin.
20) Zwei Hegereiter.
21) Hofgärtner. Er bearbeitete den Park, Lust- und Küchengarten mit Kräutern und Mistbeeten, einen Obstgarten und Kartoffelland.
22) Dingschreiber. Er war der Schreib- und Rechenmeister der nur für die Protokollführung beim Küsterdienst und beim 14tägigen Hofgericht zuständig war.
23) Kochgesellen
24) Zwei Leibkutscher
25) Zwei Reitknechte
26) Postreiter. Er brachte täglich Post nach Flensburg und holte sie von dort.
27) Zwei Vorreiter. Sie ritten der vierspännigen Kutsche des Herzogs voraus und sorgten für sichere Fahrt.
28) Bauknecht. Er tat Dienst auf dem Meierhof.
29) Zwei Feuerböter. Sie sorgten für die Beheizung des Schlosses.
30) Husar. Ein abgedankter Soldat als Wächter und Pförtner. Nebenher versah er auch den Dienst des Gefängniswärters.
Nicht ausdrücklich eingestuft wurden die fürstlichen Hofprediger, der Belgetreter, der Hofbäcker, der Hofbrauer, der Hofhandwerker, der Hofjude (er erledigte Geldangelegenheiten), der Schiffer, der Schornsteinfeger, der Tanzmeister und die kleinen Hofleute.

Schmacke
Siehe unter Schiffstypen.

Schnau
Siehe unter Schiffstypen.

Schneevogt
Anhaltendes Schneetreiben auf kurvigen Straßen Angelns zwischen Wällen und Knicks führte sehr schnell zu einem absoluten Stillstand des Verkehrs. Das Freischaufeln der Wege zwischen den Dörfern und zu den Städten war geradezu eine Lebensfrage. Um dieses zu organisieren hatte jede Gemeinde ihren Schneevogt, der alle männlichen Einwohner zum Schneeschaufeln aufrief und nach seinen Weisungen einsetzte.

Schnüsch / Schnusch
Typisches Sommergericht der angeliter Bauern aus frischen Bohnen, Erbsen, Wurzeln und klein geschnittenen Kartoffeln in heißer Milch mit Butterklümpchen und geräuchertem Schinken.

Schnur
Schwiegertochter.

Schöte, Verschötung
Förmliche Rechtsübertragung beim Thinggericht. Als Zeichen der Besitzübertragung bei Verkauf oder Vererbung von Land wurde dem Käufer oder Erben eine Sode des betreffenden Grundstücks in den Schoß gelegt. Daher vermutet man, dass das Wort "Schöte" entweder von Sode oder Schoß kam und das Zitat "In den Schoß legen" begründete.
Der Brauch der Verschötung wurde bis etwa 1660 gepflegt.

Schötebrief / Schötebuch
Der Schötebrief wurde bei der Verschötung aufgesetzt und enthielt alle Bedingungen und Formalitäten der Landübertragung.

Schollenband / Schollenzwang
Verpflichtung aller Gutsuntergehörigen (Leibeigenen) zum Verbleib im Bereich des Gutes. Viele entzogen sich diesem unfreien Leben durch Flucht.
(siehe auch unter Heimatzwang)

Schonen
Historische Provinz im Süden Schwedens die bis ins 17. Jh. zu Dänemark gehörte.

Schoner
Siehe unter Schiffstypen.

Schornsteinfeger
Bis ins Spätmittelalter reinigten die Hausbewohner mehr schlecht als recht ihre Schonsteine selbst. Zur Bildung des Berufs Schornsteinfegers kam es im 16. Jh. als der Zusammenhang zwischen Kaminverunreinigung und Verrußung und Feuerschäden immer bekannter wurde. Die Städte förderten diese vorsorgende Entwicklung. Im 17. Jh. bildeten sich erste Zünfte bzw. Innungen der Schornsteinfeger oder Kaminkehrer. Sie reinigten nicht nur die Kamine sondern kümmerten sich auch um Bauvorschriften (z. B. keine Holzbalken im Bereich der Schornsteine). Im 18. Jh. kam es zu ersten Feuerschutzbestimmungen in den Städten.
1749 stellte die herzogliche Verwaltung des Schlosses Glücksburg einen Schornsteinfeger für das Schloss und die dazugehörenden Gebäude ein. 1950 ordnete Herzog Friedrich an, dass er auch im Flecken Glücksburg, im Kirchspiel Brarup und im fürstlichen Territorium Angelns zweimal jährlich auf Kosten der Hauswirte die Schornsteine zu fegen hatte.

Schrage
Satzung der Flensburger Knudsgilde (s. d.).

Schrangen
1595 entstand in Flensburg am Nordermarkt in der Gemeinde St. Marien eine offene Markthalle in der Bäcker und Schlachter ihre Marktstände hatten, der Schrangen als Verbindung zwischen der Kirche und dem Marktplatz. Baumeister war der Westfale Laurenz Ubbing.
An den Schrangen befindet sich auch der Pranger mit Halseisen.

Schuld- und Pfandprotokolle
Vorgänger heutiger Grundbücher bis zu deren Einführung am 27. Mai 1873.
Eingetragen wurden die Schulden der Grundbesitzer unter Verpfändung ihres Grundbesitzes. Hauptzweck war die Absicherung der Gläubiger.
Als Anlage gehörten zu den Schuld- und Pfandprotokollen die Neben- und Contraktenbücher mit sehr detaillierten Eintragungen zu den Höfen und deren Bewohner.
1650 wurden die Schuld- und Pfandprotokolle im königlichen Teil der Herzogtümer verpflichtend. Es erging Eintragungszwang für Schulden und Verträge.
1734 wurden sie Pflicht für Städte, Ämter und Landschaften.
Aufgezeichnet waren in ihnen Veränderungen und Belastungen im Grundbesitz. Es gab sie bereits im Mittelalter. Im 16. Jh. waren sie allgemein im Gebrauch. Jeder Eingesessene erhielt später für jedes Grundstück ein Kartenblatt.
Geführt wurden sie als Personalfolien (jeder Landbesitzer hatte ein besonders Blatt) oder als Realfolien (jede Landstelle erhielt ein besonderes Blatt). Ergänzend dazu wurden dazu Neben- oder Kontraktenbücher geführt in welche sämtliche Verträge im Wortlaut abgeschrieben wurden. Dazu gehörten: Kauf- und Erbverträge über Höfe, Abnahmeverträge für Altenteiler, Aufnahme von Grundschulden, hin und wieder auch Eheverträge.
Ab 1813 mit Einführung der Bankhaft war es Vorschrift für jedes Grundstück ein Blatt zu führen. Es gab aber Befreiungsmöglichkeiten und so kam es bis 1884 vor, dass Grundstücke kein Blatt hatten.
Eine sehr ausführliche Darstellung findet sich: (Otto Thiesen, Schleswig, "Das Schuld- und Pfandprotokoll als Quelle der Familienforschung, Jahrbuch des Angler Heimatvereins, 3. Jg. 1932, Seite 48 - 54)
Schulbücher, erste ..... im Norden
* Katechismus-Fibel für den Leseunterricht (1565 in Lübeck)
* Bibel und Gesangbuch teilweise bis 1840 noch einziges Lesebuch.
* Holsteinische Rechenschule von Heinrich tho Aspen (1676)
* Das Rechenbuch von Krey (1682)
* Das Arithmetische Lehr- und Rechenbuch von Johann Mohr (1745).
* Kinderfreund, Lesebuch (1776)
* Versuch eines Unterrichts in den vier Species für Kinder von Andreas Grüning (1782)
* Rechenbuch für Kinder zum Gebrauch in Schulen (1783)
* Die Dorfgesellschaft, Lesebuch (Hamburg 1791)
* Sonntagsfreuden des Landmanns, Lesebuch, (Kiel 1791)
* Rechnen für Anfänger von Kroy
* Der deutsche Kinderfreund, Lesebuch (Flensburg 1810)
* Die Holsteinische Rechenschule, Rechenbuch (1676).
* Das Artithmetische Lehr- u. Rechenbuch (Schleswig 1745)
* Krogmanns gemeinnütziges Rechenbuch (1787 - 1836 in acht Auflagen in Altona)
* Leitfäden für Geschichte und Erdkunde (1800)
* Saßsches Rechenbuch (1841)
* Lesebuch "Schleswig-Holsteinischer Gnomon" 189 Themen geschrieben von 80 Schleswig-Holsteinern (1843)
* Leitfaden für Naturkund (1850)
* Realienbücher für Sachkenntnisse (Schleswig 1896)
1851 während des dänischen Sprachreskripts wurden die
Schulen mit folgenden dänischen Schulbüchern versorgt:
* dänische Kinderfreunde
* dänisches Lesebuch Hjörte Börensen
* dänische Katechismen
* dänische Biblische Geschichten
* dänische Lesetabellen
* dänische Neue Testamente
* dänische Gesangbücher
Husbyer Schüler demonstrierten gegen diese dänischen Lehrbücher indem sie das Bild seiner Majestät Fredriks VI. zerrissen. Für die Wiederbeschaffung der Bücher mussten von den Eltern von jeder Tonne Landes 11/2 Schilling Courant gezahlt werden.
Erst nach der Schulverordnung von 1845 gab es für Erd- und Naturkunde erstes Anschauungsmaterial.

Schule und Unterricht
Erste Unterweisungen der Kirchen bestanden im Auswendiglernen und Heruntersagen des Vaterunsers und des apostolischen Glaubensbekenntnisses. Beides musste von Paten (Gevattern) bei der Taufe hergesagt werden können. Daraus entsprang das erste Lesenlernen. Erst mit der Reformation setzte verbreitet richtiger Schulunterricht für Kinder ein. Die ersten niederen Schulen gab es aber nur in den Städten.
1522 Erste Lateinschule in Husum reformiert.
1528 Das Graukloster in Husum wurde Schule.
1524 fordert Martin Luther die Ratsherren der Städte auf Schulen einzurichten. Vorher gab es nur Lateinschulen in Verbindung mit Kirchen und Klöstern.
1538 wurde nachweislich in Bredstedt eine Schule geführt.
1542 forderte die Kirchenordnung Schulen.
1544 erfolgte eine Volksschulordnung durch König Friedrich III. Beide Verordnungen zeigten wenig Erfolg. Christian IV. setzte die Bemühungen fort und forderte die Durchführung der Schulpflicht in Landschulen auf dem platten Lande. Neben religiöser Unterweisung sollten Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt werden. Gelehrt wurde hautsächlich das Lesen; Schreiben war eine nur selten vermittelte Kunst. Das Rechnen blieb meist nur den Jungen vorbehalten. Lehrer sollten die Landgeistlichen sein.
Jede Schule solle mindestens eine Bibel und ein Gesangbuch haben.
1566 Flensburger Lateinschule. (Heute Altes Gymnasium)
1567 Lateinschule in Hadersleben.
Um 1600 gab es zahlreiche Hinweise, dass viele Bauern ihren vollen Namen schreiben konnten.
1624 Schulverordnung von Koldenbüttel.
Um 1700 gab es fast überall in den Kirchspielen Kirchspielschulen und Nebenschulen (dän. Biskole) in den kirchfernen Dörfern.
Weil Eltern den Schulschilling sparen wollten und weil die Kinder in Haus und Hof arbeiten mussten, gingen nur wenige Kinder regelmäßig zur Schule.
Die Schulräumlichkeiten waren immer noch sehr unzureichend (festgetretene Erdfußböden, nicht oder nur notdürftig beheizbar, kalt und dunkel)
Die Lehrer waren häufig selbst nur unvollständig ausgebildet und rekrutierten sich aus abgedankten Soldaten oder weichenden Bauernsöhnen. Allgemein war die Klage, dass es ihnen an Kenntnissen und Tüchtigkeit fehlte. Selbst ausgebildete Schulmeister konnten nicht von ihren Einkommen leben und mussten Landwirtschaft betreiben.
1726 Anlegung von Mädchenschulen in den Städten.
1734 Schulverordnung Gottorf.
1738 Königliches Reskript an die Kirchenvisitatoren, das Schulwesen in guten Stand zu setzen.
1744 Weiteres Reskript die Schulen zu fördern ohne Geld aus der Königlichen Kasse zu beantragen.
1747 kam die königliche holsteinische Schulverordnung die in der Folgezeit auch für Schleswig galt. Nebenschulen sollten weitestgehend abgeschafft werden. Lehrer sollten besser besoldet und deren Nebentätigkeiten in der Landwirtschaft eingeschränkt werden. Unterricht war ganzjährig zu erteilen. Schulbesuch bis zur Konfirmation bei Knaben 16 Jahre, bei Mädchen 15 Jahre. Pastoren sollten die Lehrer und den Unterricht in Abständen von etwa 14 Tagen inspizieren.
1755 Hebammenschule in Flensburg.
1781 Einführung des Lehrerseminars in Kiel und 1786 in Tondern. Dieses wurde finanziell sehr stark von der Ritterschaft unterstützt. Die hier ausgebildeten Lehrer waren den bisherigen turmhoch überlegen. Gehörten Leher bisher zum untersten Stand, so änderte sich dieses jetzt.
1798 Schulregulativ für Nordangeln. Im Wesentlichen ging es um eine Regelung der Lehrerbesoldung und der Teilnahme am Schulunterricht.
Von 84 Schülern der Leibeigenen von Gut Roest besuchten 26 Kinder die Schule überhaupt nicht, die anderen gingen sehr selten zum Unterricht.
1804 Schulregulativ für Süddangeln.
1814 gab es eine allgemeine Schulverordnung (Adlersche Schulreform). Lehrer wurden an Seminaren in Kiel und Tondern ausgebildet und bekamen eine angemessene Besoldung. Zur Versorgung der ländlichen Bevölkerung wurden Distriktschulen mit Lehrerwohnungen eingerichtet. Für Jungen und Mädchen wurde gleichermaßen die neunjährige Schulpflicht eingeführt. Die Schulrechte gingen endgültig von der Kirche auf den Staat über. Die Adlersche Schulreform blieb im Grundsätzlichen über 150 Jahre gültig.
1922 Heimvolkshochschule Leck.
1927 Verbot der Schuldispensation.
Einen umfassenden Bericht über die Entwicklung des Schulwesens in Angeln findet sich im Jahrbuch des Angler Heimatvereins 1970 Seite 97 - 176)

Schütte
An bestimmten Stellen von Bächen und Flüssen starke Holzsperren an denen man zu gewissen Zeiten mit staken Brettern das Wasser zur Flutung der Wiesen anstaute.

Schüttgelder / Schüterlohn / Feldschütter
1) Abgaben für zuviel Viehauftrieb auf die Allmende (Gemeinschaftsweide).
2) Gelder für in Gewahrsam genommenes Vieh.
3) Geld für den Viehhirten, der das Vieh zur und von der Allmende trieb. Ein Feldhirte erhielt 1872 in Nordfriesland einen Schütterlohn für Vieh und Schafe die er das erste Mal einschütterte, 1 Schilling je Stück und das zweite Mal 2 Schilling.

Schüttkoben / Schütthock / Schütthecken / Schüttmeister
Aus verschiedenen Materialen (Eichenbohlen, Steinen, Hecken) errichtete verschließbare Rinderbuchten (Gatter) in denen entlaufenes Vieh eingeschüttet (eingesperrt) wurde. Häufig waren es Kinder, die das entlaufene Vieh einfingen und zum Schüttkoben brachten, wofür sie einen kleinen Obolus erhielten. Hatten Erwachsene das Vieh eingefangen, wurde es gegen einen "kräftigen Schluck Hochprozentigen" eingelöst. Fast jeder Schüttkoben hatte einen "Schüttmeister" der diesen in Ordnung hielt. Wurde ein Rind innerhalb von drei Tagen nicht eingelöst, ging es in den Besitz des Schüttmeisters über.
In vielen Gemeinden hatte man ein Merkzeichen (Ohrmarke) eingeführt. Jeder Hof hatte für sein Vieh ein im Markebuch aufgeführtes spezielles Merkzeichen. Nun konnten die Besitzer entlaufener Kühe vom Schüttmeister informiert werden.

Schützengilden
Die Geschichte der Schützengilden in Deutschland geht bis ins 12. Jh. zurück. So z. B. Oldenburg in Holstein 1192, Knudsgilde in Flensburg 1170. Weitere alte Schützengilden sind die Flensbuger St. Johannisschützengilde von 1436 und die Nicolai-Schützengilde in Flensburg von 1583. Im 14. Jh. war der Versicherungsgedanke sehr stark ausgeprägt und führte zur Gründung vieler Schützengilden zur Verteidigung der Städte.
Siehe auch unter Friedrichsgarde.

Schuut
Vorbindeschürze. Eine Arbeitskleidung der Mägde aus dunkelblauem Leinen ohne Latz, die lang und breit um den Rock herumging. Gehalten wurden sie von Schuutenbändern. Die unter der Schuut getragene Kleidung konnte durch Bänder hochgezogen werden und war dann bei schmutziger Arbeit noch mehr geschützt. Man nannte dieses "Upschwansen".
Um die Jahrhundertwende kam der baumwollene blauweiße Schuutenstoff auf.
Nach Einführung von künstlichem Dünger fielen Jutesäcke an und aus ihnen fertigten sich die Mägde Sackschuuten.
Die Schuut war auch ein gutes "Tragegefäß". In der aufgerafften Schuut trug man Korn zur Fütterung der Hühner, Buschholz zum Heizen usw.

Schwager
Heute Bruder des Ehepartners. Früher Verwandter im allgemeinen Sinne.

Schwansen
Landschaft im Landesteil Südschleswig (s. d.). Halbinsel zwischen der Eckernförder Bucht und der Schlei.
Um 750 wurde das Gebiet von Dänen und Jüten besiedelt. Zwischen Schlei und Windebyer Noor bei Eckernförde befindet sich ein Teilstück des Danewerks (s. d.)
Von den Angelitern wurden die Schwansener Güntsiedler oder auch die "Jenseitigen" genannt, weil sie jenseits der Schlei wohnten. Umgekehrt nannten die Schwansener die Angelner "Kirschkernschieter". Die Angelner galten als reicher als die Schwansener und konnten sich in ihren Gärten auch Kirschbäume leisten.

Schwarze Gendarmen
Von der deutschen Bevölkerung im Herzogtum Schleswig gefürchtete und verhasste dänisch gesonnene private Polizisten die in der Zeit der Drangsalierung durch die Dänen von 1850 bis 1864 deutschgesonnene Bürger überwachten und mit Verdächtigungen und Denunzinationen quälten.
Siehe auch unter Nationale Erhebung, Sprachreskrit, Schleswig Herzogtum, Wühler.

Schwarzsauer /Swattsuer
Blutsuppe, auch Schwarze Suppe genannt. Traditionelles nordisches Gericht aus Schweineblut, welches bei keinem Schlachttag fehlen durfte.
Zutaten: 750 g Fleisch, Herz, Nieren, Stichstücke und lose Fleischstücke die beim Schlachten abfallen. 1 l Wasser, 1 l Essig, 3/4 bis 1 l Blut vom Schwein, Salz, Pfeffer nach Geschmack und Mehl für Mehlklöse.
Schweineblut gerinnt durch die Zugabe von Essig und wird völlig schwarz. Hinzugefügt werden Schwarten, Rippe, Schwanz, Pfoten und Fleischreste, Gewürze, Zwiebeln, etwas Zucker und Wurzelgemüse. Es ist ähnlich der Blutwurst, wird aber nicht in Darm gefüllt sondern warm gegessen. Dazu gehört immer auch ein Köm (gelber Kümmelschnaps der dem Aquavit ähnelt).

Schweizer
Melker auf einem Gut oder großem Hof.

Schwertfeger
Beruf. Er fertigte Schwerter und Degen.

Schwibbodenherd
Offene Herdstelle ohne Schornstein. Er stand am Ende der Diele eines alten Bauernhauses. Der Rauch zog über den offenen Boden durch das Eulenloch ab.

Schwieger
Schwiegermutter.

Schwieher/Schwäher
Schwiegervater.

Schwienskiek
Ländlicher Brauch während der Schlachtzeit vor dem Schlachttag im Herbst. Nachbarn besuchten sich gegenseitig zum Schwienskiek. Es gab Kaffee und Brot und auch der Punsch blieb nicht aus. Sicher förderte das die nachbarschaftliche Gemeinschaft.

Schwimmen
Selbst "im Land zwischen den Meeren" konnten bis zum 19. Jh. nur sehr wenige Menschen schwimmen. 1798 erschien "Kleines Lehrbuch der Schwimmkunst zum Selbstunterricht". Es dürfte bei uns aber wohl kaum gelesen worden sein.
1810 fand erster Schwimmunterricht, zunächst an Militärschwimmschulen statt. Aber erst 1925 begann man langsam Schwimmen zu lehren und Schwimmkurse wurden ins Leben gerufen.

Schwindgrube
Auch Senkgrube. Eine Abortgrube mittelalterlicher Städte, die in Abständen geleert und deren Fäkalien außerhalb der Städte zum Düngen auf die Felder gefahren wurden.
Siehe auch unter Ehgraben.

Schwindsucht
frühere Bezeichnung für die Infektionskrankheit Tuberkulose, TBC, auch Morbus Koch umgangssprachlich "die Motten".

Pfeil oben


St

Staatsbankrott, dänischer
Dänemarks Finanzen waren 1813 durch die Kriege (s. d.) zerrüttet. Es fand keine ordentliche Staatsrechnung mehr statt und Hofstaat und Staat lebten aus einer Kasse. Die dänische Regierung ließ in ihrer Kopenhagener Bank reichlich Papiergeld ohne Silberdeckung drucken. Der Kurs sank ständig und belief sich 1812 auf nur 15 Prozent seines Nominalwertes. Schleswig-Holsteiner weigerten sich dieses wertlose Papiergeld anzunehmen. So brach 1813 bei 100 Millionen Talern Staatsschuld der dänische Staatsbankrott aus.
Am 5. 1. 1813 erfolgte die Bankverordnung, die bestimmte, dass die neugegründete Bank in Kopenhagen das einzige Geldinstitut für Dänemark und die Herzogtümer sein sollte.
Das von der Kopenhagener Bank in Umlauf gesetzte Papiergeld sank bald auf den zehnten Teil seines ursprünglichen Wertes.
Zur Wiederherstellung der Staatsliquidität wurden der Reichsbank 6 % vom Wert aller Grundstücke, Zehnten und Gebäude zugeschrieben (Reichsbankhaft), welche die Eigentümer entweder auf einmal abzutragen oder in reichlich 30 Jahren mit
61/2 % zu verzinsen hatten.
Im Sog dieser Maßnahmen gingen viele Bauernstellen verloren, die die Belastungen nicht tragen konnten. Von den Schleswig-Holsteinern wurde es als sehr ungerecht empfunden, dass sie selbst viel stärker belastet wurden als die Reichsdänen und dieses bildete einen fruchtbaren Nährboden für die Schleswig-Holsteinische Erhebung - "Los von Dänemark-Bewegung"!
Infolge des Staatsbankrotts gab es neues Geld: Reichsbankthaler (Rbtr.) und Reichsbankschilling (Sch).
Siehe auch unter Reichsbankhaft.

St. Johannes / St. Michaelis
Mittelalterliches, zwischen 1200 und 1230 gegründetes Kloster in Schleswig. Es lag am Nordrand der Stadt. St. Johannes war zunächst ein Kloster für Benediktinerinnen, die dorthin strafversetzt wurden. Nach der Reformation wurde es als Adelsstift für unverheiratete Töchter genutzt.
Es handelte sich um ein Doppelkloster mit einem Mönchs- und einem Nonnenkonvent. Im angeschlossenen St. Michaelis lebten die Mönche. Da praktisch Nonnen und Mönche unter einem Dach wohnten, kam es zu einem "tiefen Grad der Sittenlosigkeit".
1190 löste der Bischof daraufhin das Mönchskloster auf und schickte die Mönche ins neu erbaute Kloster Guldholm (s. d.) am Ufer des Langsees, nördlich von Schleswig. Die Nonnen blieben am alten Ort zurück. Der Bischof lies Zistersienser aus Dänemark holen, die für strengere Regeln bekannt waren und übertrug ihnen die unnachgiebige "Erziehung" der Benediktiner. Dafür gab es aber nicht nur religiöse, moralische und kirchliche Gründe sondern auch politische.
Als der Bischof, ein Vetter König Knud VI. ( 1162 - 1202), der selbst politisch machtorientiert war, 1192 gefangengesetzt wurde, nutzen die Mönche ihre "Freiheit" und kehrten in ihr alter Kloster St. Michaelis/St. Johannes zurück. Das führte zu erneuten Verwicklungen. Die Zurückgekehrten bestanden auf Wiedereinführung ihrer alten Rechte und da ihnen diese von den Zisterziensern verwehrt wurden, kam es zu einem richtigen handgreiflichen "Mönchskrieg" zwischen Zistersiensern und Benediktinern.
Eine nun vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission entschied den Streit zu Gunsten der Guldholmer. Einzige Bedingung war die Anerkennung des herzoglichen Patronats. Dies war damals der spätere König Waldemar II.(1170 - 1241).
Das Kloster Guldholm lag in einer feuchten Niederung mit sehr ungesundem Klima und so siedelten die Zistersiensermönche 1209/10 schon wenige Jahre später in das Rudekloster (s. d.) um, dass sie bei Glücksburg (s. d.) erbauten.

St. Jürgenhäuser
Außerhalb der Städte (wegen Ansteckungsgefahr) liegende Klöster zur Aufnahme und Pflege von Aussätzigen (s. d.) und Pestkranken. Sie hatten eigene Kapellen und Friedhöfe.
Noch heute zeugt in Flensburg der Ortsteil St. Jürgen von dem einst hier befindlichen St. Jürgenhaus. Bettelmönche (Grau- und Minderbrüder) sammelten Nahrung und Almosen für die Kranken.

Stabilarius
(siehe unter Staller)

stadtfesten
bestätigen, genehmigen.

Stadtrechte
Landesherrliches Vorrecht ein Dorf oder eine Gemeinde zur Stadt zu erheben. Stadtrechte entstanden in Deutschland seit dem 10. Jahrhundert. Die Städte hatten und gaben sich eigene Privilegien und Rechte, die sie gegen das grundherrliche Land abgrenzten und die sich vom umgebenden Landesrecht unterschieden. Städte hatten eine eigene Gerichtsbarkeit und eigenes Straf-, Markt-, Handels- und Verkehrsrecht.
Die städtische Freiheit führte zur Aufhebung der Leibeigenschaft (s. d.) da "Stadtluft nach Jahr und Tag freimachte".
Am bekanntesten war das "Lübische Stadtrecht" (s. d.) von 1160 der Stadt Lübeck.
Im 15. 16. und 17. Jh. entstanden an vielen Orten "verbesserte Stadtrechte", sog. Reformationen. Hierbei wurde mehr und mehr das römische Recht eingemischt.
Beispiele für frühe Stadtrechte.
1200 Schleswig; 1247 Hadersleben; 1284 Flensburg; um 1300 Ribe; 1325 Eckernförde; 1335 Apenrade; 1460 Rendsburg; 1461 Sonderburg; 1590 Tönning und Garding.
Beispiel für späte Stadtrechte:
1603 in Husum; 1617 Glückstadt; 1870 Kappeln; 1960 Niebüll.

Staller
Titel in Nordfriesland für Landvogt. In alten friesischen Urkunden wurde er auch Stabilarius genannt. Vertreter der Landesherrschaft. Statthalter des Herzogs, gleichzeitig auch Hebungsbeamter (Eiderstedt, Nordstrand, Pellworm). Höchste obrigkeitliche Person auf Nordstrand.

Standesamt
Bis 1874 oblagen die Eintragungen der Personenstandsfälle den Pfarrämtern und wurden in Kirchregistern verzeichnet.
Am 1. Oktober 1874 wurden in Preußen die Standesämter beschlossen und am 1. 1. 1876 gesetzlich eingeführt auf denen Eheschließungen, Geburten und Todesfälle jetzt staatlicherseits registriert wurden. Die ersten wurden von Gemeindemitgliedern (Bürgermeister Dorfschullehrer) ehrenamtlich verwaltet. Die Pastoren denen dieses bisher oblag wurden dadurch amtlich sehr entlastet.
Die erfassten Daten wurden in Personenstandsbüchern geführt.

Stapelholmer Weg
Alter Fracht- und Triftenweg für große Ochsen- und Schweineherden sowie Pferdetrecks. Er wurde auch Alter Treeneweg genannt, dessen Bedeutung weit in vorgeschichtliche Zeit zurückreichte. Er hielt die Verbindung zwischen dem alten Heerweg im Osten mit dem Norder- und Süderfreesenweg im Westen.

Stapelrecht
Altes Recht aus der Zeit Karl des Großen, das 1815 endgültig vom Wiener Kongress abgeschafft wurde.
Auch Niederlassungsrecht, eigentlich ein Markt- oder Verkaufsrecht. Im Mittelalter war es das Recht einer Stadt von durchziehenden Kaufleuten zu verlangen, dass sie ihre Waren für eine bestimmte Zeit in der Stadt abluden (stapelten) und zum Verkauf anboten. Die Händler konnten sich durch ein Stapelgeld vom Stapelrecht freikaufen. Zusammen mit dem Stapelrecht hatten die Städte meist auch ein Umschlagsrecht. Damit die Städte von den Kaufleuten nicht umfahren wurden, erhielten manche Städte auch noch ein Meilenrecht, um dieses Umgehen der Stadt zu verhindern. Auch die auf den Flüssen transportierten Waren in den Städten und Häfen mussten gestapelt, d. h. entladen und zum Verkauf angeboten werden.
Viele Orte leiten hieraus ihren Namen ab wie Stapelfeld, Stapelholm)

Stappsted / Stappsteen
(nordfriesisch) In frühen Zeiten, als Straßen und Wege noch unbefestigt waren und durch Niederungen und über Bäche führten, suchte man seichte flache Stellen (Stappsted) an denen man auf flachen Steinen (Stappsteens) über die nassen und feuchten Stellen stapfen (stappen) konnte.

Statisfaction
Finanzielle Sanktion für ein nicht eingehaltenes Eheversprechen.

Stave / Staven / Stavener
Bohlstelle, Hof, Hufe.
1) Im nordfriesischen ein Freier Bauer.
2) In Nordfriesland die Bezeichnung für die zur Dorfgemeinschaft gehörigen Bauernstellen.

Stavensgeld
Eine Grundheuer. Der Stavensinhaber (Besitzer des Hofes) teilte ein Stück seines Landes ab und erbaute darauf eine Kate, die er in Erbpacht vergab. Dafür erhielt er als Erbpacht das Stavensgeld.

Steckfluß
Atembeschwerde die häufig zum Tod führte.

Steindrucker
Beruf. Sie stellten auf Kalksteinplatten Druckvorlagen für die Vervielfältigung von Kunstdrucken her.

Steller
In Nordfriesland ein Wehrpflichtiger. Er konnte sich bis 1864 durch Stellung eines Stellvertreters vom Wehrdienst freikaufen. Die Zahlungen für einen Stellvertreter waren nicht unerheblich. Sie betrugen 1860 In einem nachgewiesenen Fall 580 Reichsthaler, das entsprach dem Gegenwert von 5 Pferden oder 9 - 10 Schlachtrindern. Die Gefahr den Krieg nicht zu überleben war für den Stellvertreter auch recht hoch und das bestimmte den Preis. Viele ärmere Steller entzogen sich der Wehrpflicht durch Auswanderung nach Amerika.

Stertköh
(Angeliter Platt. Wörtlich Schwanzkühe)
Nach der langen Aufstallung und mangelnden Fütterung im Winter so schwach gewordene, entkräftete Kühe, die im Frühjahr aus eigener Kraft nicht mehr aufstehen konnten. Sie wurden von starken Männern am Schwanz (Stert) wieder auf die Beine gezogen.

Stipulation
(lat. stipulatio = förmliches Versprechenlassen)
Vertrag, Festsetzung, Vereinbarung, Öffentliches Versprechen.

Stockhaus / Stockmeister
Gefängnis, Gefängniswärter.

Stöpe
Verschließbarer Deichdurchlass, der bei Hochwassergefahr geschlossen werden kann. Die einzige Stöpe an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste befindet sich in der Gemeinde Nieby bei Gelting.

Strafen des Mittelalters
Anprangern
Ehrenstrafe. Siehe unter Pranger. Der Verurteilte wurde an einer markanter Stelle der Stadt angekettet (angeprangert) Er durfte von Jedermann beschimpft, bespukt und geschlagen werden.
Bärenloch
Freiheits- und Folterstrafe. Kellerverliese auf Burgen, Schlössern, Gütern, Herrensitzen in denen die Sünder oft ohne Verhandlung und ohne Urteil auf unbestimmte Zeit eingesperrt wurden.
Blenden
Verstümmmelungsstrafe. Ausbrennen oder Ausstechen der Augen.
Brandmarken
Ehren- und Folter- und Verstümmelungsstrafe. Das festgebundene oder festgehaltene Opfer wurde mit glühenden Eisen an sichtbaren Körperstellen gebrandmarkt (auf alle Zeiten für Jedermann als Täter kenntlich gemacht).
Zu dieser Strafe gehörte auch das Ausbrennen der Augen.
Daumenschrauben
Folterstrafe zur Erlangung von Geständnissen. Die Daumen (Finger) werden in einen Schraubstock gelegt und durch immer stärkeres Anziehen, welches zu steigenden Schmerzen führt, gepresst.
Einmauern
Todesstrafe. Der Delinquent wird mit etwas Nahrung und Wasser in ein Verlies gebracht. Anschließend werden alle Fenster und Türen zugemauert. Er stirbt durch Verdursten, Erstickung oder durch Selbstmord, wenn ihm dieses möglich ist.
Enthaupten
Todesstrafe. Auch Köpfen genannt. Adeligen wurde mit dem Schwert, einfachen Verbrechern mit dem Beil der Kopf abgeschlagen. Während der französidschen Revolution nutzte man dazu die Guillotine, das Fallbeil.
Die Enthauptung mit dem Schwert war eine ehrenhafte, die mit dem Beil eine unehrenhafte Strafe.

Erdrosseln
Todesstrafe bei der der Verurteilte an einen Phahl gebunden wurde. Um seinen Hals wurde ein Seil geschlungen, das hinter dem Phahl geknebelt (gedreht) wurde. Durch diese Verengung starb der Delinquent sofort.
Ertränken
Todesstrafe. Auch Säcken genannt. Das Ertränken geschah auf unterschiedliche Weise. Entweder wurde das Opfer einfach unter Wassergedrückt, oder in einem mit Steinen beschwerten Sack oder Kiste versenkt, oder er bekam einen Stein um den Hals gehängt bevor er ins Wasser geworfen wurde.
Festungsarrest
Eine nicht entehrende Freiheitsstrafe die für Zweikampf und bei einigen politischen Straftaten verhängte wurde. Unterschieden wurden drei Grade für den Festungsarrest:
1) Freier Umgang am Tage in der Festung.
2) Nur zwei Std. täglicher Umgang in Begleitung eines wachhabenden Soldaten.
3) Der Arrest beschränkt sich auf einen Raum. Umgang in der Festung ist nicht erlaubt.
Gefängnis bei Wasser und Brot
Kurze Freiheitsstrafe. Eine Strafe bis ins 19. Jh. bei der fünf Tage Wasser und Brot mit 5 Tagen normaler Kost wechselten..
Halseisen
Ehrenstrafe. Zwei bandförmige Eisenteile, die dem Gefangenen um den Hals gelegt und geschlossen wurden. Daran war eine Kette, mit dem man den Delinquenten an den Pranger oder im Verlies an die Mauer fesselte. Es handelte sich um eine Ehrenstrafe (s. d.)
Kitzeln
Folterstrafe zur Erlangung von Geständnissen. Der Verurteilte wurde auf einem Brett festgebunden, dann wurden ihm Salz in die Füße massiert, dass man von einer Ziege ablecken ließ. Es soll sich um eine kaum auszuhaltende Strafe gehandelt haben.
Köpfen
Siehe unter Enthaupten.
Landesverweisung
Siehe unter Landesverweisung.
Lebendig begraben
Todesstrafe für Kindesmord und Verbrechen der Unzucht. Ehebrecherinnen und Diebinnen wurden so bestraft. Der Verurteilte wurde lebendig ins Grab gelegt, mit Dornen bedeckt und mit Erde eingegraben. Eine Schwangere durfte nicht lebendig begraben werden. Ihr wurden zur Strafe die Ohren abgeschnitten.
Pfählen
Todesstrafe. Eine der grausamsten Todesstrafen jener Zeit.
Durch den lebendig im Grabe liegenden wurde ein Phahl hindurchgetrieben, der ihn im Grab festnagelte. Häufig geschah dieses bei Mördern am Grab des Opfers. Durch das Phälen fielen sie unendlicher Verdammnis anheim.
Prügelstrafe
Siehe unter Staupenschlag und Züchtigung.
Rädern
Todesstrafe ausschließlich für Männer. Hinrichtungsart bei der der Delinquent mit Armen und Beinen an Pflöcken auf dem Boden liegend befestigt wurde. Daraufhin wurden ihm scharfkantige Hölzer oder Eisen unter die Glieder geschoben, damit diese hohl lagen. Dann wurde von oben nach unten (vom Kopf beginnend - was einen schnellten Tod zur Folge hatte) oder von unten nach oben (an den Füßen beginnend - was einen sehr langsamen qualvollen Tod bedeutete) immer wieder ein schweres Holzrad auf ihn geworfen, bis ihm alle Knochen gebrochen waren.
Danach wurde er mit seinen Gliedern in die Speichen eines Wagenrades geflochten oder darauf gebunden. Das Rad hatte neun Speichen. Häufig lebte er noch, wenn er aufs Rad geflochten wurde. Das Rad wurde dann auf einem Pfahl befestigt und der Leib des Hingerichteten verblieb auf dem Rad und wurde dem Tierfraß und Verfall überlassen. Das diente der Abschreckung der Bevölkerung vor solchen Taten.
Das Rädern war wie das Hängen eine unehrenhafte, schimpfliche Strafe.
Schandkragen
Ehrenstrafe. Fessel. Hölzernes Brett mit Öffnungen für den Hals und die Hände. Der eingespannte Gefangene konnte so gefesselt zu seiner Schande an einem Seil durch die Stadt geführt oder am Pranger angebunden werden. Der Schandkragen wurde bei sog. Ehrenstrafen (s. d.) angewendet, bei der man dem Gefangenen seine Ehre nehmen wollte.
Spanischer Mantel
auch Schandtonne war ein Strafinstrument ab dem 13. Jh. Es handelte sich um eine Ehrenstrafe. Der aus Holz gefertigte Mantel oder die Tonne wurden dem Verurteilten umgehängt und er musste entehrt damit durch die Straßen laufen. Zur Erhöhung der Pein waren einige mit Blech ausgeschlagen oder innen mit spitzen Dornen bestückt. Auch hier handelt es sich um eine Ehrenstrafe (s. d.)
Spießrutenlaufen
Im Militärstrafrecht wurden so Deserteure bestraft. Später fand es Anwendung im Forst- und Jagdrecht. Eine sehr schmerzhafte Strafe die zu ernsten Verletzungen führen konnte. Der Deliquent musste mit entblöstem Rücken durch zwei Reihen von je 12 Soldaten hindurchlaufen, die ihn mit Haselnußruten schlugen. Es ist nicht nachzuweisen, dass diese Art der Bestrafung auch im Norden durchgeführt wurde.
Staupenschlag
Siehe unter Prügelstrafe und Züchtigung. Gezüchtigt wurde mit dem Staupbesen, einem Bündel Reisig. Meist war der Staupenschlag eine zusätzliche Strafe zu einer anderen als Strafverschärfung.
Steinigen
Todesstrafe. Das Opfer wird auf einem Marktplatz an einen Pfahl gebunden und von den Umstehenden so lange mit Steinen beworfen, bis er tot ist.
Strecken
Folter zur Erlangung von Geständnissen bzw. Todesstrafe. Auf einer Streckbank die am Kopf- und Fußende eine Winde hatte, wurde der Delinquent festgebunden. Durch langsames Drehen wurde das Opfer in die Länge gezogen, (gestreckt). Das Strecken konnte auch den Rückenwirbel des Opfers zerstören und ihn zeitlebens zum Krüppel machen.
Abschneiden von Ohren, Zungen, Fingern, Füßen und Händen
Verstümmelungs- und Erziehungsstrafe. Lügner und Gotterlästerern. wurden durch das Herausschneiden der Zunge, Diebe durch das Abhacken einer Hand, Flüchtige durch das Abschneiden der Füße bestraft, Kupplern durch das Abschneider der Ohren, Meineidigen durch das Abschneider der Schwurfinger, Einbrechern durch Ausstechen der Augen.
Schwangere Frauen durften, wenn sie Täterinnen wurden, nicht zum Tod verurteilt werden. Ihnen wurden zur Strafe die Ohren abgeschnitten.
Verbrennen
Todesstrafe. Das Opfer wird auf einem Scheiterhufen verbrannt. Dieses war eine übliche Bestrafung für Ketzer und Hexen, weil die beteiligte Kirche nicht wollte, das Blut vergossen wurde.
Vierteilen
Todesstrafe hauptsächlich für Verräter. Arme und Beine des Verurteilten wurden mit Stricken jeweils an den Schweif von vier Pferden befestigt. Hinter jedem Pferd stand ein Antreiber. Auf ein Komando trieben sie gleichzeitig die Pferde in vier verschiedene Richtungen und so wurde der Körper des Delinquenten buchstäblich zerrissen (gevierteilt).
Züchtigung
Körper- und Ehrenstrafe die der Erziehung galt. Sie wurde mit Peitschen, Ruten oder Stöcken auf Gesäß oder Rücken durchgeführt. Sie fand immer auf öffentlichen Plätzen mit vielen Zuschauern statt. In Flensburg durch den Kaack (s. d.).
Siehe auch unter Staupenschlag.
Zuchthausstrafe
Freiheitsstrafe mit Erziehung zu Zucht und Ordnung.

Strafgewalt, mittelalterliche .....
Das germaische Recht sah die Strafgewalt der Familie oder Sippe bis hin zur Todesstrafe vor. Entehrte Töchter oder Söhne durften vom Vater getötet werden. Dieses Recht galt das gesamte Mittelalter hindurch. Grundlage dieses Rechts war die Munt, die Gewalt des Hausherrn über die seiner Hausgemeinschaft angehörenden Personen. Besonders Mädchen, die gegen die Familienehre verstoßen hatten, konnten von Vater oder Bruder dafür getötet werden.
Diese Tötungsbefugnis der beleidigten Sippe oder des beleidigten Hausherrn billigt auch noch das Dithmarscher Landrecht von 1447. Dieses Recht soll dort bis ins 18. Jh. hinein Bestand gehabt haben.

Strandung / Strandgut / Strandräuberei
Alles an den Strand getriebene Gut bis hin zu Schiffen. Besonders an der Nordsee (Mordsee) kam es auf den Inseln zu vielen Schiffsstrandungen. Das galt besonders für die Zeit, als es noch keine guten Navigationsgeräte gab und auch das Seezeichenwesen (s. d.) noch nicht so gut war.
Die Strandung von Schiffen mit wertvoller Ladung war für die Landesherren finanziell nicht uninteressant. Von dem Auktionserlös erhielten sie ein Drittel, ein weiteres Drittel stand den Bergern zu und das letzte Drittel bekamen die Eigentümer, Kapitäne und Reeder. Diese staatliche "Strandräuberei" dauerte bis 1803. Danach wurden sie durch die Grundsätze des humaneren dänischen Strandrechtes ersetzt.
Da dem Land (König, Herzogtümern) die Küsten gehörten, stand ihnen auch das Strandgut zu. Von der Strandung über die Bergung bis zum Auktionserlös musste alles genau protokolliert werden. Dafür zuständig waren die Strandvögte. Nicht immer traute die Landesherrschaft den Strandvögten und ließ diese noch von Strandinspektoren oder Strandhauptmännern überwachen.
Strandungen waren auch ein gutes Geschäft für Strandräuber, die oft als erste die gestrandeten Schiffe erreichten und sich nahmen, was sie brauchten. Nicht selten gingen sie soweit sogar die noch lebende Besatzung zu töten, wenn diese sie am räubern hindern wollten.
Schon für mindere Fälle von Strandräuberei gab es strenge Strafen bis hin zu Zuchthaus. Das galt selbst, wenn nur Planken, die zum Heizen gebraucht werden sollten, am Strandvogt vorbei geraubt wurden.
Nach Aufhebung des Strandrechts galt das Fundrecht und der Finder erhielt "5 % des Besten".

Straßen, im Herzogtum Schleswig ....
1845 gab es im Herzogtum folgende Straßen:
Flensburg - Husum 37,50 KM
Husum - Friedrichstadt - Tönning 26,25
Flensburg - Schleswig - Eckernförde - Kiel 82,50
Flensburg - Apenrade 33,75
Apenrade - Hardersleben - Kolding 56,25
Schleswig - Rensburg 28,12
Hadersleben - Aarösund 15,00
Husum - Tondern - Ripen (Ribe) 101,25
Tönning - Garding 11,25
Flensburg - Fynshav 58,12

Von diesen 450 Km waren 1854 aber erst 221,25 Km Kunststraßen aus Stein, der Rest waren Schotterwege.
Siehe auch unter Wegeverordnung.

Straßenbahnen
Am 8. 7. 1888 wurde auf Sylt eine dampfgetriebene Inselbahn eingerichtet die 1970 stillgelegt wurde.
Schon um 1890 ging man dazu über, die um 1880 gegründeten Pferdebahnen durch Straßenbahnen zu ersetzen und die "Hafermotoren" durch Elektromotoren auszutauschen.
1896 nahm die Straßenbahn in Kiel ihren Betrieb auf. 1914 war das Streckennetz auf 36,5 Km ausgebaut. 1955 begann in Kiel der Rückbau der Straßenbahn und 1969 gab es nur noch eine Linie.
1901 richtet Amrum eine dampfgetriebene Inselbahn ein die bis 1939 ihren Dienst tat. Außerdem wurde von 1909 bis 1919 eine elektrische Inselbahn auf Amrum betrieben.
1905 - 1907 nahm die Straßenbahn in Flensburg ihren Betrieb auf. Schon 1912 fuhr sie auf drei Linien, die zwischen 1957 und 1973 eingestellt wurden.
1910 wurde in Schleswig die alte Pferdebahn durch eine Straßenbahn ersetzt. In den engen Straßen der Innenstadt war der Betrieb aber sehr problematisch und so wurde sie schon 1936 wieder eingestellt.
(siehe auch unter Pferdebahnen)

Straßen- und Stadtbilder des Mittelalters
Am Beispiel Flensburgs dargestellt.
Die Straßen und Gassen waren ungepflastert und bei Regen abgrundtief durchweicht und nachts unbeleuchtet. Die Häuser hatten keine Toiletten (siehe unter Notdurft) und keinen Wasseranschluß und keine Kanalisation. Auf fast jedem Hof wurde Vieh gehalten, das morgens durch die Rodestraße (Rote Straße) und das Rodetor (Rote Tor) auf die Weide vor der Stadt getrieben und abends zurückgeholt wurde. Der Mist wurde in Ehgräben (s. d.) vor die Häuser auf die Straße und in den Hafen gespült. Es stank erbärmlich in der Stadt. In den aufgeweichten Straßen suhlten sich die Schweine, fuhren sich Fuhrwerke fest und gingen die Menschen ihren Bedürfnissen nach. Teilweise wurden die Bürger verpflichtet, die mit Viehdung und Kot durchtränkten Wege mit Holzstegen passierbar zu machen. Ihr Trinkwasser holten sich die Bürger von öffentlichen Brunnen, deren es viele auf den Straßen Flensburgs gab. An diesen Brunnen wurden aber auch die Pferde und das Vieh getränkt und Katzen und Hunde und anderes Getier bedienten sich selbst.
Die Stadt war von einer Mauer umgeben. Torwächter wachten an den Toren über jeden Ein- und Ausfahrenden. Nachts wurden die Tore geschlossen.
Siehe auch unter Ehgraben.

Strohgelder
Siehe unter Heu- und Strohgelder.

Strohlegen
In früherer Zeit gab es keine fertigen Särge. Diese wurden erst nach Eintritt des Todes nach Maß gezimmert. So konnte die Leiche nicht gleich eingesargt werden. Sie wurde zunächst nach bestimmtem Ritual auf Bretter, die mit Stroh bedeckt wurden gebettet. Dieses nannte man Strohlegen. Es wurde in jedem Haushalt extra sauberes Bund Roggenstroh dafür bereitgehalten. Während des Strohlegens wurden die Glocken geläutet. "Von´t Bett op´t Stroh lüden" nannte man diese Stunde.
Das Leichenstroh wurde zusammengebunden bis zum Tage der Beerdigung aufbewahrt. Während der Trauerzug auf dem Weg zum Friedhof war, wurde das Leichenstroh verbrannt. Es galt gleichzeitig als ein Omen. Den nächsten Toten würde es geben da wohin der Rauch zog.
siehe auch unter Beerdigung.

Strom- und Elektrizitätsversorgung der Städte
1885 wurde in Berlin das erste Elektrizitätswerk Deutschlands gebaut.
1894 begann die Stromversorgung Flensburgs von einem Gleichstrom-Elektrizitätswerk. Seit 1928 arbeitete das E-Werk mit Apenrade zusammen. Von 1969 bis 1971 wurde das Flensburger Kraftwerk auf ein Heizkraftwerk für Fernwärme umgerüstet.
1910 wurde ein E-Werk in Schleswig mit Gleichstrom in Betrieb genommen.

Stud
Neben der Leding (s. d.) hatten die freien Bürger einer Harde ähnlich den Spann- und Handdiensten persönliche Dienstleistungen Stud und Innä an den Landesherrn zur Unterhaltung der Burgen zu leisten.

Stülper / Strohstülper
Bienenkorb.

Stuf / /Stufland
Im Gegensatz zum Ornum Land innerhalb der Dorfmark (s. d.), das durch Schenkung oder Verkauf vom Hof abgetrennt wurde und aus der Feldmark ausschied. Am häufigsten entstand es als Geschenk bei Heirat der Tochter.
Landgeschenke an die Kirche bezeichnete man als Kirchen- stuf.
Siehe auch unter Ornum.

Stuhlbrüder
Taxatoren der Brandgilden und Feuerversicherungsvereine im 19. Jh.. Sie hießen auch Schauungsmänner und gehörten dem Vorstand an. Von den 12 Suhlbrüdern ging jährlich jeweils der Älteste ab und wurde durch einen neuen, für vier Jahre gewählten, ersetzt. Sie taxierten die Werte der versicherten Gebäude, Einrichtungen und Mobilien, setzten jährlich Preislisten für landw. Produkte auf, nach denen Versicherungsleistungen erstattet wurden. Bei Brand untersuchten sie die Ursache, stellten den Schaden fest und legten die Entschädigungssumme fest.

Stuhlstände
Feste Plätze in der Kirche die auf sechs Jahre oder mehr an Kirchgänger vermietet wurden (...alle 6 Jahre aufs neue verlicitiret werden). Dafür musste Miete gezahlt werden. (s. u. Kirchstuhl). Alte Bauerngeschlechter hatten lebenslang ihre eigenen abgeschlossenen Plätze für ihre Familien.

Stuprata
Eine unehelich geschwängerte Frau.

Styrismann
Das ganze Land im Norden war für Seekriege in Distrikte (Skipän) eingeteilt, die jeder ein Schiff ausrüsten mussten. Die Ausrüstung leitete ein Styrismann, der auch im Krieg das Schiff befehligte. Er musste ein Pferd, eine vollständige Rüstung, eine Armbrust und drei Zwölfer (Tült) Pfeile haben.


Pfeil oben


T

Tabak und Rauchen
Anfang des 19. Jh. war Flensburg ein Schwerpunkt einer sich entwickelnden Tabakindustrie und hatte 45 Tabakfabriken. Fast die ganze dänische Tabak-Einfuhr wurde in Flensburg umgeschlagen.
Als Christoph Columbus 1492 Amerika entdeckte, wurde dort schon Tabak geraucht. Tabak wurde damals geraucht und gekaut. Matrosen fanden Gefallen daran und brachten den Tabak in südeuropäische Häfen mit. Schnell wurde es zu einem teuren und bedeutenden Handelsgut. Ende des 16., Anfang des 17. Jh. hatte Tabak den zehnfachen Preis von Pfeffer. London wurde zu einem führenden Tabakhandelszentrum.
Die Soldaten im 30jährigen Krieg machten den Tabak in ganz Europa bekannt. Geraucht wurde von Jung und Alt, von Mann und Frau. Offiziell aber galt Tabak als Heilmittel und durfte nur in Apotheken verkauft werden. Bald aber entdeckten die Regierenden die Möglichkeit mit dem Tabak Steuern zu erzielen und führten Tabaksteuern ein. Tabakschmuggel, vorbei an dieser Steuer, wurde streng bestraft. Zum Beginn des Tabakkonsums wurde mehr geschnupft als geraucht, weil es an Feuer (Streich- hölzer) fehlte. Das Schnupfen wurde vom Adel wie vom Volk übernommen.
Bis ins 17. Jh. hatte Tabak eine Bedeutung als Heilpflanze, vornehmlich in der Augenheilkunde.
Anfang des 18. Jh. verbreitete sich das Zigarrenrauchen. In Preußen betrachtete man dieses mit Argwohn, denn vor der Märzrevolution galt dieses als ein Symbol der "Volksverhetzer". In Berlin war Zigarrenrauchen auf der Straße verboten und galt als Auflehnung gegen die Staatsgewalt.
Arbeiterinnen in der heimischen Zigarrenmanufaktur wickelten Tabakreste in Papier und boten diese papelitos im 18. Jh. zunächst in Mexiko zum Verkauf an. Von dort kamen sie im 19. Jh. nach Europa und bekamen den Namen Zigarette als Verkleinerungsform von Zigarre.
Ein weiterer Schwerpunkt der Tabakverarbeitung im Norden war Bredstedt, wo seit 1750 von Tabakspinnern Tabakblätter zu fünf cm starken Seilen gedreht wurden. Die Raucher schnitten sich davon die gewünschte Tabakmange ab. Später schnitten die Spinner den Tabak selbst und lieferten grober oder feiner geschnittenen Rauchtabak für die Pfeifen.
Die Tabakspinner arbeiteten im Handbetrieb in kleinen über Bredstedt verteilten Werkstätten. Der Verkauf erfolgte über Höker und Kolonialwarenhändler. In der 2. Hälfte des 19. Jh. konzentrierte sich das alte Gewerbe auf nur noch zwei Betriebe in Bredstedt. Sie hatten die Priemherstellung begonnen.
Nach dem Krieg 1945 setzte ein lebhafter Anbau von Tabak ein. Bald wurde dieser stark kontrolliert. Pro Raucherkarte durfte nur eine bestimmte Anzahl Pflanzen angebaut werden. Das Land durfte dem Anbau von Nahrungspflanzen nicht entzogen werden. Der Zoll kontrollierte sehr streng Anbau und Ernte. Die Tricks, die Anordnungen zu umgehen waren ebenso vielfältig wie die Methoden der Verarbeitung der Tabakblätter und sogar der Stengel zu gutem Rauchtabak.

Tabakspinner
Beruf. Er stellte Rollen-, Kautabak und Tabak her.

Tabulettkrämer
Beruf: Hausierer der von Dorf zu Dorf zog und von seinem Tablett, das er um den Hals vor dem Bauch hängen hatte, verkaufte.

Tängen
Art der Schleifischerei mit zwei Booten (Schleikähne) die durch einen 10 - 12 m langen Stamm verbunden waren.

Tafel-Opfer / Tafelgeld
Freiwillige aber moralische Verpflichtung zur Abgabe von Geld der Kirchbesucher (durch Altarumgang) zur Anschaffung von Wein und Brot für das Abendmahl.
Den Juraten (Kirchgeschworenen) wurde das Geld auf eine hingehaltene Tafel gelegt.

Tagelöhner
Niedrigste Stufe in der ländlichen Hierarchie. Im Unterschied zum Insten war der Tagelöhner nicht ständig beschäftigt und erhielt seinen Lohn täglich ausbezahlt. Er musste sich täglich um neue Hilfsarbeiten bemühen.

Tagwerk, Dagwerk
1) In Nordfriesland = Demath (Tagmahd) = 1/2 ha = soviel ein guter Arbeiter an einem Tag mähen konnte.
2) In Torfgegenden im Torfstich die Menge, die an einem Tag gegraben wurde bzw. auch zwei gut gefüllte Fuder.
3) Beim Buchweizenanbau war ein Tagwerk ca. 2 1/4 ha groß.

Talglichte
Bis zur Einführung der Petroleumlampen ab 1850 erhellte man die Stuben mit selbst hergestellten Talglichten aus Schaftalg.
Im Herbst wurden dafür auch extra Hammel geschlachtet.

Tartane
Nepper, Schlepper, Bauernfänger.

Taterkorn
Buchweizen der angeblich von den "Tartaren", den Zigeunern aus ihrer Heimat mitgebracht wurde.

Tatern
Zigeuner.

Taufe
Die Taufe fand, wenn es keine Nottaufe war, immer an Kirchensonntagen statt. Meist innerhalb weniger Tage nach der Geburt. Es war Pflicht, dass der Täufling ein besonderes Kleid, das Castelzeug (s. d.) trug.
In Taufregistern wurde oft nur der Name des Vaters genannt.
Bei der patronymischen Namensgebung wurde bei einem Sohn der Vorname durch "sen" ergänzt und bei einem Mädchen durch "s".
Bei Leibeigenen (Untergehörigen) wurde häufig der Gutsherr bzw. dessen Gemahlin für das Taufamt ausgewählt. Dafür musste der Täufling den Vornamen des Paten tragen.
Zu Taufbräuchen siehe unter Castelzeug, Exorcismus, Hebammen, Kindelbier, Luxusverordnung, Paten und Gevatter,)

Taxatoren
Besichtigungsmänner, die gerichtliche Schätzungen und Gutachten vornahmen.

Teeken / Teken
Selbst mit der Hand gedrehte Strohseile aus weichem glatten Haferstroh. Sie dienten zum Befestigen der Heideplacken auf den Dächern.

Telegraphie und Telephonie
1853 wurde Flensburg an das Telegraphennetz angeschlossen.
Der erste elektrische Telegrapf in Angeln verband seit 1859 Flensburg mit dem Schloss Glücksburg. Weitere Telegraphenlinien entstanden in Angeln 1866 von Schleswig nach Kappeln.
Gelting ab 1878, Sörup ab 1879, Satrup ab 1880.
1880 wurden in Angeln erste Fernsprecher eingerichtet. Anschlüsse gab es zunächst nur bei den Poststellen. Um die Jahrhundertwende wurden auch einzelne Häuser an das Netz angeschlossen.
1903 hatte u. a. Glücksburg 32, Kappeln 59, Satrup 19, Steinberg 36 und Süderbrarup 22 Anschlüsse.

Territion
Vor der Anwendung der Folter konnte Territion angeordnet werden. Der Angeklagte wurde in die Folterkammer geführt, um sich die Folterwerkzeuge anzusehen. Oft reichte das schon für ein Geständnis.

testes
(lat.) Zeuge, auch Trauzeuge

Theophanie
Religiöser Wahnsinn, Geisterscheinungen.

Thing
Thing germanische Form vom nieder- und hochdeutschen Ding (s. d.)

Thyraburg
Ehemalige am Danewerk gelegene Burg die ihren Namen von Thyra Danebod, der Frau Harald Blauzahns erhielt. Es wird vermutet, dass sie im 13. Jh. gebaut wurde.

Tidenhub / Tide
Der Abstand zwischen mittlerem Hoch- und mittlerem Niedrigwasser. Bei Springflut (s. d.) wird der Tidenhub größer, bei Nipptide (s. d.) kleiner.
An der Nordsee beträgt der durchschnittliche Tidenhub etwa zwei bis drei Meter, an der Ostsee nur wenige cm.
Zu Nutze macht man sich den Tidenhub in Gezeitenkraftwerken.
(siehe auch unter Gezeiten)

Tienkornsammler
(Nordfriesland) Alljährlich wurde der Zehnte an Korn als Deputat für den Pastor gesammelt. Die Bauern mussten jede 10. Hocke ihrer Ernte an Pastor und Lehrer liefern. Dafür stellten die Kirche und der Schulverband jeweils ein Schauer zur Verfügung in die das Korn gebracht wurde. Da es dabei vom Pastor und vom Lehrer auch manchen Punsch (s. d.) gab, wurde das Tienkornsammeln oft ein feuchtfröhliches Fest.
Das gleiche galt auch für das Eiersammeln. Hierzu zogen die vier ältesten Schuljungen von Haus zu Haus. Man gab 2 - 10 Eier für Pastor und Lehrer.

Tinte / Dornrindentinte
Gewöhnliche schwarze Tinte wurde schon 3000 v. Chr. aus Ruß und Gummiwasser (gummi arabicum) hergestellt. Es folgte um 1000 v. Chr. die sog. Indische Tusche aus Ruß von verbrannter Nadelholzkohle und Lampenöl.
Im 3. Jh. v. Chr. stellte man Eisengallus-Tinte her, die durch Abkochen von Galläpfeln mit Eisensulfat und Zugabe von Gummiwasser entstand. Sie war besonders beständig.
Im Mittelalter wurden neue Rezepturen durch Zugabe farbiger Pigmente entwickelt.
Die am häufigsten gebräuchliche Tinte des Mittelalters wurde die Dornrindentinte, die nicht so schnell eintrocknete. Dornrindentinte vereinte die Lichtechtheit und Haltbarkeit der Rußtinte mit der Wasserfestigkeit der Eisengall-Tinte. Sie hatte eine rotbräunliche Färbung. Verwendet wurden Dornenzweige der Schlehe. Gewonnen wurde ein Pulver, das man in warmem Wein löste. Das Pulverkonzentrat war nahezu unbegrenzt haltbar.

Tönning
Stadt in Nordfriesland in der Eider-Treene-Niederung am Ufer der Eider. Erste Erwähnung fand Tönning 1187. Bereits 1186 wurde die St. Laurentius-Kirche gegründet. 1414 brannte die Stadt nieder.
Von 1580 bis 1583 entstand unter Herzog Adolf (1526 - 1586) das Tönninger Schloss. Für einen Aufschwung der Stadt sorgten die zugewanderten Niederländer die auch die Käseproduktion einführten. Tönning wurde wichtigster Ausfuhrhafen für Käse. 1610 drei Millionen Pfund.
1590 erhielt Tönning Stadtrecht und wurde Gerichtsort für den Ostteil Eiderstedt. Da Tönning während Nässeperioden unpassierbar und vom Umland abgeschnitten war, wurden Kanäle zu den Nachbarorten gebaut. 1613 wurde der Hafen gegraben.
Nach dem 30jährigen Krieg baute Herzog Friedrich III. (1597 - 1659) Tönning zur Festungsstadt aus. So war Tönning von 1644 - 1675 und wieder von 1692 - 1714 Festungsstadt. Unter Aufwendung von 30 Tonnen Gold wurden Bastionen und Gewölbe gebaut und mit Toren versehen. 1675 schleifte König Christian V. (1646 - 1699) die Festung. Nachdem Herzog Christian Albrecht (1641 - 1695) das Herzogtum zurückerhielt baute er 1692 die Festung sicherer und größer wieder auf.
Im Großen Nordischen Krieg (s. d.) spielten sich die entscheidenden Schlachten in Tönning ab.
1700 marschierte der dänische König Friedrich IV. (1671 - 1730) ein und belagerte die Festung. Sie wurde von mehreren tausend Kanonenkugeln getroffen die schwere Schäden anrichteten, aber sie blieb erhalten.
1709 flüchteten 11.000 Schweden mit 1.000 Pferden vor den Dänen, Russen und Sachsen in die Stadt Tönning. Insgesamt hielten sich dadurch 22.000 Menschen in der kleinen Stadt auf. Es kam zu Seuchen und Hunger und die Schweden kapitulierten 1713.
1714 ließ der König die Festung schleifen und auch das Tönninger Schloss abreißen.
Eine kurze Blütezeit erlebte Tönning während der Kontinentalsperre, als die Elbe von den Franzosen gesperrt war. Zwischen 1803 und 1807 landete der gesamte für Hamburg bestimmte Warenverkehr in Tönning und wurde von Kaufleuten auf dem Landweg nach Hamburg gebracht. Handelsherren aus ganz Europa kamen nach Tönning und die Stadt wurde vorübergehend zum wichtigsten Hafen an der kontinentaleuropäischen Nordseeküste.

Toft
Eingezäunte Hauskoppel außerhalb der Allmende-Gemein- schaftsflächen, die Privatbesitz war und der privaten Nutzung diente.

Tollhaus
Vorläufer der Irrenanstalt. Es diente der Unterbringung Geisteskranker und geistig Behinderter. Sie erhielten nur unzureichend Nahrung, waren teilweise angekettet, wurden geschlagen und mit Folterwerkzeugen "zur Vernunft gebracht". Von der Bevölkerung wurden sie verachtet. (s. u. Irrenhaus)

Töndelstöcke / Tondelstöcke
Vor der Zeit des Klöppelns mit vier Klöppelstöcken wurde ein groberes Verfahren mit vier wesentlich größeren Töndelstöcken durchgeführt.

Tondern
Kleinstadt im dänischen Südjütland (Nordschleswig s. d.). Tondern gehört mit zu den ältesten Städten zwischen Nord- und Ostsee. Schon 1017 war Tondern in Flensburg bekannt. 1227 gründeten dort die Dominikaner- und 1238 die Franziskanermönche ihre Klöster. 1238 erhielt Tondern Lübsches Stadtrecht. Tondern war damals eine der wenigen Hafenstädte an der Westküste. Wegen der niedrigen Lage wurde Tondern u. a. 1532, 1593, 1615 und 1634 von Hochwassern heimgesucht. Es gab im Laufe der Jh. viele Brandkatastrophen und im 16. u. 17. Jh. wütete die Pest fünf Mal in der Stadt.
Durch Landgewinnung verlor die Stadt ihren Zugang zum Meer und damit an wirtschaftlicher Bedeutung. Einen Ausweg fand man im Spitzenklöppeln. Tondernsche Spitze wurde zu einem Begriff.
1600 und 1700 wurde Tondern zu Nordfriesland gerechnet und es wurde friesisch gesprochen.
1788 wurde in Tondern das erste Lehrerseminar des Landes eröffnet.
Bei der Volksabstimmung 1920 (s. d.) stimmen 77 % für Deutschland. Trotzdem kam Tondern wegen der En-Bloc-Regel für die Zone I zu Dänemark.

Tonnen
(siehe unter Seezeichen)

Torf
Aus den Hochmooren gewonnenes Brennmaterial.
Stechtorf: Die älteste und häufigste Form war das Stechen von Stechtorf mit Spaten. Stechtorf konnte nur in einigermaßen trockener Form des Torfs erfolgen. Die Torfstücke wurden dann zum Trocknen aufgestellt und mussten häufig gewendet werden.
Streichtorf:
Torfqualitäten unterschiedlicher Güte wurden in etwa 60 cm hohe Holzbehälter (Trey) von 5 x 5 m im Quardrat gefüllt, gemischt und mit viel Wasser zu einem zähen Torfbrei befeuchtet. Dann wurde diese Masse gründlich durch zwei Pferde gestampft. Die feine gestampfte Masse wurde in kleine Torfformen gepresst, auf Torfkarren geladen und zum Trockenplatz gefahren.
Presstorf
Industriealisierte maschinelle Form der Torfgewinnung ab etwa 1875. Als um 1885 Steinkohle in den Norden kam, verlor Presstorf allmählich an Bedeutung als Heizmaterial. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde die maschinelle Form dieser Torfgewinnung im Norden aufgegeben.

Torfkohle
Torf wurde nicht nur direkt als Brennstoff verwendet, sondern auch zu Torfkohle verkohlt. Auf diese Weise wurde der Heizwert erhöht und die Verbrennungseigenschaften verbessert. Verbreitet war dieses Verfahren im 18. und 19. Jh. Auch auf der nordschleswigschen Geest fanden sich diese Torf-Kohle-Meiler.
Für einen Meiler wurden 40 - 50 Fuder (Bauernwagen) Torf benötigt.
Torfkohlebrocken waren hart und schwarz ähnlich dem Koks.
Gebraucht wurde die Torfkohle u. a. als Schmiedekohle, weil sie keine Schlacken bildete und eine gleichmäßigere Wärme gewährte. Hauptabnehmer nordischer Torfkohle war die Schiffswerft und die Kupfermühle in Flensburg und eine Färberei in Angeln.
1918/19 wurden die Lieferungen eingestellt.

Torfsalz
(siehe unter Friesensalz).

torquiert
In der Tortur gepeinigt.

Totenbretter
Siehe unter Leichenhölzer.

Totenkopfpredigt
In Angeln unvergessene Predigt des Pastors Johann Christian Ohrdorff (1728-57) in Grundhof. Zwischen Bohlsleuten, Kätnern, Insten war in den Dörfern ein heftiger Rangstreit ausgebrochen. In der Kirche stritt man sich um die vorderen Plätze. Wütend über diesen weltlichen Dünkel seiner Herde nahm er einen Totenschädel mit auf die Kanzel und ließ diesen an die Gemeinde gewandt sprechen:
"Sieh mich an, scharf ins Gesicht! War ich Bohlsmann oder nicht .... Was und wieviel war es wohl, was ich sonst besessen habe? War mein Haus mein Gut meine Habe eine Kate oder ein Bohl? Ei, versuch es, kannst Du noch, was ich auf der Welt gewesen, jetzt aus meinen Augen lesen? Eins von beiden war ich doch. Ist was, woran man sehen kann, wo bei freundschaftlichem Essen, ich mit meinem Rumpf gesessen, oben oder unten an?
Viel Erfolg hatte er wohl nicht mit seiner Totenkopfpredigt aber am 11. 12. 1732 gab es eine Königliche Verordnung nach der Frei- und Veste-Kätner ranglich den Bohlsleuten gleichgestellt wurden. Übertretungen sollten mit 10 Rthlr. geahndet werden.

Totenkreuz
In manchen Beliebungen in Angeln gab es das Totenkreuz. Beim Tod eines Gemeindemitglieds ging es von Haus zu Haus. "Eilig und geschwind reicht es einer an den anderen weiter". Daran war ein Zettel befestigt auf dem geschrieben stand wer gestorben war, wer zu den Sargträgern gehörte usw.. Außerdem wurde Tag und Stunde der Beerdigung mitgeteilt und um Teilnahme an der Beerdigung gebeten.

Totenpfennig
(siehe unter Gildepfennig)

Totenschild
Totengedenktafel die in der Regel in der Kirche angebracht wurde und an eine verstorbene Person erinnerte. Ursprünglich nur für den Adel, später auch fürs Bürgertum.
Das Totenschild entstammte der Sitte des 12. Jh. den Schild des verstorben Ritters mit seinen Waffen in der Kapelle seiner Heimatburg aufzuhängen. Aus dem Schild entwickelte sich im Laufe der Zeit bis ins 16 Jh. das Vollwappen des Toten und wurde mit Umschrift versehen.
Totenschilde waren gewöhnlich aus Holz, das auch mit Leder umspannt und mit Malereien reichlich verziert war.
Im Barock wurden die Totenschilde durch Epitaphe (s. d.) abgelöst.

Totenzettel
Katholischer Brauch vom 16. bis 18. Jh., der kaum im norddeutschen Raum verbreitet war. Besonders in besser gestellten Gesellschaftsschichten wurde es üblich Leichenpredigten auf Totenzetteln drucken und bei der Beerdigung verteilen zu lassen. Sie enthielten - oft in gereimter Form - Lebensdaten, Trostworte-, Verdienste und Leistungen des Verstorbenen und Lobestexte.

Toverye
Etwas verbrechen, sich schuldig machen, hexen.

Trampler
Hilfsmittel zum Dreschen des Korns als Fortschritt für den Dreschflegel. Es handelte sich um einen von einem Pferd angetriebenes System. In einem schräg stehenden Holzkasten lief ein Pferd auf einer Art Holzrollen (Hamsterradsystem) und trampelte die Körner aus den Ähren.

Trauerschere / Freudenschere
Bestimmter Stillstand der Mühlenflügel beim Vorbeizug eines Leichen- oder Hochzeitszuges an der Mühle.
Bei der Trauerschere standen die Flügel auf 2.°° Uhr; 5.°° Uhr; 8.°° Uhr und 11.°° Uhr.
Bei der Freudenschere standen sie auf 1.°° Uhr; 4.°° Uhr; 7.°° Uhr und 10.°° Uhr.
Für diese Aufmerksamkeit warf das Brautpaar dem Müller ein in Papier gewickeltes Geldstück zu.

Trauung
Wahrscheinlich abgeleitet von Treue oder von Vertrauen der
Brautleute zueinander.
Im Mittelalter gab es keine Pflicht zur Trauung. Heimliche Verlöbnisse (matrimonia clandestina) oder sog. Heimliche Winkel-ehen, waren rechtsgültig.
Nach der Reformation wurde die Ehe zuerst von protestantischen und weltlichen Obrigkeiten, dann auch von der katholischen Kirche als Schwelle für die Ausübung legitimer Sexualität etabliert.
Im Katholischen wurde die obligatorische Trauung im 16. Jh. vom Trienter Konzil eingeführt.
Trauungen fanden vor allem im Oktober nach Beendigung der Ernte statt.
(siehe unter Copulation, Dispensation, Eheschließung, Hauscopulation, Heirat, Königsbrief, Luxusverordnung)

Treber / Träber
Viehfutter aus gebranntem Malz der Brauereien.
Siehe auch unter Bier.

Treene
Fluß im Norden Schleswig-Holsteins mit Quelle im Treßsee bei Großsolt. Sie ist ein Nebenfluß der Eider und mündet nach 73 Km im nordfriesischen Friedrichstadt oberhalb des Eidersperrwerks in die Eider. Die Treene hat wie die Eider als ein Sonderfall Nordseezufluß.
Die Route Eider - Treene - Haithabu diente in der Frühzeit als Transportweg zwischen Nord- und Ostsee.
Der westliche Teil der Treene war die Grenze zwischen dänischer und sächsischer (niederdeutscher) Besiedelung.

Treueeid der Gutsuntergehörigen
Wurde ein Gut verkauft und bekam einen neuen Gutsherrn, so mussten ihm alle Untergehörigern (Leibeigenen) mit "bloßem Haupt und Handschlag" den schuldigen Gehorsam erweisen und den Treueeid leisten "für uns und die unsrigen vor Gott".
Zu dem "Actus traditonis" dem Ablauf mit symbolischer Handlung zählte auch, dass man ihm auf einem Teller den Hausschlüssel überreichte und das Herdfeuer anzündete.

Trinte
Harden waren in kleinere Verwaltungseinheiten, die Trinte eingeteilt. Eine Trinte wurde von einem Rechensmann geführt. Jedem Trint gehörten mindestens zwei Sandmänner an.

Trucheld / Trugeld
(angeliter Platt) Eher Treuegeld als Trauergeld.
Wurde der Altbauer zu Grabe getragen, so gab der Hoferbe den Dienstboten nach Betriebszugehörigkeit und dem Verhältnis zu dem Verstorbenen gestaffelt ein Trucheld in Höhe von 3 bis zu 20 Mark. Mit dem Trucheld war die Verpflichtung verbunden ein halbes Jahr lang nicht zum Tanz zu gehen und im Gedenken an den Toten still vor sich hin zu leben.

Türkensteuer / Türkengilden
Siehe unter Sklavenkasse. Mit Türken waren allgemein die Moslems gemeint.

Tüünlüüd
Flurname. Wörtlich Zaunleute. Eine in Maasholm, gebräuchliche Bezeichnung für Eigentümer der Koppeln, die vor Jahrhunderten den Oeher Heringszaun (Hamentünen) befischten.

Tutelschaft
Vormundschaft

Pfeil oben


U

Einige Jahrhunderte wurde der damaligen Gewohnheit entsprechend statt dem U ein V geschrieben und umgekehrt.
Häufiges Beispiel: vnd = und.

Ulken
Eigenwilliger kauziger Menschenschlag von Fischern auf der Halbinsel Öholm in der Ostsee mit starker Beziehung zu Maasholm.

Umgangsschulen
In sehr frühen Zeiten fand der Unterricht in ländlichen Gegenden nicht in einer festen Schule sondern umlaufend bei Bauern des Dorfes statt, bei denen der Lehrer dann meistens auch seine Wohnstätte hatte.

Unewatt, und Landschaftsmuseum Angeln/Unewatt
Unewatt liegt bei Langballig im Tal der Langballigau in einer Höhe von 10 m bis 30 m über NN auf dem Mühlenberg. Es gehört zum Kirchspiel Husby.
Der Name kommt aus dem dänischen und bedeutet "Furt bei der Weide". Watt = Durchgang durch Wasser.
Erste Nachrichten über das Gut Unewatthof gehen bis 1446 zurück. In diesem Jahr kauften Henning und Klaus Kokken, Bürger von Flensburg, "Undivathove in Grundtoft Karspele". Von Herzog Adolf wurden ihnen die adligen Freiheiten dieses Gutes bestätigt. Es hat dann noch einige Besitzer wie Hans Schack, Bendix von Ahlefeldt zu Osterade u.a. gegeben.
1619 kaufte der Herzog von Sonderburg Unewatthof. Das Gut gehörte seit 1713 zum 1. Angler Güterdistrikt und war bis 1779 persönlicher Besitz der Herzöge zu Glücksburg.
1679 wurde ein neues Gutshaus gebaut und nach der Herzogin "Hedwigshof" genannt.
1750 zählte das Dorf 8 Höfe und 6 Katen, die zur Husbyharde und zum Gut Unewatt gehörten.
Nach dem Tod des letzten Herzogs zu Glücksburg wurde das Gut 1779 königliche Domäne und dem Amt Flensburg unterstellt. 1840 zählte das Gut 293 Untergehörige.
1853 gehörten die Gutsstellen zur Munkbrarupharde. Außer Dem Gut Unewatthof, das teilweise parzelliert wurde, gehörten zwei adelige Unewatter Vollhufen, vier Bohl Königliches Bondenland, vier Amtskaten, von denen eine eine Krugkate war mit Namen Trollkjär an.
Ab 1985 wurde vom Kreis Schleswig-Flensburg das Marxenhaus wieder aufgebaut und zusammen mit fünf umliegenden Gebäuden des Dorfes Unewatt zu einem Landschaftsmuseum Angeln/Unewatt mit Räucherei, wasserradbetriebener Buttermühle, Windmühle "Fortuna", Christensen-Scheune zu einem Museumsdorf ausgebaut.
Träger ist die Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg mit Sitz in Schleswig.

Unterschleif
Veraltete Bezeichnung für Unterschlagung.
Bei Viehtriften (siehe unter Ochsenweg) versuchten die Viehhändler häufig die zahlreichen Zollstellen zu umgehen, um die Zahlungen zu vermeiden. Da die Preise an allen Zollstellen unterschiedlich hoch waren, trieben sie die Tiere auch gerne über die billigeren Zollstellen, wo es nur 3 Pfg. je Tier kostete. Dieses Umgehen der Zollstellen nannte man Unterschleif und es wurde mit hohen Strafen belegt. Viele wurden mit der Höchststrafe, der Todesstrafe durch Erhängen bestraft.

"Up ewig ungedeeld"
"Up ewig ungedeelt" wurde zum Schlagwort der Schleswig-Holsteiner und fasste den dritten von drei sog. Fundamentalsätzen zusammen, die 1844 von der schleswig-holsteinischen Ständeversammlung das Landesrecht immerwährender Vereinigung der Herzogtümer einforderten. "Die Herzogtümer Schleswig und Holstein waren fest miteinander verbundene Staaten".
Im Privileg von Ripen (Riebe/DK) vom 5. 3. 1460 heißt es:
"unde dat se bliven ewich tosamende ungedeelt".
Das unterstrich, dass die Herrschaft über das Herzogtum Schleswig und die damalige Grafschaft Holstein in einer Hand bleiben sollte. (siehe auch unter Schleswig-Holstein-Lied)

Upstalsboom
Mittelalterliches Landtagsgelände der friesischen Stämme (siehe auch unter Friesisches Manifest). Es liegt bei Rahe, südwestlich von Aurich.
Die erste Erwähnung fand der Upstalsboom 1216. Hier trafen sich die Abgesandten der Friesischen Stämme. Diese Treffen fanden einmal jährlich am dtritten Pfingsttag statt. Urkundlich nachgewiesen waren sie zwischen 1216 - 1231 und von 1323 - 1327.
1323 wurde das Upstalsboom-Gesetz beschlossen, in dem die alten Satzungen der Zeit angepasst wurden. Dieser Bund sollte den Landfrieden unter den einzelnen friesischen Gebieten wahren.

Urfehde / Urfede schwören
Einst die eidliche Versicherung eines Verurteilten, sich wegen der gegen ihn geführten Untersuchung und zu vollstreckenden Strafe nicht rächen zu wollen. Auch war es der Eid eines entlassenen und verwiesenen Verhafteten, das Land, aus welchem er verwiesen wurde, nicht wieder zu betreten, noch sich an dessen Bewohnern zu rächen.

Urgicht
(vom mhd. urgiht = Aussage, Bekenntnis). Unter Folter gemachtes Geständnis bei Verfahren. Bestandteil jedes Hexenprozesses (s. d.) Erst nach dem Geständnis in der Urgicht konnte das Gericht das endgültige Urteil fällen.

Utbuurn / Utburn
Auf der Geest landläufige Bezeichnung für Bauern die in die Feldmark aussiedelten.

Utlande / Uthlande
Bezeichnung für die einst dem nordfriesischen Festland vorgelagerten Außenlande (Inseln, Halligen und Marschen), in den dreizehn mittelalterlichen Marsch- und Inselharden Nordfrieslands. Heute ist ein Teil davon im Meer versunken.
Die Utland-Friesen waren von jeher frei von Steuern. Als König Erich IV. (1216 - 1250) von Dänemark dennoch versuchte die Pflugsteuer einzutreiben, musste er die Utlande fluchtartig verlassen, nachdem viele seiner dänischen Ritter ihr Leben gelassen hatten. Sein Bruder Herzog Abel (1218 - 1252) (später König von Dänemark) verlor sogar den größten Teil seines Heeres und sein Leben als er es 1252 erneut versuchte.

Utlucht
Vorbau in Häusern z.B. in Arnis und in der Fischersiedlung Holm bei Schleswig. Durch das Utlucht kann man aus der Stube nicht nur gerade hinaus, sondern auch die Straße zu beiden Seiten entlang sehen.

Utsprok
Totenehrung, Totenfeier. Siehe auch unter Parentation.

uxor
(lat.) Ehefrau

uxor aditus
(lat.) Hebamme (die zur Frau hingehende)

Pfeil oben


 V

Vacantz
Freie Dienststelle.

Vaccinierte
Medizinisch gegen Pestilenz und andere "Klebende Seuchen" Geimpfte. 1825 gab es im Amt Flensburg 477 Vaccinierte.

Valant
Teufel.

Valetrede
Abschiedsrede.

Vletschmaus
Abschiedsessen.

Vasall
Gefolgsmann, Lehnsmann, der vom Landesherren ein Gut als Lehen bekam.

Vaterländischer Frauenverein
Auf Anregung der preußischen Königin und späteren Kaiserin Augusta 1864 gegründete Frauenvereine zur Pflege und Hilfe für Verwundete im Kriege. Am 14. Oktober 1869 entstand in Schleswig der erste "Schleswiger Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins zu Berlin". Ihren ersten Einsatz hatten die Schleswiger Frauen während des Krieges 1870/71. Sie pflegten Verwundete in Lazaretten und kümmerten sich um die vielen französischen Kriegsgefangenen, die in Schleswig untergebracht waren.
1887 beschloss der Verein wegen steigender Kriegsgefahr eine Kriegskrankenschwester in Kiel ausbilden zu lassen und übernahm die Lieferung von Verbandszeug und Wäsche für ein einzurichtendes Lazarett.
An vielen Stellen unseres Landes entstanden seit 1870 Vaterländische Frauenvereine.

veralinieren
Durch Kauf oder Pacht in fremde Hände geben.

Verbittelsgeld
Abgabe der untersten sozialen Schicht im Dorfe (Tagelöhner, Insten und Handwerker) an ihren Grund- oder Landesherrn, dessen Schutz (Verbittung) sie dafür genossen. Es betrug für alle gleichbleibend 1 Rthl. 9 Schilling.

Verkoppelung / Einkoppelung
Die Überführung von Gemeinschaftsländereien (Feldgemeinschaften) ins Eigentum der Bauern durch die am 10. 2. 1766 von der Generalkommission in Kopenhagen und die Schleswig-Holsteinischen Landkommission beschlossene Agrarreform. Diesen um 1750 beginnenden, auf privaten Initiativen beruhenden Vorgang nannte man Verkoppelung. Erst durch die Landaufteilung gelangten die Bauern zu Eigentum an den ehemals königlichen Ländereien, die sie bis dahin gepachtet (gefestet) hatten. Die neuen Feldschläge mussten laut Gesetz mit einem Wall umgeben werden. Später wurden diese Wälle bepflanzt und Knick (s. d.) genannt.
Die Verkoppelung war Verbunden mit der Aufhebung der Feldgemeinschaft (s. d.) und dem Flurzwang (s. d.) und brachte eine totale Umstellung (Verbesserung) der Bewirtschaftungsweise.
Die Obrigkeit verfügte am 10. 2. 1766 und am 29. 1. 1770 Einkoppelungsverordnungen. Dieses stieß bei vielen Bauern auf große Ablehnung, denn die Verkoppelung war für den Einzelnen mit viel Arbeitszeit und hohen Ausgaben für das Anlegen der Wälle und Knicks (s. d.) verbunden, die außerdem wichtige Ackerflächen beanspruchten.
Sehr vorteilhaft wirkte sich die Arrondierung (Zusammenlegung verstreut liegender Flächen) aus.

Verlobung / Verlöbnis
Das Versprechen eine Person zu heiraten.
Bevor 1874 das Standesamt eingeführt wurde, hatte die Verlobung ein bedeutend größeres Gewicht als heute. 1600 heißt es:
"Haben Braut und Bräutigam die Handtru geschifet = gewechselt, d. h. sich verlobt, dann gehören sie einander, und ihr Treuegelöbnis wurde wenn nötig von der Obrigkeit geschützt".
Anfang des 18. Jahrhunderts gab es eine genehmigungspflichtige Verlobungspflicht. Dieses Ehegelöbnis hatte bindende Wirkung. So hieß es 1758:
"1758, d. 18. Oktober verlobte der junge Gesell Erich Hansen von Akeby, Ksp. Tastrup, sich mit Jgf. (Jungfer) Maria Hedwig, Claus Nissens Tochter in Grünholz ..... Dieses Ehebündnis wurde consistorialiter getrennt, weil es nicht auf wahre Zuneigung und Liebe, sondern auf Geld und Hufe samt der Eltern Überredung gegründet war".
Bis 1865 ging der Trauung in der Kirche die kirchliche Verlobung voran. Das Paar wurde in der Sakristei zu "Kirchlich Verlobten" erklärt.
Öffentlich gemacht wurde das Verlobungsversprechen in der Kirche dreimal durch Proclamation durch den Pastor in Gegenwart von vier Zeugen. Dafür war, wenn die Verlobung in der Gemeinde war eine Abgabe an den Pastor von ein Stück Rindfleisch und eine Zunge vom geschlachtetem Vieh zu entrichten. War die Hochzeit in einer anderen Gemeinde, so waren ihm 1 Mark 8 Schillinge zu entrichten.
Die Kirchen führten nicht nur Trau- sondern auch Verlobungsregister.
Für das Verlöbnis war eine Verlöbnis-Gebühr von 2 Mark an den Pastor zu zahlen.
Wurde ein Verlobungsversprechen nicht eingehalten und hatte sich der Verlobte den Beischlaf erschlichen, so hatte die Braut einen Anspruch auf finanzielle Entschädigung dem sog. Kranzgeld (s.d.)
Drei Sonntage vor der Hochzeit wurde das Aufgebot von der Kanzel verlesen. Der Pastor "ließ das Brautpaar von der Kanzel springen".
Siehe auch unter schiften.

Vermagschiftung
Austausch von Landstücken (Schiften) möglichst gleichen Maßes, gleicher Qualität und Bonität in ehemaligen Feldgemeinschaften (s. d.), um verstreuten Grundbesitz zusammenzulegen.

Verschötung, verschöten
Kam von "in den Schoß legen" Förmliche Rechtsübertragung. Als Zeichen der Besitzübertragung wurde dem Käufer eine Sode des betreffenden Landes in den Schoß gelegt. Dazu wurde ein Schötebrief angefertigt der die Bedingungen enthielt. Bis etwa 1660 gebräuchlich.
Das geschah auch bei der Hofübergabe vom Vater an den Sohn.
Daher vermutet man, dass das Wort "Schöte" entweder von Sode oder Schoß kam.

vespera prima
(lat.) am Abend des Festes.

viduus / viduusa / vidua
(lat.) Witwer / Witwe

Viehseuchen in Angeln
Viehseuchen in größerem Ausmaß waren verheerender als die schon schlimmen Kriege. Je nach den hauptsächlichen Symtomen belegte man sie mit Namen wie Rinderpest, Contagion, Lungensucht, Brustseuche, Hornsucht, Schwanzwolf, klebende Seuche. Die verbreiteste und gefürchteste war die Lungensucht. Die Maßnahmen die ergriffen wurden waren ebenso hilflos wie kurios. Nichts half und die Tiere starben zu Hunderten und Tausenden. Tierärzte gab es nicht; zu helfen versuchten Schweineschneider und Pferdeärzte.
Die Beseitigung der toten Tiere war die Aufgabe des Scharfrichters, oder Abdeckers (s. d.). Dieser kam aber nicht dagegen an, und so mussten die Bürgermeister und Ratsherren persönlich bei der Beseitigung der toten Tiere zupacken, um diese Arbeit, die jeden der dem Abdecker half entehrte, "ehrlich" zu machen, um einfache Bürger von der Mithilfe zu überzeugen.
1505 Schweinerotlaufepidemie
1545 - 1549 Fürchterliche Viehseuche in den Herzogtümern.
1574 - 1577 Rinderpest
1581 - 1584 Rinderpest
1602 - 1607 Rinderpest
1685 in der Karrharde "mehr denn über 1000 Stück Vieh hingefallen und verrecket".
1713 Viehseuche, Rinderpest in Nordfriesland und Tondern.
Sie wurde von Hamburg eingeschleppt und führte zu gewaltigen Schäden. Überall in Nordfriesland wurden Bitt
Gottesdienste abgehalten. Jahr- und Viehmärkte wurden verboten.
1717 erließ König Friedrich IV. für ganz Schleswig-Holstein eine Sondersteuer von 1 Mark pro Pflug zur Wiederbeschaffung von Vieh für die am stärksten betroffenen Gebiete.
1723 - 1782 fast volle 8 Jahrzehnte hindurch schwebte die Rinderpest wie ein "Grauenhaftes Gespenst" über dem ganzen Land (Angeln), flackerte immer wieder auf und vernichtete die Viehbestände und den bäuerlichen Wohlstand.
Von 1744 bis Mai 1746 verlor das Amt Tondern ohne die Stadt = 19.906 Rinder. In Leck blieben im Jahr 1745 nur zwei Kühe übrig.
1763 Vom Sommer bis Ende des Jahres starben in der Karr-
harde insgesamt 3.177 Rinder.
1774 - Januar 1782 raffte die Seuche in Schleswig-Holstein
143.287 Stück Vieh hinweg, davon im Herzogtum Schleswig 63.160 Stück.
1779 kam die Impfung gegen die Seuche auf.
1782 klang das große Viehsterben in unsererer Heimat aus.
1791 erfolgte die erste Kuhpockenimpfung in Schleswig-
Holstein.
1888 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1911 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1924 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1930 Maul- und Klauenseuche in Nordfriesland.
1938 sehr schlimme Seuche aus Algier und Frankreich einge
schleppt. Im Geestkreis Brookfeld starben 2.000 Kühe.

Viertmänner
Siehe unter Kirchspielmänner.

Vierundzwanziger
Deputierte. Bezeichnung für die 24 Deputierten (Stadtvertreter) der Stadt Flensburg.

Vigilien
(vom lat. vigil = wachen). Nachtwachen, die mit Gebeten verbunden waren.

Vikarien
Stiftungen reicher Bürger im Mittelalter an die Kirche. Meistens Gegenstände wie Leuchter, Altardecken, Glocken Taufbecken usw.

Vikariengut
Ein im Mittelalter an die Kirche oder an ein Kloster gestiftetes Gut, das von der Kirche an Bauern verpachtet wurde. (s. u. Eiserne Kühe)

Viktualien / Victualien /Fiktualien
Vom lat. victus. = Lebensmittel. Spätmittelalterlicher Ausdruck für Lebensmittel.

Virga / virgine
(lat.) Jungfrau.

Visitator / Visitation
(von lat. vistare = besuchen). In vielen Gerichts-, Kirchen-, Schul- und Ordensverfassungen der Besuch eines Oberen mit Amtsbefugnis zum Zweck der Bestandsaufnahme und Kontrolle.
Beauftragte des Papstes die mit besonderen Befugnissen ausgestattet waren. Die untersuchten Kirchenmänner hatten ihnen nach Kirchenrecht Rede und Antwort zu stehen, wahrheitsgemäß zu antworten und mit ihnen zusammen zu arbeiten.
Sie wurden als "Kontrolleur mit umfassenden Vollmachten" beschrieben. Sie trugen auch die Amtsbezeichnung Superintendent.
Der Visitator überprüfte die gesamte Amtsführung des Diözesanbischofs sowie alle diözesanen Einrichtungen.
Die Visitation gehörte zur kirchlichen Routine. Die Pfarren wurden regelmäßig vom Bischof oder seinem Vertreter besucht, geprüft, beurteilt, gelobt oder gerügt.
Visitation war auch die unangemeldete Überprüfung des Religionsunterrichtes eines Pastors oder Küsters durch die Kirchenobrigkeit (Bischof).
Auch die Kontrolle des Bettelwesens wurde durch Visitationen überwacht.

vitae
(lat.) lebenslang (z. B. bei Pachtung).

Vitalienbrüder
Freibeuterbruderschaft seit 1390 auf Nord- und Ostsee. Sie wurden von mecklenburgischen Territorialherren für kriegerische Auseinandersetzungen angeheuert. Ihr Auftrag war es dänische Schiffe zu kapern. Sie bekamen zwar keine Heuer, sondern die Erlaubnis durch Piraterie eigene Beute zu machen. Sie gingen Anfang des 14. Jahrhunderts aus verarmten mecklenburgischen Adelsgeschlechtern hervor, später rekrutierten sie sich aus den vom bürgerlichen Leben der Städte ausgeschlossenen Existenzen wie flüchtigen Schuldnern und Glücksrittern der Ost- und Nordseeanrainer.
1393 überfielen sie die norwegische Stadt Bergen und raubten sie aus. Bis 1395 führte die Piraterie fast zum vollständigen Erliegen der Handelsschifffahrt auf der Ostsee.
Siehe auch unter Likedeeler.

Vitricus
(lat.) Stiefvater.

Vogt
Vertreter, Repräsentant der Territorialverwaltung. Später = Amtmann. In späterer auch niederer Aufgabenstellung auch Armen-, Brücken-, Gassen-, Markt- oder Polizeivogt.
Auf adeligen Gütern auch der Gutsverwalter.

Void-Schwein / Gabel-Schwein
Insten und Kätner zahlten auf Maytag ihrem Gutsherrn für die Mast von Schweinen im Gutswald ein Schweinegeld von 1 Rthl. für ein Voidschwein. (Kostschwein, Fraßschwein)
Eine andere Form der Bezahlung war die durch das "Gabel-Schwein", d. h. jedes 5. Schwein, das zur Mast in die Gutswälder getrieben wurde bekam der Gutsherr.

Volkshochschulen
Die Volkshochschulbewegung geht auf dänische Vorbilder zurück. 1844 wurde in Rödding (Südjütland) die erste dänische Volkshochschule gegründet. Die Zweite entstand 1851 auf Fünen.
Anfang des 20. Jh. gab es in Schleswig-Holstein erste Ansätze zur Bildung von Volkshochschulen nach dänischem Vorbild. Dazu wurden Volkshochschulvereine gegründet. Der Nordschleswigsche Volkshochschulverein wurde am 15 Juni 1905 in Tingleff (Dänemark) gegründet.
1907 entstand die erste Volkshochschule Angelns in Mohrkirch-Osterholz.

Volkszählungen
1755 fand eine Volkszählung in Eutin statt.
Die Volkszählung vom 15. August 1769 war keine "allgemeine Volkszählung" und unvollständig, weil Militärpersonen nicht erfasst wurden und nur im königlichen Teil gezählt wurde. Es fehlen mithin Angaben aus den Guts- und Klosterbezirken und aus den herzoglichen Gottorfer Gebieten.
Die erste "allgemeine Volkszählung" in Schleswig-Holstein fiel auf den 13. 2. 1803 einem Sonntag im Winter. In Dänemark wurde schon am 1. Februar 1801 gezählt. Alle Einwohner im Dänischen Gesamtstaat, zu dem bis 1864 die Herzogtümer Schleswig und Holstein gehörten, sollten gezählt werden. Zum Herzogtum Schleswig gehörte 1803 noch das erst 1920 abgetretene Nordschleswig. Zu Holstein gehörte noch Altona die damals zweitgrößte dänische Stadt. Altona kam erst 1937 zu
Hamburg. Lauenburg gehörte 1803 noch zum Kurfürstentum Hannover und kam erst 1815 zum Gesamtstaat.
Federführend für die Volkszählung war die Rentekammer (s. d.) die dazu Formulare drucken und verteilen ließ. Festgehalten wurden:
Name, Geschlecht, Alter, Familienstand, Stellung im Haushalt, Beruf oder sonstiger Unterhalt.
Die Volkszählung 1803 ergab, dass in beiden Herzogtümern 604.085 Menschen lebten.
Die handschriftlichen Unterlagen der Volkszählung 1803 werden im Landesarchiv in Schleswig und im Landsarkiv for Sönderjylland in Apenrade aufbewahrt.
1835 wurde wieder eine Volkszählung angeordnet. Es waren die ersten Volkszählungen, die gedruckt wurden.
Seit 1835 wiederholen sich Volkszählungen etwa alle fünf Jahre. Sie erreichen aber nicht die Vollständigkeit und Bedeutung der Volkszählung von 1803.

Vorbrand
Ein Begriff aus dem mittelalterlichen und späteren Aberglauben. Der Vorbrand war ein Vorzeichen, das anzeigte, dass ein Haus abbrennen würde. Solche Vorzeichen konnten Lichtsignale wie das Elmsfeuer (s. d.) sein, oder man sah Feuer auf einem Haus, das aber nicht brannte.

vorehelich
Geburt vor der Eheschließung. Eltern haben erst nach der Geburt des Kindes geheiratet.

Vorweser
Vorbesitzer einer Hofstelle.

vulgo
(lat.) von vulgo = in das Volk getragen, im Allgemeinen. Mit dem Eintrag vulgo zum Namen von Personen fand im 18. und 19. Jh. bei Eintragungen ins Kirchenbuch ein näherer Hinweis auf die Person und dessen gebräuchlichen Hausnamen oder Beruf statt. Vulgo steht für "auch genannt" oder "von Beruf".
Beispiel:
1) Albrecht Henningsen vulgo Nissen.
2) Albrecht Henningsen vulgo Soldat.

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W

Waagen
Waagen gab es schon in vorgeschichtlicher Zeit als gleicharmige Balkenwaage und als Römische Schnellwaage (Hebelwaage) 1400 v. Chr. in Ägypten, bei den Etruskern (8. - 1. Jh. v. Chr.), bei den Römern und im alten China.
Die älteste im Norden gebräuchliche Waage war die Besemer (s. d.) (dän. Bismer) auch schwedische Waage genannt, die ebenfalls eine Hebelwaage war.
Bismerpfund war eine dänische Gewichtseinheit und entsprach 12 Pfund.
Im späten Mittelalter setzte eine Spezialisierung und Verfeinerung der Waagen ein (Münz-, Apothekerwaagen). 1669 erschien eine Tafelwaage (das zu wiegende Gut wurde nicht gehängt, sondern auf eine Platte gestellt) und etwas später die Federwaage. Im 18. Jh. wurde eine Brücken- und Fuhrwerkwaage erfunden. 1821 erschien die Dezimalwaage.

Wade / Wadenfischerei
Zugnetz das aus zwei Flügeln bestand, die als Teile des Netzes mit Leinen in Booten endeten. Es bestand aus dem eigentlichen Fanggerät (Hamen) und einem sackförmigen Netz. Damit das Netz schwamm befanden sich oberhalb Korken als Schwimmer.
Die Wadenfischerei wurde hauptsächlich von Holmer Schleifischern betrieben. Sie hatten seit dem 12. Jh. das Recht zur Wadenfischerei auf der ganzen Schlei, das ihnen 1480 durch König Christian I. von Dänemark bestätigt wurde.
Zwischen Schleswiger und Arnisser Fischern kam es ab 1846 zu einem erbitterten Streit, als ihnen letztere den schleiaufwärts ziehenden Hering schon in der Unterschlei wegfangen wollten.
35 Gottorfsche Soldaten beschlagnahmten in Arnis die Waden. Trotzdem führten die Arnisser die Wadenfischerei weiter fort.

Wagengestellung
Ähnlich den Hof- und Spanndiensten (s. d.) hatten die Hufner auch Wagen zu stellen wenn z. B. der König, ein Regierungsbeamter oder Superintendent reiste, oder bei Visite des Amtmannes, des Hardesvogtes oder einer Kommission. Wagenstellung galt auch im Kriegsfall für das Militär oder wenn z. B. Strauchwerk aus den Wäldern für öffentliche Bauzwecke geholt werden musste. Eine Entschädigung erhielten sie dafür nicht.
"Freie Fuhren" gehörten zu ihren Pflichten.

Währungsreformen
1813 wurde von der dänischen Regierung der bestehende Reichsthaler (Rthlr.) durch den Reichsbanktaler (Rbtlr.) abgelöst, der eine Währungsumstellung zur Folge hatte. 1 Rthlr. = 5/8 Rbtlr..
1871-1873 Sie vereinheitlichten die unterschiedlichen Währungen in den einzelnen deutschen Staaten. Die herkömmlichen Währungseinheiten Taler, Gulden, Kreuzer und Groschen wurden auf Mark umgestellt. Bayern stelle 1876 als letztes Land um.
1923 machte die rasch fortschreitende Inflation eine Grundlegende Reform unumgänglich. Ein harter Währungsschnitt war gleichzeitig eine Voraussetzung für Gustav Stresemanns Verhandlungen mit den Siegermächten über die deutschen Reparationen.
Mitte Oktober 1923 kehrte die Deutsche Reichsregierung mit der Errichtung der Deutschen Rentenbank zu einer stabilen Währung zurück. Da das Deutsche Reich dafür nicht genügend Grundkapital hatte und nicht über ausreichende Goldvorräte verfügte, wurde der Grundbesitz von Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe mit einer Hypothek von 3,2 Milliarden Rentenmark belastet.
Die Rentenbank begann ab dem 15. 11. 1923 die Rentenmark als neues Zahlungsmittel herauszugeben. Der Wechselkurs einer Rentmark wurde mit einer Billion Papiermark festgelegt. Ein US-Dollar entsprach 4,20 Rentmark.
Die Rentmark war aber nur eine Übergangslösung zur Überwindung der Inflation und wurde am 30. 8. 1924 durch die Reichsmark abgelöst, die durch Gold und wertbeständige Devisen gedeckt war.
1948 nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Währungsreform in zwei Schritten. Jeder Staatsbürger erhielt für 600 Reichsmark 60 Deutsche Mark. Davon wurden am 20. Juni 1948 ein "Kopfgeld" von 40 DM und einen Monat später 20 DM ausgezahlt.
Verbindlichkeiten wurden mit einem Kurs 10:1 (10 Reichsmark = 1 DM) umgestellt.
Löhne und Mieten im Kurs 1:1.
Das restliche Sparguthaben (Bargeld) wurde im Laufe mit 6,5 % aufgewertet.
Das neue Geld wurde in Amerika gedruckt. Mit der Operation "Bird Dog" wurden die neuen Banknoten bereits 1948 per Schiff von New York nach Bremerhaven transportiert, wo sie Ende Mai 1948 eintrafen. Von dort wurden sie in acht Sonderzügen in die Keller der Reichsbank in Frankfurt/Main gebracht. Die Geldmenge hatte ein Volumen von 13 Milliarden DM.
Die DDR machte drei Tage später am 23. Juni 1948 eine eigene Währungsreform. Jede Person erhielt 70 Reichsmark die im Verhältnis 1 : 1 umgetauscht wurden, wobei die alten Scheine einfach mit Kupons und Wertaufklebern versehen wurden. Im Volksmund hieß die Währung daher "Klebe-" oder "Tapetenmark".
1999 und 2002 wurde der Euro von 12 Staaten der Europäischen Union eingeführt. Es war keine Währungsreform sondern eine Währungsumstellung, da sämtliche bis 1998 existierenden Geldbeträge umgestellt wurden.
Ab 1999 galt der Euro zunächst als Buchgeld und wurde am 1. 1. 2002 als Bargeld eingeführt. Banknoten und Münzen der D-Mark wurden eingezogen und gebührenfrei in Euro umgetauscht.
Die Deutsche Mark wurde im Verhältnis 1 Euro = 1,95583 DM umgetauscht.

Wäpner
Von Wappenträger kommend. Aus dem Heermannenstand hervorgegangene Gruppe von Rittern.
Wagner
Beruf. Er fertigte Fahrzeuge aus Holz vom Schlitten bis zur Kutsche.

Wagrien / Wagrier
Nordöstlicher Teil Holsteins von der Kieler Förde bis zur Lübecker Bucht. (Heutiges Ostholstein).
Der Name geht auf den slawischen Stamm der Wagrier zurück die diesen Raum seit dem 7. Jh. bewohnten. Ihre Wagrierburg Starigard (Aldinburg) befand sich im heutigen Oldenburg in Holstein.
Die Wagrier waren ein westslawischer Volksstamm (s. u. Wenden). Im frühen 10. Jh. wurden sie von Otto I. (912 - 973) unterworfen und zum Christentum bekehrt. Sie behielten aber ihre eigenen Fürsten. Die Wagrier waren im westlichen Ostseeraum gefürchtete Piraten die die dänischen Inseln drangsalierten.
Im 9. und 10. Jh. überfielen sie mehrfach Hamburg und 1066 plünderten sie Haitabu und zerstörten es. Im 11. Jh. wurde die slawische Handelsstadt Vineta vernichtet.
1138/39 wurde das Gebiet der Wagrier von den Nordelbischen Sachsen verheert und unterworfen. Herzog Heinrich der Löwe (1129 - 1195) gab Wagrien als Lehen an den Grafen Adolf II. (1128 - 1164) von Holstein, der mit der Ansiedlung von deutschen Siedlern in Wagrien begann. Die Wagrier gingen im Laufe der Geschichte in der zugewanderten deutschen Mehrheitsbevölkerung auf und übernahmen deren Sprache.
(siehe auch unter Wenden)

Wahleltern / Wahlkind
Adoptiveltern / Adoptivkind.

Wahlrecht
Im Mittelalter errangen die Bürgerschaften der größten Städte ein weitgehendes Wahlrecht.
1849 führte Friedrich Wilhelm IV. (1795 - 1861) zur Wahl der zweiten Kammer des Preußischen Landtags das Dreiklassenwahlrecht (s. d.) ein. Die Wähler wurden nach ihren Steuerleistungen in drei Abteilungen (Klassen) eingestuft und hatten ein sehr unterschiedliches Stimmengewicht. Empfänger öffentlicher Armenunterstützung waren vom Wahlrecht ausgeschlossen.
1867 führte Otto von Bismarck (1815 - 1898) im Norddeutschen Bund das allgemeine Wahlrecht für Männer ein.
1871 erhielt auch das neugegründete Deutsche Reich das Männerwahlrecht ab einem Alter von 25 Jahren. 1871 waren noch 34 % der deutschen Gesamtbevölkerung jünger als 15 Jahre was dazu führte, dass nur knapp zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung wählen durften.
Bis 1888 galt für die Kreis- und Kommunalwahlen Schleswig-Holsteins kein demokratisches, sondern ein auf die Vermögensverhältnisse ausgerichtetes timokratisches Wahlrecht. Es war abhängig vom Besitz an Grund- und Boden und einer damit verbundenen Mindeststeuerleistung. Dabei wurde kräftig manipuliert.
1864 hatte eine Vollhufe 6, die größere Halbhufe 4, die kleinere 3, die Viertelhufe 2 und die Katen 1 Stimme.
1888 wurden die Vorrechte adliger Gutsbesitzer etwas beschnitten, obwohl sie auch weiterhin privilegiert blieben. Die unteren Bevölkerungsschichten blieben auch weiterhin von Wahlen ausgeschlossen.
1908 führte Dänemark ein Wahlrecht für Frauen bei Kommunalwahlen und 1915 volles Frauenwahlrecht ein.
Erst 1918 wurde in Deutschland das allgemeine Wahlrecht als demokratisches Prinzip eingeführt. Allgemeines Wahlrecht bedeutet Wahlrecht unabhängig von Rasse, Bildungsstand, Einkommen, Religion oder Geschlecht. Damit war auch das Frauenwahlrecht eingeführt. Die Wahlen müssen frei, geheim und persönlich sein.
(siehe auch unter Frauenwahlrecht)

Wahrheitsmänner
Auch Sandmänner von sand , dänisch = wahr. Man konnte sie als ehrenamtliche Richter ansehen. Sie mussten unparteiisch Recht sprechen. Urteilten sie wissentlich falsch wurden ihnen nicht nur sofort das Amt entzogen, auch ihre Güter wurden ihnen genommen. Sie hafteten mit ihrem Eigentum für Fehlentscheidungen.

Waldemarsmauer
Wikingerwall. Teil des Danewerks bei Schleswig (s. d.) von 1160 bis heute bestehend.
Erbaut von König Waldemar I. (1157 - 1182). Eine ursprünglich 5 m hohe und 5 km lange Backsteinmauer zur Wehr gegen Eindringlinge aus dem Süden. (s. a. Danewerk)

Waldemars Erdbuch
(siehe unter Erdbuch)

Walfang
Der Walfang spielte zwischen 1600 und 1800 eine große Rolle.
Deutscher Walfang begann 1644 von Hamburg aus wo König Christian IV. das Privileg für den Walfang an einen Hamburger niederländischer Herkunft vergab.
1675 gingen 75 Hamburger Schiffe auf Grönlandfahrt. Von Glückstadt aus startete 1671 aus das erste Schiff. 1673 wurde eine Walfangcompagnie in Friedrichstadt gegründet, 1749 Gründung der Grönländischen Compagnie. Sie betrieb Wal- und Robbenfang.
Auch auf den nordfriesischen Inseln, besonders auf Föhr, arbeitete ein großer Teil der männlichen Bevölkerung als Walfänger bei holländischen und englischen Grönlandfahrern.
Auf einem Walfänger arbeiteten 40 - 50 Personen die sechs bis sieben Schaluppen mit sich führten.
Seinen Höhepunkt hatte der Walfang bei uns im Norden von 1675 bis 1725. Er ging von Föhr, Flensburg und Glückstadt aus.
Von Föhr heißt es, dass während der Sommermonate alle gesunden Männer (Jungen oft von 10. Lebensjahr an) in den nordischen Gewässern auf Wal- und Robbenfang waren. Sie hatten bei Reedereien aus Amsterdam, London, Hamburg und Kopenhagen angeheuert. Im Jahr 1769 waren von den 6.146 Einwohnern von Föhr 1.600 Männer und Jungen auf See. Viele fanden dabei den Tod. "Ein Drittel aller Knaben die konfirmiert wurden, würden früh oder später den Seemannstod sterben" hieß es. Dieses Opfer an die See war größer als das der beiden Weltkriege. Die landwirtschaftliche Arbeit zu Hause blieb voll den Frauen überlassen. Aber ein anderer Brauch war für sie viel schlimmer, wenn ihr Mann als Walfänger auf See blieb, dann durfte sie in zweiter Ehe keinen Föhrer heiraten. Fremde aber kamen nicht auf die Insel oder wurden sofort vergrault. So blieben Walfängerwitwen fast immer ledig.
Auf einem Grabstein in Föhr heißt es von Matthias Petersen (1632 - 1706) dass er in Grönland 373 Wale gefangen hatte und darum im Dorf "der Glückliche" genannt wurde.

Tran der Wale und Robben wurde als Brennstoff, zur Beleuchtung mit Tranlampen und in der Industrie für Seifen, Salben, Gelatine und Fette benötigt.
In den Küstenstädten gab es zahlreiche Transiedereien.
Besonders der im Kopf des Wales enthaltene Walrat eignete sich für besonders hell brennende Kerzen, zum Reinigen der Wäsche und als Schmiermittel. Das im Darm des Wales vorhandene Ambra war wichtig für die aufkommende Parfümindustrie. Aus den Barten des Wales wurde Fischbein hergestellt.
Die Erfindung des Petroleums 1859 mit ähnlichem Einsatzgebieten wie dem Tran, brachte den Walfang fast zum Erliegen.

1863 wurde in Deutschland eine Harpunenkanone erfunden. Dadurch war es möglich nicht nur den Pottwal, sondern auch die schnelleren Blau- und Finnwale vom Mutterschiff aus zu fangen.

Wallacher
Pferdeverschneider der mit primitiven Methoden Hengstfohlen kastrierte indem er die Testikel (Hoden) abbiß. Beruf mit wenig Ansehen.

Wandeltisch u. Wandelschule
In früherer Zeit hatte der Lehrer seine Kost und seine Schlafstelle reihum in den Familien mit schulpflichtigen Kindern. Hier genoss er den Wandeltisch.
Schule fand dort statt, wo der Lehrer seine Schlafstelle hatte (Wandelschule). Siehe auch unter Schule.

Wanderjahre
Wanderschaft zünftiger Gesellen nach Abschluss ihrer Lehrzeit mit sehr strengen Zunftregeln (in Artikeln oder dem Artikelbuch festgehalten) die mit großem Traditionsbewusstsein gepflegt wurden. Für Gesellen ab dem Spätmittelalter bis zur beginnenden Industrialisierung waren die Wanderjahre Voraussetzung zur Ablegung der Meisterprüfung.
Gesellen auf Wanderschaft waren Fremdgeschriebene oder Fremde.

Wang
Bei der Aufteilung der Anteile in einer Feldgemeinschaft wurden die einzelnen Stücke gleicher Beschaffenheit (= Wang) an die Loseigner verlost. Jedes Wang wurde wiederum der Länge nach aufgeteilt, damit wirklich jeder in den Genuss gleichgroßer und gleichguter Landqualität kam. Dieses führte zu einer starken Zerstückelung der Ländereien.

Wardierer / Wardierung
Amtliche Schätzer u. Taxierer. (wardieren = Wert bestimmen). Schätzungen.

Warft / Wurt
Künstlich aufgeworfener runder Besiedelungshügel aus Erde auf den Halligen (s. d.) auf denen die Häuser und Höfe zum Schutz vor Hochwasser bei Sturmfluten errichtet wurden.
Erste Beschreibungen von Warften stammen aus dem 13. Jh.
Die nach der Fläche größte Warft war mit fast drei Hektar die Hanswarft auf der Hallig Hooge.
Die jüngste war die nach fünfjähriger Bauzeit 1896 fertig gestellte Neupeterswarft auf Langeneß. Sie wurde aber seit 1952 nach einer Zerstörung des Wohnhauses bei einer Sturmflut aufgegeben.

Waschen / Wäsche
Siehe unter Buchenasche, büken, Büktisch, Bükbrett, Rüffel, Seife.

Wasserlösung
Öffentliche Regelung zum Umgang mit Wasser (Regen, Bachläufe usw.) Jeder Landbesitzer musste dem höher gelegenen Anlieger Wasserlösung geben, d. h. Möglichkeiten zur Durch- und Ableitung von Wasser auf seinem Grundstück an das tiefergelegene. Dazu mussten Bäche und Abzugsgräben rein gehalten werden. Der Obere durfte dem Unteren aber nicht verwehren das Wasser durch Anstauen zur Bewässerung seiner Grundstücke zu gebrauchen. Die Anstauungen durften aber nicht so hoch sein, das sie zum Schaden des Oberen führten.

Wasserprobe
Eine Folterungsart bei Hexenprozessen um Schuld oder Unschuld der Angeklagten herauszufinden. Die Wasserprobe wurde als sog. Gottesurteil angesehen. Die Beklagte wurde an Händen und Füßen gefesselt. An einen langen Strick gebunden wurde sie in tiefes Wasser geworfen. Ertrank sie so war sie unschuldig, denn das "heilige Wasser" hatte sie aufgenommen. Ertrank sie nicht, war sie schuldig.
Die Wasserprobe war zumeist die letzte nach peinlicher Befragung, Daumenschrauben, Streckung auf der Streckbank, Feuerproben u. a.
(Siehe auch unter Strafen des Mittelalters)

Wassersucht
Wassergeschwülste die oft zum Tod führten. Unterteilt in Hautwassersucht des gesamten Körpers, Bauchwassersucht und Brustwassersucht. Organe wurden eingepresst, Glieder abgeschnürt und die Atmung behindert. Sehr schmerzhaft.

Wasserversorgung in den Städten
Flensburg hatte eine bis ins Mittelalter zurückgehende Wasserversorgung mittels öffentlicher Brunnen in den Straßen und auf den Plätzen der Stadt. Nach Plänen von 1879 wurde 1881 mit der Installation einer zentralen Wasserversorgung begonnen. Anfangs wurden nur die tiefliegenden Gebiete der Stadt versorgt. 1901 wurde der erste Wasserturm gebaut, wodurch Wasser auch in höhere Lagen gedrückt werden konnte. 1962 wurde ein zweiter Wasserturm im östlichen Teil der Stadt fertig gestellt.
Der Transport von Wasser ab etwa 1700 in den Städten geschah in Holzrohren (ausgehöhlte Baumstämme). Von Schleswig heißt es, dass das Holz faulte und das Wasser einen schlechten Geschmack bekam. Außerdem wurden die Holzrohre undicht und verloren viel Wasser. 1856 wurde in Schleswig die Auswechslung der alten Holzrohre gegen dreizöllige Eisenrohre vorgenommen. 1897 wurde in Schleswig ein erstes Wasserwerk gebaut.

Wattenpost
Bis ins 19. Jh. hinein waren die nordfriesischen Inseln und Halligen von der allgemeinen Post abgeschnitten. Die Bewohner mussten sich ihre Post in Husum abholen. Schon im 17. Jh. organisierte sich eine private Wattenpost einzelner Schlickläufer (s. d.), die bei Ebbe Post zu Fuß auf die Inseln brachten. Es war eine gefährliche Tätigkeit wenn plötzlicher Nebel einsetzte. Etliche Schlickläufer fanden den Weg nicht mehr zurück.
Eine Wattenpost mit Pferd und Wagen betrieb eine Familie in Cuxhaven von 1880 bis 1997.

Web
Nordfriesische Bezeichnung für derbes eigengemachtes Zeug, Kleidung, Textilien.

Wegeverordnung
Schon im Jütschen Low (s. d.) von 1240 wurde bestimmt, dass jedes Dorf vier Zugangswege haben solle, den vier Himmelsrichtungen entsprechend. Dieser Bestimmung wurde fast bei allen Dörfern Rechnung getragen.
1724 hieß es in einem königlichen Erlass, dass die Landstraßen, Stege, Wege, Brücken und Dämme in einem so schlechten Zustand seien, das selbige in der Herbst- und Winterzeit nicht anders als mit Leib- und Lebensgefahr passiert werden konnten.
1784 erließ König Christian VII. (1749 - 1808) eine Wegeverordnung für die sehr schlechten Straßen des Herzogtums Schleswig. Die Dörfer hatten die Straßen in Ordnung zu halten. Jedes Dorf bekam einen bestimmten Straßenabschnitt zugewiesen und darin wiederum hatte jeder Bauer eine bestimmte Länge zu unterhalten.
Es handelte sich ausschließlich um "Naturstraßen" = festgefahrene Wege. Erst ab etwa 1850 kam es langsam zum "Kunststraßenbau" deren Unterhaltung oblag dem königlichen Ingenieur Corps auf Staatskosten.
1835 wurden in einer neuen Wegeverordnung die Kontrolle der Straßen und eine Wegweisung vorgeschrieben.
Für die Benutzung der Straßen mussten Gebühren bezahlt werden. In bestimmten Abständen waren Zoll- und Mautstellen errichtet. Davon künden noch heute Ortsnamen wie Zollhaus u. a..
Vom 1. 3. 1842 (zweite Wegeverordnung für Schleswig-Holstein) bis 1864 wurden Chauseegelder erhoben, dann aber abgeschafft.
Es gab erste Verkehrsregeln: "Königlichen Gespannen und beladenen Postwagen war auszuweichen."

Wehle
Friesische Bezeichnung für an der Binnenseite des Deiches gelegenen meist kleinen Süßwasser-Teiche. Entstanden waren sie aus früheren Deichbrüchen. Es gab aber auch größere; die Wehle Diekhusen war etwa 1.800 qm groß und wahrscheinlich der Rest eines alten Eiderbettes.

Wehmutter
Hebamme.

Weibertür
Bis ins 18. Jh. hinein hatten viele Kirchen zwei Eingänge. Eine Haupttür mit Vorbau zur Ablage der Waffen für Männer auf der Südseite und eine Nebentür, Weibertür für Frauen auf der Nordseite. Die Plätze in der Kirche waren für Männer und Frauen getrennt; Männer auf der Süd- und Frauen auf der Nordseite. Wegen auftretender Zugluft wurden viele Weibertüren im Laufe der Zeit wieder zugemauert.

weilland
Verstorben.

Weißgerber
Beruf. Er stellte aus dünnen Fellen feines Leder für Taschenmacher, Säckler, Gürtler und Buchbinder her.

Welschen
Germanische Bezeichnung für die Kelten.

Weltuhr
Historische, 1908 von dem Tönninger Bürgermeister Erasmus Ehrich entworfene und gestaltete Uhr von 4 m Länge und 3,75 m Höhe für die in Thale im Harz extra ein Haus gebaut wurde. Der Heimatmaler aus Langballig Eduard Remmer bekam den Auftrag für 15 Miniaturgemälde mit Bildern unserer deutschen Geschichte und die Gestaltung von 9 Zifferblättern mit Motiven der großer Weltstädte in der Mitte der Uhr, die die Urzeiten der größten Weltstädte anzeigten. Uhr und Bilder wurden von der Presse und in Reden als ganz große Kunst herausgestellt. Außer den Urzeiten wurden auch Tag- und Nacht angezeigt. Die Weltuhr wollte Erasmus Ehrich dem Kaiser zum Geschenk machen, aber ehe es noch dazu kam, musste der Kaiser abdanken.
Nach der Fertigstellung wurde die Uhr im Kurhaus in Wiesbaden ausgestellt bevor sie in ihr Haus nach Thale verbracht wurde.
Das Verbleiben der Uhr ist ungewiss. Wurde sie aus Wut über den verlorenen Krieg zerstört oder als Beutekunst von den Siegermächten mitgenommen, man weiß es nicht.

Wenden
Auch Elbslawen. Die im 6. und 7. Jh. nach Ost- und Norddeutschland eingewanderten Westslawen. Zunächst siedelten sie entlang der Elbe und der unteren Saale. Im 8. Jh. dehnten sie ihr Gebiet auch bis an die Ostsee aus. In den neuen Siedlungsgebieten kam es zur Bildung von Stammesverbänden. Mit den Abodriten (s. d.) kam es im 11. Jh. zu einer frühen "Staatenbildung" im heutigen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Die Slawen (Wenden) kämpften mit den Dänen und Schleswig-Holsteinern um die Vorherrschaft im südlichen Ostseeraum. Endlich unterlagen die Slawen.
Vom 11. bis 13. Jh. kam es zu einer Verschmelzung der Elbslawen mit den neu zugewanderten deutschen Siedlern und es bildeten sich deutsche Neustämme, die Brandenburger, Mecklenburger, Pommern und Schlesier.
Die Sorben z. B. in der Lausitz haben sich ihre slawische Sprache, Bräuche und Sitten bis heute erhalten.
Die Wenden waren ein räuberisches und kriegerisches Volk, dass auch brandschatzend und plündernd durch den Landesteil Schleswig zog, christliche Kirchen zerstörte und Haitabu vernichtete.
(siehe auch unter Lürschauer Heide, Wagrien)

Wettertopf
Vom Glücksburger Pastor Lüders entwickeltes Gerät zur Vorhersage des Wetters. Pastor Lüders stellte saure Milch in einem schwarzen Topf auf und erhitzte ihn "auf dem Feuerherd, einige Ellen weit von dem Feuer, oder sonst an warmem Ort". Lüders sagte die Wetterentwicklung voraus, indem er die Milch beobachtete.
"Je weißer und fester sie im Obern stehen bleibt, desto beständiger ist das Wetter ohne Regen. Fängt sie aber an zu sinken und die Waddick (Käsewasser Molke) hebt sich, so kommt unfehlbar Regen".
Je nach Ausdehnung der Milch bestimmte Lüders auch die zu erwartende Regenmenge.
Lüders war von der Vorhersagerichtigkeit seines Wettertopfes überzeugter als vom Wetterglas (Barometer).

Widau / Vidae
69 km langer ehemaliger nördlicher Grenzfluss von Nordfriesland zu Dänemark. Die Widau entsteht 4 km südwestlich von Tondern aus dem Zusammenfluss von Arnau und Wirlau und mündet in der Nordsee. Sie verläuft immer an der nördlichen Seite der Grenze zwischen Deutschland und Dänemark.

Widder
Hydraulisch arbeitende Wasserversorgung ohne Fremdenergie für Ställe. Sie dient dazu Wasser auf ein höheres Niveau (durchschnittlich 30 cm bis 5 m) zu pumpen. Voraussetzung ist eine größere Wassermenge (Bach, See) in höherer Lage und ein gewisses Gefälle zum Hof. Der Widder arbeitet stromlos mit der Kraft des höher gelegenen Wassers. Zwei Ventile Stoß- und Druckventil sorgen für richtige Regulierung. (s. u. Trinkwasserversorgung). Viele unserer Dörfer regelten ihre Wasserversorgung mittels Widdern.
Erfunden wurde der Widder 1796 vom Erfinder des Heißluftballons Montgolfier.

Wiedergänger
Im nordischen Aberglauben Tote, die wegen schwerer Vergehen keine Ruhe finden können und nachts durch die Häuser geistern.

Wielegelt
Traugebühr neben dem Brautopfer. Gabe die der Bräutigam zur Trauung an den Pastor gibt.

Wiesenwachs
Ernte an Gras oder Heu.

Wikinger
Angehörige eines kriegerischen zur See fahrenden Volkes im Nord- und Ostseeraum die auch Normannen genannt wurden. Sie stellten nur einen kleinen Teil der nördlichen und skandinavischen Bevölkerung dar, das vom 8. bis ins 11. Jh. durch Piraterie und Überfälle auf Dörfer und Klöster besonders den Nord- und Ostseeraum, aber auch Meere darüber hinaus in Angst und Schrecken versetzten. ("Seewasserbanditen" die auf ihren Beutezügen auch Menschen einfingen und mit Sklaven handelten). Sie waren aber nicht nur wilde Barbaren sondern auch gute Händler, geschickte Seefahrer und hervorragende Handwerker und Schiffbauer. Einer ihrer großen Handelsplätze war Haithabu (s. d.)
Erstmalige Erwähnung fanden sie 793 n. Chr. als sie das Kloster Lindisfarne überfielen, ausraubten und niederbrannten. Die Bewohner wurden getötet.
Ihren Namen verdanken sie wahrscheinlich vom abgeleiteten viking, was "Seekrieger, der sich auf großer Fahrt fern der Heimat befindet" bedeutet.

Wildbestand
In früher Zeit war der Norden reich an Wald und an Wild. Im alten "Schonischen Gesetz" (um 1100) wurden Wildschweine, Hirsche, Bären und wilde Pferde (ausgewilderte) erwähnt.
In Waldemars Erdbuch von 1231 wurden genannt: Edelhirsche, Damhirsche, Bären, Wildschweine, Rentier, Elch, Auerochse.
Bis 1600 waren Biber heimisch. Der letzte Luchs wurde 1698 in der Frösharde erlegt. Wildschweine richteten auf den Feldern große Schäden an.
Wölfe waren noch im 17. und 18. Jh. eine Geißel der Bevölkerung. In der Hüttener Harde wurden "in kurzen Jahren" 1275 Pferde und 255 Stück Rindvieh von Wölfen totgebissen. Man bekämpfte diese Plage mit allen Mitteln. (siehe unter Wolfsjagden). 1778 wurden die letzten Wölfe im Schleswigschen erlegt.

Wildernde Hunde
Nicht nur die Wilderei sondern auch wildernde Hunde waren früher ein Übel, das die Obrigkeit störte. Um die Hunde an der Wilderei zu hindern gab es ein Gesetz, alle Hunde durch Abhacken einer Vorderpfote zu verstümmeln. Am 2. 4. 1618 heißt es in einem Erlaß des Herzog Friedrich III. (1597 - 1659): ".... Wie denn auch alle Jahre allen Hunden groß und klein der rechte Vorderfuß im ersten Teil des Gliedes gekürzet und abgehauen werden soll, oder denselben sollen große Knüttel und Blöcke um den Hals gehängt werden".

Wildpfahl
auch Jagdstein. Steinerne Grenzmarkierungen die die Grenzen der Jagdgerechtigkeit aufzeigten. Bis 1760 waren alle Jagdgebiete durch Jagdphähle markiert. Sie trugen die königlichen oder fürstlichen Insignien.

Willküren / Willkürsbriefe
(auch Beliebung) Freiwillige selbstgegebene und selbstgeschriebene Vereinbarungen der Dorfgemeinschaft zur verbindlichen Schlichtung von Streitigkeiten. Sie betreffen die Viehhaltung, Gräsung, Grenzstreitigkeiten, Instandsetzungen von Zäunen und Wegen usw. und legen Strafen für Vergehen und Unterlassungen fest.
Die Obrigkeit nahm keinen Einfluß auf die Regelungen (Beliebungen) solange es sich um dörfliche Belange des Zusammenlebens und -arbeitens handelte.

Windflüchter / Windläufer
Bäume, deren Wuchs und Form durch den Wind bestimmt werde, der vorwiegend aus einer Richtung weht. Dadurch entsteht ein einseitiger schräger Wuchs bei Bäumen und Hecken. Besonders an der Westküste wo der Wind überwiegend aus West kommt und den Baum nach Ost biegt.

Winkelehe
Heimlich geschlossene Trauung (s. d.) die im Mittelalter rechtsgültig war.

Winter, strenge kalte ... im Norden
1591 hart und schneereich.
1609 harter Winter. Es sind viele Leute erfroren.
1623 hart und schneereich.
1624 hart und schneereich.
1640 Acht Tage nach Weihnachten hatte es angefangen zu schneien und zu frieren und nicht aufgehört bis Maria Verkündigung (25. März) und war ein sehr strenger Winter.
1645 Strenger Winter. Man konnte auf dem Eis von Föhr nach Sylt fahren.
1674 Harter Winter. Man ging zu Fuß zu den Halligen.
1684. Man konnte zwischen Sylt und der Wiedingharde laufen, fahren und reiten.
1717 strenger Winter. Es sind viele Leute erfroren.
1740. Ungemein strenger Winter. Vom 15. 1. bis 12.3. war das Eis befahrbar. Von Keitum bis Hoyer ging ein Eisweg. Vom 4. 1. bis 25. 3. konnte man von List nach Röm fahren. Im Wasser erfroren die Aale.
1788 Seit November Frost in ganz Deutschland. Im Dezember in vielen Teilen Deutschlands unter - 30° bis - 40° C (Bremen - 35° C). Außerdem war der Winter extrem schneereich. Schon im Januar taute der Schnee sehr schnell und führte zu Hochwasser. Im März war es dann wieder bitterkalt.
1928/1929 harter langer Winter.
1945/46 Bis in den März hinein war die gesamte Flensburger Förde zugefroren. Meterhohe Schneewehen machten Straßen und Bahnlinien unpassierbar.

Wisch
Wiese.

Witte / Witten / Wittenpfennig
Weißpfennig. Zweiseitig geprägte Silbermünze im Wert von 4 Pfennigen die 1330 von Lübeck ihren Ausgang nahm und im norddeutschen Raum Gültigkeit erlangte. Im Laufe des 15. Jh. wurde sie vom Dreiling, Sechsling und Schilling abgelöst.
Der Name Witte leitet sich von der Farbe Weiß ab.

Wittib / Witib / Wittibe
(lat.) Witwe.
Wittmann /Wittiber
Witwer.

Wittum
Brautpreis der das Verlöbnis besiegelte und vom Verlobten am Tag der Verlobung an die Brauteltern gezahlt wurde. Heute gilt der Ehering, den der Bräutigam der Braut an den Finger steckt als ein Überbleibsel dieser alten Sitte.

Wöchnerin
Siehe unter Sechswöchnerin.

Wochentage, alte germanische Bezeichnung für ...
Jeder der sieben Wochentage wurde einem Gott zugeteilt.
Die Germanen übernahmen im 4. - 5. Jh. die siebentägige Einteilung der Woche. Davor benutzten sie eine Zählung der Nächte. Während die siebentägige Einteilung überall einheitlich eingeführt wurde, war die Zuordnung eines Gottes zu jedem Wochentag sehr unterschiedlich. In Griechenland und Portugal z. B. wurden und werden die Wochentage nach Zahlen benannt.

germanisch nordisch für Gott

Montag Mondtag Manadagur den Mond
Dienstag Tiustag Tyrsdagur Tyr
Mittwoch Wodanstag Ödinsdagur Odin / Wotan
Donnerstag Donarstag Dorsdagur Thor / Donar
Freitag Frijatag Friggjardagur Frigg / Freya
Sonnabend Laugtag Laugardagur Loki / Ludur
Sonntag Sontag Solardagur die Sonne

Wogemänner / Wogemannsburg
Aus nordfriesischen Fischern und Bauern hervorgegangene Räuberbande die auf Beutezüge ausfuhren und kleinere Handelsschiffe und kleine Gehöfte überfielen. Die Bande entstand 1362 nach der Sturmflut (Grote Manndränke s. d.), als die Bewohner alles verloren hatten und zu Seeräubern und Piraten wurden, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Bei Westerhever errichteten sie sich an schwer zugänglicher Stelle eine Trutzburg die sie Wogemannsburg nannten.
1370 erhoben sich die Eiderstedter gegen diese Räuber nachdem diese 16 Jungfrauen geraubt hatten. Daraufhin wurden 60 Wogemänner geköpft und ihre Burg geschleift.

Wolfsjagden
Als der Norden noch reich an Wald war lebten auch viele Wölfe bei uns.
1660 erließ der Herzog den Befehl, "dass jeder Haussmann sich befleißigen solle, die wulfe zu ertappen in Felde mit Roeven zu gehen." Für die Erlegung eines Altwolfes wurde eine Prämie von 8 Rthl. und für einen jungen Wolf 2 Rthl. bezahlt. Die Höhe der Prämien deutet darauf hin, dass die Wölfe erheblichen Schaden in den Herden anrichteten.
Z. B. 1687 wurden alle lindewittschen Untertanen im Amt Hardersleben vom königlichen Jägermeister zu fünf Wolfsjagden aufgeboten die auch nach Jütland gingen. Für jede sollen sie Proviant für acht Tage mitbringen. Insgesamt waren sie also fünf Wochen unterwegs.
In den Wäldern des Amtes Hadersleben wurden noch 1773 Wolfsjagden abgehalten. Sie durften nicht während der Saat- und Erntezeit stattfinden.
Z. B. 1735 wurden laut Königlichem Erlaß allgemeine Wolfsjagden mit dem Ziel gänzlicher Ausrottung durchgeführt. Alle Dorfbewohner hatten sich mit Knüppeln und Forken an der Jagd zu beteiligen. Wer sich weigerte wurde mit dem Preis einer Tonne Bier bestraft.
Der Ort Dollerup hat noch heute einen Wolfskopf im Wappen der auf die vielen Wölfe die einst hier lebten hindeutet.
In der Frühzeit wurde der Wolf von Jägern verehrt dessen Ausdauer und Geschicklichkeit sie bewunderten. Namen wie Wolf, Wolfgang, Wolfram u. a. deuten noch auf diese Verehrung hin. Schuhe aus Wolfsfell sollten Jungen zu tapferen Männern machen.
Wolfspelze wurden zu Schuhen, Pauken- und Trommelfellen verarbeitet.
Mitte des 17. Jh. waren die Wölfe weniger geworden, aber im Dänisch-Schwedischen Krieg brachten die polnischen "Verbündeten" 1660 erneut zahlreiche Wölfe aus dem Osten mit, die bei der Vertreibung der Schweden helfen sollten. Diese freigelassenen Wölfe vermehrten sich sehr stark, fielen in die Herden ein und fraßen das Wild. In dieser Zeit wurden die Wolfsjagden organisiert. Diese Wolfszeit währte etwa 100 Jahre von 1670 bis 1770.
Als Berichte über blutrünstige Wölfe und Wolfsplagen bekannt wurden, setzte auch bei uns eine heillose Verfolgung auf den Wolf ein. In Dänemark wurde der letzte Wolf 1772 , im Landesteil Schleswig 1778 erlegt.
(siehe auch unter Wildbestand)

 Wormshöfter Damm in der Schleimündung
Künstliche feste Landverbindung die Angeln mit der Halbinsel Oehe-Maasholm verbindet. Der Damm ist die einzige Zuwegung zur Halbinsel Oehe mit dem Fischerdorf Maasholm. Erste Dämme werden 1642 und 1649 verzeichnet. Der erste Damm dürfte also um 1640 entstanden sein. In einer Karte des Schleimündungsgebietes von 1783 ist der Wormshöfter Damm schon nicht mehr eingezeichnet. Wahrscheinlich ist er den rauen Ostseestürmen nicht gewachsen gewesen.
1796 wird von Prof. Gadso Coopmanns mit Hilfe der Holländer ein Eindeichungsversuch des Oeher Noors unternommen. Eine Windmühle pumpte das Brackwasser aus dem 98 ha großen "Binnenmeer" heraus. Gewonnen wurden saftige Weideflächen.
1836 und 1853 wurden die Deiche durch schwere Sturmfluten vernichtet.
1852 kaufte der Kaufmann G. E. Böhme 1852 das Gut Oehe und ließ umgehend mit großen Findlingen die entstandenen Deichlücken schließen. Aber auch dieses wurde bei der Flut vom 13. Nov. 1872 wieder zu Nichte gemacht. 1875 hatte die Ostsee schon wieder auf einer Länge von 45 Ruthen (160 m) freien Zugang ins Oeher Noor. 1895 begann man das Noor wieder trocken zu legen, es wurde ein Schöpfwerk gebaut und 80 ha Land gewonnen. Aber schon am 24. 3. 1898 unterspülte der Damm bei einem kräftigen O-N-O und brach.
1922-23 wurde die dritte Trockenlegung durchgeführt und 1960 ein modernes Schöpfwerk gebaut. Seither hat der Damm gehalten.

Wröger
1) Hardesrepräsentanten und Unterbeamte mit unterschiedlichen Aufgaben. Sie wurden per Handschlag vom Amtmann verpflichtet.
2) Im ostfriesischen Kirchenwesen fungieren sie nach dem Sendrecht als Wröger = Rüger, Ankläger.

Wühler / Wühlerbuch
Während des Krieges 1850 und in der Zeit des dänischen Sprachreskript (1851 - 1864) nannte man Bürger, die sich dem dänischen widersetzten und für deutschgesinnt gehalten wurden Wühler. Schon bei geringsten "Vergehen": Singen patriotischer Lieder, zeigen von blau-weiß-roten Farben, unterlassenen Grüßens eines dänischen Polizisten oder Zahlung mit verbotenem schleswig-holsteinischem Kurantgeld usw. wurden diese namentlich mit ihren Vergehen in ein Wühlerbuch eingetragen. Mehrere Einträge führten zu strengsten Strafen. Das Tragen eines blau-weiß-roten Kragenbandes z.B. brachte einer Frau sieben Tage Gefängnis bei Wasser und Brot. Die Gefängnisse waren überfüllt und so wurden viele auf dänische Inseln gebracht.
(s. u. Nationale Erhebung, Schwarze Gendarmen)

Würckstöcke
Bienenstöcke.

Wüstungen / wüste Dörfer
Infolge von Kriegen, Brandschatzungen, Drangsalierungen, Hebungen (Steuern und Abgaben) und Seuchen von 1500 bis 1700 aufgegebene Höfe und Dörfer. Man unterscheidet in Hof- und Dorf- und Kulturlandwüstungen.
1) Kulturlandwüstungen: brachten vor allem der 30-jährige Krieg und die Pest mit sich, in denen Häuser und Ställe niedergebrannt wurden, Ernten niedergetreten und vernichtet, und Saat- und Pflanzgut wegen Hungers verzehrt wurden. Ganze Landstriche wurden entvölkert und fielen wüst. Die Literatur kennt bereits im 14. Jh. Hinweise auf "wuste veltmarken" = wüste Feldmarken
2) Dorf- oder Ortswüstungen: Schon Anfang des 14 Jh. waren Hinweise auf "vorstorvede dorpere" = ausgestorbene Dörfer überliefert. Ausgelöst wurden diese durch die vorrangig zwischen 1314 und 1317 in ganz Europa herrschende Hungersnot. In den 40er Jahren des 14. Jh. spielte auch die Pest eine große Rolle, die viele Menschen dahinraffte. In Angeln wurden in dieser Pestzeit etwa 50 Dorfwüstungen gezählt. In Dänemark starb die Hälfte der Bevölkerung an der Pest. Nachweisbar waren 35 Dorfwüstungen auf Bauernlegen (s. d.) zurückzuführen.
Weitere Dorfwüstungen gab es vom 15. bis 17. Jh. durch Kriege ausgelöst. (Dreißigjähriger Krieg).
Im 16. Jh. sind in Angeln folgendeWütungen nachweibar:
Alt-Rabel, Buckhagen, Casselby, Dollrott, Düttebüll, Lüchtoft, Öhe, Richelsby, Rosdorp, Skows, Ruböl, Töstorf und Tranbüll.
Im 17. Jh. waren es Boren, Börsby, Brunsbüll, Hasselberg, Kastrup, Nottfeld, Obdrup, Pleystrup, Priesholz, Rehberg, Schrixdorf, Skovby, Tolkschuby, Wackerballig und Winning.
Im 18. Jh. Drüllt, Nadelhöft, Pommerby und Pinniksand.
Von 1500 bis 1700 wurden in Angeln 28 Bauerndörfer gelegt; im 18. Jh. waren es 4.
Dorfwüstungen gingen fast immer zunächst Niederlegungen einzelner Höfe (Hofwüstungen) voraus.
Allein der Wunsch ihr Jagdgebiet zu erweitern reichte vielen Grundherren ganze Dörfer niederzulegen und zu wüsten.
(Siehe auch unter Wüstungskoeffizient)
3) Hofwüstungen: Wurden größtenteils durch den Adel ausgelöst, der Notlagen der Bauern ausnutzte um an deren Ländereien und Höfe zu kommen. Hofwüstungen gab es im 16. Jh. nachweislich in Angeln im Bereich der Güter Buckhagen, Dollrott, Düttebüll, Gelting, Oehe und Toestorf.
In Angeln wurden etwa 200 Bauernstellen gelegt (gewüstet).
Siehe auch unter Bauernlegen, Niederlegen.

Wüstungskoeffizient
In Angeln gab es Ausgangs des Mittelalters 210 Dörfer. Mit Hilfe dieser Zahl und der Zahl der Wüstungen lässt sich der Wüstungskoeffizient errechnen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wurde die mit 100 multiplizierte Zahl der eingegangenen Siedlungen durch die anfänglich bestehenden devidiert. Für Angeln ergibt sich ein Wüstungskoeffizient "21,4" (45 x 100 : 210). Von den insgesamt 45 Wüstungen Angelns waren 35 (= 78 %) auf das Bauernlegen zurückzuführen.
Schwansen (s. d.) hatte mit "62" den höchsten Wüstungskoeffizienten im nordischen Raum.
(siehe auch unter Bauernlegen)

Wurt
1) Warft
2) Hufe.

Wurtsassen
Inhaber sehr kleiner Landstücke (siehe auch unter Gaasten).

Wurtsitzer
Großkätner.

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X



Y



Z

Zählmaße für Getreidegarben
1 Drag = 20 Schoof = 60 Garben, ungedroschen

Zehnte / Zehntleistung
ehemalige Kirchensteuer. 1/10 des Ertrages (Korn und Vieh zuerst in natura später in Geld) ging an die Kirche. Dieser Zehnte wurde wiederum in drei gleiche Teile geteilt: einen bekam der Bischof, einen die Kirche und den dritten der Prediger oder Kirchherr.
Die Einführung des Zehnten führte bei den Gläubigen zur Ablehnung des Christentums und wurde von der Kirche mit Gewalt erzwungen. 1187 wurde der Zehnte durch Bischof Waldemar von Schleswig endgültig eingeführt.

Zehrung
Verköstigung bei Festen. Aber auch Kost auf Reisen = Wegzehrung.

Zeitalter und Epochen
Altertum
Bis Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr.
Antike
Etwa 1000 v. Chr. bis ca. 600 n. Chr.

Steinzeit
Altsteinzeit etwa 2.500.000 bis 8000 v. Chr.
Mittelsteinzeit etwa 8000 bis 5500 v. Chr.
Jungsteinzeit etwa 5500 - 4900 v. Chr.
Kupfersteinzeit
Etwa 4900 bis 2000 v. Chr.
Bronzezeit
Frühe Bronzezeit etwa 2000 bis 1600 v. Chr.
Mittlere Bronzezeit etwa 1600 bis 1300 v. Chr.
Späte Bronzezeit etwa 1300 bis 800 v. Chr.
Eisenzeit
Frühe Eisenzeit etwa 800 bis 450 v. Chr.
Späte Eisenzeit 450 bis Ende des 1. Jh. v. Chr.
Völkerwanderung
Ca. 400 - 480 n. Chr.
Spätantike
284 n. Chr. bis 565 n. Chr. (300 - 600 n- Chr.)

Mittelalter
Frühmittelalter 6. bis 10 Jahrhundert nach Chr.
Hochmittelalter 10. Jh. bis 1250 n. Chr.
Spätmittelalter 1250 bis ca. 1500 n. Chr.
Renaissance
Frührenaissance 1420 - 1500 n. Chr.
Hochrenaissance 1500 - 1560 n. Chr.
Spätrenaissance 1560 - 1610 n. Chr.
Reformation
1517 - ca. 1550
Gegenreformation
Etwa 1540 - ins 18. Jh. n. Chr.
Kolonialismus
Beginn des 15. Jh. bis 1945
Absolutismus
Erste Hälfte des 17. Jh. bis ins 18. Jh. (1648 - 1789)
Aufklärung
17. - 18. Jh. n. Chr.
Gründerzeit
Um 1870 (1850 - 1873)
Industriezeitalter
Ab 1850 - 1970/80
Zweite industrielle Revolution
a) 1860 - 1940 (Ablösung der Kohle vom Öl9
b) ab 1970 (Einführung von Industrierobotern)
Dritte industrielle Revolution
c) ab 1990 (Digitale Revolution, Computer, Internet, Mikro- und Nanotechnologie)
Informationszeitalter
Ab 1970/80

Zeitrechnung
Der Julianische Kalender von Julius Cäsar eingeführt teilte das Jahr in 365 Tage. Alle vier Jahre wurde ein Schaltjahr (zusätzlich 29. Februar) eingeführt.
Im 16. Jh. (1582) ging er sukzessive in den Gregorianischen Kalender (nach Papst Gregor VIII.) = 365,24 Tage über. Er ist der in der ganzen Welt bis heute übliche Kalender.
(Siehe auch Monatsnamen und Wochentage)

Zeitungen u. Zeitschriften, erste ...... im Grenzland
1770 hob König Christian II. die Pressezensur auf. Bald gab es Zeitungen in großer Auswahl: (jeweils erste Ausgabe)
* Nordischer (Altonaer) Mercurius (1670 in Altona)
* Schleswig-Holsteinische Sozialberichte (1787 in Altona)
* Flensburger Wochenblatt für Jedermann (Flensburg 1788)
* Schleswigsches Wochenblatt zur Unterhaltung und Aufklärung (1789)
* Der neue Mensch (politisch radikales Wochenblatt) (1797)
* Lyna (Hardersleben 1797
* Dannevirke (Hardersleben 1838
* Sleswigske Skolebladet for praktiske Skolemaend (Apenrafe 1857)
* Schleswigsche Grenzpost (Flensburg 1864)
* Flensburger Nachrichten (Flensburg 1865)
* Flensborg Avis (Flensburg 1869)
* Schleswig-Holsteinische Volkszeitung 1877
* Hejmdal (Apenrade 1880)
* Zeitung Westerland 1885
* Sönderjydske Aarböger (Flensburg 1889) geht 1914 ein und erscheint nach dem 1. weltkrieg in Kopenhagen.
* Die Nordmark (Apenrade 1898)
* Apenrader Tageblatt (1906)
* Grenzmarken-Korrespondenz (Marburg 1910-1911)
* Stimmen aus Nordschleswig (Lose Blätter zur Vertretung deutscher Friedensarbeit in der Nordmark (1910 - 1913)
* Nordschleswig, J. Schmidt-Wodder (Flensburg 1912)
* Graensevagten (Kopenhagen 1918)
* Nordschleswig, Jacob Bödewadt (Tondern und Kiel 1920)
* Der Schleswig-Holsteiner (Kiel-Bordesholm 1920)
* Neue Tondernsche Zeitung (1921)
* Die Königsau (Berlin 1921 - 1923)
* Sönderjydsk Maanedsskrift (1924)
* Zeitschrift für Minderheitenkultur und -politik (Berlin 1925)

Zenitflut
Flutberg, der durch die Anziehungskraft des Mondes hervorgerufen wurde.

Ziegeleien / Ziegelsteine
Die erste Verwendung von Ziegelsteinen wurde zu Zeiten König Waldemars I. (1157 - 1182) beim Bau der Waldemarsmauer genannt.
Kirchliche Bauten wurden seit dem 12. Jh. auch aus Ziegelsteinen gebaut.
Zum normalen Hausbau kamen gebrannte Ziegelsteine von der Westküste, wo sie zuerst verwandt wurden (wegen häufiger Überschwemmungen sicherer als Lehmwände) in die Mitte und den Osten des Landes. Sie wurden aber nicht dort gebrannt sondern woanders gekauft.
Die ersten gebrannten Ziegelsteine für Privatbauten wurden ab 1650 in Angeln und auf der Geest in eigenen Bauernziegelöfen gebrannt.
In der 2. Hälfte des 16. Jh. entstanden im Flensburger Raum entlang der Förde in großer Zahl Ziegeleien. Neben dem eigenem Bedarf an Ziegeln wurde bis Königsberg und Riga exportiert. Vielfach wurden Flensburger Ziegel von den Schiffen als Ballast mitgenommen, z. B. zu den westindischen Inseln von denen man Rum und Zuckerrohr holte. Zahlreiche Häuser dort sind mit Flensburger Ziegeln gebaut.
In der Blütezeit existierten um Flensburg 76 Ziegeleien die Anfang des 18. Jh. den "Flensburger Stein" entwickelten.
Als billige Arbeitskräfte kamen Ende März Anfang April jeden Jahres zahlreiche Wanderarbeiter (Tegler) aus Lippe-Detmold an die Förde.
Im Herbst wurde der Lehm geholt damit er im Winter gut durchfrieren konnte. Im Frühjahr wurde er durchgeritten und in Holzformen zu Ziegeln gebacken. Dann wurden diese in Scheunen zum Trocknen aufgestellt. Die großen Brennöfen fassten 40.000 bis 60.000 Steine, die gebräuchlicheren kleineren etwa 5.000. Im Westen des Landes hatten viele Bauernhöfe eigene in die Erde gegrabene Brennöfen. Das Brennen dauerte je nach Art des Lehms 2 - 7 Tage. Man rechnete zwei Stück Torf für einen Lehmstein.
Im Herbst, wenn die wandernden Ziegeleiarbeiter entlassen wurden, führten diese zu einem kaum zu bewältigenden Problem. Als Bettler, Tarter und Landstreicher ließen sie sich nieder, bauten sich billige Hütten und lebten von der Bettelei und von Diebstählen.

Zisterne
Im Friesischen auch Sood genannt. Sammelbehälter für Trinkwasser. Besonders wichtig waren sie auf den Halligen (s. d.), wo selbst das Grundwasser salzig war und darum auch Brunnen zur Trinkwasserförderung nicht geeignet waren. Hier waren die Zisternen Behälter, in denen man das Regenwasser von den Dächern auffing. Da aber die Dächer meist reet- oder strohgedeckt waren, war auch dieses Wasser von meist minderer Qualität. Krankheiten waren die Folge.

Zisterzienser / Zisterzienserkloster
Mönchsorden der römisch-katholischen Kirche. Der erste zentral organisierte Mönchsorden der Christenheit. Mutterkloster und Namensgeber der Zisterzienser war das 1098 von dem Benediktiner Robert von Molesme in Frankreich gegründete Kloster.
Das Glücksburger Rhye-Kloster (Rüdekloster) Rus regis, erbaut 1192 bis 1210 war ein Zisterzienserkloster. Der letzte Abt im Kloster war der erste Abt der um 1540 zum lutherischen Glauben übertrat.
1544 wurde das Kloster säkularisiert (verweltlicht) und fiel dem dänischen König als Herzog von Schleswig zu.
1582 wurde das Kloster zerstört und Herzog Johann der Jüngere baute auf dem Klostergrund das Schloss Glücksburg und legte den Schlosssee an.
(siehe unter Glücksburg Schloss)

Zuchthaus
Strafanstalt zur Unterbringung von Straftätern die nicht zur Todesstrafe verurteilt wurden. Das erste Zuchthaus entstand in Holland. Die Idee breitete sich schnell in weiten Teilen Europas aus. In Deutschland entstand das erste Zuchthaus 1609 in Bremen. Es folgten Lübeck (1613), Hamburg (1622) und Danzig (1629). In unserer nördlichen Region kam die Zuchthausstrafe zu Beginn des 18. Jh. auf. Für den herzoglichen Anteil von Holstein wurde 1720 das erste Zuchthaus in Neumünster gebaut. 1737 folgte für den königlichen Anteil der Bau des Glückstädter Zuchthauses und auch Flensburg und Altona erhielten um diese Zeit eigene Zuchthäuser.
Die Zuchthausstrafe war nicht nur eine Freiheitsstrafe für Verbrecher sondern auch eine Erziehungsstrafe zu Zucht und Ordnung. So wurden auch "herrenlose" Frauen, Bettler, Prostituierte u. a. zur Umerziehung auf ein ordentliches Leben ins Zuchthaus verbracht. Auf diese Weise kamen auch nicht Verurteilte ins Zuchthaus. Bauern z.B. durften arbeitsunwillige Mägde und Knechte zur Besserung ins Zuchthaus bringen. Die Dauer des Aufenthalts dort war nie festgesetzt und da man aus wirtschaftlichen Gründen auf volle Belegung Wert legte, wurde erst entlassen, wenn man Platz für neu Eingewiesene brauchte.
In Deutschland wurde die Zuchthausstrafe bis zu ihrer Abschaffung am 25. 6. 1969 im Strafgesetzbuch von 1871 geregelt. Allgemein galt eine Zuchthausstrafe für 15 Jahre.
Siehe auch unter Karre und Karrenstrafe.

Zündhölzer / Schwefelhölzer / Streichhölzer
Erste Entwicklungen von mit Schwefel getränkten Kiefernhölzchen gab es schon 950 n. Chr. im alten China. Im Mittelalter waren sie auch in Europa gebräuchlich. Sie entzündeten bei kleinster Berührung mit Glut.
Eine Weiterentwicklung waren die sehr gefährlichen Kaliumchloridhölzchen. Das Köpfchen entflammte, wenn es in Schwefelsäure getaucht wurde. Im Jahre 1826 entstanden die ersten Streichhölzer, die sich bei Reibung an einer rauen Oberfläche selbst entzündeten. Die ersten waren noch sehr giftig und stanken unangenehm.
1836 entstand das explosionsschwache Streichholz mit weißem Phosphor statt mit Kaliumchlorid. Problematisch war die leichte Selbstentzündlichkeit.
1844 wurde der äußert giftige weiße Phosphor vollständig durch roten Phosphor ersetzt.
1848 wurden die ersten Sicherheitszündhölzer entwickelt. Dieses Patent wurde an die schwedische Zündholzindustrie verkauft. Schwedischer Zündholzkönig war Ivar Krüger.

Zunft
(auch Amt, Zeche, Einigung, Gaffel) Zusammenschluss von handwerklichen Berufsgruppen im Mittelalter zur Wahrung gemeinsamer Interessen. Sie bestanden bis ins 19. Jh. Sie stellten Regeln für ihr Handwerk auf (Ausbildung, Arbeitszeit, Preise usw.) und überwachten diese.
Daneben nahmen sie auch noch soziale, religiöse, kulturelle und sogar militärische Aufgaben wahr.
Wer der Zunft nicht angehörte durfte in der jeweiligen Region dieses Gewerbe nicht ausüben.
Geschlossene Zünfte hatten noch strengere Regeln. Sie bestimmten sogar die Zahl von Meistern in der Zunftregion. Erst wenn ein Meister starb, konnte ein neuer in die Zunft aufgenommen wurden. Das führte allmählich zu Missständen und verhinderte Konkurenz und Wachstum. Darum hob Herzog Johann Adolf (1575 - 1655) 1615 alle Ämter und Gilden (Zünfte) auf. Jeder konnte jetzt frei seine Tätigkeit ausüben. Aber auch das führte zu Problemen und so führte Herzog Friedrich III. (1597 - 1659) die Gilden wieder ein. 1628 die Tischler; 1634 die Schneider; 1646 die Goldschmiede; 1663 die Leineweber; 1682 = Zimmerer; 1691 die Färber; 1695 die Bäcker; 1696 die Schmiede; 1701 die Maurer; 1705 die Maler; 1727 die Schlachter

Zunftlade
kleiner, in der Regel hölzerner Klappaltar in Form einer Truhe der Fahnen, Trinkgefäße, Leichentücher, Wappen usw. enthielt.

Zwölfmanneneid
In der Zeit des Mittelalters und danach im Gerichtswesen ein Beweismittel für Unschuld. Wer eines Verbrechens, der Hexerei oder Ketzerei angeklagt war, konnte seine Unschuld beweisen, indem zwölf ehrbare Männer, die weder mit ihm versippt noch verschwägert waren seine Unschuldbeteuerung (Unschuldseid) als Recht anerkannten. Dieser Eid musste von allen Zwölfen als rechtmäßig bestättigt werden.
Der Zwölfmännereid bestand aus einem Hauptschwörer und elf Eideshelfern. Enthielt sich nur einer oder stimmte dagegen, so galt der Eid des Angeklagten als falsch und er wurde bestraft.
Diesen Unschuldsbeweiß nannte man Zwölfmanneneid.
Im Flensburger Stadtrecht taucht der Begriff 1284 zum ersten Mal auf.

Zwölfmänner
Gemeindevertreter in einigen Gemeinden. Siehe unter Kirchspielsmänner.

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Literatur

Chroniken der Kirchspiele. Alle regional relevanten Ausgaben.
Dänemark - Ein offizielles Handbuch, Krak Kopenhagen 1971.
Flensburg 700 Jahre Stadt - eine Festschrift, Band 1 und 2, Stadt Flensburg.
Fulda, Dr. Ulrich, "Flensburg - Bilder einer Stadt", Christian Wolff Verlag, Flensburg.
Glüsing, Jutta, "Schifffahrtsmuseum Flensburg, Bildführer", Flensburg 1985.
Haas, Hippolgt, Hermann Krumm, Fritz Stoltenberg; "Schleswig-Holstein meerumschlungen in Wort und Bild", Mohnkopf Reprints, Wolfgang Weidlich, Frankfurt/Main.
Heimatkalender für Nordfriesland "Zwischen Eider und Wiedau, alle Ausgaben. Nordfriesischer Verein für Heimatkunde und Heimatliebe und dem Heimatbund Eiderstedt.
Internet, Wikipedia u. a. Quellen.
Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln, Alle Jahrgänge, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft.
Jahrbuch für Schleswig-Holstein, Heinrich Möller Verlag, Jahrgänge 1990 - 2008.
Jahrbuch für die Schleswigsche Geest, Heimatverein Schleswigsche Geest, Jahrgänge 1953 - 1977.
Jensen, H. N. A. , Pastor, "Angeln geschichtlich und topograpisch beschrieben" Julius Vergas Verlag und Druckerei 1922.
Jessel, Hans, "Schleswig-Holstein", Ellert &Richter Verlag Hamburg.
Kuhlmann, Hans Joachim, Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holstein, Band 36, "Besiedlung und Kirchspielorganisation der Landschaft Angeln im Mittelalter", Karl Wachholtz Verlag Neumünster.
Moltzen, Gerhard, "Die Geschichte der Ochseninseln und ihrer Bewohner", Schleswiger Druck- und Verlagshaus 1982.
Opitz, Eckard, "Schleswig-Holstein - Das Land und seine Geschichte", Ellert & Richter Verlag
Palser-Kieser, Claudia, Roland Gerth, "Dänemark", Silvia-Verlag, Zürich.
Ribbe, Wolfgang, Eckart Henning, Taschenbuch für Familienforschung, Verlag degener & Co. 2001.
Rumohr, Henning von, "Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig", Verlag Weidlich Würzburg.
Thiesen, Erich, "Das neue Angelnbuch" , Wachholtz Verlag 2001
Und viele andere Schriften und Artikel.

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