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H

Habern
Hafer.

Hadern
Schulden machen.

Hadersleben / Haderslev
Mittelalterlich dänische Hafenstadt in Nordschleswig an der Haderslebener Förde. Einst war sie die nördlichste Stadt des Herzogtums Schleswig. Seit Gründung im Hochmittelalter war Hadersleben Teil des Herzogtums Schleswig und gehörte von 1867 bis 1920 zu Preußen. Erste Erwähnung fand Hadersleben vor 1200.
1241 erhielt Hadersleben die Marktgerechtigkeit (s.d.) Im Krieg zwischen König Erich IV. von Dänemark und Herzog Abel von Schleswig wurde Hadersleben 1247 total niedergebrannt. Wieder aufgebaut erhielt die Stadt 1292 Stadtrecht.
Im Mittelalter gehörte Hadersleben zu den wohlhabendsten Regionen.
1624 wurde Hadersleben von einer erneuten Feuersbrunst heimgesucht. Auch unter den Kriegen des 17. Jh. hatte Hadersleben zu leiden.
1920 bei der Volksabstimmung stimmen 60 % der Haderslebener für den Anschluss an Dänemark.

Haithabu
Dänisch Hedeby. "Troja des Nordens". Erste mittelalterliche Stadt in Nordeuropa nahe dem heutigen Schleswig am Haddebyer Noor gelegen. Bedeutendster Handelsplatz des Nordens und Hauptumschlagplatz für den Handel zwischen Skandinavien, dem Baltikum und dem Nordseeraum. Spätestens um 770 wurde Haithabu gegründet. Sie ging auf den Dänenkönig Göttrick zurück.
Später wurde Haithabu in das Danewerk (s. d.) eingebunden. Vom 9. bis 10. Jh. hatte Haitabu etwa 1000 Bewohner und war damit eine große Stadt in der auch Münzen geprägt wurden. Seinen Höhepunkt erreichte Haitabu im 10. Jh. mit 1500 Bewohnern. Der von Jütland nach Hamburg und weiter nach Süden gehende Ochsenweg (s. d.) auch Heerweg genannt spielte eine bedeutende Rolle.
948 wurde Haithabu Bischofssitz, nachdem schon um 850 die erste christliche Kirche errichtet wurde.
Ein neun Meter hoher Wall mit Palisaden schützte Haitabu, konnte aber Zerstörungen durch Harald Hardrada im Jahr 1050 und später durch die Westslawen 1066 nicht verhindern. Haitabu wurde 1066 in Schutt und Asche gelegt nicht wieder aufgebaut.

Hallig
1) Kleine nicht eingedeichte Insel im nordfriesischen Wattenmeer an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins die bei Hochwasser bis auf die Warften (s. d.) total überschwemmt werden (Landunter s. d.). Sie sind meist Reste untergegangenen ehemaligen Festlandes.
Die Landfläche der Halligen liegt etwa 1 m über dem mittleren Hochwasser (NN = Normal Null).
In der Frühzeit nährten sich Halligbewohner vom Torfabbau und der Salzsiederei (s. u. Friesensalz). 1515 wurde der Salzabbau auf den Halligen verboten.
Halligboden konnte kein Süßwasser speichern. Daher erfolgte die Versorgung früher nur mit aufgefangenem Regenwasser.
Es gab zehn Halligen: Langeneß, Hooge, Gröde, Nordstrandischmoor, Oland, Süderoog, Südfall, Hamburger Hallig, Norderoog, Habel. Einige früher bestehende Halligen gingen unter oder wurden durch Eindeichung von Kögen zu Festland.
In Dänemark gibt es nur noch die Hallig Langli. Jordsand und Mandö wurden eingedeicht und verloren den Status einer Hallig.
2) Im 16. Jahrhundert wurde mit "Hallig" allgemein das häufig überflutete Vorland bezeichnet.

Halsbräune / Rachenbräune
Diphtherie. 1870 und auch im Winter 1894/95 gab es in Angeln schwere Diphtherie-Epidemien.

Halseisen
Halsfessel aus zwei halbkreisförmigen Eisen, die Gefangenen (Leibeigenen) zur Strafe um den Hals gelegt und verschlossen wurden. Meistens zur Fesselung an den Pranger (s. d.)
Sehr häufig war das Halseisen eine Kirchenstrafe und viele Pranger und Halseisen befanden sich bei Kirchen.
Hartnäckige Verweigerer des Heiligen Abendmahls z. B., oder wenn jemand zum Aberglauben, Zeichendeuten u. a. Handlungen Anlaß bot, wurden von kirchlicher Seite auch an den Kirchen ins Halseisen gelegt. In der Sabbatordnung von 1736 war dieses ausdrücklich festgelegt.

Handtruschiften
Das Wechseln der Ringe als Verlobungshandlung.

Hand- und Spanndienste
Verpflichtung zu körperlicher Arbeit für einen Herrscher oder Grundherrn. Sie konnten allgemein als Frondienste bezeichnet werden. Bei Spanndiensten mussten auch noch Pferde oder Zugtiere zur Verfügung gestellt werden. Sie stellten für diejenigen, welche sie leisten mussten eine erhebliche Plage dar, denn sie wurden fast nur spontan ohne Vorankündigung gefordert und brachten fast jede Planung der Hufner durcheinander.
Nachteilig für die spanndienstpflichtigen Bauern war das sehr ungünstige Verhältnis auf ihren Höfen von Pferden zu Kühen. Durch die Spanndienstpflicht mussten zu viele Pferde gehalten werden. Erst die Aufhebung führte zu mehr Kühen und damit zu einer Verbesserung der Einkommen.

Hanf
Älteste Kulturpflanze. Sie war eine wichtige Faserpflanze, Heil- und Ölpflanze und später auch Drogenpflanze.
Aus Hanf waren die ersten Sehnen für Bögen, weil sie große Zugkräfte aushielten. Pfeil und Bogen wären in der Frühzeit ohne Hanf nicht möglich gewesen. Im 13. Jh. war Hanf das wichtigste Ausgangsprodukt für die Papierherstellung. Gutenberg druckte 1455 seine berühmte Bibel auf Hanfpapier ebenso wie die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 1776 auf Hanfpapier geschrieben wurde.
Im Norden war Hanf für die Herstellung von Segeltuch in der Schifffahrt von Bedeutung, da es gegen Salzwasser unempfindlicher war als Baumwolle und auch weniger Wasser aufnahm, was zu Mastbrüchen geführt hätte. Auch in Seilereien wurde Hanf verwendet. Aus geflochtenen Hanffasern machten sich unsere Vorfahren auch Dochte für ihre Talglichte (s. d.).

Hannemann / Hannemänner
Schimpfwort der deutsch gesinnten Bevölkerung während der Erhebungszeit (s. d.) für die Dänen.

Hanse
Erste Anfänge gehen ins 13. Jh. zurück. 1356 fand der erste Hansetag statt. Um 1400 schlossen sich etwa 100 Städte zu einem Städtebund, der Hanse, zusammen. Die Kaufleute dieser Städte wollten sich gegenseitig helfen und gemeinsam handeln gegen die mächtigen Fürsten, gegen die Seeräuber und bei ihren Handelsbeziehungen im Ausland.
Die Hanse war auf wirtschaftlichem, kulturellem und politischem Gebiet ein wichtiger Faktor.
1518 wurde Kiel aus der Hanse ausgeschlossen.
Schon um 1630 zeigten sich Auflösungserscheinungen. Die Hanse fand um 1700 ihren Niedergang. 1699 war der letzte Hansetag.

Hanseatische Yachtschule Glücksburg
1925 gegründete älteste, traditionsreichste und größte Yachtschule Deutschlands an der Flensburger Förde gelegen.
Jährlich werden etwa 2.500 Segler ausgebildet.
Harde / dän. Herred
Nordgermanisches Wort. Kleinste Verwaltungseinheit nach dem Ende der Wikingerzeit.
Angeln war ursprünglich in vier Harden eingeteilt: Husbyharde im Nordwesten; Uggelharde im Mittelwesten; Struxdorfharde in der südlichen Mitte; Schließharde im Süden der Schlei. 1200 kam die Nieharde (Neue Harde) im Osten dazu.
Ursprung der Harden:
1) Bei den Wikingern Heer- oder Hundertschaft (berittene Kriegsschar). Sie mussten ein Schiff ausrüsten und bemannen können.
2) Später wurde das Wort auf den Bezirk angewendet. Aus dem vorherigen abgeleitet bestand eine Harde (Heerbezirk) etwa aus 100 Hof- und Hausstellen. Die bestehenden Dörfer bildeten eine Harde. Die eigentliche Verwaltung lag in den Händen der Harde. Eine Harde bestand aus mehreren Kirchspielen. Ein Kirchspiel bestand aus mehreren Dörfern. Die Harden-Aufteilung stammte aus dem 10. Jahrhundert und beruhte auf einer militärischen Gliederung des Landes. Die Harde war der unterste Verwaltungs- und Gerichtsbezirk. Mehrere Harden bildeten ein Amt (s. d.)
Den Harden übergeordnet waren die Syssel (s. d.)
Ab dem 16. Jh. ging immer mehr Grundeigentum in harden-fremde Hände wie dem des Domkapitels und adeliger Grundherren mit eigener Rechtsprechung. Auch solche Gebiete wurden später als Harden bezeichnet.
1702 entstand die Füssingharde die sich bald mit der Schliesharde vereinigte, 1771 die Satrupharde; 1777 die Mohrkirchharde, 1779 die Munkbrarupharde und 1853 die Kappelharde.
An der Spitze der Harde stand der Hardesvogt (s. d.).
Die Harde war auch Gerichtsbezirk.

Harder
Hirte.

Hardesvogt
Die Verwaltung einer Harde oblag dem Hardesvogt. Anfangs ging er aus dem Bauernstand hervor. In ihrer Besoldung waren sie den Landpastoren gleichgestellt. Ab dem 17. Jh. war der Hardesvogt ein studierter Jurist mit höherem Einkommen.
In seiner Hand lagen der Steuereinzug, die Polizeigewalt und die Gerichtsbarkeit der Harde. Der Hardesvogt wurde im Namen des Königs berufen. Er unterstand dem Königlichen Amtmann. Das Amt wurde häufig vom Vater auf den Sohn übertragen. Ihm zur Seite standen acht Sandmänner und die Rechensmänner.
Ab 1805 durften Hardesvögte eine Uniform tragen: Carmosinroter Rock mit Überschlag und Unterfutter der selben Farbe, glatte vergoldete Knöpfe, grüner Kragen und Aufschläge mit goldener Tresse; gelbbe tuchene Westen und Beinkleider mit vergoldeten Knöpfen, zwei Epauletten; dreieckiger Hut mit schwarzer Kokarde und goldener Krempe.

Häuerling
(von heuern = mieten) Pächter ohne Eigenbesitz. (s u. Insten)

Haubarg
(von Heuberg) Typisches Bauernhaus auf der Insel Eiderstedt. Kam spätestens im 16. Jh. mit westfriesischen Einwanderern, die den Bautyp des Gulfhauses (Fachwerk in Ständerbauweise) mitbrachten, der ursprünglich aus dem südenglischen Cornwell stammte.
Haubarg bezeichnet eine Stätte zum Bergen von Heu. In einem Haubarg leben Menschen und Tiere in getrennten Räumen unter einem Dach.
Vier bis zehn Ständer (Holzbalken) tragen Boden und Dach. Selbst wenn die Wasser der Sturmfluten die Wände eindrückten blieben Böden und Dächer erhalten. Ein weiteres Merkmal des Haubargs war das 15 - 20 m hohe mit Reet gedeckte Dach. Bis zur Entstehung der Deiche wurden Haubarge auf Warften (s. d.) gebaut.
1860 gab es in Nordfriesland noch 360 Haubarge, 2008 waren nur noch etwa 100 erhalten. Bekanntester historischer Haubarg ist der "Rote Haubarg" mit 99 Fenstern bei Witzwort.

Hausbau, dörflicher ...
Beim Hausbau, egal aus welchem Anlaß ob Neubau oder nach Feuer oder Naturkatastrophen, half das ganze Dorf. Die Bauern des Dorfdrittels in dem der Bau stattfand, leisteten je Pferd eine Fuhre und die anderen Dorfbauern mindestens eine Fuhre. Sie holten alles Material das zum Hausbau gebraucht wurde und legten auch beim Aufbau selbst Hand an.
Für eine Vollbauernstelle (Volle Hufe) mussten 100 Eichen gefällt werden.
Zum Richtfest waren alle geladen und es mangelte den ganzen Tag nicht an Essen und Trinken.
War ein Haus abgebrannt, musste jeder Besitzer im Dorf wenigstens einen Mann mit Hacke, Schaufel und Spaten zum Aufräumen stellen. Nötigenfalls auch noch ein Fuhrwerk.
Siehe auch unter Holz.

hausen
Herberge nehmen.

Hausgenosse
Zugehöriger zu einer Hausgemeinschaft (Volkszählung).

Hausierer
Von Haus zu Haus ziehende Händler. Unsere Vorfahren kauften alle Utensilien wie Garn, Zwirn, Band, Knöpfe, Nadeln und dergleichen beim Hausierer. Für fast alle Warengruppen gab es spezielle Hausierer, die ihre Waren in Körben trugen oder auf Handkarren transportierten.
Das Wort Hausierer galt lange Zeit auch für wandernde Kesselflicker und Scherenschleifer.
Häufig entstammten Hausierer ethnischen Minderheiten wie Juden und Zigeunern. Sie waren fester Bestandteil der ländlichen Sozialstruktur und man erwartete mit Freude ihr Kommen. Neben dem Verkauf ihrer Waren brachten sie Neue Nachrichten und Informationen ins Dorf.
Neben den Hausierern fuhren die "Sammler" durch die Dörfer, die Plünnen (Lumpen), Knochen, Alteisen und Papier sammelten. Das Wort Recycling war noch nicht erfunden, aber recycelt wurde alles.

Hauskopulation
Trauung im eigenen Haus als Abweichung der üblichen Form in der Kirche zu heiraten. Für die Erlaubnis dazu mussten Gebühren an die Kirche oder Obrigkeit gezahlt werden. Hauskopulationen waren vom öffentlichen Aufgebot in der Kirche befreit. Sie befreite auch vom öffentlichen Verlöbnis, von der dreimaligen Proklamation im Gottesdienst vor der Trauung. Es musste aber von den Brautleuten eine eidesstattliche Versicherung abgegeben werden, dass sie sich nirgends an eine andere Eheberedung eingelassen hätten.
Ab 1800 nehmen Hauskopulationen zu, weil man in 2. und 3. Ehen nicht so viel Aufhebens machen wollte. Gründe waren auch voreheliche Schwangerschaften und die Abwesenheit von Schiffern, Soldaten usw.
1885 betrug die Gebühr für eine Hauskopulation 200 Mark.
(siehe auch unter Dispensation)

Hausmann/ Haußwirth.
Hausbesitzer. Bei der Volkszählung 1803 Bezeichnung für Hufner.

Hausmarken
Ursprünglicher Zweck der Hausmarke war es das Vieh auf der Allmende (Gemeinschaftsweide) mit einem eigenen Zeichen zu versehen, um es nach der Weidezeit wieder erkennen zu können. Die Zeichen wurden dem Vieh mit der Schere ins Fell geschnitten oder gebrannt. Aber nicht nur das Vieh, auch alle Geräte, Wagen und Handwerkszeug wurde mit dieser Hausmarke versehen. Wechselten die Besitzer auf den Höfen, so wechselten in der Regel auch die Hausmarken. Häufig wurden die Hausmarken auch in Siegeln verwendet.
Erste Hausmarken entstanden aus Runen. Später entwickelten sich auch Wappen aus den Hausmarken.
Im 18. Jh. verschwand die Hausmarke mehr und mehr. Während die Hausmarke Jahrhunderte überdauerte, waren die bäuerlichen Wappen nur eine Angelegenheit der Renaissance und des Barocks und verschwanden dann wieder.

Hebammen / Hebammenwesen
Die Säuglingssterblichkeit war früher sehr hoch. Hebammen waren kaum ausgebildet und machten viele Fehler. Bereits 1746 gab es Königliche Weisung Wandel zu schaffen und Hebammen zu examinieren. Davon wurde aber kaum Gebrauch gemacht.
Niedergekommene Frauen bedienten sich der "Alten Weiber". Jedes alte Weib konnte dieser Tätigkeit nachgehen und sich ein paar Mark verdienen.
1752 gab es in Tondern die erste Hebammenverordnung. Erreicht werden sollte neben einer Ausbildung und Examinierung eine geregelte Bezahlung die es einer Hebamme erlaubte von Entbindungen zu leben. Sie sollten "nicht viel über 30 Jahre alt sein". Darüber hinaus sollten sie gottesfürchtig, witzig (anstellig, einfügsam), beherzt und gesund sein und lesen und schreiben können.
Erfahrene Hebammen sollten Anlernlinge zu Geburten mitnehmen und unterweisen.
Die Berufung, Examinierung, Überwachung, Straffestsetzung der Hebammen seines Gebietes unterlag dem Amtsphysikus (Amtsarzt).
Das Einkommen wurde wie folgt geregelt:
Vor jeder Hochzeit sandte die Braut der Hebamme einen Taler. Die Quittung musste dem Pastor vor der Trauung vorgelegt wurden.
"Für jedes Kind zu holen" zahlte ein Bohlsmann 2 Mark, ein Kätner 1 Mark und ein Inste 12 Schilling. Völlig verarmte zahlten ihren Möglichkeiten entsprechend noch weniger. Für unehelich geborene Kinder musste das Doppelte bezahlt werden.
Bei Kindtaufen ging ein Teller um, auf dem für die Hebamme gesammelt wurde.
Dass es bei Geburten und Taufen oft arg zuging beweisen nachfolgende Anordnungen:
"Wenn einer Hebamme bewiesen werden konnte, dass sie bei Geburtshilfe besoffen gewesen ....."
" ... die schändliche Gewohnheit die anwesenden Frauen durch Saufen, Lärmen und allerhand Unordnungen ...."
" ... und niemand soll sich unterstehen, aus dem freudigen Anlass mit Weyn, Meed oder Branntwein zu tractieren, vielmehr waren die Frauen nur mit kaltem oder warmem Bier und Butterbrot, in vornehmen Kreisen mit Tee und Zuckerbrot zu bewirten."
1755 wurde in Flensburg eine erste Hebammenschule eröffnet.

Hebeliste
Übersichten über das Haus- und Grundeigentum der Bürger zur Erhebung der Gemeindesteuer.

Hebungen und Abgaben
Steuererhebung des Staates. Es folgt eine kleine Auswahl:
Brüchegelder = Strafgelder für Verbrechen wie Holzfrevel usw. Sie stellten eine nicht unerhebliche Einnahmequelle für die Landesherrschaft dar.
Chauseebaukosten = seit 1843 für die vom Staat gebauten bzw. übernommenen Kunststraßen.
Collateralsteuer auch 4%-Steuer genannt = seit 1792 eine Erbschaftssteuer von Verwandten.
Erdbuchgefälle = Grundsteuer
Festegelder = Bei Besitzwechsel vom Antreter (sowohl Hufner als auch Kätner) zu zahlende Steuer. Je nach Veranlagung des Besitzes nach "Mark-Goldes" waren bis zu 8 Rthl. zu entrichten.
Gagen- und Accidentiensteuer = seit 1788 von Beamten und Pensionisten erhoben.
Grund- und Benutzungssteuer = Grundsteuer nach Größe und Güteklassen des Bodens.
Halbprozentsteuer = seit 1810 von allen Erbmassen über 100 Reichsthaler sowie bei Immobiliaumsätzen.
Haussteuern = für alle Gebäude in den Städten und Flecken sowie Fabrikgebäude, Krüge und Mühlen.
Herrengelder = Grundsteuer die an die Stelle der alten Naturalentnahmen trat.
Kopfsteuer = eine 1762 eingeführte außergewöhnliche Abgabe die zur festen Steuer wurde.
Landtransportgelder = Ablösung für Fuhrleistungen die mit 7 Schilling je Pflug für zei Jahre berechnet wurden.
Land- und Haussteuer = Grundsteuer für urbares Land nach der Steuertonne auf der Geest (= 260 Quadratruten) und nach Demat (= 220 Quadratruten) auf der Marsch.
Ordentliche und außerordentliche Kontribution (s. d.)
Laudemiengelder = Abgaben bei Besitzveränderungen.
Pflugsteuer = Grundsteuer nach Pflugzahl.
Quartiergeld = war mit 4 Rthl. je Pflug zur Abdeckung der Einquartierungskosten zu zahlen.
Rangsteuer = wurde seit 1764 in neun Rangklassen von allen Militär- und Zivilpersonen erhoben.
Ständekosten = seit 1837 für die Kosten der Provinzial-Stände-Versammlung.
Strohgeld = Ablösung für die Naturallieferung die ab Pflug mit 36 Schilling für 11/2 Fuder zu entrichten waren.

Heckkate / Heckkätner
Herrschaftliche, adelige Jagdgebiete waren mit Jagdzäunen (Planwerk) umgeben. Die Aus- und Eingänge waren mit Gattern und Toren (Hecks) versehen. Die Obrigkeit baute um 1580 an diesen Hecks Katen die an Kätner verpachtet wurden. Diese hatten die Aufgabe Tag und Nacht bei Signal die Gatter zu öffnen und zu schließen. Auch hatten sie die Meute (Jagdhunde) zu versorgen. Die Betreiber waren Heckkätner. Um Glücksburg herum wurden neun Heckkaten genannt.

Hede
Abfall von Flachs oder Hanf beim Hecheln. Es wurde zu Werggarn versponnen oder als Putzmittel benutzt.

Heermannen / Herrenmannen
Seit dem 900 Jh. n. Chr. Gefolgsleute des Königs, die ihm Rossdienst leisteten.
Ursprünglich ein Heer von Mannen für Schutz und Verteidigung des Landes. In der Regel waren sie reichere und größere Bonden. Erst mit Einzug des Herrenadels aus dem Holsteinischen wurden sie teilweise als Königliche Heermannen adelig. Im 15. Jh. verschwanden die Heermannen.
Ihre Höfe waren die sog. "Gaard"-Höfe (Augaard, Kielsgaard, Rosgaard, usw.)
Siehe auch unter Gaardhöfe und Gudemannen.

Heerwege
Von Jütland kommende auf dem Geestrücken verlaufende Kriegs- und Handelswege nach Haithabu und weiter nach Süden. Tore führten durch die Wälle des Danewerks (s. d.).
Seit dem Mittelalter wurden sie hauptsächlich unter dem Namen "Ochsenweg" (s. d.) geführt, da auf ihnen jetzt mehr Ochsen getrieben wurden als das Krieger ihn nutzten. Während aber die Ochsenwege erst seit dem 11. - 12. Jh. zum Viehtrieb genutzt wurden, wurden die Heerwege schon seit 500 vor Chr. und länger als solche genutzt. Richtige Triften gab es erst ab dem 15. Jh..
Es gab insgesamt drei Heerwege; zwei westliche und einen östlichen Heerweg, die beide in Nord-Süd-Richtung verliefen. Sie entstanden aus Trampelpfaden der Ureinwohner.
Der mittelalterliche östliche Heerweg hatte bei "Rothenkrug" nur einen Durchlass durch das Danewerk (s. d.).
Erste Wanderungen gab es durch die Cimbern, Teutonen und Ambronen (Bewohner Amrums), die wegen Übervölkerung und Sturmfluten den Norden verließen. Auch die Auswanderung der Angeln nach England zwischen dem 4. bis 5. Jh. n. Chr. vollzog sich bis Itzehoe auf diesem Heerweg und wurde von dort mit Schiffen fortgesetzt.
Wittekind nutzte 784 n. Chr. den Heerweg, als er sich vor Karl dem Großen auf der Flucht befand. Auch König Göttrik zog 810 n. Chr. auf dem Heerweg gegen Karl den Großen zu Felde. Kaiser Otto I. und Otto II. nutzen 947 und 974 den Heerweg auf dem Kriegszug gegen Harald Blauzahn. Diese Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden.
Entlang der Heerwege entstanden viele Wehranlagen.
Im 11. und 12. Jh. wurden die Heerwege auch als Pilgerwege genutzt. Den Reisen dienliche Landkarten gab es erst ab dem 15. Jh.
(siehe auch unter Ochsenwege)

Heerwerk
Nach dem Jütischen Recht (s. d.) Raub, Verwundung, Entführung unter Bruch des Hausfriedens. Heerwerk ist auch wenn ein Mann eines anderen Mannes Korn mit Vorsatz niederreitet und sein Vieh mit Vorsatz darin weidet.
(siehe auch unter Mannes Haus)

Hegereiter / Hegereuter
In den Jagdgebieten der Landesherren amtierender mittlerer Jagd- und Forstbeamter dem im Wesentlichen Schutz und Pflege der Jagd oblag. Vergleichbar dem heutigen Oberförster. Ihm unterstellt war der Holzvogt, (entspricht dem heutigen Revierförster) der sich um forstwirtschaftliche Obliegenheiten zu kümmern hatte.
Zu den Aufgaben des Hegereiters gehörten: Beaufsichtigung aller herrschaftlichen Wälder, aller Bonden-, Fest-, Kirchen-, Kloster- und Pastorats-Hölzungen und der Moore; Kontrolle der Grenz- und Malzeichen, des Wildobstes, der Eichel- und Buchenmast, die Überwachung der Triften, Quellen, Gräben, Fisch- und Krebsauen, Teiche, Brücken, Wildstände, Stege, Glas- und Ziegelhütten, Sichten, Weidegerechtigkeiten in den Waldungen und Wiesen, Holzdiebstähle, Wildereien, streundende und wildernde Hunde. Außerdem war er für pünktliche Lieferungen von Wild und Deputatwild (s. d.) verantwortlich.

Heide- und Moorkolonisten
Siehe unter Kolonisten.

Heimatlose / Namenlose
Auf vielen Nordseeinseln fanden und finden sich auf den Friedhöfen Abteilungen für Heimatlose oder Namenlose. Es waren unbekannte aus der See geborgene und angeschwemmte Tote. Häufige Grabinschrift: "Ihn kannte nur Gott."
Man sagt in Nordfiesland "in jeder Möwe ist die Seele eines ertrunkenen Seemanns" und darum wird kein Halligfriese je auf eine Möwe schießen.

Heimatrecht
Zugehörigkeit einer bestimmten Person zu einer bestimmten Gemeinde. Sie wurde durch Geburt und Ehezuzug erworben. Das Heimatrecht gewann Anf. des 19. Jh. an Bedeutung, als das Armenrecht dahingehend geändert wurde, dass Arme von einer Gemeinde nur unterhalten wurden, wenn sie dort Heimatrecht hatten. Fremde Arme wurden über die Gemeindegrenzen in der Regel zu Fuß in ihre "Heimat" abgeschoben. Arbeitsfähige aber -unwillige wurden in die Zwangsarbeitsanstalt Schleswig verbracht. "...dass die arbeitsscheuen Kerls und Weiber in das Zucht- oder Werkhaus sollen versetzt werden, bis sie der Arbeit gewohnt werden."
Kein Heimatrecht durch Geburt erlangte man bei Geburt im Christians-Pflegehaus in Eckernförde, dem Taubstummeninstitut in Schleswig, dem Kieler Gebährhaus, der Armenkolonie Friedrichsgabe, der Irrenanstalt Schleswig und dem Zuchthaus in Glückstadt. Auch Militärpersonen und wandernde Handwerker erhielten kein Heimatrecht.
Hatte Jemand über 18 Jahre alt von einer Gemeinde ein Armengeld erhalten, durfte er/sie erst heiraten, wenn der Betrag zurückgezahlt war. Dem Prediger war vor der Trauung eine entsprechende Bestätigung vorzulegen.
siehe auch unter Armenwesen, Bettelwesen.

Heimatzwang
Ein königliches Gesetz in der 2. Hälfte des 18. Jh. im Herzogtum Schleswig, dass es jungen Bauernsöhnen verbot die Heimat zu verlassen. Ihr Leben lang sollten sie durch dieses Gesetz an die Scholle gebunden und zum vieljährigen Militärdienst in der Landwehr (s. d.) gezwungen sein. Doch es setzte eine große Landflucht von zweiten und dritten Bauernsöhnen ein, die nicht erbberechtigt waren und keinen eigenen Hof hatten. Sie flohen vor der Wehrpflicht. Kriege waren für den einzelnen damals noch sehr gefährlich. Man siehe nur die Zahl der Toten und Verwundeten in den Schlachten bei Idstedt und Düppel. Die Folge davon war ein männlicher Arbeitskräftemangel. Manche Höfe gingen sogar zu Grunde. Anstatt dass der König dieses unsinnige Gesetz abschaffte, erhöhte er den Druck durch ein Korneinfuhrverbot, um die Landbevölkerung durch Hunger klein zu kriegen. Aber als einzige Auswirkung zeigte sich eine Verschlechterung der Agrarproduktion und eine Preiserhöhnung für immer schlechtere Produkte. Der König reagierte durch eine falsche Anordnung nach der Anderen.

Heimliche Entbindungen
Fanden statt in "geflüsterten Orten", deren es mehrere im Lande gab. Im Kirchspiel Kahleby-Moldenit kam es ab der 1. Hälfte des 18. Jh. in der zum Gut Winning gehörenden Kate Blankenburg zu überproportional vielen unehelichen Geburten bei denen die Identität der Väter geheim gehalten wurde und auch die Frauen ihre Namen nicht nennen mussten. Die Kate gehörte zum Grau-Kloster Schleswig und hatte die Gerechtsame (s. d.) außerhalb der Ehe schwanger gewordene Frauen aufzunehmen. Auf dieser Kate lebte auch eine Hebamme.
Die heimlichen Entbindungen reichten hier bis 1669 zurück. 1701 wurde erstmalig eine solche Geburt im Kirchenbuch erwähnt "ein Hurkind aus Schleswig getauft". Die Gesamtzahl dieser außerehelich geborenen Kinder von 1701 bis 1812 betrug 329, das war ungefähr Dreiviertel der einheimischen Kinder aus der Gemeinde innerhalb dieses Zeitraumes. Von 1791 bis 1800 kamen auf 39 einheimische Geburten 71 heimliche Entbindungen, also durchschnittlich sieben pro Jahr. Die höchste Zahl gab es im Jahr 1766 mit 14 heimlichen Entbindungen.
Es ist anzunehmen, dass es sich bei den Müttern um vergewaltigte Frauen der Kriege (s. d.) von 1700 - 1721; 1756 - 1763 ; 1800 - 1814 handelte.
1812 verbot die Regierung die heimlichen Entbindungen auf Blankenburg und verwies die auswärtigen Schwangeren an die Gebähranstalten in Kiel und Altona.
Auch die Große Ochseninsel (s. d.) in der Flensburger Förde war ein solcher "geflüsteter Ort" (s. d.) für heimliche Entbindungen.
(Jahrbuch des Angler Heimatvereins 1981, 45. Jahrgang, Seite 100, "Heimliche Geburten in den Moldeniter Kirchenbüchern" von Jürgen Mertsch.)

Heirat
Heiraten durften nur diejenigen Männer die Aussicht auf Besitz oder Hof, also auf Einkommen hatten. Wer ohne Aussicht auf Besitz heiratete wurde allgemein geächtet, weil er als Alter oder Gebrechlicher und arbeitsloser Tagelöhner der Armenkasse zum Opfer fiel. Die meisten unversorgten Söhne und Töchter blieben als ledige Knechte und Mägde auf dem Hof der Geschwister. Davon zeugen die Volkszählungslisten die viele 30 - 60jährige ledige Knechte und Mägde aufführen.
In vielen Gutsbezirken durften die Untergehörigen nur mit Einwilligung des Gutsherrn heiraten. Da er nur Gutsangehörige untereinander heiraten ließ, kam es. Z. B. in Roest wo nur 80 Familien lebten oft zu Ehen in naher Blutsverwandtschaft. Seit 1649 waren solche Hochzeiten verboten, konnten aber stattfinden, wenn landesherrliche Erlaubnis erbeten und gegeben wurde.
Geheiratet wurde vor allem im Oktober nach Beendigung der Ernte.
(siehe auch unter Dispension, Eheschließung, Hauscopulation, Königsbrief, Copulation, und Trauung (s. d.).

Heißewecken
Runde, etwa 12 cm große Hefekuchen aus Weizenmehl, Butter, Zucker, Korinthen, Rosinen, Gewürzen auf Platten gebacken. Sie waren ein typisches angeliter Gebäck zum Nachmittagskaffee das warm gegessen wurde. Ursprünglich eine Fastenspeise, die Fastnacht gebacken wurde. Später wurden sie von Nov. bis März gegessen.
Noch Anfang des 20. Jh. wurden sie in Körben von Haus zu Haus getragen und zum Verkauf angeboten.

Heitscheffel
1) Altes Flächenmaß im Herzogtum Schleswig das Jahrhunderte lang zu dänischer Zeit die Parzellengröße bestimmte. Die genaue Größe eines Heitscheffels ist nicht mehr bekannt. (wahrscheinlich 144 bis 240 Quadratruten. 1 Quadratrute = 8 bis 32 qm). Eine Umrechnung auf das heute gebräuchliche Flächenmaß ha war nicht mehr möglich.
2) Altes Kornmaß. Wurde 1770 durch das Seeländische Kornmaß abgelöst.

Heizmaterial / Heizen
Torf, Holz (meist Buschholz), gesammeltes Strandholz, Reetstoppeln, Stroh und getrockneter Kuhdung (Ditten s. d.), trockene Schafködel, Heidekraut (Plaggen, Placken).
Allgemein betrug die Heiztemperatur im Winter (meistens nur in einem Raum) nicht mehr als höchstens 16° C. Wahrscheinlich ist es schwer dabei von Gemütlichkeit zu sprechen. Man saß eng beieinander und nahe des Feuers, um sich gegenseitig zu wärmen.
(Siehe auch unter Bilegger)

Helgoland
Deutsche Nordseeinsel 45 Seemeilen von der nordfriesischen Küste entfernt. Der Name kam wahrscheinlich von Hallig.
Helgoland entstand vor Jahrmillionen in Trias und Tertiär.
Vor 7.000 Jahren war die britische Insel (England) noch mit dem Festland verbunden. Die Küstenlinie der Nordsee zog sich von Mittelengland über die Doggerbank nach Jütland hin. Ein Stück dieser Küstenlinie war das heutige Helgoland.
Die Insel war früher viel größer und bestand aus dem Buntsandsteinfelsen, dem Weißen Kliff und der Düne.
Im 7. Jh. war Helgoland von Friesen bewohnt.
Um 1000 war Helgoland eine heidnische Kultstätte der Friesen.
Vom 12. Jh. bis 1807 gehörte Helgoland zu Dänemark bzw. Schleswig-Holstein-Gottorp, danach war sie britische Kronkolonie.
Im 12. u. 13. Jh. gehörte Helgoland wie das übrige Friesland zur dänischen Krone und war ab dem 14. Jh. Teil des Herzogtums Schleswigs (s. d.).
Im 14. Jh. trieb hier Klaus Störtebeker mit seinen Vitalienbrüdern (s. d.) sein Unwesen, überfiel und beraubte die Kauffahrteischiffe.
Bei der Landesteilung (s. d.) 1544 fiel Helgoland per Losentscheid dem Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf zu und blieb es bis Ende des Großen Nordischen Krieges 1713 und endgültig bis 1721. Es hatte den Status einer Landschaft mit hohem
Grad an Selbstverwaltung.
Die Helgoländer trugen vom Mittelalter bis 1711 durch Abbau von Steinen vom "Weißen Kliff" und deren Verkauf zum Festland, zur Spaltung der Insel bei. 1711 zerbrach eine große Flut diesen Steinbruch und der Abbau ging stark zurück.
In der Silvesternacht 1720/21 zerbrach eine schwere Sturmflut die Verbindung zwischen Helgoland und der Düne. Mit jeder Flut wurde die ursprünglich schmale Rinne immer weiter verbreitert, sodass Helgoland heute aus zwei Teilen besteht.
(Ein Hamburger Investor will die beiden Teile ab 2010 wieder vereinen)
Während der Kontinentalsperre 1806 (s. d.) entwickelte sich Helgoland zu einem lebhaften Schmuggelplatz.
1807 besetzten britische Truppen die Insel und gliederten sie als Kolonie in das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland ein. Im Frieden von 1814 blieb Helgoland bei den Briten.
1890 trat England die Insel im "Helgoland-Sansibar-Vertrag" neben einigen afrikanischen Kolonialgebieten an das Deutsche Reich ab. Das Deutsche Reich verzichtete im Gegenzug auf das vor Deutsch-Ostafrika liegende Sultanat Sansibar. In der Bevölkerung wurde es wie ein Tausch Sansibar gegen Helgoland betrachtet und mit dem Vergleich "Knopf gegen Hose" kritisch gesehen. Die Helgoländer selbst wurden nicht gefragt.
Kaiser Wilhelm I. lies Helgoland immer mehr zu einer Seefestung und einem Marinestützpunkt ausbauen.
Am 26. 8. 1841 dichtete Heinrich von Fallersleben auf Helgoland den Text des "Deutschlandliedes".
Im ersten Weltkrieg wurde Helgolands Bevölkerung evakuiert und konnte erst 1918 zurückkehren.
1922 wurde Helgoland ein selbständiger Inselkreis, kam aber schon 1932 zum Kreis Pinneberg.
Im Zweiten Weltkrieg gab es am 18. April 1945 ein verheerendes englisches Bombardement auf Helgoland bei dem 1.000 britische Flugzeuge in 104 Minuten 7.000 Bomben abwarfen. Danach war die Insel unbewohnbar und wurde evakuiert. Ein Teil der Bevölkerung fand auf Sylt eine Bleibe.
Am 18. April 1947 wurden in einer gewaltigen Sprengungsaktion (Big Bang) die Bunkeranlagen gesprengt. 4.000 Torpedoköpfe, fast 9.000 Wasserbomben, und über 91.000 Granaten, insgesamt 6.700 Tonnen Sprengstoff waren im U-Bootbunker gestapelt und flogen in die Luft.
Es bestand der britische Plan der totalen Beseitigung Helgolands, so dass "nur noch das Meer den Rest zu besorgen hätte".
Nach der Sprengung glaubte man es gebe Helgoland nicht mehr. Aber nachdem sich etwa 20 Minuten danach der Rauch und Staub verzogen hatte, stellten man fest, die Insel hatte dem Big Bang wiederstanden und sich in ihrer Form nur teilweise verändert.
Im November 1947 wiederholte sich das traurige Schauspiel vom April. 4.000 Kisten Sprengstoff wurden zur Sprengung gebracht und die ganze Ostecke zerbröselte.
Vom Herbst 1947 und 1948 unternahmen die Briten Sprengversuche mit hochgiftigen Chemikalien.
Bis 1952 blieb Helgoland militärisches Sperrgebiet und Bombenabwurfplatz (Übungsplatz) der britischen Luftwaffe. Die englischen Piloten nannten Helgoland "Hell-go-land" (Das Land, das zur Hölle geht).
Mit dem Mut von zwei Heidelberger Studenten, die sich am 20. Dezember 1950 auf die absolut verbotene Insel bringen ließen und dort bei bitterster Kälte im Freien das Weihnachtsfest und die Jahreswende verbrachten kam die Wende. Sie hissten die helgoländische, die deutsche und die europäische Fahne und forderten die Einstellung der Bomenabwürfe und die Genehmigung zur Rückkehr der Helgoländer. Bald taten es ihnen andere nach, mutige Helgoländer kamen hinzu und riefen zur Versöhnung auf. Mutig, weil das Sperrgebiet immer noch bombardiert wurde. Bald hatten sie den Rückhalt der gesamten deutschen Bevölkerung und bewirkten ein Umdenken bei den Engländern.
Am 1. März 1952 gaben die Engländer Helgoland an die Deutschen zurück und 1953 kehrten auch die Helgoländer auf ihre Insel zurück.
Wahlspruch der Helgoländer war "Rümm Hart enn kloor Kimmen" = "Offenes Herz, klarer Verstand".

Henker
Wie die Schinder (s. d.) gehörte auch der Henker zu den "unehrlichen" Berufen. Sein schlechter Ruf erstreckte sich auch auf seine Familie und seine Kinder. Henkerskinder durften nur in Henkersfamilien einheiraten. So entstanden regelrechte Henkersdynastien, die miteinander versippt und verschwägert waren.
Zu den Aufgaben eines Henkers gehörten nicht nur Hinrichtungen, sondern auch die Folter, die Zurschaustellung der Delinquenten am Pranger, die Säuberung der Kloaken und Ehgräben (s. d.), das Vergraben verendeten Viehs auf dem Schindacker und die Aufsicht über die Prostituierten.
Wer einen Henker berührte, galt selbst als entehrt. Weil keiner Henker werden wollte, wurden diese in früher Zeit (z. B. im alten Rom) dazu gezwungen.
Andererseits standen die Henker im Rufe besonderer Kräfte und des Nachts suchte man ihre Hilfe. Ihre Amulette wie Galgenstricke, Leichenteile der Gerichteten und deren Blut galten als Heilsbringer und wurden von diesem verkauft.
Bei Tod eines Henkers fand sich niemand ihn zu tragen. Die Angehörigen mussten Gesindel darum bitten und teuer dafür bezahlen.
Siehe auch unter Scharfrichter.

Herberge
Gasthaus, Wohnung, Quartier.

Herberge zur Heimath
Mitte des 19. Jh. waren in Deutschland hunderttausende Gesellen auf der Walz. Man nannte sie auch wandernde Bevölkerung. Die Zünfte verlangten von ihren Mitgliedern eine dreijährige Wanderschaft. Ihre Armut und soziale Not war oft sehr groß und viele blieben ohne Unterkunft. 1848 auf dem Kirchentag in Wittenberg entwarf der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern ein Hilfsprogramm für in Not geratene Wandergesellen. Die Kirche nahm sich des Problems an und bildete in der Bruderschaft des "Rauhen Hauses" Diakone zur Leitung von Herbergen aus. Die erste wurde 1854 in Bonn eröffnet. Bis Ende des Jahres entstanden etliche Hundert und alle trugen den Namen "Herberge zur Heimath". Ab 1866 entstanden sie auch im preußisch gewordenen Schleswig-Holstein durch den Nordelbischen Herbrergsverband. 1898 wurde eine in Kappeln eingerichtet.

Heringszäune
Einrichtungen zum Fangen von Heringen in Kappeln zwischen Arnis und Schleimünde. Urkundlich wurden sie schon im 15. Jh. erwähnt. Besitzer waren vornehmlich Gutsbesitzer und die Kirche. Die meisten gab es mit 41 Zäunen im 17. Jh. Seit 1642 wurden sie vermessen und in Karten eingetragen. Als die Fänge zurückgingen verpachtete der Adel die Heringszäune an Bauern und Bürger. 1830 waren nur noch 19 Zäune in Betrieb. Die letzten Zäune wurden 1864 vom preußischen Staat aufgekauft und abgerissen, um der Schifffahrt mehr Sicherheit zu geben. 1905 wurde der vorletzte Zaun beseitigt.
Siehe auch unter Wadenfischerei.

Herrendienst
der einem Herrn geleistete Dienst. Siehe auch Frondienst.

Herrengeld
Finanzielle Abgaben der Bauern an die Gutsherren, die an Stelle der bisherigen Naturlalleistungen erhoben wurden.

Herzöge
Siehe Anlage unter "Herrscher in Angeln".

Hestehandler
Pferdehändler

Heuer / Häuer
Pacht/Miete. Die Bodennutzungspacht in der (spätmittelalterlichen) Landwirtschaft. Die Höhe der Pacht wurde in Heuerschilling bemessen.

Heuerbass
Zu Zeiten der Segelschiffe "Arbeitsvermittler", der für Kapitäne die notwendige. Mannschaft besorgte.

Heuerling
auch Heuerinste. Pächter mit geringem Eigenbesitz. Mieter einer Inste.

Heuerstellen
Gepachtete (gefestete) Stellen mit etwas mehr Land als es die Kätner hatten. Häufig Stellen von Handwerkern, Jägern oder Fischern.

Heuler / Seehund-Aufzucht-Stationen
Seehund-Jungtier das seine Mutter dauerhaft verloren hat und ohne Hilfe nicht überleben kann. Zu ihrer Rettung werden an der Nordsee Seehund-Aufzucht-Stationen eingerichtet. Heuler sind ein natürliches Phänomen. Sie wurden von der Mutter verstoßen oder fanden durch Stürme den Tod.
Die Seehund-Aufzucht-Stationen sind neuerdings in Verruf geraten. Man nimmt an, das 90 % der in diesen Stationen betreuten "Heuler" aus Unkenntnis und Unwissenheit von Urlaubern gebracht werden, bei denen die Mutter auf Nahrungssuche ist und zurückkommen wird. Oft lassen die Mütter ihre Jungen stundenlang allein, nehmen ein Junges, das von Menschen angefasst wurde aber nicht wieder an.
Da die aufgefundenen Heuler fast immer die Nahrungsaufnahme verweigern, kommt es bei der "Zwangsfütterung" immer wieder zu Todesfällen durch Streß. Die entlassenen Heuler sind oft halbzahm und meiden ihre Artgenossen und sind auch dadurch vielach zum Tode verurteilt.
Die Kritik hat in Dänemark bereits dazu geführt, dass seit 1985 keine Heuler mehr ausgewildert werden und seit 1993 alle gefundenen Heuler getötet werden. Die deutsche Station in Friedrichskoog nimmt keine kranken oder verletzten Heuler mehr auf. Man schützt dagegen verstärkt die Sandbänke als Schutzzonen der Seehunde.

Heu- und Strohgelder / Magazinkorn
Abgabe der Landbesitzer. Magazingelder für die Kavallerie des stehenden Heeres. Ab 1764 in Form von Geld, davor in Form von Naturalien.

Hexenprozesse in Angeln
1484 sanktionierte Papst Innozenz III. durch eine Bulle die schon länger geübten Hexenverbrennungen und bald loderten überall die Scheiterhaufen. Selbst die Reformation bereitete dem Wahn kein Ende.
1530 beginnt die Hexenverfolgung in Schleswig-Holstein mit der ersten Verbrennung in Kiel.
Bis zu 500 Hexen und einige Hexer sollen in Schleswig-Holstein überwiegend auf dem Scheiterhaufen umgekommen sein. Im Herzogtum Schleswig waren dafür die Thinggerichte (s. d.) der Sandmänner (s. d.) zuständig, auf den adeligen Gütern die jeweiligen Gutsherren.
Die Mehrheit der Prozesse kam durch Klagen von Nachbarn zustande. Fast immer ging es um sehr triviale Dinge wie Krankheiten, Viehsterben, Wetter, Unfälle usw. Fast immer war Neid oder Habgier die wirkliche Ursache für die Anzeigen. Für eigenes Versagen wurden Schuldige gesucht, meist waren dies etwas klügere Frauen, die etwas verstanden (Kräuterkenntnisse, Geburts- und Krankenhilfe) was die Meisten nicht beherrschten.
Wer nicht zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde, fand Begnadigung indem er zum Tod durch das Schwert verurteilt wurde.
1535 Erster Hexenprozess in Schleswig-Holstein.
1548 wurden in Schleswig drei Frauen als Zauberinnen verbrannt.
1551 den 17. Juli ließ Henneke von Rumohr von Gut Roest die "Gelharsche" sowie die Küsterfrau und vier andere Hexen verbrennen, weil sie ihn und seine Frau bettlägrig gemacht hätten. Zum Prozessbeginn gab es nur eine Angeklagte, die während des Prozesses 49 Besagte (Mitschuldige) benannte. Acht wurden insgesamt verurteilt.
1557 Zwei zusammenhängende Prozesse fanden in Schleswig gegen Elli Petersen, Anneke Muttzen und Anneke Ludtken statt und auf Gut Lindau an der Schlei wo Bertram Ratlov zehn Frauen aus Angeln als Hexen durch Verbrennung hinrichten ließ. Ursprünglich gab es bei Prozessbeginn 10 Angeklagte zu denen 3 Besagte (durch die Angeklagten Beschuldigte) hinzukamen. Alle 13 Frauen mussten sterben. Vorgeworfen wurde ihnen, dass sie am Nachttanz, dem intimsten Hexenfest und dem Nachtflug teilgenommen hätten.
1570 wurde in Arrild im Kirchspiel Töstrup eine Frau als Hexe verbrannt und eine andere in Dingholz.
1583 wurde eine Frau aus Schaalby als Hexe verbrannt.
1614 Am 14. Mai wurde die Hexe Gundel Knutzen bei der Kirche auf Föhr verbrannt.
1615 ließ Heinrich von Rantzau auf Altenhof die Hexe Abel Lafrenzen solange foltern, bis sie starb.
1620 letzte Hexenverbrennung in Flensburg.
1632 ließ Henning Rumohr die Hexe Anna Stigges auf dem Hügel Toppesby bei Mehlby verbrennen weil sie ihn 16 Wochen lang bettlägerig gemacht hätte. Sie wird am 6. 6. 1632 auf der Anhöhe Toppeshy in Mehlby verbrannt.
1637 findet in Großenwiehe ein Hexenprozess gegen Mette Marquarts statt. Sie soll einen Brudermörder zu dessen Tat verhext und angestiftet haben. Der Mörder wird auf der Richtstätte mit dem Schwert vom Leben zum Tod befördert. Die Hexe Mette Marquart aber stirbt in der Pein (Verhör und Tortur).
1641 wurde die Hexe Ellen Lassen aus Töstrupholz am 18. Dezember 1641 verbrannt. Sie wurde durch Anna Stigges Aussage in der Pein belastet.
1641 wurde Sünne Markes, die Köstersche in Sterup, die unter dem Verdacht der Zauberei steht auf dem Dingholzer Richtplatz verbrannt.
1641 Hexenprozess in der Uggelharde gegen Maria Thielsen zu Grünholz und Mette Johnsen zu Biltoft.
1686 ließ der katholische Graf Rantzau zu Schmoel und Oevelgönne vom 27. März bis 30. Juni einen Mann und 17 Weiber als Hexen verbrennen.
1686 fand in den Herzogtümern in Rundhof der letzte Hexenprozess gegen eine alte Frau statt. Sie schwor Urfede (s. d.) und wurde nach Dänemark verbracht.
1716 am 3. Aug. wird die Brandstifterin Metta Peters in Munkbrarup zum Tode verurteilt. Wegen ihres Geständnisses wird sie zum Tode mit dem Schwert verurteilt und erst dann verbrannt. Ihr Kopf wird zur Abschreckung auf einen Pfhal aufgespießt.
Mitte es 17. Jh. gab es die meisten Prozesse und Verbrennungen. Bei den hier erwähnten handelt es sich um nur wenige Beispiele.
1734 endete mit dem Köpfen eines Mannes in Rendsburg die Zeit der Hexenverfolgung in Schleswig-Holstein.
Eine sehr ausführliche Darstellung der Fälle und der Prozesse mit Zeugenaussagen und Befragungen findet sich in : J. Diedrichsen, Lutzhöft, "Hexenprozesse in Angeln", Jahrbuch des Angler Heimatvereins 3. Jahrgang 1932, Seite 27 - 47)

hijus anni
(lat.) dieses Jahres.

Hilligebeke
"Heiliger Bach" ein in der Nähe Idstedts fließender Bach in dem Bischof Poppo um 950 n. Chr. Heiden zum Christentum bekehrte und in diesem Bach und am Poppostein (s. d.) der als Taufbecken diente, taufte. Daraufhin erhielt der Bach der ursprünglich Jüdebeke hieß den Namen Hilligebeke.

Himmelsbrief / Hausbrief / Schutzbrief
Ursprünglich ein von Gott selbst in Goldschrift geschriebener Text. Der Ursprung liegt in der Antike und im Christentum bis ins 6. Jh. zurückgehend.
Ein von nahen Verwandten, Freunden, Bekannten oder Nachbarn aber auch vom Pastor oder Lehrer verfasster und versendeter Schutzbrief mit guten Wünschen. Er sollte den Empfänger vor allerlei Unbill (Krieg, Krankheit, Unwetter, Feuer, Seuchen usw.) schützen. Oft war er künstlerisch gestaltet und in Goldschrift geschrieben. Himmelsbriefe wurden auch als Soldatenbriefe bezeichnet, wenn sie an Soldaten gerichtet waren. Teilweise wurden diese jahrelang als Fethische oder Glücksbringer am Körper getragen.

Himpten
1) Landmaß = ca. 21 Ar.
2) Hohlmaß = 1 Tonne = 4 Scheffel oder Himpten = 16 Spint
oder 1 Fass = 2 Himpten = 8 Spint.

Hindenburgdamm
1927 fertiggestellter Eisenbahndamm vom Festland nach Sylt. Erste Pläne für den Bau gehen auf das Jahr 1874 zurück. 1878 gab es eine Pettition der Bürger Sylts für den Bau eines Dammes. 1910 begann die Preußische Regierung mit ersten Vorbereitungen, die der 1. Weltkrieg aber wieder zunichte machte.
1921 - 1922 wurde die Festlandstrecke von Niebüll zum Seedeich und gleichzeitig von Westerland nach Morsum gebaut. Der eigentliche Dammbau begann 1923. Während der Bauzeit traten aber Zweifel über eine Verwirklichung auf, denn eine einzige Sturmflut am 30. 8. 1923 riss in wenigen Stunden 250.000 cbm Boden weg und zerstörte 12.000 m Spülrohrleitung. Dann machte der Dammbau aber Fortschritte. Zeitweise waren gleichzeitig 1.500 Arbeiter beschäftigt. Der Damm erforderte insgesamt eine Bodenmassenbewegung von 3,2 Millionen cbm. 320.000 Tonnen Granitstein, Basaltsäulen, Kies, Pfähle und Spundwände mussten transportiert wurden. Teilweise wurden sie aus Schlesien und dem Rheinland hierher gebracht.
Am 1. Juni 1927 wurde der 11,3 Km lange, für 188,5 Millionen Reichsmark gebaute Damm durch Reichspräsident Paul von Hindenburg eingeweiht. Die Sylter feierten drei Tage lang.
1956 fuhren täglich 32 Reise-, 16 Auto- und 2 Güterzüge fahrplanmäßig nach Sylt. Das erforderte den Ausbau einer Ausweichstelle. Aber auch diese reichte bald nicht mehr und 1972 wurde ein zweites Gleis für 9,8 Millionen DM hinzugebaut.

Hintersassen
Kätner, die von einem Bauern Land in Nutzung erhalten hatten. Leibeigene Bauern den Gutsbesitzern hörig ohne Anrecht auf die Allmende.

Hirten- oder Sommerschule

Ältere Kinder (ab 10 Jahre), welche im Sommer bei der Feldarbeit helfen mussten, sollten sich einmal die Woche des Sonntags oder Mittwochs beim Küster zum zweistündigen Examen einstellen, damit sie nicht vergasen, was sie im Winter gelernt hatten. Dieses nannte man Hirten- bzw. Sommerschulen.
Am 1. Mai wurden die Hirtenjungen und Hirtenmädchen zum Hüten der Tiere eingestellt. Beim ersten Schulbesuch mussten sie den Dispensionsschein (Befreiung von ihrer eigentlichen Schule) vorlegen.

hitziges Fieber
Krankheit unterschiedlichster Ursache die immer mit Fieber und verändertem Pulsschlag zu tun hatte und häufig zum Tod führte.

Hochzeitsbräuche
Siehe unter Beilager, Bierzwang, Brautkrone, Brautschatz, Brautbettabend, Eheschließung, Freudenschere, Heirat, Kranzgeld, Mangelbrett, Muntehe, Muntwalt, Schaffer, Sysselleute, Verlobung.
(siehe auch unter Luxusverordnung)

Hochzeitsbutter

Naturaliengeschenk. Zu Hochzeiten wurde sie zu Tierfiguren geformt.

Höftmann
Vorsteher eines Bührs (s. d.) auf Eiderstedt. Ihm zur Seite standen zwei Ältermänner: Rechts- und Links-Öllermanns. Höftmann konnte nur werden, wer vorher Öllermann gewesen war.

Höker auch Höcker
Krämer, Kleinhändler. Im dörflichen Höckerladen kaufte man alles vom Stacheldraht, über Krampen, Kochtopf, Holzschuhe, Nahrungsmittel bis zum Zwirn. Es gab es hier alles bzw. wurde besorgt. Auch diente der Hökerladen der dörflichen Kommunikation.

Hoffourier
Verpflegungsunteroffizier am Hof.

Hohlmaße (H.M.)
1 Anker = 19 Kannen = 36,2274 Liter.
1 Mark Korn oder 1 Last = 8 Oere = 24 Örtug = 240 Schipp Roggen = 288 Schipp Gerste = 480 Schipp Hafer
1 Himpten =
1 Kanne = 1,81 l
1 Qurtier = 1,75 l
1 Tonne = 1,4 hl (= 1000 kg) (siehe auch unter Gewichte)
1 Flensburger Tonne = 137 Liter = 8 Scheffel
1 Örtung = 10 Schipp Roggen, 12 Schipp Gerste = 20 Schipp Hafer
1 Oxhöft = 0,6 Kanne = 1,2 Liter.
1 Schipp (auch Scheffel genannt) = 1/8 Tonne = 17,5 l

Holländer / Holländerei
1) Häufig die Bezeichnung für Pächter von Milchkühen. Anfangs waren die Pächter holländischer Herkunft. In aller Regel waren es wegen ihres Glaubens (Reformierte, Menonieten (s. d.) oder Wiedertäufer) aus ihrer Heimat vertriebene Niederländer.
1614 fand sich die erste Nachricht einer Holländerei in Grundhof. In Nordfriesland und Holstein setzten sich um 1600 die Kühe haltenden und Butter und Käse produzierenden Holländer durch. Bis dahin wurde noch schwedische und finnische Butter eingeführt.
Gutsherren "verholländerten" ihr Milchvieh für eine "Holländerpacht" (um 1720 = 10 Reichstaler) an die Holländer. Diesen wurde vom Gutsherrn dafür eine "Holländerscheune" zur Unterbringung des Viehs zur Verfügung gestellt. Das Wohngebäude hieß "Holländerei".
Der von Holländern erzeugte Käse hieß "Holländerkäse" im Gegensatz zum "Bäuerlichen Käse" der einheimischen Bauern die nur für sich selbst butterten.
Mit Beginn des 17. Jh. traten an die Stelle der Holländer mehr und mehr Einheimische. Im 18. Jh. hatte jedes Gut einen Holländer.
2) Meiereifachmann. Fachmann der Milchwirtschaft.

Holm
Kleines, von allen Seiten mit Wiesen oder Wasser umgebenes erhöhtes Stück Land; oft sogar eine Insel. Holm war häufig Bestandteil von Ortsnamen: Holm = kleines Fischerdorf bei Schleswig. Holm = Hauptstraße in Flensburg. Maasholm = Feuchte Wiese Moor auf einer Insel.


Holt
Gehölz (z.B. Westerholt).

Holz
Siehe unter Bauholz

Holzschuhe / Hotschen / Klotzen

Sie waren früher im ländlichen Raum die normale Fußbekleidung. Entweder machte man sie sich selbst oder bediente sich bei einem der zahlreichen Hottschohmaker, der aber nur Schuhe total aus Holz herstellte. Mit Lederoberteil gab es Holzschuhe nur in den Städten oder auf Märkten.
Die hölzernen Schuhe waren sehr schwer und nicht mit heutigen zu vergleichen. Auf schlechten Wegen, steinigen Feldern arbeitete man vom Morgengrauen bis zum Dunkelwerden in ihnen.

Holzvogt / Holtzvoigt
Er hatte ein dem Förster ähnlichen Status.

Holzfrevel
Vergehen wegen nicht genehmigter Waldrodungen.

Homagial-Eid
Huldigungs-Eid. Er musste z. B. von den Kolonisten dem König und Landesherrn gegenüber geleistet werden.
(siehe auch unter Huldigung)

Hornung
1) Februar = Zeit des Horens = sich paaren
2) (altfriesisch) Bastard

Hude / Hudewald / Huderecht
1) Weideplatz vor den Städten.
2) Hüterecht. Weide-Nutzungsrechte für eine bestimmte Anzahl von Kühen auf der Gemeindewiese (Allmende).
3) Hafenbrücke, Schiffbrücke, Anleger, Lösch- und Ladeplätze, Kaie.

Hüll
(Friesisch) Tiefes Wasserloch.

Hufe
Altdeutsches Flächenmaß zwischen 7,5 bis 20 ha. Fläche die einem Hufner und seiner Familie einen Lebensunterhalt gewährleistete. Es gab Viertel-, Halb- Zweidrittel- Voll und - Doppelhufen.
Im Regulativ der Kommission im Generaldirektorium wurde 1768 festegelegt, dass eine Hufe nicht unter 50 Tonnen und nicht über 100 Tonnen (d.h. zwischen 31 bis 63 ha) liegen sollte. Halbhufen hatten zwischen 23 - 50 Tonnen (16 - 31 ha) und Kätner (s. d.) zwischen 12 und 20 Tonnen (8 - 13 ha).
Aus dem Begriff Hufe entwickelte sich die Bezeichnung Hof.

Hufner
Bewirtschafter einer Hufe. Hufner mussten den adeligen Herren Spanndienste und Hofdienste leisten. Kätner leisteten Handdienste (s. d.). Das Land und das Inventar gehörten dem adligen Gut. Normalerweise wurde eine Hufe vom Vater auf den Sohn vererbt. Es war aber ebenso gut möglich, das der Guts- oder Grundherr den Hufner seiner Hufe enthob oder ihn von heut auf morgen auf eine andere Hufe versetzte.

hujus anni / hijus anni

(lat.) dieses Jahres.

Huker

Siehe unter Schiffstypen.

Huldigung
1. Treueeid der Untertanen
Ein ritualisiertes gegenseitiges Treueversprechen im mittelalterlichen Lehnswesen. Der Lehnsnehmer gelobte seinem Herrn Gefolgschaft und Treue und der Lehnsherr sicherte ihm dafür Schutz und Wahrung seiner Rechte zu.
Z. B. wurden die Kolonisten (s. d.) in einem öffentlichen Huldigungsverfahren auf Schloss Gottorf (s. d.) auf den König eingeschworen.
Anlass für erneute Huldigungsverfahren waren z.B. Änderungen bei Lehnverhältnissen (Vererbungen) aber auch politische Veränderungen und nach Unruhen und Aufständen.
(siehe auch unter Homagialeid)
2. Treueeid der Stände
Auch die Stände hatten ihren Landesherrn zu huldigen. Ohne deren Huldigung war das Amt des Landesherrn nicht legitim. Für ihren Treueschwur erwarteten die Stände im Gegenzug Rechte und Freiheiten vom Landesherrn. Oft fanden daher vor der Huldigung komplizierte Verhandlungen zwischen beiden Parteien statt.
Im 19. Jh. trat an die Stelle der Huldigung die Vereidigung (z. B. von Beamten, Soldaten, Politikern)

Hungersnöte
Hunger war früher so verbreitet, dass er neben Krieg, Pestilenz und Tod als einer der "Apokalyptischen Reiter" galt.
Das Leben und die Nahrung der Bevölkerung bis ins 19. Jh. hinein waren karg und dürftig. Das Hauptnahrungsmittel war Buchweizengrütze, später Brot und erst seit Ende des 18. Jh. Kartoffeln (s. d.). Bei Missernten durch fatale Witterung oder durch Krankheiten und Schädlingsbefall der Kulturpflanzen bzw. Überschwemmungen in Küstenregionen, aber auch durch kriegerische Auseinandersetzungen (Plünderung, Brandschatzung usw.) kam es sehr schnell und leicht zu Hungersnöten.
Statt Brot und Grütze gab es dann Pferdebohnen (Viehnahrung mit schlechtem erdigen Geschmack), sofern man diese hatte.
Weltweit wurden 400 große Hungersnöte festgestellt.
Hungersnöte Westeuropas:
1315 - 1317 Hungersnot in weiten Teilen Europas.
1618 - 1648 Hungersnöte als Folge des Dreißigjährigen Krieges.
1650 Große Hungersnot in Nordfriesland durch verregneten Ernten.

1662 In Nordfriesland große Hungersnot und sehr hohe Preise für Nahrungsmittel. Roggen der bei Normalernten für 4 Mark verkauft wurde kostete jetzt 24 Mark und muss mit Schiffen aus Hamburg gebracht wurden.
1816 - 1817 Hungersnot in weiten Teilen Europas die durch den Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien ausgelöst wurde.
1845 - 1849 Ausfall der Kartoffelernte durch Krautfäule.
Große Hungersnot in Irland mit 1,5 Mio. Toten und einer Auswanderungswelle nach Amerika.
1914 - 1918 Hungersnot durch den ersten Weltkrieg. Im März 1919 kam es in Husum zu einem Lebensmittelaufruhr.


Hupen
(angeliter Platt = Haufen). Bezeichnung für Schulklassen. Die meisten Schulen hatten vier Hupen.

Hurenfrau
Eine Frau deren Ehe wegen Untreue geschieden wurde. Sie durfte keine neue Ehe eingehen und tat sie es dennoch, galt es als Bigamie. Die aus der neuen Verbindung stammenden Kinder galten jedoch als echtgeborene und waren erbberechtigt.

Hurenkinder
Kinder, die im Ehebruch mit einer verheirateten Frau gezeugt wurden. Sie waren nicht erbberechtigt.

Husum
Kreisstadt des Kreises Nordfriesland. Entstanden ist die Stadt aus einem alten Siedlungsplatz wie Funde aus der Steinzeit zeigen. Erstmalig erwähnt wurde sie 1252, unter den Namen Husembro.
1362 bei der Groten Manndränke (Zweite Marcellusflut) veränderte sich der Küstenverlauf und Husum wurde über Nacht zur Hafenstadt.
1461 erhielt Husum Fleckengerechtigkeit (s. d.) die sie 1472 nach der Rebellion gegen König Christian I. wieder verlor.
Der Hafen entstand zu Beginn des 15. Jh. als Kriegsschiffe der Hanse mehrmals den Sund in der Ostsee für alle Handelschiffe die nicht zur Hanse gehörten, sperrten. Der dänische König verfügte daraufhin, dass Waren in Husum angelandet werden sollten, um auf dem Landweg nach Flensburg gebracht zu werden. 1527 wurde Husum lutherisch und gründete die erste Lateinschule. 1601 wurde das erste Rathaus erbaut, das 1702, 1858 und 1893 umgebaut wurde. 1603 erhielt Husum das Stadtrecht.
1713 kamen 15.000 Schweden unter General Steenbock nach Husum. Unter ihnen auch Russen und Sachsen. Sie alle hausten fürchterlich.
Bekannt ist Husum durch den Heimatdichter Theodor Storm der der Stadt durch sein Gedicht auch den Beinamen "Graue Stadt am Meer" eintrug.

Husumer Hofgesangbuch von 1676
Herzogin Marie Elisabeth (1610 - 1684) sammelte aus einem Liederschatz von etwa 10.000 Liedern 400 passende ("fügliche und bequeme Psalmen") und gab sie 1676 bei Johann Holwein in Schleswig als Gesangbuch heraus. Es galt Jahrelang als verschollen, wurde aber 1979 in einem Münchener Antiquariat entdeckt und von Husum zurückgekauft.

Hutstaffierer
Beruf. Er schmückte Hüte mit Bändern und Stickereien.


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I

idem/ item
(lat.) derselbe, dasselbe.

Idstedt
Schlachtort im schleswig-holsteinischen Krieg (dän. Dreijahreskrieg genannt) von 1848 bis 1851 in der Nähe von Schleswig. Auf deutscher Seite kämpften die Herzogtümer Schleswig und Holstein in einem Bündnis mit den Staaten des deutschen Bundes gegen das Königreich Dänemark.
Die Problematik der Schlacht von Idstedt war, das viele Schleswig-Holsteiner noch aus der Zeit vor der Erhebung (s. d.) Soldaten in Dänemark waren. Andere Schleswig-Holsteiner kämpften nun auf deutscher Seite und so kämpften in einer Art "Bürgerkrieg" teilweise Schleswig-Holsteiner gegen ihre Landsleute. Sogar Brüder kämpften gegen Brüder.
Am 10. 7. 1849 schloß Preußen einen Waffenstillstand und am 2. 7. 1850 einen Sonderfrieden mit Dänemark. Die Reichstruppen verließen die Herzogtümer. Daraufhin waren die Herzogtümer allein auf sich gestellt. Die einheitliche Verwaltung des Landes wurde zerrissen.
In der Schlacht von Idstedt am 24. und 25. Juli 1850 erlitten die Schleswig-Holsteiner eine Niederlage. Es kam zur Schlacht zwischen ca. 37.000 dänischen und 26.000 Schleswig-holstein- ischen Soldaten. Der Verlust (Verletzte und Tote) belief sich auf 3.798 dänische und 2.828 schleswig-holsteinische Soldaten. Etwa 1.200 von ihnen fanden den Tod. Die Schlacht galt damit bis zum Zweiten Weltkrieg als die blutigste, die jemals in Nordeuropa ausgefochten wurde.

ignotus
(lat.) unbekannt.

imago mortis
(lat.) Scheintod.

Implorant
Bittsteller vor Ämtern und Gerichten.

Indinegatsgesetz
1776 erlassenes Gesetz in dem festgelegt wurde, dass nur diejenigen (Dänen) , die im Bereich der dänischen Krone geboren waren, in den Staatsdienst eintreten durften. Ausgenommen blieben die Kieler Professoren.

influieren
(lat.) einwirken.

Insten
Insten waren Landbewohner ohne Grundbesitz. Ihr Haus hieß Inste oder Instenstelle. Aus dem mnd. "Insate" (Einsasse), also jemand der ein Haus mitbewohnt. Kleinste Form eines ländlichen Anwesens. Diese Besitzlosen bildeten die unterste Stufe der ländlichen Sozialstruktur. Sie lebten in Mietwohnungen die sie geheuert (gemietet) hatten. Darum wurden sie auch als Heuerlinge bezeichnet.
Gehörte ihnen ein Haus mit etwas Gartenland = Hausinsten; wohnen sie zur Miete = Heuerinsten.
Es gab auch Freiinsten die keinen sog. Insten- oder Leibeigenenvertrag hatten. Sie waren zwar frei aber hatten nur den Status von einer Art "Gastarbeiter".

Insurgenten
Veraltete Bezeichnung für Aufständische oder Rebellen.

Interdikt
= Untersagung. Kirchenstrafe. Einstellung kirchlicher Handlungen (Taufe, Konfirmation, Heirat, Trauergottesdienst) als Strafe für ein Vergehen gegen das Kirchenrecht (z.B. Sonntagsarbeit)

Interessent
(Nordfriesland) Hofbesitzer von Höfen über 60 Demat der Interesse an seinem eigenen Land besitzt. Sie bildeten die Herrenschicht in den Kommunen und nahmen für sich das alleinige Recht in Anspruch in allen Kirchspielangelegenheiten zu bestimmen.
Interessenten Friesischer Höfe waren häufig auswärtig wohnende Eigentümer die ihre Höfe verwalten ließen. Auch einige Mühlen waren im Besitz auswärtiger Interessenten.

Intraden
Festgesetzte Einkünfte.

Intrede / Eintrede
Gebühr um Bürger einer Stadt zu werden. In Flensburg war diese nach "Zustand und Profession" in sieben Gruppen gestaffelt.
1. Kaufleute
2. Handelsleute u. Makler
3. Schiffer
4. Professionisten 1. Klasse (Müller, Bäcker, Schlachter)
5. Sonstige Professionisten (sonstige Handwerker)
6. Schenkwirthe und Höker
7. Tagelöhner
Kaufleute zahlten im 19. Jh. 24 Mark, Tagelöhner 6 Mark. Diese Summe stellte für viele eine unüberwindliche Hürde dar. Wer nicht zahlen konnte musste einen Bürgen stellen.

Introduktion
Einführung und Einsegnung der Sechswöchnerinen (s. d.).
Dafür gaben die Bohlfrauen 2 Mark und die Kätnerfrauen 1 Mark 8 ß.

ipso die festum
(lat.) am Tage des Festes.

Irrenanstalt / Irrenhaus
Nachfolgerin des Tollhauses (s. d.). In ganz Europa herrschte von 1650 bis 1800 eine Epoche der "Ausgrenzung der Unvernunft" vor. Narren und Tolle wurden unter menschenunwürdigen Bedingungen in Zucht- oder Arbeitshäusern (s. d.) verwahrt.
Bettler, Vagabunden, Arbeitslose, Dirnen, mit "Lustseuche Behaftete", Depressive, geisteskranke und behinderte Menschen wurden ohne Unterschied zusammen mit Sträflingen in einen gemeinsamen Raum gesperrt. Wer außerhalb der Grenzen der Vernunft, der Arbeit und des Anstandes stand wurde aus der Gesellschaft verbannt. Die offizielle Bezeichnung für solche Menschen war "Blödsinnige".
Man hielt Geisteskranke für unempfindlich gegenüber Kälte, Hunger, Durst und Schmerzen. Darum ließ man sie fast nackt und teilweise ganz unversorgt. Es gab Fälle, in denen die Wärter Geisteskranke für einen kleinen Obolus zur Schau stellten.
Die Errichtung von Irrenhäusern zu Beginn des 19. Jh. für psychisch Kranke war daher ein relativer Fortschritt.
1786 wurde die erste Schleswig-Holsteinische Irrenanstalt in Lübeck eingerichtet.
1817 wurde in Schleswig eine Irrenanstalt eingerichtet. Bei der Volkszählung 1835 waren dort 116 Männer und 59 Frauen, 1845 waren es 318 Gemütskranke, davon 216 Männer und 102 Frauen.
1892 errichtete Pastor Paulsen in Kropp eine private Irrenanstalt Haus Bethesda. Nach Bethesda entstanden zwischen 1892 und 1900 sieben weitere Häuser wie Zoar, Sychar und Patmos für die Aufnahme von Geisteskranken. Es wurden Männer und Frauen wie auch Epileptiker, Alkohol- und Nervenkranke aufgenommen. 1900 waren es 300 Personen.

Pfeil oben


J

Jacobimarkt / Brarupmarkt
Traditioneller Jahrmarkt zwischen Heu- und Getreideernte (25. Juli) in Süderbrarup seit 1593. Hier wurden Waren aller Art, Pferde und Vieh gehandelt. Das Gesinde gab hier seinen Jahreslohn (einmalige Zahlung des Jahreslohnes) aus. Hier wurden Bekanntschaften gemacht und Verlobungen abgesprochen. Es wurde gespeist, getanzt und gefeiert. "Jedes Haus ist eine Schenke und jede Schenke ist ein Tanzboden". Man kam aus den entlegendsten Dörfern Angelns nach Brarup. Es galt als größte Strafe, wenn Eltern ihren Kindern und Bauern ihrem Gesinde damit drohten nicht nach Brarupmarkt mitgenommen zu werden.
Um 1840 hatte während des Marktes jedes Haus in Brarup Schankgerechtigkeit. Darüberhinaus gab es viele Schankzelte.

Jagdrecht
Ursprünglich herrschte freies Jagdrecht. Wie lange dieses freie Recht bestand ist nicht mehr feststellbar. Schon im 9. bis 11. Jh. hatte es eine Einbusse erfahren und ging immer mehr in hoheitliches Recht über. Vom 9. bis 13. Jh gab es eine unklare Rechtslage. Jeder jagte auf seinem Grund.
Könige, Herzoge, Ritter und Adlige entzogen den einfachen Landbesitzern immer mehr deren Jagdregal und wandelten es in königliches Regal. Niedergelegte Höfe und Dörfer fielen in die Hände des Königs und dieser gab es dem Adel zu Lehen.
Auch die Klöster erhielten auf ihren Territorien ein eigenes Jagd- und Fischfangregal.
Im 15. Jh. erließ der König und der Herzog ein Gesetz für die Ausübung der Jagd.
1623 erließen König Christian IV. und Herzog Johann d. J. ein gemeinsames Jagdrecht in dem sie dem Adel alleiniges Jagdrecht zugestanden. Mit der Säkularisierung (Verweltlichung) der Klöster wuchsen dem Adel noch mehr Jagdflächen zu. Sie begannen um ihre Jagdgebiete Wildgatter zu errichten und Jagdsteine (s. d.) als Grenzmarkierungen zu setzen. An den Wegen, die aus diesen Gebieten rein und rausführten wurden verschließbare Durchlässe geschaffen. Heckkätner (s. d.), die an diesen Stellen wohnten hatten das Öffnen und Schließen der Hecks zu gewährleisten.
Die meisten adeligen Jagden wurden als Hetzjagden mit Hundemeuten mit aufgestellten Fangnetzen durchgeführt. Für die Bauern waren diese Jagden eine unerträgliche, mühsame und wirtschaftliche Belastung.
Erst die Aufhebung der Feldgemeinschaft (s. d.) und die Einführung der Fluraufteilung 1781-83 führte zu einem Einbruch des adeligen Jagdrechts. Von nun an durften die Bauern nach 500 Jahren die sie vom Jagdregal ausgeschlossen waren, wieder auf ihren Grundstücken jagen und auch dieses Jagdrecht an städtische Bürger verpachten. Dieses bedeutete das Ende der Wildgehege. Der Schaden der jetzt am Wild entstand war unvorstellbar und führte bei einigen Arten fast zur Ausrottung.
Um 1848 kamen Gesetze über Hege und Pflege auf. Aber erst die Preußische Jagdordnung vom 15. 7. 1907 brachte Einheitlichkeit und Ordnung ins Jagdwesen.
Siehe auch unter Jagdsteine, Mankjagd, Rehegeld, Wildernde Hunde, Wildpfahl, Wolfsjagd.

Jagdsteine / Wildpfähle / Pfahlschändung
Andere Bezeichnungen sind Scheide-, Hege- oder Wildbahnphähle.
Um 1640 erstmals erwähnte Abgrenzungen von Jagdgebieten in Holstein. Bis zu 2,50 m hohe, behauhene, mit Zeichen und Buchstaben versehene meist quadratische Steinsäulen. Diese Jagdsteine markierten die Grenzen der Gehege innerhalb derer die Herzöge, Könige und adlige Gutsherren ihr Jagdrecht ausübten. Ursprünglich waren sie aus Holz. 1675 wurde z. B. Schuby "eingephalet und geheget", 1689 wurden Ulsnis, Brebel, Kius und Hestoft durch "10 Phähle abgephält".
Weil die hölzenen aber schnell faulten wurden sie von 1760 bis 1800 auf Geheiß König Friedrich V. (1746 - 1766) und Christian VII. (1766 - 1808) durch steinerne ersetzt.
Die Ritterschaft oponierte gegen die Einphählung durch neu erworbene Jagdgebiete der Landesherren (Könige, Herzöge, Fürsten) und zerstörte oder beseitigte sie. In solchen Fällen sprach man von Pfahlschändung.
Noch heute finden wir diese Jagdsteine in den Kirchspielen Böel, Boren, Rabenkirchen, Rupel, Süderhackstedt und Ulsnis.

Janteloven / Jantelov / Jantegesetz

Ein 1933 vom dänisch-norwegischen Autor Aksel Sandemose in seinem Roman "Ein Flüchtling kreuzt seine Spur" entwickelter Verhaltens-Begriff, der in ganz Skandinavien zu einem allgegenwärtigen Verhaltenskodex wurde. Das Janteloven besteht aus 10 Regeln:

1. Du sollst nicht glauben, dass du etwas bist.
2. Du sollst nicht glauben, dass du genauso viel bist wie wir.
3. Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
4. Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
5. Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
6. Du sollst nicht glauben, dass du mehr bist als wir.
7. Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
8. Du sollst nicht über uns lachen.
9. Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
10. Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

Das Janteloven ist eine sehr negative Verhaltensweise, die Eliten verhindert und das Mittelmaß zur Norm macht. Für Deutsche ist es unverständlich, wie es sich in Skandinavien, vor allem in Schweden und Dänemark so behaupten konnte und von weiten Bevölkerungsteilen zum Maß aller Dinge und zum Alltagsbewußtsein gemacht werden konnte. Es hat zu einer sehr angepassten untergebenen Haltung der Bevölkerung gegenüber der Obrigkeit geführt.
Konsequent angewendet müsste es dazu führen, dass niemand im Sport, in der Scule oder in der Wirtschaft Erster oder Bester werden möchte.

Jarl
Verwandt mit dem englischen Titel Earl. Freier Mann von hoher Geburt. In Norwegen bis 1308 und in Schweden bis 1266 höchster Kronbeamter. Von der germanischen Eisenzeit bis ins Hochmittelalter war es ein Fürstentitel in nordischen Ländern. Die früheste Erwähnung des Jarltums findet man in Runenschrift.
Die dänische Bezeichnung Jarl beginnt im 12. Jh. Jarle waren zur Reichsverteidigung eingesetzt.
Die dänischen Könige ernannten in den von ihnen verwalteten Gebieten Statthalter, die sie Jarls nannten.
Dieses Amt wurde vorzugsweise mit Mitgliedern der Königsfamilie besetzt.
Der letzte echte Jarl Südjütlands und Schleswigs war Knud Laward, der den Titel Herzog annahm. Er wurde am 7. Januar 1131 ermordet.

Jernstöber
Beruf. Eisengießer.

Joch
Älteste Form der Anspannung von Zugtieren vor landwirtschaftlichen Geräten und Wagen. Das Joch ist wohl 3.500 Jahre alt .
Man unterschied in Kopfjoch, Stirn- und Nackenjoch. Eine andere Form war das Widerristjoch, das von den Tieren mit dem Widerrist gezogen wurde. Am häufigsten wurden in Europa Ochsen als Zugtiere verwendet.
Im Hochmittelalter wurde das Joch durch das Kumt verdrängt, was auch die Anspannung von zwei Pferden zuließ.

Jocken / Joch
Holzgestelle die weidenden Tieren um den Hals gehängt wurden, damit sie nicht durch Zäune konnten und die deren schnelles Laufen verhinderten. Auch Pferde und Füllen durften nicht "klaglos" gehen, d. h. ohne "Klaog-Joch".

Juelmann
Beruf. Rademacher, Stellmacher. Juel heißt im nordischen "Rad".

Jüten
1.) Germanischer Volksstamm mit Heimat auf der Halbinsel Jütland. Im 5. Jh. gingen sie größtenteils im dänischen Volk auf oder wandern mit den Angeln und Sachsen nach England.
2) In neuerer Zeit die Einwohner von Jütland. Die Angler wandten sich gegen eine Dänisierung mit dem Schlagwort:
"Gott möge uns behüten, dass wir nicht werden Jüten."

Jütepotten / Jydepotten
Jütische Töpferwaren aus der Zeit des Mittelalters. Erste Erwähnung fanden sie Erwähnung als schwarze Töpfe, für die Brückengeld gezahlt werden musste. 1731 wurden Jydepotten aus Jütland nach Holland, Hamburg, Altona, Sylt, Röm, Föhr und Husum ausgeführt. Wenig später wurde eine Schiffsladung Jydepotten nach Riga genannt.
Die jütischen Pottemanns führten ein sehr armseliges Leben und abgemagerte Pferde nannte man ein "Pottemannspeerd".
In Flensburg gab es Pottemagers (Topfmacher) die für jütische Töpfereien arbeiteten.

Jütisches Recht / Jütsches Low / dän. Jyske Lov
Gesetzesordnung des 13. Jh. auf der Halbinsel Jütland bis an die Eider und auf der Insel Fünen. Es war die älteste 1241 schriftlich fixierte Rechtsgrundlage Dänemarks. Verfasst wurde es von König Waldemar II.
Das Jütsche Recht gliederte sich in ein Vorwort und drei Bücher mit insgesamt 57, 114 und 68 Artikeln und ist in vielen Handschriften überliefert. Die älteste ist die "Flensburger Abschrift" aus der Zeit um 1300.
In Dänemark blieb das Jütische Recht bis zur Ersetzung durch das Dänische Recht Christian IV. bis 1683 gültig, im Herzogtum Schleswig hingegen bis 1900 und wurde durch das Bürgerliche Gesetzbuch abgelöst.
Das Jütische Landrecht war sehr volksnah und praxisbezogen und modifizierte altes Gewohnheitsrecht. Es war für die damalige Zeit sehr detailliert und regelte viele Angelegenheiten des Zusammenlebens. Es überwand erstmalig das Gesetz der Blutrache und das Gesetz des Stärkeren.
Im 16. Jh. entstand eine niederdeutsche Übersetzung das "Jütsche Low".

jugalis
(lat.) Gatte.

Juhlgift
Weihnachtsgabe der Bohlsleute und Kätner für den Pastor. Sie wurde nach Weihnachten vom Achtmann eingesammelt und dem Pastor ins Haus gebracht, wofür er von diesem ein Essen bekam.

Julebryg
Hochprozentiges dänisches Weihnachtsbier.

Julefrokost
Vom dän. Jul = Weihnachten und frokost = Mittagessen wie das Luciafest ein fester Bestandteil der dänischen Advents- und Weihnachtszeit. Es findet am 1. und/oder 2. Weihnachtstag um die Mittagszeit statt. Aber schon vorher finden in Betrieben und Vereinen in der Vorweihnachtszeit Julefrokost statt. Es beginnt meistens Mittagszeit und endet, wenn die Letzten gehen. Hauptbestandteil ist ein großes Büffet aus kalten und warmen Speisen. Getrunken werden Bier und Aquavit oder das hochprozentige dänische Weihnachtsbier Jylebryg.

Junker
= Jungherr. Junger Edelmann ohne sonstige Titel, auch Landedelmann. Bezeichnung für die Söhne des Hochadels, bevor sie die Regierung antraten.

Jurat
Kirchgeschworener. Mitglied des engeren Kirchenvorstandes. (2 oder 3 Personen). Hauptsächlich sollten sie für die Erhaltung der Kirchenkapitalien (Kirchvermögen) sorgen. Sie waren für Reperatur und Unterhaltung der Kirchenbauten zuständig. Einnahmen und Ausgaben der Kirche und deren zinsbringende Anlage wurden von ihnen verwaltet.
Am Ende des Jahres mussten sie eine Bilanz mit allen Einnahmen und Ausgaben sowie Quittungen vorlegen. Dabei waren sie für durch ihr Verschulden verlorengegangene Kirchengelder selbst haftbar.
Juraten wurden auf Vorschlag des Predigers bestimmt und mussten das Amt annehmen. Sie konnten aus allen Bevölkerungsschichten stammen. Kirchspielsmänner (s.d.) hingegen durften nur aus dem Stand der Hufner und Bonden stammen.
Juraten wurden auf sechs Jahre gewählt.
1869 nach Einführung der neuen Kirchenordnung wurden sie durch Kirchenälteste ersetzt.

Jurisdiktion
(lat.) für Rechtsprechung. Bezeichnet auch das Einzugsgebiet der Gerichtsbarkeit eines Staates oder einzelnen Gerichts z. B. von Landesherren, Rittern, Klerus oder Städten.

Justitiarius
Richter auf adeligen und großen Gütern. Diese sprachen Recht über "Hals und Hand", also die Ahndung von Verbrechen mit der Todesstrafe oder Verstümmelung. Ab 1805 waren sie gesetzlich vorgeschrieben. Bis dahin richteten die Gutsherren selbst.
(Siehe auch unter "Hals und Hand").

Pfeil oben


K

Kaak / Kaakmann
Schandpfahl in Flensburg. Der Kaakmann war der städtische Büttel, der den zur Prügelstrafe Verurteilten öffentlich vor dem Kaak die entsprechende Zahl von Hieben zu geben hatte.
In Flensburg befand sich der Kaak auf dem Südermarkt. Oben auf dem Kaak befand sich eine Holzfigur, die den städtischen Büttel mit Geisel (Peische) darstellte. Der Kaak wurde letztmalig 1759 errichtet.

Kätner / Kötener
Betreiber eines kleinen Grundstücks mit Kate. Hintersasse (s. d.) eines Hufners. Kätner hatten den adeligen Herren Handdienste zu leisten. Hufner leisteten Spanndienste.
Kätner waren oft weichende Erben (abgeteilte Bauernkinder) von Hufen.
Je nach Besitz oder Verwendung gab es Domkapitelskaten, Klosterkaten, Schuster-, Hirten-, Küster-, Pastoren-, Schmiede- und Schneiderkaten.
Kätner hatten kaum Rechte. Dorfangelegenheiten regelten die Hufner und auch alle Ämter standen nur den Hufnern zu. Auch von Kirchenämtern blieben Kätner ausgeschlossen.

Kaiser-Wilhelm-Kanal / Nord-Ostsee-Kanal
Kanal zwischen Nord- und Ostsee von der Kieler Förde bis zur Elbmündung bei Brunsbüttel. Er war die meistbefahrene Wasserstraße der Welt. Er war 98,637 Kilometer lang.
Ein Vorläufer war der 1777 - 1784 von König Christian VII. gebaute Eiderkanal (s. d.) von Kiel bis Rendsburg wo er in die Eider mündete, die bis zur Eidermündung bei Tönning (s. d.) floss. Eine Fahrt dauerte allerdings 3 - 4 Tage.
1873 gewann Bismarck den Kaiser für den Plan einen Kanal von der Nord- zur Ostsee zu bauen und 1883 gab Kaiser Wilhelm I. den Auftrag dazu. 1886 billigte der Reichstag ein entsprechendes Gesetz.
Am 3. Juni 1887 erfolgte die Grundsteinlegung. Nach 8 Jahren Bauzeit wurde der Kanal am 21. Juni 1895 geöffnet. Der Bau kostete 156 Mio. Goldmark, bis zu 8.900 Arbeiter bewegten ca. 80 Mio. cbm Erdreich. Der Kanal war 67 m breit und 9 m tief.
Er gehört zu den spiegelgleichen Kanälen und wurde an beiden Enden durch Schleusen gegen unterschiedliche Wasserstände (Gezeiten und Sturmfluten) geregelt.
Erste Pläne für den Kanal gehen bis ins 7. Jh. zurück.
Zur Finanzierung wurde vom Kaiser die Schaumweinsteuer (Sektsteuer die es heute noch gibt) eingeführt.
Von 1907 bis 1914 erfolgte der erste Ausbau auf 102 m Breite und 11 m Tiefe.

Kaland
Bruderschaft seit dem 9. Jh. die Frauen und Männer in ihren Reihen hatte. Sie machten keine Standes- Religions- und Herkunftsunterschiede. Ihr Ziel war es gemeinschaftlich wohltätige Werke an Armen und Kranken zu vollbringen. Sie bestand aus Geistlichen und frommen Laien (Nichtgeistlichen) die sich besonders des Totengedächtnisses annahmen. Bei ihnen konnte man Seelenmessen für Verstorbene bestellen; auch sangen sie an Gräbern. In der Reformationszeit starben die Kaland-Bruderschaften aus.

Kaltschlachter
Amtliche Bezeichnung für den Schinder (s. d.)

Kamisol
(s. u. Camisol)

Kammermohr
auch Hofmohr. Seit dem 18. Jh. Im deutschen Sprachraum Bezeichnung für einen Diener schwarzer Hautfarbe.

Kannendreyer / Kandreyer
Beruf. Drechsler von hölzernen Kannen.

Kanon
Grundzins.

Kapito
Um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jh. als Flensburg noch keine Kläranlage hatte, ein wertvoller Dünger in Breiform aus Fäkalien in Mischung mit Torfmull. Entwickelt wurde die Herstellung und der Vertrieb und damit gleichzeitig das Problem der Fäkalienbeseitigung von drei Landwirten. Jacob Eduard Brix, Johann Martin Bunzen und Ökonom Kapito, Leiter des Flensburger Armenhauses und des Martinstiftes.
Bis dahin wurden Mist und Jauche vom Vieh und alle Fäkalien der Menschen in den Hafen gespült. Die heute noch anzutreffende Schicht soll bis zu 4 m stark sein.
Ab 1890 wurde in Flensburg die Eimerabfuhr angeordnet. Alle Bewohner mussten in Eimer machen, die halb mit Torf gefüllt waren. Morgens vor Sonnenaufgang wurden diese abgeholt und nach Sophienhof gebracht und in Gruben entleert. Dort gab es für die Bauern auch eine "Kapito-Versteigerung" auf der der wertvolle Dünger versteigert wurde. Für Flensburg eine große Erleichterung.
(siehe auch unter Ehgraben, Notdurft und Straßen- und Stadtbilder des Mittelalters)

Kappeln
Hafenstadt an der Schleimündung mit Zentrumsfunktion für das östliche Angeln und das nördliche Schwansen. Jahrhundertelang war es ein Fischerdorf, das sich bis 1533 nur mühsam der Leibeigenschaft durch das Gut Roest (s. d.) erwehrte. Erstmalige Erwähnung fand Kappeln 1357.
1406 kam Kappeln zum Domkapitel der Stadt Schleswig und 1533 zum Adelsgut Roest.
1633 versuchte der Gutsherr von Roest Detlef von Rumohr die Kappelner zu Leibeigenen zu machen. 64 Familien entzogen sich dem und gründeten auf einer nahen nicht mehr zu Roest gehörenden Landzunge in der Schlei das Dorf Arnis (s. d.).
1799 wurde die Leibeigenschaft (s. d.) aufgehoben und 1807 kaufte der dänische König Christian VII. Kappeln für 62.000 Reichstaler. Fortan hatte Kappeln einen eigenen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk.
1842 erhielt der Ort Fleckensrecht (s. d.) 1870 erhielt Kappeln das Stadtrecht.
1885 wurden Kappeln und Flensburg durch eine Kleinbahn verbunden.
1928 wurde eine Drehbrücke über die Schlei gebaut.

Karacke
Siehe unter Schiffstypen.

Karat
Gewichtsmaß.

Karre
"Die Karre" wurde das Zuchthaus in Glückstadt genannt, in das die lebenslänglich Verurteilten (z. B. "frevelhafte Mordbrenner"), aus den Herzogtümern Schleswig und Holstein gebracht wurden.

Karrendienst / Karrenstrafe
Schwere Zwangsarbeiten während einer Gefängnisstrafe. Die Karrenstrafe wurde härter eingestuft als die Zuchthausstrafe. Sie war eine Strafe zur Zwangsarbeit. Frauen durften nicht durch die Karrenstrafe bestraft werden.
Karrenstrafgefangene kamen zur Verbüßung ihrer Strafe in die Festung Rendsburg. Daneben gab es Ausweichquartiere für die Herzogtümer Schleswig und Holstein in Monkholm bei Trondheim in Norwegen und in Kronburg bei Helsingör in Dänemark.
Siehe auch unter Corrigende, Zuchthaus.
Zu kurzen regionalen Karrenstrafen Verurteilte arbeiteten im Wegebau, im Forst, in der Be- und Entwässerung, im Deichbau usw. Sie stellten für die Ämter ein billiges und ständig sich erneuerndes Arbeitskräftepotential dar.
1816 schaffte Dänemark die Karrenstrafe ab. 1827 geschah dieses auch in den Herzogtümern.

Kartenblatt
Schuld- und Pfandprotokolle. (s. d.)

Kartoffel / Potatus
Ihre Heimat ist Südamerika. Mitte des 16. Jh. brachten Seefahrer sie nach Europa (Schottland), wo sie zuerst angebaut wurde. Im übrigen Europa blieb sie lange Zeit unbeachtet.
Man nannte die Kartoffel damals Potatos. Da sie anfangs als Schweinefutter gebraucht wurde, hielt es lange Zeit die Menschen davon ab sie selbst zu essen.
1616 wurde die Kartoffel erstmalig als Delikatesse an der Tafel des Französischen Hofes gereicht.
1708 kam sie erstmalig nach Mecklenburg.
Ab 1740 förderte König Friedrich der Große von Preußen den Kartoffelanbau und erließ 1756 den Befehl sie im ganzen Land anzubauen.
Hungersnöte im 18. Jh. zwangen die Menschen in Deutschland die Kartoffel zu essen.
Im Norden wurde die Kartoffel erst 1762 mit den Kolonisten (s. d.) bei uns heimisch und langsam gebräuchlich.
Probst Lüders aus Glücksburg hat sich ab 1760 um die Einführung der Kartoffel im heimischen Anbau verdient gemacht.

Kaskettenmacher
Beruf. Er stellt Hutschachteln her.

Kassation
1) Befreiung der Archivbestände von Überflüssigem und Wertlosem.
2) Entlassung und Entfernung von Kolonisten aus der Kolonie wegen "Arbeitsunwilligkeit", "Unfähigkeit" oder "schlechten Ergebnissen".

Kastellan
Schlossvogt, Aufseher im Schloss.

Kate
Eine Hofstelle. In der Regel ein Achtel-Bohl. Es gab Freikaten die den Inhabern gehörten und Festekaten, die verpachtet waren. Nicht alle Katen hatten Pferde.
Kate auch für kleines Haus. (siehe auch unter Kätner)

Katechismusexamina
Vom 16. bis Anfang des 18. Jh. gab es die Verpflichtung für Alte und Junge zur Teilnahme an den Mittwochsgottesdiensten (s. d.) oder besonderen Wochengottesdiensten im Anschluss an den Gottesdienst. Hier wurde in großer Strenge Unterricht und Prüfung zum Katechismus gehalten.

Katechu
Gerb- und Färbemitte. Eine zähe Masse aus einer indischen Akazienart die auch zur Haltbarmachung von Fischernetzen gebraucht wurde.

Kattundrucker
Beruf. Er bedruckte mit Modeln Kattun (Leinen)

Kekule-Nummern / Kekule-Zahlen
Nummerierungssystem zur Übersicht bei der Ahnenforschung. Benannt nach dem Privatgelehrten Dr. phil, Dr. jur. Stephan Kekule, der das System 1898 einführte. Danach erhielt der Proband unabhängig vom Geschlecht die Nummer 1. Der Vater erhielt den doppelten Wert, die Mutter den doppelten Wert + 1.
Proband = 1; Vater = 2; Mutter = 3. Weiter geht es jeweils mit einer Verdoppelung für Männer und einer Verdoppelung + 1 für Frauen. Großvater väterlicherseits = 4, Großmutter 5, Großvater mütterlicherseits 6, Großmutter 7 usw.

Kerbstock
Zählmaß, mittelalterliche Zählhilfe. Schulden wurden in den Kerbstock geschnitten. Wer Schulden hatte, hatte was auf dem Kerbholz.

Kiek
(siehe unter Fußwärmer)

Kieler Erklärung
Auch nach dem zweiten Weltkrieg setzte die "neudänische Bewegung" wieder ein mit dem Ziel das alte Herzogtum Schleswig bis zur Eider dem Dänischen Territorium anzugliedern. 1948 versuchte die dänische Regierung bei der Londoner Konferenz dieses Ziel zu erreichen, indem gleichzeitig alle Flüchtlinge aus Südschleswig entfernt werden sollten. Dieses aber wurde in London konsequent zurückgewiesen. Dänemark akzeptierte schließlich den Beschluß der Londoner Konferenz. Jetzt setzte man auf dänischer wie auf deutscher Seite auf Minderheitenreglungen, die am 26. 9. 1949 in der Kieler Erklärung ihren Niederschlag fanden. Die Bonn-Kopenhagener Erklärung von 1955 verfestigte die Beschlüsse der Kieler Erklärung und machte sie staatsrechtlich verbindlich.

Kienspan
Dänisch = Fyrstikker. Harzdurchtränktes Stück Holz von etwa 10 - 50 cm Länge und Fingerdicke meistens aus Kiefer oder Föhre. Die Baumrinde wurde künstlich verletzt um mehr Harz zu bilden, das sich mit dem Holz verhärtete. Der Kienspann wurde angesteckt und brannte wie eine Fackel. Er war die erste künstliche Lichtquelle neben dem Herdfeuer.
Das Schneiden der Kienspäne war eine Abendbeschäftigung der Männer.
Im 17. Jh. waren Kienspäne ein wichtiger Handelsartikel.

Kimbrische Halbinsel
Siehe unter Cimbrische Halbinsel.

Kindbettfieber
Infektionskrankheit als Ursache für frühere hohe Müttersterblichkeit. Bei Wöchnerinnen auftretendes Fieber mit typhusähnlichen Symptomen, oft infolge einer unvollständigen Nachgeburt. Beim jahrhundertelangen üblichen Ablauf von Hausgeburten trat Kindbettfieber gar nicht so häufig auf.
Erst mit zunehmender ärztlicher Hilfe im 18. Jh. mehrte sich das Kindbettfieber durch mangelnde Hygiene der Ärzte die mit Kranken und Leichen in Berührung kamen und sich nicht desinfizierten und mit ihren Händen und Instrumenten die Krankheit übertrugen. In Krankenhäusern starben bis zu zwei Drittel der Wöchnerinnen.
1804 begann die akademische Geburtshilfe in Kiel.
Erst in der 3. Hälfte des 19. Jh. erkannte der Mediziner Semmelweis die schlechten hygienischen Zustände der Krankenhäuser und Ärzte als Ursache für die Säuglingssterblichkeit.

Kindelbier
Zu Kindtaufen geschenktes Bier. Es wurde später wegen der häufig damit verbundenen Besäufnisse verboten und bestraft.
(siehe auch unter Arfbeer, Erbbier und unter Luxusverordnung)

Kirchenbauten / Sakralbauten
1) Granitquaderkirchen: St. Marien in Norderbrarup (12. Jh.) - St. Laurentius in Munkbrarup (1175 - 1200) - Marien in Sörup (1132, E. 12. Jh.) - St. Vincentius in Husby ( 12. Jh.) - St. Johannis in Kleinsolt ( ) - Rübel (vor 1192)
2) Feldsteinkirchen: St. Marien in Grundhof (M. 12. Jh.) - Oeversee ( ) - Brodesby ( ) - Petrikirche in Sieverstedt (um 1100) - Großsolt (?) - Parochie in Töstrup (vor 1305) - St. Marien in Esgrus (um 1200) - St.. Marien in Rabenkirchen (12 Jh. Turm 15. Jh.) - St. Marien in Boren (13. Jh.) - Brodersby (vor 1600) - Taarstedt (um 1200) - Saalkirche in Loit (12. Jh.) - Süderbrarup (sehr alt) - Marienkirche Norderbrarup (vor 1400) - St. Johannis in Thumby (12. Jh.) - Fahrenstedt (?) - Tolk (vor 1192) - Moldenit (12. Jh.) - St.
3) Ziegelsteinkirchen: Hürup (E. 12./13. Jh.) - St. Michael in Rüllschau (1. 1/3 13. Jh.) -- Laurentius in Sterup (2. 1/4 13 Jh.) - Boel (13. Jh.) - Boren (15. Jh.) - Ülsby ( E. 13. Jh.)
4) Backsteinkirchen: Boren ( ) - Sterup ( ) - Gelting ( ) - St. Nicolai in Kappeln (1789 - 1793) - Marien in Hürup (A. 13. Jh.) - Neukirchen (1619 - St. Ursula in Boel (E. 12. Jh.) - St. Marien in Flensburg (1284) - St. Nicolai in Flensburg (1332) - St. Johannes in Flensburg (1128) - St. Christian in Garding (1117) - St. Johannis auf Föhr (1240) - St. Nicolai auf Föhr (vor 1240)
5) Weiß getünchte Backstein- und Feldsteinkirchen: Neukirchen ( ) - Gundelsby ( ) - Medelsby (12. - 13. Jh. St. Matthäuskirche.
6) Mischbauten:
a) Granit und Feldstein: St. Johannes in Adelby ( 12. Jh.) - St. Marien in Havetoft (12. Jh.) - Satrup (12. Jh. ) - St. Jürgen in Struxdorf (sehr alt) - Kahleby (14. Jh.)
b) Quadern, Feld und Ziegelstein: St. Nocolai in Quern (12. Jh.) - Steinberg (12. Jh. ) -- St. Jacobus in Ülsby (13. Jh.) - St. Laurentii auf Föhr (um 1240)
c) Quadern, - Feld- u. Tuffstein: Willehadskirche in Ulsnis ( 1338) -
d) Feld- und Ziegelstein: Nübel ( ) - Struxdorf ( ) - Thumby ( ) -
7) Fachwerkkirchen: Fischerkirche in Arnis (1667 - 1673)

Kirchenbücher
Kirchliche Verzeichnisse von Taufen, Einsegnungen, Verlobungen, Trauungen und Todesfällen. Sie wurden vom Pastor handschriftlich geführt. Es gab sie im deutschen Sprachraum seit etwa 1530.
1646 wurde der Kirchenbuchzwang eingeführt. Viele Kirchenbücher gingen in den Kriegen und durch Feuer und Hochwasser verloren.
Zum 1. Januar 1876 wurde im Deutschen Reich mit dem Personenstandsgesetz die Bedeutung durch die staatlichen Standesämter abgelöst.
Neuerdings wurden viele Kirchenbücher auf Mikrofilm verfilmt und dadurch langzeitarchiviert und zugänglich gemacht.
Die Mormonen haben schon 1930 systematisch begonnen Kirchenbücher zu verfilmen.
In der Zeit des Nationalsozialismus waren durch das Reichssippenamt viele Kirchenbücher der deutschen Ostgebiete verfilmt worden. Sie werden heute in der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig archiviert.
Die Nordelbischen Kirche (s. d.) hat einen Datenbestand, der 25 Kilometer Akten entspricht.

Kirchenbuße
Kirchliche Strafe für unsittlichen Lebenswandel z.B. vorehelichen Beischlaf, Verachtung der Sakramente, Nichtteilnahme am heiligen Abendmahl über Jahr und Tag.
Wurde ein Baby vor Ablauf von neun Monaten nach der Hochzeit geboren, so hatten die Eheleute schwere Kirchenbußen zu erwarten.
Wer in Kirchenbuße genommen wurde, durfte die Kirche nicht betreten sondern musste sich reuevoll im Karnhaus (Leichenhaus) aufhalten, wo er dem Gespött der Leute ausgesetzt war.
Die Kirchenbuße geschah öffentlich in der Kirche vor der ganzen Gemeinde, für schwerere Vergehen vor dem Altar, für leichtere durch die Abbitte des Predigers von der Kanzel. Die Büßenden mussten dabei auf einem besonderen Platz in der Kirche sitzen (Armesünderbank). Da die Buße mehr erbitterte als besserte wurde sie später nur noch bei Verstoß gegen das 6. Gebot praktiziert. Am 30. 10. 1767 wurde an ihre Stelle eine achttägige Gefängnisstrafe bei Wasser und Brot oder auch eine Geldstrafe von 10 Rthl. verhängt.
Später versuchte die Kirche durch landesherrschaftliche Dispensation auch weltliche Strafen wie 14-tägige Gefängnisstrafen bei Wasser und Brot dafür zu verhängen.
Eine noch härtere Stafe war die Altarbuße (s. d.)

Kirchspielsmänner
1) Kirchliche Gemeindevertreter die je nach ihrer Zahl Vier-, Sechs-, Acht-, Zwölf- oder Sechzehn-Männer hießen. Zwölfmänner z.B. wurden auch "Gezwölfte" genannt. Sie berieten den Pastor sowie die Kirchenjuristen bei wichtigen Angelegenheiten, oder
2) sie protokollierten bei Kirchenversammlungen die gefassten Beschlüsse ("Achten") und zählten bei Abstimmungen die Stimmen.
Voraussetzung für dieses Amt war ein christlicher Lebenswandel, der Wille sich für die Schule und das Armenwesen einzusetzen. Sie gehörten zu den Kirchenvorstehern, die sich in Juraten (s. d.) und Kirchspielsmänner aufteilten.
Die Juraten waren hauptsächlich für die Erhaltung und Sicherheit der Kirchenkapitalien, also für die Finanzen zuständig. Für alle durch ihr Verschulden verloren gegangenen Kirchengelder hatten sie selbst zu haften.
Die zwei Juraten wurden auf Vorschlag des Predigers bestimmt und konnten aus allen Bevölkerungsschichten stammen. Sie mussten das Amt übernehmen.
Die Kirchspielsmänner auch Kirchspiels-Gevollmächtigte waren die eigentlichen Repräsentanten der Kirche in den Dörfern. Sie hatten die Pflicht zur Fürsorge der Gemeinde sowie der Kirche und ihrer Mitarbeiter. Ihnen oblag es für eine moralische Gesinnung in den Dörfern zu sorgen. Auch hatten sie auf die Einhaltung Landesherrlicher Vorschriften in den Dörfern zu achten.
Die Kirchspielsmänner stammten ausschließlich aus den Reihen der Hufner, der größeren Landwirte. Gewählt wurden sie von den anderen Kirchspielsmännern, d. h. nur der Kirchenvorstand bestimmte, wer neu aufgenommen wurde. Ablehen konnten die Gewählten nicht.
Die Amtszeit von Juraten wie Kirchspielsmännern betrug sechs Jahre.

Kirchenstuhl
Gekaufte Sitzplätze für die Familie in der Kirche. 75 - 80 % der Plätze im Gotteshaus wurden von der Kirche auf diese Weise vergeben. Der Kauf galt meist auf Zeit aber auch auf Lebenszeit und war Amtsinhabern und Grundstücksbesitzern vorbehalten. Der Käufer erhielt für das Gebrauchsrecht einen Kirchenstuhlbrief.
Kirchenwinde
Leumundszeugnis der Gemeinde.

Kirchfrau
Frau die nach der Geburt eines Kindes den ersten Kirchgang hielt. Sie galt innerhalb einer Frist von vier bis sechs Wochen nach Geburt des Kindes als "unrein" und durfte die Kirche nicht betreten. Üblich war es dem Pastor bei diesem ersten Kirchgang einen Obolus (Accedentcie (s. d.) von 2 Mark zu reichen.
(siehe auch unter Sechswöchnerin)

Kirchgang
Früher ging man viel in die Kirche. Das hatte zwei Gründe:
1. wurde mit Strafe belegt, wer nicht zur Kirche ging,
2. war die Kirche allgemeiner Kommunikationsort und die Stelle, wo von der Kanzel Neuigkeiten und Anweisungen der weltlichen Obrigkeit verkündet wurden.
Die Kirche schürte den Glauben, dass eine leerstehende Kirche von Gott mit Landplagen, Pest, Teuerung usw. bestraft wurde. So war auch Angst eine Motivation für den Kirchgang.
1623 wurde das Kirchengehen als allgemeine Untertanenpflicht bezeichnet. Das führte besonders für Leibeigene zu riesigen Problemen, da sie nur die Nacht und die Sonntage für die Arbeit auf den eigenen Feldern zur Verfügung hatten.
Der offizielle Hauptgottesdienst dauerte drei Stunden und die Kirche war nicht beheizt. Es gab gefürchtete Dauerprediger bei denen der Gottesdienst noch länger dauerte. An ruhiges Sitzen war nicht zu denken und so unterhielt man sich auch während der Predigt und kam und ging wie man wollte.
Zum Kirchbeginn gab es fast immer Streit um die Stühle und Kirchplätze. In der Kirche wurde viel geschlafen und wenig mitgesungen.
Im Anschluss an die Gottesdienste fanden meistens die Beerdigungen statt. Dauerte die Predigt den Leuten zu lange, so trugen sie den Toten demonstrativ schon vor dem Ende der Predigt in die Kirche.

Kirchspiel
Kirchspiele waren den Harden nachgeordnete Gebietseinheiten. Zugehörig war ihnen immer nur ein Kirchdorf aber verschieden viele kirchfreie Dörfer. An ihrer Spitze stand in westlichen Kirchspielen der Kirchspielvogt, in östlichen der Rechensmann (s. d.)

Kirchspiels-Männer
Je nach kirchlicher Ortsverfassung hießen sie auch Vier-, Sechs-, Acht- oder Zwöfmänner.
Sie waren dem Prediger als Mithelfer in der Gemeinde zugeordnet.
Sie hatten auf gute Ordnung, Friede und Einigkeit in der Gemeinde zu achten und diese zu fördern. Ebenso hatten sie auf die Einhaltung der Kirchen-, Schul-, Sabbathordnung zu achten. Sie hatten für Sonntagsruhe zu sorgen. Sie haben das Schulwesen und die Lehrer zu beobachten und für den Schulbesuch der Kinder zu sorgen.
Ihnen oblag auch die Aufsicht über die Kirchgebäude, deren ordentlichen Zustand sie zu überwachen hatten.
Bei Pastorenwechsel hatten sie für eine Sicherung der Kirchenbücher zu sorgen und deren sichere Verwahrung und Übergabe zu veranlassen.
Eine weitere Aufgabe war die Organisation und Verwaltung des Armenwesens. Aber auch die Überwachung der Kirchbücher hinsichtlich Ein- und Ausgaben gehörte zu ihren Pflichten.

Kirchspielvogt
In westlichen Kirchspielen versahen die Kirchspielvögte die Aufgaben des Gemeindevorstehers. In nördlichen und östlichen Teilen des Landes waren es die Rechensmänner.
Kirchspielvögte waren alterserfahrene Männer aus einflußreichen eingesessenen Bauernfamilien. Oft blieb das Amt über mehrere Generationen in der Familie.
Zu ihren Pflichten und Diensten gehörten:
1) Verwaltung des Kirchspiels hinsichtlich Recht und Ordnung, Sitte und Moral und Leitung der "Unterpolizwi".
2) Hebung von Steuern und Abgaben und Abführung an die Kassen, sowie Führung der Kirchspielkasse.
3) Aufsicht bei Unterhaltung der Straßen, Siele und Brücken in seinem Kirchspiel und über die Reinhaltung der Wasserläufe.
4) Hebung der Brandgelder
5) Besorgung gerichtlicher Vorladungen und Zustellungen.

Kirchsteige
Bevor die Dörfer durch Straßen miteinander verbunden waren gab es nur Fußwege zwischen ihnen. Die Fußwege zwischen den Kirchdörfern hießen Kirchsteige.

Kirch- und Feiertage, christliche ....
(nach weltlichem Datum geordnet)
Epiphanias Dreikönigsfest:
6. Januar. 12. Tag nach Weihnachten. Erscheinung des Herrn.
Fastnacht:
47 Tage vor dem Ostersonntag. Ursprünglich der letzte Tag vor Beginn der Fastenzeit.
Aschermittwoch:
Beweglicher Feiertag. 46 Tage vor Ostersonntag. Es war der erste Tag der 40tägigen Fastenzeit. Eigentlich 46 Tage, aber da sonntags nicht gefastet wurde nur 40 Tage.
Mariä Lichtmeß:
2. Februar. Katholischer Feiertag. Gefeiert wurde die Darstellung des Herrn (früher auch Mariä Reiniggung genannt). Nach jüdischer biblischer Vorschrift war die Frau nach Geburt eines Knaben 40 Tage und nach Geburt eines Mädchens 80 Tage "unrein".
Palmsonntag (Palmarum):
7 Tage vor Ostern. Er läutet die Karwoche ein. Gefeiert wurde der Einzug Jesu in Jerusalem. Es war der letzte Sonntag der Fastenzeit. In der lutherischen Kirche wurde mit dem Palmsonntag "die stille Woche" eingeläutet.
Gründonnerstag oder Weißer Sonntag:
3 Tage vor Ostern. Der 5. Tag der Karwoche. Tag vor der Kreuzigung Jesu. Der Name hatte nichts mit der Farbe "grün" zu tun, sondern leitet sich von "greienen" ab, dem Weinen der Sünder.
In der katholischen Kirche beginnt mit dem Gründonnerstag das Triduum Sacrum, die Feier der drei österlichen Tage.
Der Gründonnerstag erinnert an das Passamahl, das Jesus den Jüngern als Abschieds- und Hoffnungsmahl vor seiner Gefangennahme gab.
Karfreitag:
2 Tage vor Ostern. Er gedenkt des Kreuzestodes Jesu.
Karsamstag:
1 Tag vor Ostern. Der letzte Tag der 40tägigen Fastenzeit. Ein Tag der Stille während der Grabesruhe Jesu und der Vorbereitung auf den Tag der Auferstehung (Ostern)
Ostern:
Bewegliches Fest. Der erste Sonntag nach Vollmond nach Frühlingsanfang. Frühlingsanfang war der 21. März.
Ostern gedenkt der Auferstehung Jesu von den Toten. Gleichzeitig markiert der Ostersonntag das Ende der 40tägigen Fastenzeit. Für Christen war Ostern der wichtigste Festtag.
Himmelfahrt: Bewegliches Fest 39 Tage nach Ostern. Es war immer ein Donnerstag. Gedacht wurde der Himmelfahrt Christi und seiner Tronbesteigung im Himmel.
Pfingsten:
50 Tage nach Ostersonntag. Es war das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes an die Apostel. Vor 1094 dauerte das Pfingsfest acht Tage, und wurde dann auf drei Tage verkürzt. Im 18. Jh. verkürzte man Pfingsten auf zwei Tage. Als christliches Fest wurde Pfingsten erstmals im Jahre 130 n. Chr. erwähnt.
Trinitatis:
Der Dreifaltigkeitssonntag am 1. Sonntag nach Pfingsten beginnt mit dem Festtag Trinitatis. Das Fest feiert die göttliche Dreieingkeit von Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Fronleichnam:
Katholischer Feiertag 60 Tage nach Ostersonntag, bzw. 10 Tage nach Pfingsten. Er wurde 1264 von Papst Urban IV. allgemein eingeführt. Es war ein katolischer Festtag der allgemein mit einer Prozession verbunden war und der dem Leib des Herrn gewidmet war
Johanni / Johannestag:
24. Juni. Gedenktag an die Geburt Johannes des Täufers. Im Katholischen hatte er den Rang eines Hochfestes.
Peter und Paul:
29. Juni. Katholisches Hochfest das sich bis in die erste Hälfte des 4. Jh. zurückverfolgen lässt. Es erinnert an den Todestag der Apostel Petrus und Paulus.
Mariä Himmelfahrt
15. August. Hochfest der römisch-katholischen Kirche. Gefeiert wurde der Glaube an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel, der seit dem 6. Jh. bezeugt und 1950 von Papst Pius XII. für die katholische Kirche zum Dogma erhoben wurde.
Michaelis:
29. September. Ende des Kirchenjahres. Er erinnert an die Macht Gottes über Kälte, Unbarmherzigkeit und Tod. Er gilt allen Engeln Gottes, besonders aber dem Erzengel Michael.
Erntedankfest:
Er wurde seit dem 3. Jh. von Christen gefeiert, die Gott für die Ernte danken. Weil die Ernten weit auseinander fallen gab es weltweit keinen einheitlichen Termin. Für die deutsche Kirche haben die Bischöfe 1972 den 1. Sonntag im Oktober als Erntedankfest definiert.
Reformationstag:
31. Oktober. Evangelisch-Lutherischer Gedenktag an die Reformation. An diesem Tag schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg.
Allerheiligen
1. November. Gedenktag an alle Heiligen; auch an die, die nicht heilig gesprochen wurden, sowie der vielen heiligen, um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott. Er wurde eingeführt, weil man nicht jeden Tag einem Heiligen gedenken konnte. Das Fest wurde gekrönt durch eine Gräbersegnung.
Allerseelen
2. November. Römisch-Katholischer Festtag, an dem man durch Gebet, Almosen und Fürbitte die Leiden der Armen Seelen (der Verstorbenen im Fegefeuer) zu erleichtern versucht. Sofern nicht schon Allerheiligen geschehen, findet die Gräbersegnung statt.
Totensonntag
Letzter Sonntag des Kirchenjahres. 1816 ordnete König Friedrich Wilhelm III. an, den letzten Sonntag im Kirchenjahr als allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Verstorbenen zu begehen. Die evangelische Kirche übernahm diesen Feiertag als Gegenstück zum rönisch-katholischen Allerseelen
In der evangelischen Kirche gedenkt man der Entschlafenen der letzten 12 Monate an diesem Ewigkeitssonntag.
St. Martin / Martini:
11. November. Der Martinstag lag zunächst am Beginn der 40-tägigen Fastenzeit ab dem 11. November. Dieser Tag hatte für den karnevall eine große Bedeutung. Als Brauchtum war die "Martinsgans" ebenso bekannt wie der "Martins-Zug" und das "Martinssingen". .
Buß- und Bettag:
Mittwoch vor dem 23. November. Evangelischer Feiertag elf Tage vor dem ersten Adventssonntag. Es geht an diesem Tag nicht um Buße für begangene Vergehen im Sinne von "bestraft werden", sondern um eine Haltungsänderung, eine Umkehr zu Gott hin. Bis ins 19. Jh. gab es keinen festen Termin. Erst 1893 wurde der heutige Termin gewählt, der politisch oft missbraucht wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurde er auf einen Sonntag gelegt zur Aufbietung aller Kräfte im Krieg. In der DDR war er zunächst ein arbeitsfreier Tag, der aber 1966 im Zuge der Einführung der 5-Tage-Woche abgeschafft wurde. Die westdeutschen Länder erklärten ihn zum gesetzlichen Feiertag. 1995 wurde er als arbeitsfreier Tag gestrichen, um die Mehrbelastung der Arbeitgeber für die neue Pflegeversicherung auszugleichen. Nur im Freistaat Sachsen war er noch gesetzlicher Feiertag.
Nicolaus:
6. Dezember. Todestag von Bischof Nikolaus von Myra. Mit seinem Namen waren viele Wunder und Legenden verbunden.
Mariä Empfängnis:
8. Dezember. Römisch-katholisches Fest neun Monate vor dem Fest der Geburt Mariens (8. September), am 8. Dezember ein Fest diese Glaubensaussage feiert. Der Vollständige Titel dieses Festes lautet: "Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria". Es wurde auch das "Fest der unbefleckten Empfängnis" genannt.
Fest der heiligen Lucia:
13. Dezember. Weltlich gewordenes Fest, das vor allem in Schweden verbreitet war. Es fällt mit alten Traditionen der Sonnenwendfeiern zusammen.
Heiligabend
24. Dezember. Christi Geburt.
Weihnachten
25. u. 26. Dezember

Kjer
Sumpf, sumpfiges Land, mit Buschwerk bewachsener Sumpf.

Klabautermann
(vom niederdeutschen klabastern = polternd lärmend umhergehen)
Eine Gestalt des seemännischen Aberglaubens. Er war ein guter, meist unsichtbarer Schiffsgeist der auf allen Schiffen fuhr und den Kapitän vor Gefahren zu warnte. Er half bei Schiffsreperaturen auf See, trieb aber auch seinen Schabernack. Er machte sich an Bord durch Polter- und Bumsgeräusche bemerkbar. Man sagte: "wenn er klopft, bleibt er, wenn er hobelt, geht er." Zeigte er sich, war das ein schlechtes Zeichen. Er verließ das Schiff erst wenn es unterging. Gekleidet war er wie ein Matrose und hatte rote Haare und grüne Zähne.

 
Klappschau
1849 gegründete und 1883 eingeweihte Irrenanstalt (s. d.) bei Schleswig in privater Trägerschaft. Man nannte sie später offiziell "Gemeinnützige Gesellschaft für Seelenpflege.

Klei / kleien
Fruchtbarer aber schwerer und zäher, grauer schwer zu bearbeitender Boden der Marsch. Hervorgegangen ist er aus dem Schlick der Nordsee.
Kleien ist das Reinigung von Ent- und Bewässerungsgräben.

Klippschulen
(Norddeutsch) Behördlich nicht anerkannte, privat organisierte Schulen, die seit dem Mittelalter in größeren Städten und Handelszentren entstanden. Der Besuch war kostenpflichtig, konnte aber auch durch Naturalien an die Lehrer beglichen werden.
Die Lehrer waren durchweg schlecht ausgebildet. Vermittelt wurde nur elementares Basiswissen durch Auswendiglernen. Im 18. Jh. wurden sie durch öffentliche staatliche Schulen ersetzt.
(siehe auch unter Distriktschule, Nebenschule, Schule, Wanderschule)

Klobber
Ovaler leichter Holzkasten mit einem Griff am Deckel in dem das Brot oder Pfannkuchen (Fladen) zur Erntezeit mit aufs Feld genommen wurde, um sie dort zu verzehren.

Klopfjagd
1) Betteljagd (s. d.).
2) Treibjagd

Kloster Mohrkirchen
1391 gegründetes und 1541 aufgelöstes Kloster in Mohrkirchen/Angeln. Es war das einzige Kloster des Antoniterordens in Schleswig-Holstein. Nach der Reformation kamen die Klostengebäude und der Landbesitz bei der Landesteilung (s. d.) 1544 an Herog Adolf, der daraus das herzogliche Amt Mohrkirch machte. Die Klostergebäude wurde als Amtshaus genutzt.
Nachdem Die Mönche abgegangen waren hat der Verwalter Peter Hollensen alle Schriften und Bücher der Mönche verbrannt, weshalb es bis heute sop wenig Unterlagen über das Kloster gibt.
Erst 1778, mit der Auflösung des Amtes Mohrkirchen und der Parzellierung des Gutes Mohrkirch verschwanden die Klostergebäude.

Klues
(hdt. = Klause) Wallfahrtsstätte in der Nähe Flensburgs. Ende des 14. Jh. gründeten hier zwei Priester eine Einsiedelei, eine Klause (daher der Name Klues).
Wundersame Ereignisse machten sie zu einem Ort "an dem uns die liebe Frau gnädig war".
Um 1400 sprach Papst Bonifatius IX. die Kapelle neben dieser wundersamen Klause heilig und versprach Wohltätern und Besuchern vier Jahre und 40 Tage Ablass, die dem Rudekloster (s. d.) zuflossen.
Besonders Lahme und Gehbehinderte fanden sich hier ein um Heilung zu erlangen.

Knechtengilde
Jährlich wiederkehrendes Fest für die erwachsene ländliche Jugend. Dieses waren nicht nur Knechte, sondern auch Bauernsöhne. Sie fand bald nach Neujahr statt oder wenn die Frühlingsaussaaten getan waren.
Das Fest bestand aus zwei Teilen, dem Ringreiten (s. d.) und dem Tanzvergnügen.

Knick / Knickverordnung
Besonders im Landesteil Angeln (Knicklandschaft) Feldbegrenzungen als lebende Hecken auf Stein- und Erdwällen gepflanzt. Im Wege der Verkoppelung 1770 (s. d.). Bepflanzt wurden sie mit Haselnuss, Hainbuche, Eberesche und gegen Viehverbiss mit Dornensträuchern wie Brombeere, Heckenrosen, Schleedorn usw. Die Knicks dienten der Abgrenzung und dem Erosionsschutz (Bodenverwehungen auf den Äckern).
Der Begriff Knick kam von abknicken. Alle 10 - 12 Jahre wurden die Sträucher abgeknickt, "auf den Stock gesetzt", um einen neuen jungen Austrieb zu bekommen. Das gewonnene Holz wurde zum Heizen verwendet. So war die Anlage von Knicks eine nicht unwesentliche Maßnahme zum Schutz auch der Wälder.
In Knickverordnungen wurde und wird festgeschrieben wie mit dem Knick umzugehen ist.
Abgeschlossen war die Feldeinteilung um 1810.

Kniepsand
Eine extrem langsam wandernde Sandbank (Hochsand) westlich von Amrum die bei normalem Hochwasser (NN) nicht mehr überflutet wird. Bis 1960 war sie noch durch einen Pril vom Festland getrennt. Heute scheint sie mit dem Festland verbunden und bildet den 15 Km langen und 1,5 Km breiten Sandstrand der die gesamte Westseite der Insel einnimmt.
Heute noch wandert der Kniepsand mit 50 m jährlich in Richtung Norden.

Knivsberg / Knivsbergfest
97 m hohe eiszeitliche Erhebung in der Nähe von Apenrade. In vorgeschichtlicher Zeit war er eine Kult- und Thingstätte.
Seit 1893 wurden auf dem Knivsberg jährlich deutsche Volksfeste abgehalten.
1895 erfolgte die Grundsteinlegung für einen 46 Meter hohen monumentalen Bismarkturm- und Denkmal, das 1901 eingeweiht wurde. Es enthielt ein in Kupfer getriebenes sieben Meter hohes Bismarck-Standbild. Unterhalb der Statue waren der deutsche Reichsadler und das Wappen von Schleswig-Holstein mit der Inschrift "Up ewig ungedeelt" versehen. Oberhalb war die Inschrift "Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt".
Das Standbild Bismarcks wurde am 13. Mai 1919 (schon vor der Abstimmung 1920) wieder abgebaut. Es steht heute auf dem Aschberg bei Ascheffel in den Hüttener Bergen.
Der Turm wurde am 28. August 1945 von der dänischen Widerstandsbewegung mit 850 kg Sprengstoff gesprengt.
1960 entstand dann eine dänische Gefallenengedenkstätte für gefallene dänische Soldaten.

Knorr
(siehe unter Schiffstypen)

Knudsgilde
Die Stadt Schleswig war zu Beginn des 12. Jh. ein Handels- und Machtzentrum im Norden und beherrscht von Knud Laward. Als dieser am 25. Juni 1170 heilig gesprochen wurde bildeten die Fernkaufleute zu seinen Ehren eine Gilde (Schwurgemeinschaft - eine auf Blutrache fußende Schutzgemeinschaft) zum gegenseitigen Schutz und Hilfe und sie nannten sie Knudsgilde. Sie breitete sich von Schleswig kommend über das ganze dänische Reich aus. Im Herzogtum Schleswig war sie in 35 Orten vertreten. Schleswig stellte den südlichsten Ort dar, in dem eine Knudsgilde bestand.
Die Gildebrüder wurden "geswarene Kanuten" genannt und ihre Gilde wurde als "hochberühmt" bezeichnet.
Im Laufe der Zeit wurde sie zur Kaufmannsgilde im dänischen Reich und war der Hanse (s. d.) ähnlich.
1182 war sie in Flensburg ansässig und gab sich eine Satzung die "Schrage". Bis zur Reformation wählten die Knudsbrüder den Bürgermeister Flensburgs aus ihrer Mitte und so bestimmten sie die Geschicke Flensburgs sehr wesentlich.
Sie besteht heute noch als "Flensburger Knudsgilde" die immer noch am 25. Juni ihren Knuds-Tag feiert.

Knüffeln
Sehr altes Kartenspiel von dem schon 1525 gesprochen wurde. Verbreitet wurde es von Landsknechten über Deutschlands Grenzen hinaus in ganz Europa. Es wurde mit 48 Blatt gespielt. In Teilen Frieslands und auf der Geest wird es noch heute gespielt.

Kognation
Blutsverwandtschaft der weiblichen Linie.

Kohlhof
auch Kohlgarten. Er gehörte wie das Haus und die Toft (Haustoft, Hauskoppel) zum Eigentum des Kätners oder Hufners, während das Land Allgemeingut (Allmende s. d.oder Ornum s. d.) bzw. gefestet war.

Köbing
Im 13. Jh. und früher Bezeichnung für eine kleine Handelssiedlung.

Könige, dänische ....
Siehe im Anhang "Herrscher über Angeln".

Königsau / dän. Kongea
65 km langer Fluss in Jütland der über Jh. die Grenze zwischen dem Herzogtum Schleswig und dem Königreich Dänemark bildete. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 bildete sie die Grenze zwischen Preußen und dem Königreich Dänemark und ab 1871 bis 1920 war sie deutsch-dänische Grenze. Seit der Abstimmung 1920 (s. d.) gehört die Königsau zu Dänemark.

Königsbrief
1) Erlaubnis des Königs zur Trauung im eigenen Hause und nicht in der Kirche. Dieses kostete 12 Taler.
2) Erlaubnis zur Heirat ohne vorheriges Aufgebot.

Königsgut / Konungslef
Nach dem Erdbuch Grundbesitz des Königs. Es gab zweierlei Art:
1. Eigentum des Königs. Erbgut zur Teilung in der königlichen Familie
2. Krongut (Konungslef = des Königs Brot), das dem Unterhalt des jeweiligen Königs diente.
Es galt nach dem Jütischen Lov (s. d.) von 1240 die Regel: "Was niemandem gehört, gehört dem König". Dazu gehörten alle Wildnisse, wüste Wälder, Moore, Seen und Sümpfe. Wer sich nun hier ansiedelte und Land urbar machte war kein Bonde (freier Bauer) mehr wie einst, sondern ein Festebauer, der sein Land vom König pachten musste. Oft ging das Königsgut auch an Edelleute, Klöster und Kirchen über, an die die Festebauern dann zu zahlen hatten.
Siehe auch unter Erdbuch.

Köste
Volksfeste.

Kollerup
Bauerndorf in Angeln. Bedeutung erlangte Kollerup als Nabel der Weltpolitik in den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges im April/Mai 1945. Die deutsche Reichsregierung unter Führung von Großadmiral Dönitz hatte ihren Sitz im nahen Flensburg-Mürwik in der Marineschule.
In Kollerup hatte auf dem Hof der Familie Christiansen der Oberbefehlshaber Nordwest, Generalfeldmarschall Ernst Busch sein Hauptquartier aufgeschlagen. Auf dem Hof der Familie Jacobsen war der Generalstab. Von Kollerup aus wurden die Kapitulationsverhandlungen geführt. Zeitweise war auch SS-Reichsführer Heinrich Himmler hier. Insgesamt hielten sich beim Wehrmachtsstab in Kollerup 350 Offiziere und Mannschaften auf.

Kolonialwaren / Kolonialwarenladen
Überseeische, aus den Kolonien kommende Erzeugnisse und Rohstoffe (Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Korinthen, Rosinen, Gewürze und Tee). Diejenigen zum täglichen und häuslichen Gebrauch wurden in Kolonialwarengeschäften (kleine Läden) verkauft. Da diese auch heimische Waren verkauften waren sie fast immer Gemischtwarenläden. Die meisten Kolonialwarenläden entstanden Mitte des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts und beherrschten bis 1960 das Bild unserer Städte und Dörfer.

Kolonisten / Kolonisation
Durch den Polackenkrieg (siehe unter Kriege 1657 - 1660), Viehseuchen (1646) und Pest (1659) verarmte das Land total und dezimierte die Bevölkerung. Ganze Dörfer waren verlassen. Der Staat brauchte Menschen und Geld. Die Steuerkraft war um die Hälfte gesunken. Zunächst versuchte König Friedrich V. den Geestrücken, die Heide und Moore Schleswigs und Jütlands mit siedlungswilligen weichenden Bauernsöhnen, Kätnern und Insten zu besiedeln. Dieser Versuch schlug fehl.
1758 entstand der Plan reichsdeutsche Siedler aus Württemberg, der Bergstraße, der Pfalz und aus Hessen zu werben. Geschäftstüchtige Werber warben Menschen, denen es zu jener Zeit durch die dortigen Kriege sehr schlecht ging, an. Man bot ihnen im Norden Land, Häuser, Ställe, Vieh und Gerätschaften und zwanzigjährige Steuerfreiheit an.
Die meisten Angeworbenen waren kleine Handwerker ohne Erfahrung in der Landwirtschaft.
Die ersten Kolonisten trafen im Winter 1761 ein. Nichts war wie versprochen, Häuser und Ställe waren nicht fertig. Sie verbrachten in Erdhöhlen einen grausamen Winter.
Am 24. 7. 1761 war das Genralexamen und es fand die Landzuteilung für 250 Familien in Schleswig statt und am 3. 4. und 7. 12 für die Kolonisten in Flensburg.
Erst 1762 wurden langsam die ersten Stellen bezogen.
Die Häuser waren von einheitlicher Größe. Die Stellen wurden verlost. Das unfruchtbare Land war mit 30 Heitscheffel = 9 ha zum Lebensunterhalt zu klein. Zur Starthilfe bekamen die Siedler ein Handgeld. Ihr Anfang war unendlich schwer.
Von der heimischen Bevölkerung wurden sie zunächst abgelehnt. Trotzdem stellte sich ihr Zuzug langsam als Vorteil dar. Sie brachten die Kartoffel, mannigfaltige unbekannte Kräuter und Gemüsearten wie Kohl mit, die langsam auch im heimischen Anbau Würdigung fanden.
Am 12. 10. 1762 gehen 181 Kolonistenfamilien (ReservekolonisteN) vom Amt Flensburg ins Amt Tondern.
Kolonisten gründeten die Dörfer: Neuberend, Friedrichsau und Christiansholm. 1769 erhielt der Kolonist Ertzinger die Konzession für das Betreiben eines Kolonistenkruges.
Viele Kolonisten scheiterten an den schlechten Startbedingungen und ihren mangelnden Erfahrungen. Entweder wurden sie als untüchtig ihrer Stelle verwiesen oder flüchteten bei Nacht und Nebel. Viele nach Russland, wo die Zarin ihnen eine neue Heimat versprach. Von insgesamt 4.000 Stellen in Schleswig-Holstein blieben nur knapp 500 kleine Stellen übrig, von denen in den folgenden Jahren noch weitere aufgaben.
Am 14. 11. 1764 erhalten alle Kolonisten den Erbfestebrief.
(Ein umfassender Bericht von Günter Senkel, Großsolt zur Kolonisation der schleswig-holsteinischen Moore und Heiden findet sich im Jahrbuch des Angler Heimatvereins 31. Jg. 1967, Seite 144 ff)
Köm / de geele Köm
Norddeutscher Kümmelschnaps der dem skandinavischen Aquavit ähnelt.
Nördlich der Kömgrenze wurde gelber Köm, südlich davon weißer Köm getrunken. Als Kömgrenze gilt die nordfriesische Arlau.

Kommerzlast (KL) / Commerzlast
Altes nd. und skand. Handelsgewicht das die Grundlage für die Schiffsvermessung bildete. Veralteter Begriff für die Traglast eines Schiffes. Eine Last waren in Hamburg und Bremen 3000, in Schleswig-Holstein 2600 kg. 1 dänische KL = 2,6 Tonnen.
Die Flensburger Flotte bestand 1750 aus 113 Schiffen mit 2996 Kommerzlast und 1807 aus 217 Schiffen mit 14.806 Kommerzlast. Eine Kommerzlast entsprach etwa genau zwei Registertonnen.
Die Kappelner Flotte bestand 1827 aus 46 Schiffen mit 376 Kommerzlast.
(Siehe auch unter Schiffstypen).

Konfirmation
(lat. confirmatio = "Befestigung, Bekräftigung")
1) in der Christengemeinschaft Ritual das den Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter markiert.
2) bürgerliches Initiationsritual, das am Wechsel in das Erwachsenenleben stattfindet.
3) Bestätigung.

Kontinentalsperre
Am 21. November 1806 von Napoleon über England verhängte Wirtschaftsblockade die bis 1814 in Kraft blieb. England sollte vom übrigen Europa isoliert werden. Gleichzeitig sollte damit die französische Wirtschaft vor europäischer und transatlantischer Konkurrenz geschützt werden.
Sie richtete sich aber nicht nur gegen England, sondern in starkem Maße auch gegen Schleswig-Holstein, das seine landw. Produkte (Getreide) nicht mehr nach England verkaufen konnte. Gleichzeitig blieben die bisher über England nach Europa kommenden Kolonialwaren (überseeische Erzeugnisse und Rohstoffe, insbesondere Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und Tee) (s. d.) aus. Ein lebhafter Schmuggel war die Folge. Helgoland (s. d.) war einer der wichtigsten Umschlagplätze für Schmugglerwaren während der Kontinentalsperre.

Kontribution
1) Vom lat. Contribuere bedeutet wörtlich "in einzelnen Teilen zusammenbringen", "beisteuern".
Abgaben, Lasten, Steuern. Auch eine Sondersteuer (Kriegssteuer) zur Finanzierung von Kriegen.
2) Auch die Zwangserhebung von Gelderträgen im feindlichen Gebiet, im Gegensatz zur Requisition, die sich auf Gegenstände hauptsächlich zur Verpflegung bezog, war die Kontribution mit der Androhung des Niederbrennens und der Plünderung verbunden und man drohte mit Brandschatzung. Die Bewohner eines besetzten Landes konnten sich durch die Leistung von Geldzahlungen von der drohenden Plünderung freikaufen.

Konsens
Einwilligung. Übereinstimmung.

Konservationspflicht
Pflicht des Gutsherrn bei Ernteausfällen, Seuchen, Katastrophen und Kriegen die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten für seine Untergehörigen (Leibeigene) sicherzustellen.

Konvent
Vom lat. conventus = Zusammenkunft.
1) Versammlung von Geistlichen eines Kirchenkreises.
2) Wohnbereich eines Klosters.

Konventualin
Angehörige eines Zweiges des Franziskanerordens. Konventualin können alleinstehende evangelische Frauen unter 65 Jahren werden.

Konvolut
Aktenbündel, Bündel von Schriftstücken. Sammelmappen.

Koog
An der Nordseeküste durch Eindeichung und Entwässerung gewonnenes und geschütztes fruchtbares Marschland. In Ostfriesland und in Holland nennt man den Koog Polder.

Kopfsteuer / Kopfgeld
1762 beim drohenden Einfall der Russen unter Zar Peter III. in das Herzogtum Schleswig eingeführte Steuer die zunächst nur für zwei Jahre gelten sollte. Sie blieb aber fast 100 Jahre bestehen, um drückende Schulden des Landes abzuwenden. Im Herzogtum Schleswig war nur der Distrikt Glücksburg davon befreit. Jeder Bewohner ab dem 12. Lebensjahr (seit 1838 ab dem 16.) mussten monatlich 4 Schillinge zahlen. Bei mehr als zwei Kindern war ein Kopf frei. Auch die Kolonisten (s. d.) waren davon befreit.
1844 erbrachte die Kopfsteuer im Herzogtum Schleswig 4.000.000 Reichsbankthaler. In Dänemark wurde die Kopfsteuer 1803 und im Herzogtum erst 1848 durch die Provisorische Regierung (s. d.) aufgehoben. Die Dänen führten sie für das Herzogtum aber wieder ein, bis sie 1853 endgültig abgeschafft wurde.

Korrigenden / Korrigendinnen
In Arbeitshäusern und Armenanstalten untergebrachte Personen die hier gebessert (korrigiert) werden sollten. Davon konnte aber in der Praxis keine Rede sein da es nur Verbote, Strenge und harte Arbeit gab.
Auch von der Krätze befallene Menschen, die in öffentliche Krätzestuben gebracht wurden nannte man Korrigenden.

Kosakenwinter
Sehr strenger Winter 1813/14 der durch kriegerische Auseinandersetzungen gekennzeichnet war. Eine schwedisch-russisch-deutsche Armee überflutete unser Heimatland. Viele Kosaken fielen in Schleswig-Holstein ein, hausten derbe und verbreiteten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung.
Dieses Ereignis wurde in dem Gedicht "Die Gottesmauer" von Clemens von Brentano sehr eindrucksvoll wiedergegeben.
(siehe auch unter Kriege)

Kostgeld
Steuer aus einer sehr alten Zeit, als der König die einzelnen Landesteile besuchte und sich von seinen Untertanen verpflegen ließ.

Krähenfeste / Krähenschießen
Bis ins 20. Jh. reichende Sitte Anfang Mai das Abschießen der Krähen zu einem Volksfest zu machen. Aus den Städten wurden dazu hohe Herren und auch Musikanten eingeladen. Eine Hochburg für solche Feste waren Lindanis und Arup. Nachmittags gab es für alle eine große Kaffeetafel mit Kuchen (Stuten)
Jedem Jäger wurden 1 - 2 Bäume zugewiesen auf denen bis zu 40 Horste vorhanden waren. Jeder Jäger nahm sich für diesen Tag für einen Tageslohn von 50 Pfennig einen "Krähenjungen", der für ihn die herabfallenden oder in den Ästen hängen bleibenden Jungvögel einsammelte.
Des Abend waren die Jungen und deren Kleidung voller Krähenflöhe, die erst einmal vor dem Haus abgeklopft werden mussten.
Die erlegten jungen Saatkrähen (etwa 1000 Stück) wurden als zarte Waldvögel (bayrische Waldtauben) ohne Federkleid in Delikatessen- und Schlachterläden feilgeboten. Viele der Krähenjungen wurden aber auch an Ort und Stelle verkaufsfertig gemacht und verzehrt.
Da die Saatkrähen zu den besten Maikäfervertilgern (Engerlinge) und weiterer Bodenschädlinge gehörten, waren sie in einigen Regionen seit 1784 vom 1. Febr. bis 1. Nov. unter Schutz gestellt und durften nicht gejagt werden. Ab 1865 fiel dieses Jagdregal und das Abschießen der Jungkrähen setzte wieder ein.
Um 1920 fanden in Angeln die letzten Krähenfeste statt. Die Krähen waren nicht mehr zu verkaufen.

Krätze
Durch Krätze-Milben verursachte parasitäre, ansteckende, stark juckende Hauterkrankung. Wegen unhygienischer Verhältnisse in Wohnungen, Schulen und Stallungen kam es früher zu häufigem und starkem Krätzebefall der Menschen. Verwahrlosung in Kriegs- und Besatzungszeiten führte fast immer auch zu Krätzebefall. Die Krätze war über Jh. eine Volksseuche und grassierte auch bei uns im Norden bis ins 20. Jh. hinein in den Dörfern.
Behandelt wurde die Krätze im Ganzkörperbad in heißem Wasser mit Grüner Seife mit der der ganze Körper einschließlich der Haare eingerieben wurde. Die Kleider wurden gewaschen und das Bettzeug im Backofen keimfrei gemacht.

Kraftfahrt-Bundesamt / KBA
Bundesoberbehörde in Deutschland.
1910 gab es eine Sammelstelle für Nachrichten über Führer (Halter) von Kraftfahrzeugen. 1937 wurde sie durch eine Sammelstelle für Daten über Kraftfahrzeuge und eine weitere über Typprüfung von Kraftfahrzeugen und -teilen ergänzt. Diese drei Behörden arbeiteten unabhängig voneinander.
Durch Gesetz vom 4. 8. 1951 wurden die Aufgaben der drei in einer Behörde, dem Kraftfahrt-Bundesamt zusammengefügt.
1952 erfolgte der Umzug von Bielefeld nach Flensburg, wo das KBA am 4. 9. 1952 eingeweiht wurde.

Krankenhäuser
1868 Wilster; 1872 Kreiskrankenhaus Eckernförde; 1875 Diakonissenanstalt Flensburg; 1883 in Heide; 1899 Brunsbüttel; 1890 Meldorf; 1893 Marne;

Kranzgeld
Finanzieller Anspruch einer Braut, wenn ein Verlobungsversprechen des Bräutigams nicht zur Ehe führte und der Verlobte sich den Beischlaf erschlichen hatte.
Die Bezeichnung kam vom Strohkranz, den eine nicht mehr jungfräuliche Braut bei der Hochzeit tragen musste. Die unbescholtene Braut (Jungfrau) durfte sich im Myrtenkranz präsentieren.
(s. u. Verlobung)

Kratt
Nordd. Bezeichnung für einen Niederwald mit kleinen und z. T. verschlungen verwachsenen Bäumen. Sie entstanden auf kargen Böden, die starkem Wind ausgesetzt waren. Die Bäume wurden zur Gewinnung von Brennholz immer wieder gekappt und erreichten eine Höhe von nur bis zu 3 m. Nur wenige Baumarten wie Stielleiche, Zitterpappel, Wacholder, Faulbaum und Birke ließen eine solche Behandlung zu. Kratts aus Stieleiche wurden Eichenkratts genannt. Bei ihnen wurde zusätzlich die Rinde für Gerberlohe gebraucht. Heute gibt es nur noch wenige unter Naturschutz gestellte Kratts.

Kraweel
Siehe unter Schiffstypen.

Kreeten
Früher im Norden weit verbreitete, heute kaum noch vorkommende Schlehenfrucht, die in Knicks wuchs. Sie ist eine der ältesten Wildobstarten. Der botanische Name ist Prunus insititia. Sie ist ein naher Verwandter der Schlehe. Die Frucht ist allerdings größer und der Zucker- und Mineralsalzgehalt höher. Sie reifen früher als die Schlehe und ihr Fruchtfleischanteil ist bedeutend höher. Gelee, Saft und Likör aus Kreeten waren früher eine beliebte Delikatesse und wurden schon von Steinzeitmenschen genutzt.

Kriebelkrankheit / Kribbelkrankheit
Eine meist tödlich verlaufende Krankheit die durch den Verzehr von Brot ausgelöst wurde, das von Roggen stammte welcher von dem Pilz Mutterkorn (Claviceps pupurea) befallen war. Es geschah vor allem dann, wenn das Mehl zu frisch verarbeitet wurde. Da die Zusammenhänge im Mittelalter nicht bekannt waren kam es in ganz Europa zu schwersten Epidemien mit vielen Toten.
Früher wurde sie auch als Antoniusfeuer oder Heiliges Feuer bezeichnet, weil der Mönch Antonius und der von ihm gegründete Antoniter-Orden versuchte die Ursache der Krankheit zu ergründen und den Kranken zu helfen.
Symptome waren chronische Vergiftungen, Rückenmarks- und Gehirnerkrankungen, Krämpfe, Zuckungen, Anschwellen der Glieder, Brand der Finger und Zehen. Die brandigen Teile wurden abgestoßen (Finger, Zehen, Nase, Ohren fallen brandig ab).
Voraus geht fast immer ein Gefühl von Ameisenkribbeln (daher der Name Kriebel).
In Frankreich raffte die Kriebelkrankheit im Jahre 994 = 40.000 Menschen dahin. Auch in Angeln gab es 1718 in Ulstrup und Umgebung viele dauerhaft Kranke und Tote.
Erst 1670 stellte der fanz. Arzt Thuillier den Zusammenhang von Mutterkorn und Kriebelkrankheit fest.
Siehe auch unter Anthonisfeuer und Mutterkorn.

Kriege
Nachfolgende Kriege die für Bauern und Bürger des Herzogtums Schleswig zu schweren Beeinträchtigungen und Drangsalierungen (Brandschatzungen, Einquartierungen, Gestellung von Fourage, Männern, Pferden und Wagen, Hof- und Dorfwüstungen, Kontributionen, Kriegsfuhren, Kriegs- und Wehrdienst, Plünderungen) führten.
29. 6. 1252 Schlacht von Oldenswort in der die Nordfriesen gegen König Abel kämpfen. König Abel kam ums Leben und die Nordfriesen siegen.
Um 1365 König Waldemar IV. Atterdag (1340 - 1375 versucht die Macht an seiner Südgrenze zurück zu gewinnen und zieht plündernd durch Angeln und besetzt Flensburg.
1410 - 1431 Mit Unterbrechungen. Schleswiger Krieg zwischen dem dänischen König und den holsteinischen Herzögen mit einem Angriff 1431 auf Flensburg und die Duburg.
Am 12. 8. 1410 wurden bei Eggebek 1400 Dänen getötet und viele gefangen genommen.
1415 bemächtigt sich König Erich mit einem großen Heer des gesamten Herzogtums mit Ausnahme von Schleswig.
1559 Feldzug Herzog Adolfs gegen Dithmarschen endet mit dem Sieg bei Heide.
1563 - 1570 Nordischer Krieg zwischen Dänemark und Schweden in dem Dänemark den Schweden Dank seiner überlegenen Flotte noch Einhalt gebieten.
1611 - 1613 Kalmarkrieg zwischen Dänemark und Schweden um den Titel "König der Lappen". Die Schweden waren den Dänen überlegen.
1618 - 1648 Dreißigjähriger Krieg. Er endet für Dänemark am 25. 8. 1626 mit der Schlacht bei Lutter.
1627 - 1629 Kaiserlicher Krieg. Teil des Dreißigjährigen Krieges. Dorfbevölkerungen wurden von Freund und Feind ausgeplündert und drangsaliert und geraten an den Bettelstab.
14. 9. 1627 Besetzung Angelns und Flensburgs (Plünderungen)
1628 ziehen die Kaiserlichen ab und während des 30jährigen Krieges hatte Angeln eine 13jährige Friedensperiode.
1643 - 1644 Schwedisch-Dänischer Krieg
Teilkrieg des Dreißigjährigen Krieges. Seeschlacht auf der Kolberger Heide bei Eckernförde zwischen Dänen und Schweden um die Vorherrschaft im Ostseebereich.
Am 21. Juli 1644 lässt der schwedische Feldmarschall Thorstenen ganz Angeln plündern.
1655 - 1660 Schwedisch-polnischer Erbfolgekrieg auch 1. Nordischer Krieg.
1657 - 1660 Polackenkrieg / Dänisch-Schwedischer Krieg
zwischen Dänemark und Schweden unter europäischer Teilnahme über die Vorherrschaft auf der Ostsee mit grausamen Belastungen für unsere Bauern.
14.000 Brandenburger, 13.000 Österreicher und 5.000 Polen überfluteten die nordische Heimat. Schweden, Kaiserliche, Brandenburger und Polen betrachteten den Norden als ihre Beute.
1675 - 1679 Schonischer Krieg zwischen Dänemark und Schweden im Zuge des Nordischen Krieges.
1676 Krieg um Gottorf zwischen König Christian IV. und Herzog Christian Albrecht zur Klärung der "Gottorfer Frage".
Im Friedensschluss wurde dem dänischen König von den Großmächten Schleswig zuerkannt, woraufhin dieser den königlichen mit dem herzoglichen Anteil vereint.
1700 - 1713 Nordischer Krieg 1712/13 in Angeln. Es kämpfen in Angeln Russen, Polen, Preußen und Dänen unter König Friedrich IV. gegen Schweden.
Auf dänischer Seite hatte das Heer 17.800 Mann.
Schleswig-Holstein blieb von 1713 bis 1807 fast 100 Jahre von feindlichen Kriegsscharen verschont, obwohl das Jh. recht kriegerisch war.
1756 - 1763 7-jähriger Krieg (1758) auch Schlesischer Krieg zwischen Preußen und England auf einer Seite gegen Österreich, Frankreich und Russland.
1801 Seeschlacht von Kopenhagen. Die Engländer zwingen Dänemark zum Austritt aus dem bewaffneten Bund der neutralen Staaten.
1804 - 1813 Napoleonischer Krieg. Dänemark wurde gezwungen seine Neutralität aufzugeben und auf Frankreichs Seite zu kämpfen.
1807 Überfall auf Kopenhagen und Wegnahme der dänischen Flotte durch die Engländer. Dänemark wurde von Norwegen getrennt.
Eine schwedisch-russisch-englische Armee kämpft gegen Dänemark und überschwemmt die Herzogtümer. 1808 hausten die Franzosen grausam in Angeln. Sie blieben bis 1815 einquartiert.
1813/14 Kosakenwinter. Am 6. 1. 1814 drangen die Kosaken in Schleswig ein. Ein ungewöhnlich strenger Winter. Kosaken drangsalierten die Angeliter in übelster Weise. Was sich der dänische König einbrockte, das mussten die Schleswig-Holsteiner auslöffeln.
Wiedergegeben im Gedicht "Die Gottesmauer" von Clemens von Brentano.
Der Friede von Kiel am 14. 1. 1814 setzte dem ein Ende. Dänemark musste Norwegen an Schweden abtreten.
7. 4. 1848 Kanonade von Holnis-Bockholm mit dänischen Schiffen. Monatelang lagen hier dänische Kriegsschiffe und schossen aufs Land. Kurzfristig wurde auch das Glücksburger Schloss besetzt.
1848 - 1850 Schleswig-Holsteinischer Krieg.
Volkserhebung der deutschnationalen Bewegung der Herzogtümer Schleswig und Holstein gegen Dänemark. Dänemark erhielt Unterstützung von Russland. Die Erhebung endete mit der Niederlage der Bewegung in der Schlacht bei Idstedt.
14. 7. 1850 Dritter Schleswig-Holsteinischer Krieg den die Schleswig-Holsteiner nach dem Friedensvertrag der Preußen allein führen mussten und am 25. 7. 1850 bei Idstedt verloren.
1850 - 1864 Zeit dänischer Drangsalierung (Dänenherrschaft, Sprachreskript (s. d.)
1864 Deutsch-dänischer Krieg (auch 2. Schleswigscher Krieg) unter Mitwirkung von Preußen und Österreich auf deutscher Seite zwischen Deutschem Bund und Dänemark endete mit deutschem Sieg bei Oeversee (s. d.) und Düppel (s. d.).
Holstein kam unter österreichische und Schleswig unter Preußische Verwaltung.
Dänemark verlort nicht nur die Herzogtümer sondern auch 1/3 dänisches Territoriums mit 2/5 seiner Bevölkerung = 200.000 dänisch gesinnten Einwohnern, die 1871 dem Deutschen Reich angeschlossen wurden.
1866/67 Deutscher Krieg zwischen dem Deutschen Bund (incl. Österreich) und dem Königreich Preußen und dessen Verbündeten. wegen unterschiedlicher Vorstellungen über den Status Schleswig-Holsteins.
Man nannte diesen Krieg auch: Preußisch-Österreichischer Krieg, Siebenwöchiger Krieg, und Deutsch-Deutscher Krieg,
Infolge dieses Krieges wurden die Herzogtümer geteilt. Der Landesteil Schleswig kam zu Dänemark und Holstein zu Preußen.

1870/71 Deutsch-französischer Krieg auch "Siebziger Krieg" zwischen Preußen und Frankreich in den auch Schleswiger rekrutiert wurden.
Die Kriege von 1864, 1866 und 1870 nennt man auch Einigungskriege.
Schleswig-Holstein gelangte nun endgültig in Gesamtheit unter preußische Führung ins Deutsche Reich.
1914 - 1918 1. Weltkrieg
Der Ausbruch des Krieges löste auch im Norden eine Woge der Begeisterung aus. Viele meldeten sich freiwillig. Fast alle wehrtauglichen Männer und Jünglinge wurden einberufen und zurück blieben nur noch Frauen, Kinder, Alte und Kriegsuntaugliche.
Bei der Niederlage 1418 waren 2.100 Männer aus Angeln gefallen, etwa 3,6 % der Seelenzahl.
Preußen musste den nördlichen Teil des Landesteils Schleswig auf Grund einer Abstimmung 1920 wieder an Dänemark abtreten.
1939 - 1945 2. Weltkrieg

Kriegs- und Fourage-Transporte
In Kriegsfällen wurden den Bauern zu allen Zeiten neben Einquartierungskosten auch Kosten für Kriegs- und Fourage-Transporte auferlegt.
Die Bauern des Gutes Roest hatten z. B. 1803 zischen Roest, Schleswig und Flensburg und zurück 2.205 Km zu fahren.
Am 21. 11. 1805 = 81 Tonnen Hafer, 16200 Pfund Heu und 3600 Pfund Stroh auf 41 zweispännigen Wagen von Roest nach Kiel zu bringen und legten 3.997 Km zurück.
Am 8. 1. 1807 legten 45 Wagen zusammen 2.700 Km zurück.
Von 1803 bis 1810 leisteten die Pächter von Gut Roest insgesamt 355 Kriegsfuhren und legten mit ihren zweispännigen Wagen zusammen 35.477 Km zurück. Man muß sich zur richtigen Einschätzung der Situation auch die damaligen schlechten Wegeverhältnisse vor Augen führen.
Eine Bezahlung gab es dafür nicht.

Krog
Ecke oder Krümmung bei der Landverteilung.

Krog / Krug
Gastwirtschaft. Bier und Branntwein auszuschenken gehört zu den privilegierten Gewerbezweigen. Das Schankrecht wurde von der Obrigkeit gegen ein Festegeld und eine Krugheuer vergeben.
Bahnhofskrüge waren auch für den Verkauf der Fahrkarten zuständig.

Kropperbusch
Dorf und alter Krug am Ochsenweg bei Schleswig.
Der Ort wurde 1285 das erste mal als Croop erwähnt. Der Ortsname bezieht sich auf die flache Wölbung des Sanders (eiszeitlich gebildete Sandfläche), auf dem sich der Ort befindet.
Kropp war im Mittelalter ein gefürchteter Ort. Viel lichtscheues Gesindel aus den Heerscharen von Thilly und Wallenstein trieb sich hier herum, um Reisende zu überfallen. Bei diesen bildete sich bald der ahnungsvolle Stoßseufzer aus: "Du büst bi Kropperbusch noch nich vorbi". Kropüperbusch war die waldreiche Gegend um Kropp, die dem Gesindel guten Unterschlupf bot.
Einen alten Krug Kropperbusch und Krug Buschschäfer, eine ehemalige herzogliche Schäferei die später Schankrecht erhielt, gab es hier schon im Mittelalter in den die auf dem Ochsen- und Heerweg Reisenden einkehrten.
(Siehe auch unter Postwesen)

Kruggerechtigkeit
Erlaubnis einen Krug (Gastwirtschaft) zu betreiben.

Kruppschütze
Im Jagdrecht Kriechschütze = Gelegenheitswilderer.

Krüdenierer / Krüdener / Krudenierer
Kräutzerhändler. Einer der mit Kräuter und Drogen (Medizin) handelt.

Küben
Hölzerner Wasserkübel, Balje.

Kübbungen
Stallungen fürs Vieh in den nichttragenden Seitenschiffen (Abseiten) von Hallenhäusern in Zweiständerbauweise. An die Ständerreihen zur Traufseite wurden sie oft als niedrige Raumerweiterungen in den Seitenwänden angesetzt.
Küche / Küchentisch / Tischsitten
Der Küchentisch kam erst um 1860 auf. Bis dahin aß man nicht in der Küche sondern in der Stube. Dort war auch der Riemen an die Wand genagelt, in dessen Schlaufen man nach dem Essen seinen hölzernen Löffel steckte, nachdem man ihn im Jackenfutter, im Tischtuch oder später auch am Löffeltuch gereinigt hatte.
Ab 1860 begann man in der Küche am Küchentisch zu essen.
Tischsitten blieben bei der Verlegung von der Stube in die Küche erhalten. Der Bauer saß an der Stirnseite, neben ihm auf der Grützbank saß der erste Knecht, die Mädchen aßen stehend an der vorderen Längsseite des Tisches. Vor ihnen, unmittelbar am Tisch, langten die kleinen Kinder in die Schüsseln. Die Mädchen mussten über deren Köpfen hinwegreichen. Einen eigenen Teller gab es nicht. Belegtes Brot wurde in die Mitte des Tisches gestellt.
Zum Fegen der Küche wurde ein Heidebesen verwandt. In Ecken und hinter den Möbeln fegte man mit dem Gänseflügel. Küchentisch und Schneidebretter scheuerte man mit Strohwisch und Buchenasche (s. d.)

Kül / Cue de Paris
(cue = franz. = der Hintere. Polster unter den Damenkleidern). Mitte des 19. Jh. bis in die 70er Jahre modisches Beiwerk um Körperrundungen zu betonen. Um die Hüfte banden die Damen ein festes Band, an dem ein mit Seegras, Watte oder Wolle gepolstertes Kissen befestigt wurde, das das Gesäß betonte. Ein anderes Kissen betonte die Vorderseite. Darüber trugen sie dann ihre Kleider oder Röcke. Selbst im dörflichen Angeln fand diese Mode zahlreiche Anhänger. Dieser unbequeme und aufwändige Modegag war aber ebensoschnell überholt.

Küm / Küben
Holzbottich aus Dauben auch Ballig genannt, der für das Waschen von Wäsche, beim Schlachten und beim Brauen gebraucht wurde.

Küper
Beruf: Böttger / Böttcher

Kür-Wagen
Feiner Wagen der Bauern zum Ausfahren. Der Kasten war aus Korbgeflecht und die Bodenfläche war mit Stühlen besetzt.

Küster
(lat. custus - der Wächter).
Kirchenangestellter. Er hatte stellvertretend für den Pastor viele Ämter zu übernehmen, wozu neben den Hausmeisterdiensten für Kirche und Gemeindehaus fast immer auch das Amt des Lehrers und des Schaffers (s. d.) in der Dorfgemeinschaft gehörten. Auch das Glockenläuten zu den Gottesdiensten gehörte zu seinen Aufgaben.
Erste Tätigkeiten als Lehrer erledigte er als "laufender Küster" auf Bauernhöfen, wo er Kinder des Bauern und Nachbarkinder unterrichtete (s. u. Wanderschule). Mitte des 17. Jh. wurde aus dem "laufenden Küster" ein "sitzender Küster" an einer Küster- oder Kirchspielschule. (s. u. Schule).

Küsterschule
Mitte des 17. Jh. aus den Wanderschulen (s. d,) hervorgegangene Schule an jedem Kirchort. Lehrer war der Küster. Konnte er selbst nicht lesen, schreiben und rechnen, was nicht selten der Fall war, so musste er sich einen lesekundigen Helfer einstellen. Dieses waren oft weichende Bauernsöhne oder ausgediente Soldaten.
Die Küster- oder Kirchspielschulen waren ausschließlich von Kirchen getragene Schulen. Die Obrigkeit kümmerte sich nicht um die schulische Bildung der Kinder. Für die Kirche aber waren nur Kenntnisse in Religion, (Bibeltexte, Katechismus, Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Kirchenlieder) wichtig.
Erst Mitte des 18. Jh. kümmerte sich auch die weltliche Obrigkeit um den Schulunterricht der Kinder auf dem Lande.
(siehe auch unter Schule und Nebenschule)

Kuhheuer
Siehe unter Eiserne Kühe.

Kuhlücke
Gemeindeweide. Früher Allmende (s. d,)
Siehe auch unter Etgras.

Kuhwascher / Viehwäscher
Zur Herbstzeit von den Weiden (Almende s. d.) in die Ställe geholtes Vieh hatte total verpfilztes Fell mit viel Ungeziefer. An einer geschützten Stelle des Hofes wurden sie einzeln nacheinander angebunden und das Fell mit einem Strohwisch abgebrannt. An der linken Hand trugen die Knechte Handschuhe, um das Feuer auszuschlagen, wenn es die Haut zu erfassen drohte. So war das Vieh für einige Zeit rein.
Zu Lichtmeß (2. Februar) war es dann wieder voll Ungeziefer. Jetzt holte man den Kuhwascher, der mit Bürsten und einer Arsenik-Lösung in kochendem Wasser die Kühe behandelte.
Viehwäscher waren vom Amt bestellte und vereidigte Beauftragte die mit Gift arbeiten durften.

Kummerhy
Hügelgrab in der Nähe des Thorsberger Moors bei Süderbrarup. Es wurde in der späten Broncezeit (650 - 500 v. Chr. für nur einen Toten angelegt. Sehenswert ist das Grab (Steinkreis), das 1861 ausgegraben wurde wegen seines fast zwei Meter hohen "Wächtersteins".

Kurantmark - Kaufkraft der .....
Um 1770 hatte die Kurantmark folgende Kaufkraft:
1 Paar Schuhe = 2 Mk. - 1 Stieg Eier (20 Stck.) = 4 Sh. -
Tageslohn für einen Handlanger = 6 Sh.
Monatslohn für einen Knecht = 4 Mk.
1 fette Gans = 24 Sh. - Maurerlohn täglich 8 Sh.
Monatslohn für eine Magd 1,20 - 1,60 Mk.

Kurator
Amt, das man übernehmen musste, wenn es angetragen wurde. Der Kurator wurde eingesetzt bei: Betreuung von Witwen, Einsatz für verschollene Seeleute, Regelungen bei Konkursen und Nachlässen.

Kurschmied
Dorfschmied, der früher häufig gleichzeitig "Tierarzt" war. Er machte eine Art Prüfung und konnte dann Pferde- und Viehkrankheiten behandeln.

Pfeil oben


L

lachbieten
Beim Anbieten von Projekten (z.B. Land) zum Verkauf, mußte das Land lachgeboten werden (öffentlich bekannt gemacht werden) , damit jeder, der Ansprüche auf das Objekt zu haben glaubte, sich melden konnte.
(siehe auch unter Beispruchsrecht und unter Laghäfd)

Ladelund, Konzentrationslager in ..
Ladelund liegt etwa 20 Km nordöstlich von Niebüll an der deutsch-dänischen Grenze.
1938 errichtete hier der Reichsarbeitsdienst für 250 junge Männer ein Barackenlager. Beschäftigt wurden sie mit Entwässerungsmaßnahmen, Ödlandkultivierung, Aufforstung und Straßenbau.
Ab Oktober 1944 entstand hieraus ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Die Häftlinge sollten beim Bau des Friesenwalles, einer geplanten aber nur teilweise fertiggestellten Wehranlage die an der Nordsee entstehen sollte, eingesetzt werden. Die Häftlinge des KZ´s Ladelund gruben Schützengräben und errichteten Geschützstellungen.
Am 16. 12. 1944 wurde das Lager aufgelöst. Von den 2.000 Häftlingen insgesamt starben innerhalb von drei Monaten 301 darunter 117 Holländer.

Ladevogt
Untervogt der aus der Mitte der ausheimischen (zugewanderten) Kolonisten erwählt wurde. Sie wurden vom jeweiligen Amtshaus bestimmt. Sie unterstanden den Kolonisten-Inspektoren.

Lagen
Für die militärische Bereitschaft wurden neben einem bestehenden Söldnerheer in den Harden sog. Lagen gebildet. Zu jeder Lage gehörten im 18. Jh. durchschnittlich 15 - 20 Mann im wehrpflichtigen Alter. Nach der Landmilitärordnung von 1776 war die Pflugzahl die Grundlage für die Erstellung der Lagen. So wurde eine Lage von 6 - 8 Bauernhöfen aufgestellt. Dienstpflichtig waren nicht nur die Bauern, sondern auch Kätner, Insten und Dienstboten.
Ab 1800 waren die Lagen nicht mehr an die Pflugzahl sondern an die dörfliche Bevölkerungszahl gebunden. Je Kirchspiel gab es 2 - 4 Lagen.
Aus einem Dorf heißt es von einer Lage: 21 Mann, davon 17 mit Heugabeln ausgerüstet, 2 mit Piken und einer, der ein "sehr elendes Bein" hatte mit einem Knüppel.
Die militärischen Übungen fanden im Anschluß an die sonntäglichen Gottesdienste statt. Jede Lage wurde von einem Lagemann (s. d.) geführt.

Lagemann / Lagsmann
Die Landauschüsse wurden 1776 durch Lagemänner aus jeder Lage der Distrikte ergänzt. In jeder Lage wurde ein Eingesessener vom Oberbeamten zum Lagemann ernannt. Dazu mussten "jederzeit gute, vernünftige und zu ihren gesetzten Jahren gekommene Hauswirthe" genommen werden. Sie sollten eingeboren, im Lande erzogen, gesund und diensttüchtig und zwischen 18 - 36 Jahre alt sein. Die Amtszeit betrug drei Jahre.

Laghäfd
Einspruchsrecht von drei Jahren als Bestandteil des Beispruchrechts (s. d.). Verwandte und Erben konnten während der Laghäfd Einspruch gegen den Verkauf von Grundstücken aus ihrem Erbvermögen einlegen.

Lahnungen
Uferschutzanlage. Dämme aus Buschwerk zwischen doppelten Holzflockreihen im Deichvorland die dazu dienen bei ablaufendem Wasser den Schlick festzuhalten und aus den abgesetzten Sedimenten langsam Land zu gewinnen. Außerdem dienen sie nachhaltig dem Küstenschutz.
Die Flächen wurden durch Gräben (Grüppen) entwässert.

Landespfennigmeister
(siehe Pfennigmeister)

Landesteilung
Das Herzogtum Schleswig gehörte über Jahrhunderte zum Königreich Dänemark. Schleswig-Holstein war in Personalunion mit Dänemark verbunden.
Landesteilungen in Schleswig-Holstein gab es 1490, 1523, 1544, 1564 und 1581, 1721, .
1460 wurde König Christian I. Herzog von Schleswig-Holstein. Durch Erbberechtigung seiner Söhne kam es zu einer Teilung unseres Landes. Es gab königliche und herzogliche Anteile, die über das ganze Land verstreut waren. Diese Verwaltung in Streugebieten war Anlaß für viele Streitigkeiten. Die schleswig-holsteinischen Herzöge, die möglichst selbständig bleiben wollten suchten bei Schweden Schutz, das 1523 aus dem dänischen Gesamtstaat (s. d.) ausgeschieden war, Schutz vor der Macht des dänischen Königs.
1544 wurde das Land auf die drei Söhne des dän. Königs Friedrich I. aufgeteilt.
1581 gab es in Schleswig-Holstein einen Königlichen Anteil, einen Herzoglichen Anteil, einen Gemeinschaftlichen Anteil und den Besitz Hans des Jüngeren. Schleswig-Holstein war ein Flickenteppich.
Im Nordischen Krieg (1701 - 1721) brach die schwedische Macht zusammen und die schleswig-holsteinischen Herzöge verloren auch an Einfluß.
Der dänische König riß Teile herzoglichen Territoriums an sich. Schleswig wurde 1721 von Dänemark einverleibt, während Holstein noch unter königlichem und herzoglichem Besitz verblieb.
Gottorf aber unternahm viele Anstrengungen die verlorenen Gebiete zurück zu gewinnen. Kriege unter dänischer, russischer, holsteinischer und oldenburgischer Beteiligung führten im Endergebnis zui neuen Verteilungen des Landes.
Spätere Kriege führten zu weiteren Landesteilungen.
(siehe auch unter Alsen, Apenrade, Helgoland, Schauenburger, Schleswig (Herzogtum), Schleswig (Stadt).

Landesverweisung
Verbannungsstrafe die schon auf frühmittelalterliches Stammesrecht zurückgeht. Sie wurde auch als Beugemittel zur Erzwingung einer Sühne angewendet.
Besonders hart traf diese Strafe, wenn sie mit einer Stadtverweisung aus dem Friedkreis verbunden war. Es bedeutete für flüchtige Täter den Verlust des städtischen Schutzes (Stadt macht frei). Z. B. erlangten entflohene Leibeigne nach Jahr und Tag Aufenthalt in der Stadt ihre Freiheit.
Ausgesprochen wurde die Landesverweisung bei Konkurs und Zahlungsunfähigkeit und für auswärtige Bettler. Sie wurde früher aber auch bei schweren Delikten mit Ausnahme der todeswürdigen, zuweilen auch an Stelle der Todesstrafe ausgesprochen.
Die Verweisung reichte von einem Monat bis zu zehn Jahren oder wurde auch lebenslänglich, dann in Verbindung mit dem Verlust bürgerlicher Rechte verhängt. Ausgesprochen wurde nicht nur die Zeit, sondern auch die Bannmeile (Bereich in dem sich der Verbannte nicht aufhalten durfte). Vor seiner Ausweisung musste der Verbannte Urfede (s. d.) schwören.

Landjäger
1920 eingerichtete Nachfolgeorganisation der Gendarmerie (s. d.). Es gab Landjägermeister zu Fuß und berittene Oberlandjägermeister. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde der Name 1934 wieder in Gendarmerie geändert und auch die Amtsbezeichnungen änderten sich.
Die Gendarmerie unterstand dem Kommandeur der Gendarmerie beim Regierungspräsidenten in Schleswig.

Landläufer
1) Fahrende Leute. Herumstreifer. Müßiggänger. Sie galten als unehrlich.
2) Vor 1720 Versorger der ländlichen Bevölkerung mit Arzneien und Medikamenten.

Landschreiber
1) Hohes öffentliches Amt. Er hatte die Verwaltungsangelegenheiten zu ordnen und war besonders der Verwalter der fürstlichen Gelder. Er wurde vom Herzog oder gar König berufen. (Herzoglich Königlicher Landschreiber. Der Stadtschreiber war eine Art juristisch gebildeter Syndikus. (juratus notarius publicus)
2) Schreiber der Landesgerichts- bzw. Verwaltungsbehörde Eiderstedt; notarieller Beamter, der die Schuld- und Pfandprotokolle (s. d.) führte und für die freiwillige Gerichtsbarkeit zuständig war; zweithöchster Beamter der Landschaft Dithmarschen.

Landsturm
Im Militärwesen des 19. Jh. das "letzte Aufgebot" aller Wehrpflichtigen die dem Heer noch nicht angehörten zur Abwehr eines feindlichen Einfalles ins Land.
In Preußen war nach dem Landsturm-Edikt von 1813 die wehrbare männliche Bevölkerung zwischen dem vollendeten 17. und 60. Lebensjahr die nicht in die stehende Armee oder die Landwehr eingebunden war, verpflichtet dem Aufgebot des Land- sturms Folge zu leisten.
Der Norddeutsche Bund verpflichtete 1867 alle zwischen dem 17. und 42. Lebensjahr zum Kriegsdienst.
Nach einem Gesetz von 1875 bestand der Landsturm aus allen Wehrpflichtigen vom vollendeten 17. bis vollendetem 42. Lebensjahr an, soweit sie nicht in Heer oder Marine dienten.
Die Landsturmpflicht trat im Gegensatz zur Kriegspflicht immer nur ein, wenn ein Teil des eigenen Landes vom Feind bedroht war.
(siehe auch unter Landwehr)

Landunter
Volkstümlicher Ausdruck für die Überflutung der Grünlandflächen auf den Halligen (s. d.). Sie tritt jährlich bis zu 15 - 20 Mal bei Sturmfluten und Tidehochwasser auf, da die Halligen nur etwa 1 m über dem mittleren Meeresspiegel (NN = Normal Null) liegen und führt zu einer Versalzung der Flächen (Salzwiesen).
Heute wird auch die Überflutung des Festlandes bei Sturmfluten als Land unter bezeichnet.
Der Begriff "Blanke Hans" steht bildhaft für die tobende Nordsee bei Sturmfluten (s. d.). Detlef von Liliencron verarbeitet es in seinem Gedicht "Trutz, Blanke Hans".

Landvolkbewegung, schleswig-holsteinische ....
Eine politische Volksbewegung in Schleswig-Holstein. Ausgelöst durch den Versailler Vertrag mit seinen unmenschlichen Bedingungen, Reparationen in unvorstellbarer Höhe, Inflation in bisher unerlebtem Ausmaß, Not des Staates der nicht zahlen konnte und Bürger und Bauern immer stärker belastete. Die Verschuldung der Landwirtschaft stieg dramatisch. Steuererhöhungen beschleunigten diese Entwicklung noch. Es kam in Berlin zu Betrügereien, Bankskandalen, Bestechungen in bisher ungekanntem Ausmaß. Die Gerichtsverhandlungen gegen Bänker, Proviteure, Betrüger wurden von den Gerichten verschleppt und eingestellt, die Verhandlungen gegen Bauern wegen geringster Vergehen wurden von den Gerichten sofort drakonisch bestraft. Das Volksempfinden war: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Das Maß war voll.
Am 28. 1. 1928 demonstrierten 140.000 Bauern im ganzen Land. Dieser Tag wird als Beginn der schleswig-holsteinischen Landvolkbewegung angesehen. Das eigentliche Jahr der Landvolkbewegung war das Jahr 1929. Im Grunde war die Landvolkbewegung eine Westküsteninitiative hauptsächlich der Dithmarscher. Anführer war der "Bauerngeneral" Claus Heim aus St. Annen und Wilhelm Hamkens aus Tetenbüll in Dithmarschen. Politisch unterstützt wurde die Volksbewegung durch die "Christlich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei". Die sozialdemokratische Regierung aber ließ die Bauen im Stich. Eingaben der Bauern blieben unbeachtet. Die fortschreitende Krise in der Landwirtschaft forderte nun die Landbevölkerung zu direkten Aktionen heraus. So wurden in Spontanaktionen Zwangspfändungen verhindert, Steuersäumige verteidigt und unterstützt, Gefangene aus Gefängnissen befreit und zu allgemeinem Boykott- und Auflehnung gegen die Obrigkeit aufgerufen.
Die Obrigkeit reagierte auf solche Aktionen mit Milchgeldpfändungen, was die Bauern wirtschaftlich in weitere Bedrängnis brachte.
Das Symbol der Bewegung war eine schwarze Fahne mit silbernem Pflug und rotem Schwert.
Erste Maßnahmen des passiven Ungehorsams waren ein Steuerboykott und tätlicher Widerstand bei Pfändungen und Zwangsversteigerungen.
Die Landvolkbewegung ging eindeutig von Schleswig-Holstein aus, griff aber von hier aus auf weitere Teile des Deutschen Reiches über. Organisiert wurden nun Bewegungen gegen die Weimarer Republik.
Die Landvolkbewegung scheiterte schließlich daran, dass sie keine einheitliche Bewegung war und keine gemeinsamen Ziele hatte. Auch hatte sie durch zahlreiche Bombenattentate die Grenzen der Gewalt überschritten, was ihr den Rückhalt in der Bevölkerung nahm. Erschwerend kam hinzu, dass die Bewegung Kosten für Zeitungsanzeigen und für Rechtsanwälte nicht mehr aufbringen konnte. Mit der Verhaftung ihrer Führungspersonen fand die Bewegung 1930 ihr Ende.
Am 31. 10. 1930 wurde der Führer der Landvolkbewegung Claus Heim zu einer Zuchthausstrafe von 7 Jahren verurteilt. 16 weitere Angeklagte erhielten Zuchthausstrafen zwischen vier Monaten und sechs Jahren bestraft, obwohl ihnen auch vom Gericht eine ehrenhafte Gesinnung bescheinigt wurde.
Hitler untersagte 1930 NSDAP-Mitgliedern die Mitarbeit in der Landvolkbewegung.

Landwehr / Landsturm / Küstenmiliz
1) Mit Ausbruch des Krieges bildete sich 1848 in Südschleswig eine Landwehr. Die Landsturmmänner waren schlecht bewaffnet (z. T. mit Sensen, Knüppeln und Forken) und nicht ausgebildet. Als gut bewaffnet galt wer eine alte Jagdflinte oder einen Säbel hatte. Einige Bauernburschen übten auf ihren Pferden Kavallerie. Sie waren nicht ausgebildet, waren aber voller Begeisterung und Patriotismus. Es war ein bunt zusammengewürfelter, ungeübter Haufen von Männern und Knaben jeglichen Alters. Letztendlich begrenzte sich die Tätigkeit der Landwehr auf das Aufstellen von Wachtposten vor den Dörfern und an der Flensburger Förde. Uniformen hatten sie nicht und kennzeichneten sich nur mit blauweißroten Kokarden an ihren Mützen.
Sehr viel Spaß und Komik soll es bei den Landsturmübungen gegeben haben, die nicht selten im Gasthaus ihren Abschluss fanden.
In Kappeln nannte sich die Landwehr Küstenmiliz.
(s. u. Nationale Erhebung und Erhebung).
2) Neben dem Feldheer war die Landwehr ein Teil der Streitmacht Preußens. Sie wurde 1813 eingeführt und umfasste alle wehrpflichtigen Männer zwischen dem 17. bis 40. Lebensjahr die nicht in reguläre Einheiten eingezogen waren oder als freiwillige Jäger dienten.
1867 wurde diese Regelung auf das Gebiet des Norddeutschen Bundes (s. d.) und 1871 auf das gesamte Deutsche Reich übertragen.
3) Die Landwehr war auch ein vorneuzeitliches Grenzmarkierungs- bzw. Grenzsicherungssystem des Hoch- und Spätmittelalters. Sie bestand aus undurchdringlichem Dornengehölz, einem oder mehreren Erdwällen, mit Wasser gefüllten Gräben, Schanzen und Warttürmen. Diese sollten vor feindlichen Übergriffen schützen.
(Beispiel: Berliner Landwehrkanal)

Langbetten
Besondere Form antiker Hügelgräber bei denen mehrere Grabkammern hintereinander lagen die von einem lang gestreckten Hügel bedeckt waren. Sie konnten über 100 m lang sein, waren aber selten breiter als 10 m. Meist hatten sie 1 - 3 Dolmenkammern.
Ein restauriertes und begehbares Langbett findet man im Arnkielpark in Munkwolstrup.

Längenmaße
1 Quadratmeile = 56,25 qkm
1 Meile = 1920 Ruten = 7,5 km
1 Meter = 3,5 Fuß
1 Rute = 16 Fuß = 8 Ellen = 3,9 m
Es gab 15 verschiedene Ruten. Die Längste hatte 5,38 m und
die Kürzeste 3,14 m.
1 (Angelner) Fuß = 12 Zoll, = 28,657 cm
1 Zoll = 2,388 - 2,42 cm
1 Zoll = 12 Pariser Linien
1 Fuß (Friesland) = 29,8 cm, Hamburger Fuß = 28,6 cm. (wurde
gesetzliches Maß)
1 Elle (s. d.) = 2 Fuß = zwischen 57,2 - 57,7 cm, später allgemein etwa 58 cm, aber auch 60 cm.
1 Quartier = 1/4 Elle = rd. 14,5 cm = 6 zoll,

Lansten
Bauern ohne Grundbesitz. Auch Bauernhöfe des Schleswiger Domkapitels.

Last
Maßeinheit: Eine Last war eine Mark Korn, also 240 Schip oder 40 Heitscheffel (s. d.) Roggen oder 48 Heitscheffel Gerste oder 80 Heitscheffel Hafer.

Lateinschulen
Seit dem Mittelalter in den Städten von Kirchen und Klöstern getragene höhere Schulen, die auf einen geistigen Beruf oder ein späteres Studium an einer Universität vorbereitete. Später entstanden daraus die Gelehrtenschulen, Gymnasien und Lyzeum. 1527 gab es eine Lateinschule in Husum, ab 1566 in Flensburg, und ab 1567 in Hadersleben. Ribe (s. d.) hat seit 1145 eine Domschule die später als Lateinschule fortgesetzt wurde.
(siehe unter Schule)

Latifundium
(lat. aus latus = "großräumig" und fundus = Bauernhof, Anwesen)
Im Römischen Reich große Landgüter von 1.000 bis 5.000 ha.
Der Grundeigentümer eines solchen landwirtschaftlichen Großbetriebes verteilte seinen Besitz auf mehrere Kleinpächter die das gesamte Risiko trugen, während er ziemlich risikofrei von den Pachtzinsen lebte.
Eine bei uns seltene Bezeichnung für große adelige und königliche Güter, aber eigentlich nur für Südeuropa und Südamerka gebräuchlich.

Läuteschlüssel / Läutstock / Lüdslötel
Kirchschlüssel im Besitz der Kirche der im Dorf wanderte als Symbol für unendgeldliche Dienste. Wer den Läuteschlüssel im Hause hatte, musste bei einem Todesfall im Dorf das Läuten der Kirchturmglocke übernehmen, den Sterbefall beim Pastor melden, den Sarg besorgen, den Toten betten, den Sarg schließen, den Toten am Beerdigungstage zum Friedhof fahren, die Leichenträger bestellen, das Grab graben.
Die bestellten Nachbarn begaben sich bei der Anmeldung des Sterbefalles jeder mit seinem Spaten zum Friedhof, läuteten zuerst die Glocken und hoben, nachdem der Küster ihnen den Platz gewiesen, das Grab aus. Auch am Beerdigungstage mussten sie die Glocken läuten. Nach der Beerdigung wurde der Läutschlüssel an den nächsten Nachbarn weitergegeben.
Erst Ende des 19. Jh. begannen die Kirchen für die Arbeit in der Kirche (Läuten) und auf dem Friedhof (Grab graben) einen Kirchendiener einzustellen.

Lawai
Ursprünglich wurden an der Westküste die Deichbauten als Gemeinschaftsarbeit der Kirchspiele geleistet. Ab Anfang des 17. Jh. setzte die Obrigkeit dafür Unternehmer ein, die dafür Tagelöhner anwarben. Unter ihnen kam es wegen äußerst schlechter Arbeitsbedingungen immer wieder zu Unruhen. Diese waren so typisch, dass dafür ein eigenes Wort "Lawai" entstand. Zur ersten Lawai kam es im Sommer 1613 in Tönning, als ein Arbeiter von einem Aufseher erschossen wurde.

Lechel
Kleines Tonnengefäß aus Holz das etwa 6 - 12 Liter fasste. Es diente der Versorgung der Feldarbeiter und wurde morgens mit aufs Feld genommen. Es enthielt Braunbier, Buttermilch, Schwarzen Kaffee oder Tee als Feldverpflegung.

Leck
Ort ca. 30 KM westlich von Flensburg an der über tausend Jahre alten einst bedeutsamen Fernverbindung von Angeln nach Friesland. Erste Erwähnung fand Leck 1231.
Bis zum 15. Jh. war Leck von der Nordsee aus noch mit Schiffen erreichbar verlor aber wegen Versandung an Bedeutung.
Am 25. 3. 1548 erhielt Leck vom König das Recht zweimal jährlich Markt zu halten und 1689 bekam Leck Marktgerechtigkeit (s. d.)

Ledige Frauen
Im Mittelalter gab es viel ledig lebende Menschen. Das Leben lediger Frauen war sehr schwer. Während ein lediger Mann von seinem Lohn leben konnte, war dieses bei Frauen unmöglich. Diebstahl und Hehlerei waren daher einträgliche und lebensnotwendige Einnahmequellen, aber auch die Prostitution, die nicht nur in den Badehäusern stattfand, besserte notdürftig das Einkommen auf.
Kräftige und arbeitsfähige Frauen erwarben ihr Existenzminimum durch Kleinhandel, Tagelohnarbeit oder als Magd bzw. Dienerin gegen Kost u. Logis.
Im Alter waren sie auf Bettelei angewiesen.

Leding / Ledingspflicht
Abgabe für die Landesverteidigung. Ursprünglich bestand allgemeine Wehrpflicht aller waffenfähigen freien Männer einer Harde. Sie mussten im Kriegsfall selbst für Unterhalt und Ausrüstung (Schild, Schwert, Helm und Spieß) sorgen. Später trat an die Stelle der Wehrpflicht eine Abgabe in Form von Geld mit der die Kriegsmannschaft ausgerüstet wurde.
 
Lehen
(davon abgeleitet = leihen). Nutzungsrecht an einer fremden Sache, das sich auf eine Verleihung seitens des Eigentümers gründete. Es setzte ein Verhältnis gegenseitiger Treue voraus.
Das Lehen (Lehnsgut) war meistens ein Grundstück oder ein Komplex von Grundstücken. Lehen konnten aber auch Nutzungs- und Abgaberechte sein.
Lehen gingen auch für ganze Provinzen, Güter usw. an den Adel und an die Kirche.
Anfangs waren nur freie Ritterbürtige, die waffenfähig waren und im Vollbesitz ihrer Ehre lehensberechtigt. Später konnten auch Unfreie in diesen Stand aufsteigen.
Lehnsdienst bestand aus Heerfahrt (Kriegsdienst) und Hofart (Anwesenheit bei Hof als Ratgeber)

Lehnsmann
Im Mittelalter ein Adliger der sich seinem Landesherrn gegen Dienst und Treue verpflichtete und dafür Land (Lehen) samt der darauf befindlichen Bevölkerung oder ein Amt erhielt. Unterschieden wurde zwischen einer Schenkung auf Lebenszeit und Erblehen für immer.

Leibeigenschaft
1524 erhielten die Adelsherren auf ihren Gütern das königliche Privileg eigenes Recht über ihre Untergehörigen zu sprechen. Sie hatten das "Recht über Hals und Hand", also die Ahndung von Verbrechen mit der Todesstrafe oder Verstümmelung und konnten über deren Leben und Tod entscheiden.
Aus den Untergehörigen mit wenig Rechten wurden 1524 Leibeigene ohne Rechte.
1614 wurde die Leibeigenschaft ausdrücklich von der Landesherrschaft anerkannt.
Leibeigene gehörten zum lebenden Inventar der Herrschaft. Den Tieren hatten sie das Vorrecht voraus, zur Kirche gehen zu dürfen.
Z. B. konnten Leibeigene nur mit Einwilligung des Gutsherrn heiraten, ihre Kinder taufen lassen und zu Schule schicken. Oft bestimmte der Gutsherr sogar die Paare. Wurde ihnen ein Kind geboren, so gehörte es dem Gutsherrn. Ein Verlassen des Gutes war ihnen bei Lebensstrafe verboten. Sie waren durch Schollenband (Schollenzwang) an das Gut gebunden.
Als Gegenleistung aber waren die Untergehörigen in einem sozialen Netz gesichert. Alte, Arme und Behinderte bekamen Pflege und bei Feuer, Seuchen, Tod und Missernten wurde ihnen Hilfe vom Gut gewährt (siehe unter Konservation).
Es gab Leibeigenschaft auf den Gütern Achtrup Buckhagen, Dänisch-Lindau, Düttebüll, Gelting, Lütjenhorn, Mohrkirch, Oehe, Ohrfeld, Priesholz, Roest, Rundhof und Töstrup.
Schon 1698 wurde ein Leibeigener in Töstrup aus der Leibeigenschaft entlassen. 1765 entließ Henning von Rumohr seine Leibeigenen auf Gut Ohrfeld. 1794 wurden die Leibeigenen auf Gut Priesholz in die Freiheit entlassen. 1799 entließ Gut Roest seine Leibeigenen.
Am 31. 12. 1804 endete die Leibeigenschaft amtlich und endgültig mit der abschließenden Parzellierung (s. d.) der Güter. Aber auch danach waren die "freien Hufner" nicht frei von Hofdiensten, sondern mussten diese auch weiterhin leisten, wofür sie jetzt aber einen Tagelohn erhielten.
Durch die Parzellierungen von 52 Krongütern erhielten in beiden Herzogtümern 800 neue Familien eine eigene Existenz. Dazu bekamen 20.000 Menschen die in Leibeigenschaft lebten ihre Freiheit und verloren ihre Konservation (s. d.). Manche ehemalige Leibeigene kamen mit der plötzlichen Freiheit nicht zurecht und verarmten total.
Einen sehr ausführlichen Bericht über die Aufhebung der Leibeigenschaft auf Gut Roest findet sich im Jahrbuch des Angler Heimatvereins Jg. 1971, Seite 30 - 92 und im 60. Jg. 1996, Seite 20 - 55, Johannes Petersen "Leibeigenschaft in Angeln")

Leibfeste
Pachtung auf Lebenszeit.

Leibgedinge
Besitz, den die Frau mit in die Ehe brachte.

Leibzucht / Leibgedinge
Verpflichtung gegenüber einer Person sie bis ans Lebensende mit Naturalien, Obdach und Pflege zu versorgen. Diese Verpflichtung wurde bei Hofübergabe getroffen.
Siehe auch unter Altenteil.

Leichenhölzer / Leichenbretter / Totenbretter
1754 wurde in Sterup über Leichenhölzer geschrieben. Das flache Leichenholz ersetzte den Grabstein. Es hatte die Größe des Verstorbenen. Neben Ornamenten und Zierereien wurden darauf das Jahr und Datum der Geburt und des Todes des Verstorbenen eingeschnitzt.
Die Sitte der Leichenhölzer kam aus dem Süden zu uns, wo sie weit verbreitet war. Die Leichenhölzer wurden nicht auf das Grab gelegt, sondern an exponierten Stellen bei Kirchen, an Kreuzwegen, Dorfeingängen usw. aufgestellt. Sie standen auch an Friedhöfen aber nicht auf diesen. Im Laufe der Zeit wurden außer den Daten und Namen auch Lebensberichte und fromme Sprüche eingeschnitzt.
Die Toten wurden ohne Sarg begraben. Man ließ sie von den Totenhölzern in das Grab gleiten.
Im Norden wurde dieser Totenbrauch zwar praktiziert, setzte sich aber nie richtig durch.

Leichenpredigt
Im 16. Jh. aufkommender Brauch (bis etwa 1750) Gestorbenen eine Leichenpredigt schreiben und drucken zu lassen in der die Lebensleistungen aufgeführt wurden. Sie enthielten die Grabrede des Pfarrers und den Lebenslauf und oft auch für den Toten verfasste Gedichte. Sie hatten eine Auflage von 100 bis 300 Stück und wurden wie Bücher verkauft.

Leimsieder / Limseder
Beruf. Er kochte aus Knochen und Hornspänen Leim.

Leseverein / Lesegesellschaft / Leseforum
Ende des 18. Jh. bildeten sich im Zuge der Aufklärungsbewegung in vielen Teilen des Landes Lesevereine und Lesekonvents. In Flensburg gab es z. B. 1793 zwei deutsche, eine dänische und eine französische Lesegemeinschaft.
1825 wurde der Nordangler Leseverein zunächst von wissbegierigen Bauern gegründet, um landwirtschaftliches Fachwissen schneller zu verbreiten. Schon bald aber wurde allgemein-wissenschaftliche und schöngeistige Literatur einbezogen. Der Nordangler Leseverein hatte anfangs 27 Bauern als Mitglieder. Er überdauerte alle Kriege und konnte 1950 auf sein 125jähr. Bestehen zurückblicken.
Lesevereine waren Bildungs- und Diskussionsforen.

Letermutter
Urgroßmutter.

levans
(lat.) Taufpate

"Lewwer duad us Slaav"
"Lieber tot als Sklave". Nordfriesischer Wahlspruch der bis auf das Mittelalter zurückgeht. Er nimmt Bezug auf ein von Kaiser Karl dem Großen für Kriegshilfe verliehenes Privileg für die Friesen. Er soll ihnen versprochen haben "dass keiner über sie herrschen sollte, als welchen sie gutwillig dazu erkohren hatten und dass sie gleichfalls jederzeit einen aus ihrem eigenem Volck zu ihrem Regenten erwehlen musten." Es handelt sich bei diesem Privileg aber zweifellos um eine Fälschung des 13. Jh.
Mit ihrem Wahlspruch schworen die Friesen einmütig im Kampf zu siegen oder zu sterben bevor sie ihre Freiheit aufgaben.
Die Friesen selbst nannten sich "die freien und edlen Friesen".
Wunderbar beschrieben in dem Gedicht "Pidder Lüng" von Detlev von Liliencron (1844 - 1909).

levir
(lat.) Schwager, Bruder des Ehegatten.

Leviratsehe
Ehe mit dem Bruder des verstorbenen Ehegatten.

lex
(lat.) Gesetz.

Lichtmeß / Lichtmissen
2. Februar. Dieses Lichtmeß hat nichts mit dem Christentum und der katholischen Lichtmeßfeier zu tun. Es ist seit langem in Angeln Brauch ab dem 2. Februar morgens im Stall ohne Licht auszukommen. Lichtmeß bedeutete also Licht missen = bei der Morgenarbeit ohne Licht auskommen. Nach einem ungeschriebenen Gesetz durfte ab Lichtmeß keine Laterne in Stall und Scheune verwendet werden.
Kein Bauer unterließ es am Lichtmeß einen prüfenden Blick auf seine Futtervorräte zu werfen. Am Lichtmeß durfte erst die Hälfte davon verbraucht sein.
Lichtmeß war bis 1912 ein offizieller Feiertag. An diesem Tag begann die Arbeit der Bauern nach der Winterpause wieder.
Auch für die Dienstboten war Lichtmeß ein wichtiger Tag, weil an diesem Tag häufig der Dienstherr gewechselt wurde.

Licitation
Öffentliche Versteigerung, Öffentliche Ausschreibung und Vergabe von Aufträgen. Auch Vergabe der Kolonistenstellen.

Liedertafel
Gesangverein. 1808 gründete Carl Friedrich Zelter, ein Freund Goethes, in Berlin eine Singakademie. Es wurde zu einer Bewegung, die sich schnell über Deutschland ausbreitete. Bei uns im Norden bildete man 1836 in Kellinghusen die erste Liedertafel, es folgte 1839 Schleswig und 1842 Quern und Husby.
Lebenslustige junge Leute taten sich zum Singen zusammen. Meistens übernahmen Küster die Leitung.
Die gesungenen Texte waren oft sehr patriotisch geprägt.
(siehe auch unter Schleswig-Holstein-Lied)

Liekbott / Liekfolgbeder / Liekpinn
Eine alte, bei Beerdigungen gebräuchliche Sitte in Angeln war die Bitte dem Leichenzug zu folgen (Liekbott = Leichenbitte). Ausgesprochen wurde sie vom Liekfolgbeder = Leichenfolgenbitter. In der Regel war dieses ein Nachbarkind, das von Haus zu Haus lief und einen Spruch aufsagte. Grußlos verließ es danach das Haus, denn das übliche Moin passte nicht zum traurigen Anlass und ein "Auf Widersehen" hätte beim damaligen Aberglauben beim Thema "Tod" zu Komplikationen geführt.
In Südangeln wurde ein kleiner Holzstab der Liekpinn von Haus zu Haus weitergegeben. Er hatte einen Spalt in den die schriftliche Mitteilung mit den Beerdigungsdaten gesteckt war. Er wurde von "warmer Hand in warme Hand" gegeben, d. h. er durfte nicht abgelegt wurden. Blieb er dennoch in einem Hause liegen, war dort die nächste Leiche zu befürchten.

 Likedeeler
Freibeuterbruderschaft auf der Nord- und Ostsee. Sie nannten sich auch Vitalienbrüder (s. d.). Sie teilten ihre Prise gerecht zu gleichen Teilen untereinander, darum Likedeeler (= Gleichteiler).
Eigentlich waren die Likedeeler keine richtigen Seeräuber sondern eher Söldner auf See, die im Dienste der Mecklenburgischen Herzöge dänische Schiffe kapern sollten. Als Lohn dafür durften sie selbst Beute machen. Als es zu einem Frieden zwischen den Mecklenburgern und den Dänen kam, boten sich die Likedeeler den ostfriesischen Häuptlingen an deren Kämpfe durch Seeräuberei zu unterstützen.
Anführer war Claus Störtebeker der 1401 gefangen genommen wurde und in Hamburg auf dem Grasbrook, zur Hansezeit eine oede Elbinsel, mit seinem Weggefährten Gödeke Michels und 70 weiteren Gefährten geköpft wurde. Zur Abschreckung wurden die Köpfe mit langen eisernen Nägeln auf einem weithin sichtbaren Holzgestell genagelt.
Die Sage, nach der Störtebeker als bereits Geköpfter noch an zehn seiner Männer vorbeigelaufen sei und sie so vor der Hinrichtung bewahrt habe, gilt als widerlegt.

Lispfund
Maßeinheit, Gewicht. 1 Lispfund = 14 Pfund.

Litzenbruder
1) Transportvermittler einer Bruderschaft, der für seine Tätigkeit eine Lizenz brauchte.
2) Spediteur
3) Zusteller von Paketen und ähnlichem.

Lochsteine / Hühnergötter
Feuer- oder Flintsteine die man häufig an den Fördeufern findet die ein natürliches durchgehendes Loch aufweisen. Im Volksglauben halten sie Unglück fern und wurden zur Abwendung von Blitzeinschlägen in die Fensterbänke gelegt und kleinere als Talismann getragen.
In Mecklenburg-Vorpommern legte man sie in Hühnernester, damit diese mehr Eier legten und bekamen dort den Namen "Hühnergott".

locus
(lat.) Ort, Stelle.
 

 Löh
Kleiner Fisch der sich im Frühjahr in Angelner Bachläufen einfindet.

Lohhus / Loh
Wirtschaftsteil in angeliter Bauernhäusern. Der Wohnteil war das Peselhus.

Loskauf / Freikauf
Die von der Kirche vergebenen ehrenamtlichen Ämter wurden nicht immer gerne übernommen, waren sie doch oft mit viel Ärger, Arbeit und Unannehmlichkeiten verbunden. Eigentlich war es eine moralische Pflicht das angetragene Amt zu übernehmen. Man konnte sich aber gegen eine relativ hohe Gebühr davon loskaufen.
Zu diesen Ämtern gehörte vor allem das des Achtmanns (s. d.).

Lot
Gewichtsmaß. 1/30 Pfund etwa 15 g.

Lotseninsel
In der Schleimündung nahe bei Maasholm gelegene ehemalige Insel. Von 1780 bis 1796 erfolgte die Verlegung der Schleimündung wobei die alte Mündung erhalten blieb. Die neue Mündung trennte die Lotseninsel vom Festland an das sie erst 1960 wieder eine Anbindung erhielt. Heute ist sie als Vogelschutzinsel gesperrt.

Low-Buch
Das jütische (Jütland) Gesetzbuch, 1240 niedergeschrieben.

Lübisches Recht / Lübsches Recht
Im 12. Jh. entwickeltes Bürgerrecht der Stadt Lübeck. Im Mittelalter wurde es von etwa 100 Städten im Ostseeraum übernommen und wurde das wichtigste mittelalterliche deutsche Stadtrecht. 1586 erhielt es die letzte amtliche Fassung und galt partiell bis 1899.
Hauptmerkmal war die starke Stellung des Rates gegenüber der Bürgerschaft. Das Lübische Recht wurde auf allen Rechtsgebieten so verfeinert, dass es zu einem Kaufmanns- und Handelsrecht par exellence wurde. Es galt in allen Städten der Herzogtümer Schleswig und Holstein, in Tondern und Lauenburg. Auch Hamburg übernahm es, entwickelte aber im 13. Jh. ein eigenes Recht.
Letztinstanzlich wurden alle Rechtsfälle Schleswig-Holsteins in Lübeck entschieden, bis 1496 König Johann und Herzog Friedrich I. die sich die Macht in den Herzogtümern teilten, beschlossen, den Lübecker Einfluss einzuschränken. Sie bildeten das "Vierstädtegericht". Zukünftig wurde in Kiel, Rendsburg, Itzehoe und Oldesloe entschieden.
1648 übernahm die in Flensburg gegründete Regierungs- und Justizkanzlei, die ein Jahr später nach Glückstadt verlegt wurde und sich "Glückstädter Kanzlei" nannte alle Obergerichts-, Polizei- und Verwaltungsaufgaben sowie die Aufsicht über die unteren Landesbeamten. Ab 1713 war die Glückstädter Kanzlei nur noch für den holsteinischen Teil zuständig. 1834 entstand die Provinzialregierung in Gottorf und die Glückstädter Kanzlei verlor damit ihre Verwaltungsaufgaben.

Lück
Koppel. Eingefriedigtes Landstück.

Lügumkloster / Lögumkloster
Im Jahr 1173 wurde etwa nordöstlich von Tondern von einem Abt und zwölf Zisterzienser-Mönchen (sollte an Jesus und die zwölf Jünger erinnern) das Kloster gebaut. Das Land erhielten sie vom Bischof von Ribe (s. d.)
Die ersten aus Holz errichteten Gebäude fielen bald einem Brand zum Opfer und wurden ab 1225 in Ziegelbauweise neu errichtet.
Nach der Reformation wurde das Kloster 1548 aufgegeben und verfiel. Erhalten blieb die mehr als 700 Jahre alte Klosterkirche. Ihr Glockenspiel mit 49 Glocken stammt von König Frederik IX.. Es war das größte im Norden.
Neben der Kirche befindet sich ein Schloss, das 1581 von dem Herzog von Gottorf als Jagdschloss angelegt wurde.
Lügumkloster ist heute auch eine Kleinstadt typisch deutsch-schleswigscher Prägung.

Lürschauer Heide
Am Ochsenweg (s. d.) in Angeln (s. d.) gelegen. Hier fand am 28. September 1043 die Schlacht an der Lürschauer Heide statt, in der 15.000 Wenden erschlagen wurden. Sieger war König Magnus von Norwegen. In der Schlacht fiel auch der Wendenkönig Ratibor.

Lund
Heuland. Findet sich in Ortsnamen wieder (z.B. Adelbylund).

Lundsgaard
Im 15. Jh. wurde erstmals von dem Gut berichtet. Es war ein Edelgut und Herrenmannensitz (s.d.)
1580 wurde das erste Herrenhaus erbaut das 1730 abbrannte. 1757 folgte das zweite und 1779 erbaute Conrad von der Wisch das jetzige Herrenhaus auf Gut Lundsgaard bei Grundhof. 1867 erwarb es die Familie Petersen. Als Saatzuchtbetrieb wurde es weit über die Grenzen hinaus bekannt. Besitzer waren im Laufe der Jahrhunderte u. a. die Adelsgeschlechter von der Wisch, die von Rantzaus, die von Wulfframsdorf.
1787 wurde das Gut parzelliert.

Luusangeln
(angeliter Platt). Wörtlich: lausiges Angeln. Eine herablassende Bezeichung für den westlichen an die Geest angrenzenden Teil Angelns, der sich durch besonders unfruchtbaren, sandigen Boden auszeichnete. Wer hier lebte hatte schlechte Erträge und war lausig arm.

Luxusverordnung
Am 22. März 1551 wurde für Schleswigs Harden eine Luxusverordnung erlassen. Grund dafür waren die viel zu üppigen Feste bei Hochzeiten, Taufen und Begräbnissen. Zu Hochzeiten durften am 1. und 2. Tag nicht mehr als 30 Personen geladen werden und am 3. Tag nur engste Freunde.
Kindtaufen durften nur noch einen Tag gefeiert werden und zwar nur von den Gevattern, Vater, Mutter, Schwester, Bruder, Kinder und 4 der nächsten Freunde. Es durften nicht mehr als fünf Mahlzeiten gereicht werden. Für jede weitere Person oder jedes weitere Gericht wurden 40 Mark Brüche (s. d.) erhoben


Pfeil oben


M

Maasen, Maahsen
Namensteil aus dem mnd. Für Blutsverwandter oder Freund.

Maagschiften / Maatschiften
1) Das gleiche Maß Landes
2) Ausbau oder Neuaufbau von Hofstellen auf außerhalb gelegenen Grundstücken.

Maatpaas
Behälter der für die Tagesverpflegung eines Feldarbeiters bestimmt war. Auf der einen Seite enthielt er Brot, auf der anderen Seite Butter, Speck, Käse und Wurst.

Mädchenschulen
Reine Mädchenschulen für höhere Töchter entstanden erst Ende des 18. Jh. Bis dahin gab es als reine Mädchenschulen nur Nähschulen für die weibliche Jugend.
1792 gründete Lucie Clasen in Glücksburg eine Mädchen-Pensions-Anstalt. Ausgebildet werden sollten "die jungen Frauenzimmer nicht zu gelehrten Damen sondern zu guten Hausmüttern, vernünftigen interessanten Gesellschafterinnen ihrer einstigen Männer und sorgfältige Erzieherinnen ihrer Kinder."
1795 gründete Johann David Bertels in Flensburg eine Mittelschule der ein "Frauenzimmer" angeschlossen war in dem die Mädchen neben den klassischen Fächern Französisch, Klavierspielen, Zeichnen, Singen, Religion, Sticken, Stricken und Nähen unterrichtet wurden.

Magister
Wörtlich aus dem lat. magister = Lehrer, Meister. Später höherer Verwaltungsbeamter. Im Mittelalter dem Doktor gleichgestellt.

Mahlschatz
Verwandt mit "vermählen", "Gemahl". Schatz, Kostbarkeit.
1) Verlobungsgeschenk des Bräutigams an die Braut. Oft der Ehering.
2) Mitgift, Heiratsgut

Maikäferplagen
1878 in Langballig. Alle Grundeigentümer und alle verfügbaren Personen und Schulkinder mussten in der Feldmark sammeln und die getöteten Maikäfer beim Wirtshaus wiegen und registrieren lassen.
In den Morgenstunden vom 24. bis 27. Mai wurden in der Gemeinde Langballig 1.542 kg Maikäfer gesammelt. Auswärtige die mithalfen wurden mit 20 Pfg./Std. entlohnt.
Saatkrähen galten als größte Vertilger von Engerlingen der Maikäfer und waren von 1785 bis 1865 vom 1. Febr. bis 1. Nov. unter Schutz gestellt und durften nicht gejagt werden.
Siehe auch unter Krähenfest.

Majorat
Ältestenrecht. Beim Erbgang in der Erbfolge nächste männliche Verwandte und bei gleichem Verwandtschaftsgrad der Älteste.
Auch der nach diesem Recht vererbte Besitz wurde als Majorat bezeichnet.

Malefikant / Malefizperson
wörtlich "Schlecht-Tuer". Straftäter, Verbrecher, Übeltäter, Missetäter der eine moralisch, ethisch oder rechtlich verwerfliche Straftat begangen hatte.

Mangelbrett
Hölzerne Gerätschaften zum Wäscheglätten. Mit Namen oder Initialen versehen waren sie das häufigste Hochzeitsgeschenk. Sie waren im Rokoko oft wahrhafte Meisterwerke der Holzschnitzkunst.

Mankjagd / Mankgut / Mankrecht
Begriff aus dem Jagdwesen.
1) Jeder Grundherr, der in einer Dorfschaft Grundbesitz hatte, war befugt auf dem Areal des Dorfes die Jagd auszuüben.
2) Mankgut ist das Gebiet in dem jeder jagen darf. 1700 hieß es: "Ganz Angeln ist Mankgut". Die Mankjagd war dem Wildbestand sehr abträglich und führte zur Ausrottung mancher Wildart. Häufig wurde das Mankrecht vom Adel gekauft.
Siehe auch unter Jagdrecht.

Manndränke / Mandrenke / Grote Mandränke
Manndränke nennt man die Großen Sturmfluten die besonders viele Menschenleben gekostet haben.
1) Erste Grote Manndränke vom 16. Januar 1362. Sie wurde auch 2. Marcellusflut genannt. Sie stieg etwa 2,40 m über die höchsten Deiche und verursachte 21 Deichbrüche. Der Ort Rungholt (s. d.) ging zusammen mit sieben anderen Kirchspielen und 34 Kirchen unter. Es gab 100.000 Tote. Im überschwemmten Wattenmeer entstanden erste Halligen (s. d.)
2. Zweite Grote Manndränke vom 11. Oktober 1634 zwischen Ribe und Brunsbüttel. Sie wurde auch Burchardiflut genannt. Sie verwüstete die gesamte Küste und es kamen 9.000 Menschen und 50.000 Stück Vieh in den Fluten um. Die Insel Strand wurde in zwei Teile (Nordstrand und Pellworm) zerrissen. 21 Kirchen, 1.300 Häuser und 28 Mühlen wurden zerstört.
(siehe auch unter Fluten / Sturmfluten / Hochwasser)

Mannes Haus
Nach Jütischem Recht war Mannes Haus überall, wo er siedelte, ob im Zelt, Erdloch, Holzhütten oder auf einem Schiff. Es war dasselbe, als ob er im eigenen Haus wohnte. Wurde an diesen Stellen Heerwerk (s. d.) (= Hausfriedensbruch, Raub und Verwundung) an ihm begangen, so wurde es wie ein Übergriff im eigenen Haus auf ihn und sein Hab gewertet.

Mantel-Opfer / Mantelgeld
Freiwillige, aber moralisch motivierte finanzielle Verpflichtung der Gläubigen an den Pastor für die Anschaffung seines Ornats bei Amtsantritt zu spenden. Das Mantelopfer gehörte zu den Accidentien (s. d.) des Pastors.

Manufaktur
Vom lat. manus = Hand und factura = machen oder herstellen. Übergangsform vom Handwerk zur Fabrik. (Dampfmaschine 1832, Industrialisierung der Ölfabrikation und der Eisengießereien 1842, in Flensburg).
Flensburg hatte 1846 87 Fabriken, Neumünster 65, Hardersleben 41 und Kiel 40.
Der Begriff von Fabrik - Manufaktur - Industrie war über lange Zeit hinweg fließend und nicht definiert.

Marchandise
(franz.) Handel mit Waren aller Art.

Margarethenschrank / Margarethenspende
Der Margarethenschrank war Gegenstand einer Stiftung, die der Bauer Johannes Adolf Jacobsen, Norderbrarup dem Wunsch seiner früh verstorbenen Tochter Margarethe entsprechend, ins Leben rief. Diese Margarethenspende, ein Schrank, der Krankenpflegeartikel enthielt und allen Dorfbewohnern offen stand, ging auf das Jahr 1895 zurück. Von Norderbrarup ausgehend verbreitete sich der Gedanke der Margarethenspende über ganz Angeln, Schleswig-Holstein und über seine Grenzen hinweg aus. Später wurde er Kernstück vieler Diakoniestationen.

Marineschule Flensburg
Offizierschule der Deutschen Marine in Flensburg-Mürwik. Von 1907 bis 1910 wurde sie von Baurat Adalbert Kelm nach dem Vorbild der Marienburg an der Flensburger Förde errichtet und wurde auch "Rotes Schloss am Meer" genannt. Sie wurde als Marineakademie der Kaiserlichen Marine gebaut und diente später auch der Reichsmarine und der Kriegsmarine als Ausbildungsstätte für Seeoffiziere.
Ab dem 3. Mai 1945 wurde die Marineschule für kurze Zeit unter Großadmiral Dönitz Sitz der geschäftsführenden Deutschen Reichsregierung. Am 23. Mai 1945 besetzten die Alliierten den Sonderbereich Mürwik und verhafteten die Regierung Dönitz.
Die Marineschule wurde Lazarett und dann Pädagogische Hochschule und Zollschule. 1956 nach Gründung der Bundeswehr wurde sie wieder Ausbildungsstätte für Offiziere der neuen Bundes-Marine.

Mark
Ackerflurstücke.

Mark Geld
Im Jütischen Recht gemünztes Geld im Gegensatz zum ungemünzten Silber und Gold. Das Wertverhältnis von Mark Geld zu Silber war ursprünglich 3 : 1, dann 2 : 1. Die einzige geprägte Münze war der aus dünnem Silberblech gestanzte Hohlpfennig oder Brakteat. Alle übrigen Geldwerte waren nur Rechnungseinheiten. Im 13. Jh. wurde Mark Goldes (s. d.) eingeführt.

Mark Goldes
Uralte Taxierung des Grundbesitzes zur Steuerberechnung. Z.B. 1 Mark Goldes = 7 Tonnen Haferland oder 25/8 Tonnen Hartkorn.
1 Mark Goldes hatte den achtfachen Wert von 1 Mark Silbers.
Bevor es Geld gab, waren Gold und Silber Zahlungsmittel die als kleine abgewogene Stücke mit Marken (Prägungen) versehen wurden. Daher kam der Begriff Mark. Auch der Wert des Landes wurde nach Mark Goldes gerechnet. 1 Mark Goldes = etwa 60 Morgen = 15 ha.

Marsch
(von Mare = Meer abgeleitet) Niedriges dem Meer abgerungenes (s. u. Koog) an das Meer angrenzendes fruchtbares Land. Die Marsch ist ein flacher Landstrich ohne natürliche Erhebungen. Sie liegt landeinwärts des Watts und erhebt sich nur gering über den Meeresspiegel. Entstehungsgeschichtlich gehören die Marschen zu den jüngsten geologischen Formationen.

Marschfieber
Besonders in Feuchtgebieten durch Mückenstiche übertragenes Fieber. Auch "Sumpffieber", "heimische Malaria" oder "Kaltfieber" genannt. 1826 und 1827 nach der Sturmflut von 1825 starben an der Nordseeküste viele Menschen an Marschfieber.
Auch beim Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals (s. d.) sollen viele Arbeiter am Marschfieber gestorben sein.

Martje Flors
Sage über ein Mädchen, das wirklich gelebt hat. Sie wurde am 21. April 1698 in Katharinenheerd auf Eiderstedt geboren. Sie hatte einige Schicksalsschläge wie den Tod der Mutter, den Tod des Vaters und der Geschwister in den Wirren des Nordischen Krieges zu überstehen. Als im Jahr 1713 die Pest in Eiderstedt grasierte hatte sie auch diese zu ertragen. Sie erbte schon sehr jung, nach dem Tod ihrer Verwandten den elterlichen Hof.
1700 war der Ort während der Belagerung Tönnings von feindlichen Truppen besetzt. Sie hatten auf dem Hof von Martje Flohrs Eltern Quartier genommen und hausten und zechten arg und drangsalierten die Familien und das Gesinde. Martje war damals im Jahre 1708 ein kleines, zehnjähriges aber von den Schicksalsschlägen gereiftes Mädchen, als die grölenden wüsten Zecher sie aufforderten auch eine "Gesundheit" auszusprechen. Ernst nahm sie das Glas und sprach mit Bedacht:
"Idt gah uns wol up unse ahle Dage" ("Es gehe uns wohl im Alter") und stellte das Glas ruhig ab.
Von dem Ernst und der Würde ihrer Worte betroffen zogen die Zechgenossen ruhig und beschämt von dannen.
Noch heute ist es der Trinkspruch der Eiderstedter.

Maße und Gewichte
Siehe unter: Gewichte - Flächenmaße - Hohlmaße - Längenmaße - Zählmaße.

Mäuseplage
1637 gibt es in Schleswig-Holstein eine verheerende Mäuseplage.

Matrikel
Stammrolle. Verzeichnis von Personen, Einkünften, Vermögen für amtliche Zwecke.

Martrikelbuch
Ab 1688 Nachfolgeverzeichnis von Waldemars Erdbuch.

mater
(lat.) Mutter

matrina
(lat.) Taufpatin, Gevatterin.

matrinia
(lat.) Stiefmutter.

Matschop
Haushalt.

Matte
Mahllohn. Vom Müller einbehaltener Teil (etwa 4 %) des Mahlgutes bei einem Mahlvorgang als Bezahlung für seine Arbeit. In Nordfriesland betrug die Matte für Roggen und Weizen ein Sechzehntel.

Mattpaaß
Verpflegungsbeutel von Soldaten die zum Militärdienst einberufen wurden. Er wurde von der Familie aus der sie fortzogen als Wegzehrung mitgegeben.

Meede / Meedeland
Leichteres, an die Geest anschließendes Marschland in Form einer Allmende (s. d.) zur Heugewinnung. Eine Meede zerfiel in mehrere Teile die durch Gräben voneinander getrennt waren.
Die Ansprüche der Interessenten (s. d.) am Meedeland waren in dem Meedeschiftebuch niedergelgt.

Meeresleuchten
Lichterscheinungen am Meer, die durch Ansammlungen von Mikroorganismen erzeugt werden. Es ist ein Phänomen der Biolumineszenz (Lebewesen die Licht erzeugen). Beim Meeresleuchten leuchtet nicht das Meer, sondern die im Seewasser befindlichen Kleinstlebewesen, sodass das Meer blau bis grün luminesziert. Durch Berührungsreiz (z. B. Gehen durchs Wasser, Wellenbewegung) werden unterschiedlich lange Lichtsignale ausgesendet die zu dem Leuchten führen. Selbst der seenahe Sand des Strandes leuchtet wenn er bewegt wird.

Meiereien
Bis in die zweite Hälfte des 19. Jh. butterten die Bauern selbst. Am 1. März 1874 taten sich die Bauern der Dörfer Bönstrup und Voldewra zusammen, bildeten eine Molkereigenossenschaft und bauten die erste Meierei Angelns. Die nächste schon bestehende war die in Sundewitt/Alsen.
Die fertige Meierei wurde von der Genossenschaft an einen Pächter vergeben.
Neben der Meierei wurde in Voldewra ein großer Schweinestall gebaut, um die abgerahmte Milch zu verfüttern. Die Zentrifuge war noch nicht erfunden. Erst 1887 wurde vom Sattenbetrieb (s. d.) (Abrahmen in großen Bottichen) auf Zentrifugalbetrieb umgestellt. Die Schweinemast wurde eingestellt und die Mager- und Buttermilch an die Bauern zu eigener Schweinemast zurückgegeben.

Meierhöfe / Meyerhöfe
Auch Vorwerk (s. d.) genannt. Größere Höfe mit besonderen Freiheiten, Privilegien aber auch besonderen Aufgaben für das zugehörige Herrengut. Sie waren von Bürden (s. d.) und Diensten befreit, hatten aber dafür zu sorgen, dass die unfreien Bauern ihre Pflichten gegenüber dem Gutsherren einhielten. Sie waren oft Mittler zwischen Gut und Bauerntum.
Viele Meierhöfe entstanden durch Bauernlegen (s. d.) und Wüstungen (s. d.). Weiter von den Adelsgütern entfernte niedergelegte Höfe wurden zu mehreren zu einem Meierhof zusammengelegt und vom Adelsherrn an Pächter vergeben. Sie erreichten manchmal selbst die Größe von Gütern oder konnten wie z. B. Toestorf selbst zu adligen Gütern aufsteigen. In Angeln ließen sich 17 Meierhöfe nachweisen: Ruhkroog (zu Buckhagen), Rossgaard (zu Glücksburg), Toestorf (zu Roest), Obdrup (zu Satrupholm), Dollrott (zu Satrupholm), Börsby (zu Buckhagen), Hasselberg (zu Oehe), Friedrichstal (zu Nübel), Priesholz (zu Gelting), Nottfeldf (zu Lindau), Rehberg (zu Satrupholm), Schrixdorf (zu Mohrkirchen), Brunsbüll (zu Satrupholm), Philipstal (zu Nübel), Drült (zu Rundhof), Nadelhöft (zu Gelting), Pommerby (zu Düttebüll)
Einige an Holländer verpachtete Meierhöfe nannte man auch Holländerei (s. d.)

Meierwik
Ortsteil von Glücksburg (s. d.) an der Flensburger Förde und Standort des Flottenkommando der Deutschen Marine und Hauptquartier des Befehlshabers der Flotte. Er trägt den Dienstgrad Vizeadmiral und ihm sind die schwimmenden und fliegenden Verbände der Marine unterstellt. Er ist dem Inspektor der Marine im Bundesministerium der Verteidigung unterstellt.
Untergebracht ist das Flottenkommando in einer Kasernenanlage die vor dem 2. Weltkrieg als Teil der Marineschule (s. d.) entstanden war. Die Führungszentrale (Marinehauptquartier) befindet sich in einer tiefen unterirdischen Bunkeranlage.

Melioration
Kulturtechnische Maßnahme zur Ertragsverbesserung von Böden.

Memento
Erinnerung, Nachruf. mento mori "Gedenke des Todes".

Mennoniten
Reformierte christliche Glaubensgemeinschaft in der Tradition der Wiedertäuferbewegung, die auch "Altevangelische Taufgesinnte" oder "Alttäufer" genannt wurden.
Ab 1752 in Eiderstedt niedergelassene Holländer waren durchweg Mennoniten. Sie waren evangelische Taufgesinnte in der von Menno Siemens (1496 - 1561) gegründete Religionsgemeinschaft, die Kindertaufe, Kriegsdienst, gerichtlichen Eid, Ehescheidung, jegliche Gewalt, das Bekleiden öffentlicher Ämter u. a. ablehnte. Mennoniten feierten das Heilige Abendmahl, das häufig von einer Fußwaschung begleitet war. Ihre Lebensart war bescheiden, ihre Kleidung war einfach.
In den Herzogtümern Schleswig und Holstein wurden ihnen Sonderrechte gewährt; sie brauchten keine Eide zu schwören (huldigen) und waren vom Waffendienst befreit, wofür sie jedoch besondere Steuerzahlungen zu tragen hatten. Diese Privilegien blieben auf Glückstadt und Friedrichstadt beschränkt. Sie galten neben den Remonstranten als Mitbegründer dieser Städte.

mercartor
(lat.) Händler, Kaufmann.

Mergel, mergeln
Sedimentgestein aus Ton und Kalk. Mergel wurde in sog. Mergelkuhlen gegraben und zum Kalken der Felder verwandt. Pionier und leidenschaftlicher Verfechter des Mergelns in Angeln war der bekannte Agronom Jacob Iversen von Schwensbyhof.
Mergel enthält als Pflanzennährstoff hauptsächlich Kalk. Es fehlen aber die anderen Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kali.
Wurde nur einseitig mit Mergel gedüngt verarmten die Felder bald an diesen Nährstoffen. Sie galten als "ausgemergelt".
Der Abbau von Mergel erfolgte bis etwa 1900 von Hand mit Mergelspaten, Spitzhacke und Karre in Mergelgruben. Um die Schuhsohlen beim Eindrücken des Spatens in den Mergel zu schonen, waren sie mit Eisenplatten verstärkt. Oft drang Wasser in die Mergelkuhlen ein. Es war eine sehr schwere Arbeit. Trotzdem machten einige Mergelknechte die Arbeit zum Beruf und zogen von Hof zu Hof.

Mesalliance
(franz.) Missheirat, unglückliche Verbindung.

Metronymische Namensgebung
Im Gegensatz zur patronymischen Namensgebung (s. d.) die sich im Norddeutschen durch Anhängen von sen an den Vornamen des Vaters bildete, bezieht sich die metronymische Namensbildung auf den Vornamen der Mutter. Letzteres war fast nur in Frankreich gebräuchlich.

Meyer / Meier
auch Bryde. Ein vom König oder adeligem Gutsherrn eingesetzter Verwalter auf einem Meyerhof, der als unfreier Bauer aber mit Privilegien ausgestattet, anzusehen war und nebenbei die königliche oder adelige Lokalverwaltung ausübte.
(siehe auch unter Meierhof)

Miethsmann / Mietsmann
Jemand, der in einem Ort zur Miete wohnte. Mitbewohner ohne Eigentumsrecht. Auch ein fremdbürtiger oder eingewandeter Bürger oder nicht eingebürgerter Insasse. Eine Bezeichnung, die auch für Hausmann, Inste, Untersasse oder armen Hufner angewandt wurde.
Eine Bezeichnung die sowohl bei den Volkszählungen als auch von vielen Schriftstellern wie Theodor Storm, Gottfried Keller, Gebrüder Grimm, Grillparzer, Wilhelm Raabe u.v.a. gebraucht wurde.


miles
(lat.) Ritter, Soldat, Reiter.

militis proles
(lat.) Soldatenkind.

Minderbrüder / Graubrüder
Mönche des Franziskanerordens. Das Auffallendste an ihnen war ihr Armutsanspruch und ihre Besitzlosigkeit. Sie betätigten sich als Bettelmönche (sie bettelten für andere Arme) und als Wanderprediger. Erste Franziskaner in Flensburg fanden 1379 als Minderbrüder Erwähnung. Graubrüder hießen sie auch wegen ihrer armseligen einfachen grauen Kutten.

Minderstadt
Ort mit eingeschränktem Stadtrecht. Das wichtigste Recht einer Minderstadt war das Marktrecht. Ihre wichtigste Aufgabe war es den umliegenden Raum mit Waren und Gütern zu versorgen. In Norddeutschland war für Minderstädte die Bezeichnung Flecken (s. d.) gebräuchlich.
Verwaltungs- und Gerichtsrecht hatte eine Minderstadt nicht.

Minorat
Beim Erbgang der Jüngste.

minoren
(lat.) minderjährig.

Missernten
1690 gab es eine starke Missernte in Angeln. Es gab kein Futter fürs Vieh und für die Pferde als Zugkräfte.
1800 Missernte in Schleswig-Holstein.
(unvollständig - in Bearbeitung)

Missingsch
Nordisches Sprachgemisch aus Hochdeutsch und Pattdeutsch.

Missive
Sendschreiben, Botschaften.

Missunde / dän. Mysunde
Alter Fährort an der schmalsten Stelle der Schlei (s. d.) Im Jahr 1115 wurde der Ort erstmalig als Fährort erwähnt. Da sich zeitweilig auch die Wenden hier ansiedeln wollten, war diese Gegend schon frühzeitig stark umkämpft. Die Missunder zogen sich auf die schwer zugängliche Burg in Brodersby zurück.
1656 richteten die vom Kriegszug gegen die Polen zurückkehrenden Truppen von König Karl X. Gustav von Schweden in Missunde schwere Schäden an.
Am 12. 9. 1850 wurde Missunde in den Schleswig-Holsteini- schen Krieg verwickelt und littt sehr. Das gleiche galt für den 2. Februar 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg.

Mittelplate
Größtes deutsches Ölfeld in der Nordsee auf der Sandbank Mittelplate. Gefördert wird von der gleichnamigen Bohr- und Förderinsel die ab 1985 gebaut wurde. 1987 wurden drei Probebohrungen niedergebracht. Diese Pilotförderung lief bis 1991. Die Größe der Lagerstätte wird auf 100 Millionen Tonnen geschätzt, von denen bereits 20 Mio Tonnen gefördert wurden. Die Jahresproduktion beträgt 1,6 Mio Tonnen. Das Öl liegt in mehreren Schichten zwischen 2000 bis 3000 m Tiefe. Der volkswirtschaftliche Nutzen beträgt mehrere Milliarden Euro.
Das geförderte Öl wurde bis 2005 mit Öl-Transport-Leichtern (Schiffen) zum Ölhafen Brunsbüttel gebracht. Im Sommer 2005 wurde eine 10 Km lange Öl-Pipeline mit 25 cm Durchmesser durch das Watt bis Dieksand gelegt. Das Rohöl wird in einer Temperatur von 60° C durch die Rohre gepumpt.
Seit 2000 wurden auch sieben Horizontalbohren vom Festland aus in einer Länge zwischen 7.727 m und 9275 m zum Ölfeld Mittelplate gebohrt, um das Feld von Land aus zu erschließen.
2005 wurde auf der Mittelplate eine neue 70 m hohe Bohranlage errichtet. Damit wurde die Erschließung des Ölfeldes von 2000 auf 6000 m Radius erweitert und damit neue Lagerstellen erschlossen.
Heute geht man von einer gewinnbaren Reserve von 180 Millionen Barrel aus. Der Wert dieses Bodenschatzes wird 2008 auf einen Betrag im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich geschätzt.
Um die Fördermengen und die Bohrungen zu erhöhen, wurde 2008 ein leistungsstarkes Stromkabel von Friedrichskoog aus verlegt.

Mittwochsgottesdienste
(s. u. Katechismusexamina).

Möweninsel / Möwenkönig
Von Möwen besiedelte Insel in der Schlei bei Schleswig. 1740 wurde das Betreten der Insel während der Brutzeit mit drei bis fünf Tagen Gefängnis geahndet. Nach Beendigung der Brutzeit wurden die Möwen bei einem Volksfest einen Tag im Jahr für das gemeine Volk freigegeben. Dieses als "Möwenpreis" bezeichnete Fest fand immer an einem Sonnabend statt und der Stadthalter musste anstelle des Königs den Königsschuss abgeben. Als es 1878 zu einem richtigen ausuferndem Volksfest wurde, wurde es kurz danach verboten. Der Genuss der Möweneier ging aber noch bis 1989 weiter. Früher wurden Möwen gebraten und gegessen.
1834 wurde ein Möwenkönig gewählt der für eine Pacht die Möweneier sammeln und verkaufen durfte. Bis dahin war der Möwenkönig dafür zuständig die Möweneier für die herzogliche Tafel einzusammeln und die Gelege vor Dieben zu schützen.
Heute ist die Insel Vogelschutzgebiet.
Im Mittelalter hatte Knud Laward eine Burg (Castellum), die "Jurians- oder Jürgensburg" auf der Möweninsel gebaut.

Mohrkirch / Mohrkirchen, Gut
Aus dem Kloster Mohrkirch (s. d.) hervorgegangenes Gut. Mit dem Edelhof wurden gleichzeitig gekauft zwei wegen der Pest wüste Feldmarken Baustrup und Spenting, eine Mühle mit drei gestauten Teichen. Besiedelt war Mohrkirch aber schon früher.
1360 war Mohrkirch im Besitz der Adelsfamilie Lembeck. 1391 verkaufte der Knappe Marquard Brockdorf für die drei erbberechtigten Kinder von Emeke Lembeck den Hof to Moerker an Iwen Reventlow. Dieser verkaufte das Gut später an den an den Antoniterorden.
1541 nach der Auflösung des Klosters kam der Klosterbesitz 1544 bei der Landesteilung an Herzog Adolf, der es aber noch im selben Jahr an Otto von der Wisch verpfändete.
Aus den ehemaligen Klosterbesitzungen wurde das Amt Mohrkirch, die Klostergebäude wurden zum Amtsahaus und der Hof insgesamt zur herzoglichen Domäne.
1572 wurde das Dorf Schrixdorf niedergelegt, aus den Ländereien wurde der Meierhof Schrixdorf gebildet und dem Gute Mohrkirchen zugeschlagen.
Das Gut Mohrkirchen wurde gemeinsam mit dem Amt an Amtmänner, meist Adelige verpachtet und von einem Amtsschreiber verwaltet. 1631 kamen das Gut Satrupholm mit den Vogteien Carswra, Dollrott und Langstedt zum Gut Mohrkirchen.
Der Amtsverwalter hatte gegenüber seinen Untertanen eine fast uneingeschränkte Befehlsposition. Die Untertanen waren zwar diernstpflichtig aber nicht Leibeigen. Ob so oder so, ihr Schicksal hing immer vonm jeweilgen Amtsverwalter, der auch ihr Gerichtsherr war, ab. Im gegenzug gewährte das Gut den Untertanen auch Schutz. Das war besonders während des 30jährigen Krieges von Nutzen. Von 1643 - 1645 kam es zu zahlreichen Einquartierungen, und zu Plünderungen durch die schwedischen Truppen.
1777 wurde das Gut Mohrkirch niedergelegt und auch das Amt Mohrkirchen wurde offiziell aufgelöst und kam 1778 zum Amt Gottorf.

Mollbrett
(Nordfriesisch) Ackergerät das dazu bestimmt war den aus den Entwässerungsgräben ausgehobenen Modder gleichmäßig über die Felder zu verteilen. Das Mollbrett wurde von zwei Pferden gezogen und fand in ganz Friesland Verwendung.

Monatsnamen, alte ...
Deutsche Monatsnamen tauchten im Schrifttum um 800 n. Chr. das erste Mal auf. In der deutschen Mundart gab es für die zwölf Monate über 200 verschiedene Namen.
Im Norden wurden die alten germanischen Namen übernommen
Januar = Hartung, Eis- oder Wolfsmond. Bedeutet "viel"
viel Schnee, viel Eis, viel Kälte
oder Monat des harten Frostes.
Februar = Hornung. Kam von hornen, = sich paaren
oder vom Abwurf des Geweihs des Hornwildes.
März = Lenzing = Frühlingsmond
April = Ostramon. Nach der Göttin der Morgenröte
Ostara. Auferstehung der Natur.
Mai = Winnemond = Weidemonat. Heute umgedeutet
zu Wonnemond.
Juni = Brachet, Brachmond = die Felder liegen brach.
Früher Zeit des Umpflügens.
Juli = Heuert = Heumond. Die Felder wurden gemäht.
es gab das erste Heu.
August = Ernting = die Ernte wurde eingebracht.
September = Scheiding = der Sommer scheidet von uns.
Trennung der hellen von den dunklen Monaten.
Oktober = Gilbhart = gilb = gelb, Monat der Laubfärbung.
Der Wald vergilbt.
November = Nebelung = viel Nebel
Dezember = Julmond = Jul = größtes Fest der Germanen.

Monatsschatz
Aus der "ordinären Kontribution" (s. d.) für den Erhalt des stehenden Heeres in Friedenszeit wurde eine monatlich, mit dem 12. Teil zu entrichtende Steuer der Monatsschatz. Er betrug die unvorstellbar hohe Summe von jährlich 25 Talern je Hufe.

Mooring
Nordfriesischer Dialekt wie er in der Bökingharde um Niebüll und in Risum-Lindholm gesprochen wurde.

Moos
Moor.

Morbus Koch
Tuberkulose. Morbus = Krankheit, Koch = erstmals von Koch beschrieben.

Mordfälle und Urteile in alter Zeit
(Beispiele)
Anno 1556 wurde Nickels Sievers im Kirchspiel Tönning zu nachtschlafender Zeit, als er lustig singend nach Hause ging von Tete Peters und seinen drei Brüdern entleibt. Der Mörder wurde gefangen und mit einem Beil enthauptet, weil die Enthauptung mit dem Schwert zu teuer geworden wäre.
Anno 1575 gerieten zwei Brüder in Streit. Der Jüngere zog sein Messer und erstach seinen Bruder. Nach Eiderstedter Recht wurde er dazu verurteilt unter dem Galgen lebendig begraben zu werden. Ein Pfahl sollte durch seinen Leib geschlagen werden. Er wurde dann aber doch zum Tod mit dem Schwert begnadigt.

1565 beging der Ehemann Mom Levsen einen heimtükischen gemeinen Mord an seiner Beischläferin (Geliebte) die einen Jungen von ihm hatte. Als sie wieder schwanger von ihm wurde, lockte er sie in einen Hinterhalt, überfiel sie mit zwei anderen Schelmen, band ihr einen Stein um den Hals und warf sie ins Meer. Genauso machten sie es mit ihrem Sohn.
Am 24. August wurde Mom für diese Tat aufs Rad gebunden und jämmerlich gebrochen und gerädert.

Um 1600 trieb ein Bauer sein Pferd um die Zollstelle herum (Unterschleif s. d.) um der Zahlung zu entgehen. Er wurde aber gefasst und der Amtmann Otto von Qualen machte dem Viehhändler den Prozess und dieser kam dafür an den Galgen.
Am 19. Juli 1607 wurde Junge Back, als alle in der Kirche waren, von einem dänischen Arbeiter mit Namen Peter Jürgens mit Junge Backens eigenem Beil erschlagen. Der Mörder versteckte sich, wurde aber in einer Scheune mit dem Mordbeil angetroffen. Er wurde auf dem Rad hingerichtet. Er lebte noch als er auf das Rad gebunden wurde. Das Beil wurde mit ihm auf das Rad genagelt.

Am 13. November 1786 erstach bei einer Rast in Fahrentoft ein 17jähriger Wandergesell seinen 19-jährigen Kameraden der mit ihm gerade noch einen Apfel geteilt hatte aus Gier nach dessen Talern. Der Mörder wurde unter dem Galgen von Klockries enthauptet.

Am 8. 8. 1866 wurde in Großcampen im Kirchspiel Garding Hofbesitzer Joh. Thode nebst seiner Frau, Tochter und vier Söhnen und den Dienstmädchen ermordet.

Edlef Edlefsen (um 1700) wohnte auf der Westerwarft von Diedersbüll. Er war für seine Händelsucht und für Gewalttaten bekannt. Einen Beamten, der ihn in Strafe nehmen sollte warf er in den Soodbrunnen und ertränkte ihn. Die Untat kam ans Licht und er wurde am Galgen hingerichtet.
Galgen, Rad, Schwert und Feuer waren die Hinrichtungsarten. Gelang es nicht namentlich bekannte Mörder zu fassen, so wurden sie am Grab des Opfers "gebannt" d. h. für friedlos (volgelfrei) erklärt. Jedermann durfte sie nun töten.
Dieben wurde z. B. ein Ohr abgeschnitten.
Wer einen Dieb in seinem Haus oder auf seinem Hof ertappte durfte ihn erschlagen, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

Morgen
(Mg) Altes Flächenmaß. Ursprünglich die Fläche, die mit einem einschaarigen Pferde- oder Ochsengespann an einem Vormittag pflügbar war. Innerhalb Deutschlands gab es Schwankungen von 2000 bis 10.484 qm.

Morgengabe
In der heidnisch-germanischen Munt-Ehe (s. d.) war die Morgengabe ein wesentlicher Teilaspekt des Eherechts. Die Morgengabe folgte auf das Beilager (s. d.)m (Hochzeitsnacht) und war Teil des ehelichen Güterrechts.
"So muß man der Frau in die Ehe geben: Sobald sie (die Eheleute) in das gleiche Bett und unter die gleiche Decke gekommen sind, hat sie Anspruch auf einen dritten Teil an der Wirtschaft und drei Mark zur Morgengabe von seinem Vermögen".
Die Morgengabe wurde nach dem Aufstehen vom Beilager gegeben.

Mormonen
1830 gründete Joseph Smith in den USA die Kirche der Mormonen. 1838 wurde sie "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" genannt. Ihre Anhänger schufen eine weitere Heilige Schrift die sie das "Buch Mormon" nannten, von dem sich auch ihr Name ableitet.
Zum Glauben der Mormonen gehört auch die Ahnenforschung. Sie suchen nach ihren Vorfahren um die heutigen Familienmitglieder stellvertretend für die Verstorbenen taufen zu lassen (Tottaufe). So wurden verstorbene Angehörige posthum zu Mormonen. Seit 1838 haben die Mormonen insgesamt rd. drei Milliarden Familiendaten aus 110 Ländern zusammengetragen.
Die Mormonen haben damit in Salt Lake City in Utha USA das größte Ahnenforschung-Genealogie-Archiv auf Mikrofilm und Mikro-Fiches der Welt.
Erfasst werden Geburten, Taufen, Trauungen aber keine Todeseintragungen. Die Ereignisorte beziehen sich auf die jeweilige Quelle (Kirchenbuch) und nicht auf den Ort des Ereignisses (Geburt, Taufe, Trauung).
Zu DDR-Zeiten hat die DDR Kirchenbuch-Eintragungen gegen Devisen an die Mormonen weitergegeben.
Die Genealogische Forschungsstelle für Schleswig-Holstein befindet sich in Kieler Straße 333, 24536 Neumünster, Tel. 04321 - 38548.
Internetadresse: http:/ / www.familysearch.org.

mors voluntaria
(lat.) Selbstmord.

mortuus
(lat.) gestorben.

Motte
frz. motte = Klumpen, Erdsode. Ursprünglich für Erdhügel.
Germanische in Holzbauweise errichtete meist turmförmige Burg, die auf einem künstlich angelegten Erdhügel stand. Weitere Bezeichnungen sind Turmhügelburg, Erdhügelburg oder Hausberg. Heute unterscheidet man in drei Typen:
Großmotten über 10 m Hügel-Höhe.
Motten von 5 - 10 m stellen die Mehrzahl dar.
Kleinmotten unter 5 m Hügel-Höhe.
Eine kleine Turmhügelburg war in zehn Tagen erbaut. Holz und Erde waren überall reichlich vorhanden. Entlang des Heerweges (s. d.) gab es viele Motten. Die größeren dienten der Flankensicherung des Danewerks ebenso wie der Sicherung des Schiffsverkehrs auf den Flüssen.

Mühlenzwang
Ältestes Bannrecht. Zwangsrecht. Mittelalterliche Pflicht für die Bauern ihr Korn bei der Pflichtmühle ihres Grundherrn (Gutsmühle, Mühlenpächter bei Adel, Kirche, Kloster) mahlen zu lassen. Der Mühlenzwang ist fast so alt wie das Christentum in Angeln, also etwa 1000 Jahre.
Für Dithmarschen bestand als Ausnahme in Schleswig-Holstein, nie ein Mühlenzwang.
Nach einer Verordnung von 1782 fielen in Schleswig-Holstein auch die adeligen Güter nicht mehr unter den Mühlenzwang. Sie bekamen hingegen das Recht Mühlen zu betreiben und Untertanen aus ihren Distrikten als Zwangsgäste an ihre Mühlen zu weisen. Von 261 in Südensee bis 1371 Zwangsgäste pro Mühle in Gelting schwankte deren Anzahl.
Nicht unter den Mühlenzwang fiel der Buchweizen. Hier konnte man alle Graupen- und Grützmühlen (Rossmühlen s. d.) aufsuchen oder auch selbst mahlen.
Die Ausnutzung der Naturkräfte und damit auch das Anlegen von Mühlen war das alleinige Recht des Grundherrn (Könige, Landesfürsten, Klöster, Städte). Diese teilten ihr Gebiet in Mühlenbezirke ein und errichteten ihre Mühlen. Je mehr Zwangspflichtige eine Mühle hatte, desto größer wurde ihr Wert. Aus diesen Zwangsverpflichtungen schöpfte der Grundherr seine Mühlenabgaben. Ein Vertragsverhältnis bestand aber nur zwischen dem Grundherrn und dem Mühlenpächter (Zwangsmüller).
Die Revolutionswellen 1789 und 1848 schwabten auch auf Schleswig-Holstein über und brachten den Mühlenzwang in arge Erschütterung.
Am 1. 1. 1853 wurde der Mühlenzwang gesetzlich aufgehoben. Den Zwangsmüllern wurde noch eine Übergangszeit von 16 Jahren gewährt.

Münzen und Geldwesen
In der Frühzeit gab es keine nationalen Währungen. Unabhängig von ihrer Herkunft galten alle Münzen als Zahlungsmittel. Ihr Wert richtete sich nach dem Gehalt an Edelmetallen (zumeist Silber). Papierne Banknoten wurden in Europa erst im 17. Jahrhundert gedruckt und zwar 1661 in Schweden.
Eine besondere Stellung in Norddeutschland und Dänemark nahm Nordfriesland in der Münzprägung ein. Hier wurden die ersten Goldmünzen geprägt. Im Jahr 1522 ließ der Gottorfer Herzog Friedrich I., der ein Jahr später König von Dänemark wurde, die berühmten "Husumthaler" prägen. (Bei Münzsammlern heute eine kostbare Rarität). Die damaligen Hansestädte Hamburg und Lübeck fingen erst 1537 mit der Talerprägung an.
Vor 1522 kannte man nördlich der Elbe nur kleineres Geld: Pfennige, Dreilinge, Sechslinge, Bracteaten, Schillinge und Mark. Daneben gab es aber schon Goldmünzen wie Gulden und Dukaten. Im Geldverkehr des Landes spielten sie keine Rolle.
1788 bekamen die Herzogtümer eine eigene Silberwährung und es wurde das erste Papiergeld herausgegeben.
1814 wurde die erste Sparkasse in Glücksburg eröffnet und 1819 in Flensburg.

Münzeinheiten / Währungen
1/2 Pfund Goldes = 1 Mark Goldes = 8 Mark Silbers
1 Reichstaler Courant (Rthl. Crt.) = 3 Mark Courant (lübsch) (Mk. Crt.) = 48 Schilling (ß) je 12 Pfennig, Umrechnungswert = 3,60 M in Markwährung = 4 Spezies *
1 Reichstaler (Rth) = 1,6 Reichsbanktaler (rbß)
1 Reichsbanktaler (Rbtlr.) = 0,625 Reichstaler = 96 Bankschilling (bß) = 30 Schilling (ß) Courant = Taler Reichsmünze (R.M.) seit 1854 = 2,25 M in Markwährung
1 Mark = 16 Schillinge (ß)
1 dänische Mark = 1 Pfund markiertes Silber = 8 Oere zu je 3 Ortug zu je 8 Pfennig
1 Dänische Krone 1/2 Reichsbanktaler = 100 Oere = 1,125 Mark.
1 Mark Korn (1 Last) = 8 = Oere = 24 Ortug = 240 Schipp
1 Schilling = 2 Sechslinge
1 Sechsling = 2 Dreilinge
1 Spezies = 3 Mark Courant
1 Silbermünze (S.M.)
1 Preußischer Thaler (Pr. Thlr.) = 30 Silbergroschen (Sgr.) = 40 Schilling (ß) Courant = 3,- M in Markwährung
1 Reichstaler hatte nicht immer den gleichen Wert. Von 1574 bis 1580 galt ein Thaler 36 ßl lübsch, dann bis 1609 33 ßl, stieg 1609 auf 36 ßl, 1610 auf 37 ßl und so fort bis 1619 auf 48 ßl. Im Mai 1622 wurde der Thaler auf 48 ßl gesetzt, bei dem es blieb. (ßl = Schilling lübsch)
1 Reichsbankthaler (rbß)
1 Speziethaler (anno 1807) = 3 MK Crt. 12 ß = 60 ß = 4,50 M in Markwährung
1 Schilling = 3 Witte = 12 Pfennig = 71/2 Pg. In Markwährung
1/2 Schilling = 1 Sechsling = 2 Dreiling = 6 Pfennig

Muntehe
Die im Mittelalter gebräuchliche Form der patriarchalischen Ehe. Sie war ein reines Rechtsgeschäft zwischen zwei Familien. Der Wille der Frau spielte keine Rolle, da sie von allem Geschäftlichen ausgeschlossen war. Sie war lediglich Vertragsobjekt. Die Übergabe der Braut erfolgte gegen bare Zahlung des ausgehandelten Preises.
Die heidnisch-germanische Eheschließung in Form der Munt-ehe setzte sich im Wesentlichen aus mehreren rechtlichen Teilakten zusammen. 1) dem Sippenvertrag bzw. der Verlobung, 2. der förmlichen Übergabe der Braut, 3. der feierlichen Heimführung oder Brautfahrt und dem Beilager und schließlich der Morgengabe. Heimführung und Beilager hatten in der Abfolge einen wesentlichen Stellenwert und mussten öffentlich bezeugbar sein, um Rechtskraft zu erlangen.
Adelshäuser nutzten die Muntehe um nähere verwandtschaftliche Verbindungen ihrer Besitztümer zu erreichen. Das Alter der Heiratskandidaten spielte dabei keine Rolle. Jungen waren mit 12 - 15 und Mädchen mit 13 Jahren (im Spätmittelalter mit 16 Jahren) heiratsfähig. Der Adel hielt sich aber nicht daran und so wurden schon fünf- und zweijährige Söhne und Töchter verehelicht.
Auch bürgerliche und bäuerliche Kinder hatten sich dem Willen der Eltern ohne Widerstand zu fügen. Liebe und Zuneigung waren keine Leitbegriffe einer Ehe. Altersunterschiede spielten dabei überhaupt keine Rolle.
Mit dem Tag der Hochzeit bekam der Mann mit der Munt-übertragung das alleinige Recht über das in die Ehe gebrachte Vermögen der Frau zu verfügen - ohne jegliche Zustimmung der Frau. Auch besaß er das alleinige Scheidungsrecht und konnte seine Gemahlin verstoßen. Selbst über die eigenen Kinder hatte die Frau keinerlei Verfügungsgewalt.
Starb ihr Mann und wurde sie Witwe, so konnte sie nicht über sich selbst bestimmen, sondern fiel unter die Muntgewalt des Vaters, Bruders oder des Sohnes und wurde erneut "zur Hochzeit angeboten".
Untreue der Braut wurde wie Ehebruch bestraft und war ein todeswürdiges Verbrechen.

Muntwalt
Das Recht der Frauen öffentlich selbstständig aufzutreten war früher nicht gegeben. Bei Gericht, Eheverhandlungen, Erbschaftsangelegenheiten usw. mussten sie sich durch einen Mann, dem Muntwalt vertreten lassen. Bei Ledigen war dieses in der Regel der Vater oder Bruder und bei Verheirateten der Ehemann. Der Muntwalt hatte auch das Verfügungs- und Nutzungsrecht über das Vermögen seines Mündels und das Recht zur Verehelichung.

Musbier
Wenn gegen Ende des Winters das Dreschen beendet und die Dreschflegel an die Wand gehängt waren, kam man im Dorf zum Musbier zusammen und feierte.

Mutterkorn
Niederer Pilz (Claviceps purpurea = Purpurfarbiger Keulenkopf.) der während der Roggenblüte hauptsächlich den Roggen befiel und in den Ähren zur Bildung von äußerst giftigem Mutterkorn führte. Das eigentliche Mutterkorn ist die harte Dauerform des Pilzes. Das eigentliche Gift ist das Alkaloid des Pilzes Ergotamin.
Wurde dieses Mutterkorn mit den Roggenkörnern vermahlen und zu Brot gebacken, so führte der Verzehr des Brotes zur gefürchteten Kriebelkrankheit (s. d.) die zu grausamen Siechtum führte. 1718 sehr stark in Ulstrup/Angeln.
Der Name "Mutterkorn" rührt wahrscheinlich daher, dass der Pilz von Hebammen zur Gebährmuttertherapie verwandt wurde. Noch heute wird es in Medikamenten in der Geburtshilfe bei Wehenschwäche eingesetzt. Gewonnen wird es heute in speziellen Roggenkulturen die mit dem Pilz infiziert werden.
Ältere Namen für Mutterkorn im Norden sind Kornmutter, Mehlmutter, Kornzapfen, Roggenmutter, Hahnensporn, Kindesmord oder Tollkorn.
Siehe unter Anthoniusfeuer und Kriebelkrankheit.

Mutterrrolle / Grundsteuermutterrolle
In Buchform laufend fortgeschriebene Kopien der Katasterdaten. Sie enthielt das Eigentümerverzeichnis, die Katasterbezeichnung (Gemarkung, Flur und Flurstück) sowie, Nutzungsart, Lagebezeichnung, Fläche und steuerliche Klassifizierung aus dem Flurbuch.


Pfeil oben


N

Nachbarliche Treue
Tief im dörflichen Zusammenleben verankertes Gefühl gegenseitiger Hilfe in Notfällen. Bei Geburt und Krankheit holte der Nachbar bei Tag und Nacht, bei jedem Wetter die Hebamme oder den Arzt. Nie wurde darüber gemurrt. Hausmütter versorgten Kranke mit Essen und häuslicher Hilfe. Waisen wurden wie selbstverständlich in Familien aufgenommen und an Kindesstatt angenommen. In Trauerhäusern wurde getröstet und geholfen, was auch bei Feuer und Hausbrand galt.
Manche dieser Hilfen wurden in Beliebungen (s. d.) festgelegt.

Nachbarschaftsrechnung
siehe unter Dorfrechnung.

Nachtwächter
Erste Nachtwächter gab es in mittelalterlichen Städten. Ihre Aufgabe war es nachts durch Straßen und Gassen zu gehen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er warnte die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben; er kontrollierte das Verschließen der Stadttore und Türen und rief die vollen Stunden aus. ("Liebe Leute lasst Euch sagen unsere Uhr hat drei geschlagen"). Zu seiner typischen Ausrüstung gehörten eine hellebardenähnliche Lanze, eine Laterne und ein Horn.
Obwohl er ein wichtiges Amt bekleidete, gehörte der Nachtwächter wie Abdecker (s. d.) und Henker zu den "unehrlichen" Berufen und lebte in sehr armseligen Verhältnissen.
Von Schleswig hieß es: "Im städtischen Gemeinwesen lag noch manches im argen, namentlich die Sauberkeit, welche die Gesundheitspflege hinderte. Bis 1450 waren die dreckigen Straßen noch ungepflastert. In den finsteren Gassen hatte der Nachtwächter oft nachts mit rauflustigen Gesellen "bunte Sträuße" auszufechten".

Nadirflut
Flutberg der nicht durch die Anziehungskraft des Mondes sondern durch die auf das Wasser einwirkende Fliehkraft der Erdumdrehung zurückzuführen ist.

Näffninge / Näffung
Siehe unter Ransnäffninge.

Nagelschmied
Beruf. Schmiede die auf die Herstellung von Nägeln spezialisiert waren. Sie unterschieden sich noch in Schwarz- und Weißnagelschmiede. Weiß gleich verzinnte Nägel.

Namenlose
(siehe unter Heimatlose)

Nääsdrücker
Bei Menschen aus bescheidenen Verhältnissen reichte das Geld oft nur für einen billigen Sarg mit flachem Deckel, der im Volksmund Nääsdrücker (Nasendrücker) genannt wurde. Die Särge wurden immer erst nach Eintritt des Todes nach Maß hergestellt. Maß der Sargtischler nicht richtig, so konnte der Sarg schon mal zu flach werden und auf die Nase drücken.
Die Reicheren bestatteten ihre Toten in einem Sarg mit hohem Deckel. Wann der Nääsdrücker verschwand ist nicht bekannt.

Nationale Erhebung in den Herzogtümern 1848 - 1851
Das Herzogtum Schleswig mit seiner Hauptstadt Schleswig existierte bis 1864. Vorläufer war seit dem frühen Mittelalter das Jarltum Süderjütland. Im Süden reichte es bis zur Eider und im Norden bis zur Königsau.
Über Jahrhunderte gab es keine Meinungsverschiedenheiten zwischen den Herzogtümern und Dänemark. Mit dem Sprachreskript (s. d.) vom 14. 5. 1840 und der Erhebung (s. d.) begann sich das zu ändern und es setzte in den Herzogtümern eine nationale deutsche Bewegung ein die einen Zusammenschluss mit dem deutschen Volk und Loslösung von Dänemark forderte. Äußeren Ausdruck fand dieses im Schleswig-Holstein-Lied (s. d.), das beim Sängerfest von 12.000 Teilnehmern patriotisch gesungen wurde. Erstmalig wurde die blau-weiß-rote Fahne Schleswig-Holsteins der Öffentlichkeit gezeigt.
Die Dänen antworteten mit zahlreichen Drangsalierungen und Einschränkungen für Deutschgesinnte auf diese "Provokation".
Die Blau-Weiß-Rote Farbe der Schleswig-Holsteiner wurde von den Dänen verboten und der Zorn der daraufhin einsetzte schürte den Patriotismus in den Herzogtümern weiter.
Am 28. Januar 1848 verkündete der König die von seinem verstorbenen Vater entworfene Gesamtstaatsverfassung, die sowohl bei den Dänen als auch in den Herzogtümern auf breite Ablehnung stieß.
Am 18. März 1848 kam es in Dänemark zu einem Staatsstreich bei dem der König entmachtet und die Regierung entlassen wurde. In Dänemark wurde nun das Programm von Orla Lehmann, (siehe unter Eider-Dänen) - das Herzogtum Schleswig in Dänemark einzuverleiben - zum Regierungsprogramm.
Die Schleswig-Holsteiner fühlten sich bedroht und bildeten daraufhin am 24. 3. 1848 eine "Provisorische Regierung" die am 3. 4. 1848 von der Ständeversammlung in Rendsburg anerkannt wurde und dort ihren Sitz in Rendsburg erhielt. Verlangt wurde die Vereinigung der holsteinischen und der schleswigschen Ständeversammlung, Volllbewaffnung, sowie Versammlungs- und Pressefreiheit. Sie wollten einen deutschen Nationalstaat mit einer nördlichen Grenze an der Königsau oder in den Deutschen Staatenbund eingegliedert werden.
Die Dänen empfanden dieses nun ihrerseits als "öffentliche Empörung", als Revolution, denn sie wollen eine Vereinigung des Herzogtums Schleswig mit einem dänischen Verfassungsstaat, also eine Trennung der Herzogtümer Schleswig und Holstein mit einer südlichen Grenze an der Eider. und eine Loslösung von Deutschland
Es kam zu Kämpfen gegeneinander, am 9. 4. 1848 zur Niederlage der Schleswig-Holsteiner bei Bov.
Auf deutscher Seite bildete sich ein Bundescorps, das in der Osterschlacht von Idstedt am 23. 4. 1848 die Dänen aus Schleswig nach Alsen (s. d.) vertrieb. Die Nachhut der Dänen wurde in Oeversee geschlagen.
Am 26. 8. 1848 wurde auf Druck der europäischen Großmächte im Malmöer Vertrag ein 7-monatiger Waffenstillstand beschlossen. Die Schleswig-Holsteinische Armee wurde aufgelöst. An Stelle der Provisorischen Regierung trat jetzt die konservativ ausgerichtete "Gemeinsame Regierung" der Herzogtümer.
Am 26. 2. 1849 kündigte Dänemark einseitig den Malmöer Waffenstillstand. Aber auch Schleswig-Holstein hatte zwischenzeitlich ein großes Heer von 20.000 Mann unter guter Führung aufgebaut und wurde von 40.000 Mann unter preußischer Führung unterstützt.
Am 13. und 20. April 1849 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen von den Deutschen siegreich mit der Schlacht von Düppel und bei der Festung Fredericia beendet.
Auf russischen und englischen Druck wurde Preußen am 10. 7. 1849 zu einem neuen Waffenstillstand gezwungen. Hierbei wurde die Einheit der Herzogtümer preisgegeben. Der Berliner Friede vom 2. 7. 1850 zwischen Preußen und Dänemark beendete vorerst das Engagement Preußens in Holstein.
Die Schleswig-Holsteiner aber gaben trotz der Verträge und dem preußischen Rückzug ihren Freiheits- und Zusammenhaltswillen nicht auf. Es kam am 15. 7. 1850 zu einer erneuten kämpferischen Auseinandersetzung. In der Schlacht bei Idstedt (s. d.) unterlagen die Schleswig-Holsteiner den Dänen am 25. 7. 1850.
Wieder fiel die Entscheidung am 29. 11. 1850 am Konferenztisch in Olmünz. Österreich zwang Preußen seine Pläne für die Einheit Schleswig-Holsteins aufzugeben. Am 11. 1. 1851 stimmte die Landesversammlung dem "Schmachfrieden" zu. Damit war die Schleswig-Holsteinische Erhebung beendet.
Das 2. Londoner Protokoll vom 8. 5. 1852, ein völkerrechtlicher Vertrag von sieben europäischen Staaten besiegelte endgültig die Niederlage und damit die der schleswig-holsteinischen Bewegung.
Da die schleswig-holsteinische Frage aber nicht gelöst war, fand der Konflikt seine Fortsetzung im Deutsch-Dänischen Krieg (s. d.) vom 1. 2. 1864 bis 28. 4. 1864 als preußische und österreichische Truppen in das Herzogtum einzogen.
(s. u. Auswanderung, Dänenzeit, Erhebung, Gesamtstaat, Idstedt, Kriege, Landwehr, Provisorische Regierung, Sprachreskript)

Naturalisation
Einbürgerung, Verleihung der Staatsbürgerrechte.

nativitas
(lat.) Geburt. nata, natus = geboren.

Nebenschulen / Winkelschulen
(dän. Biskole). Vom Kirch- (Schuldorf) entfernt liegende Dörfer mit langem gefährlichem Schulweg erhielten (oft nur für den Winter) die Genehmigung zur Einstellung eigener Lehrer und zur Bildung von Nebenschulen. Da die Lehrer von der Dorfgemeinschaft bezahlt werden mussten, stellten sie oft die billigsten Lehrer ein, die da waren: ausgediente Soldaten, weichende Bauernsöhne, Handwerker, Knechte, Rumtreiber.

Nekrolog / Nekrologien
Ein Nachruf, eine Würdigung des Lebenswerkes eines Verstorbenen. Auch eine Sammlung solcher Würdigungen wurde als Nekrolog bezeichnet.
Nekrologien bezeichnen Totenverzeichnisse.
(siehe auch unter Totenzettel)

nepos
(lat.) Enkel, Neffe, Verwandter.

neptis
(lat.) Enkelin, Nichte, Verwandte.

Nerthus
Von den Anglii / Angliern (Ur-Angler) verehrte germanische Gottheit. Sie wurde auch Mutter der Erde genannt. Sie war eine geschlechtslose Gottheit, keine Göttin.

Niederlegung von Höfen und Dörfern
In der Vorzeit (15./16. Jh.) wurden ganze Dörfer mit Höfen, Häusern, Vieh, Gerätschaften und den Menschen den adligen Gütern einverleibt und untergehörig gemacht. Daraus entstand der Begriff Niederlegung.
(siehe auch unter Wüstungen)

Nipptide / Nippflut
Sie wird ausgelöst, wenn die Sonne im rechten Winkel zum Mond steht, also jeweils bei Halbmond. Ihre Anziehungskräfte gleichen sich aus und der Wasserstand ist niedrig.

Nisse / Nissen / Nis Puck
Hilfreiche Hausgeister der Dänen. Sie wohnen in Winkeln des Hauses, und sind, wenn man sie mit Grütze und Butter versorgt sehr freundlich und hilfreich.
In Angeln und im Friesland gab es nur einen und der hieß "Nis Puck", der im Dachfirst des Futterbodens wohnte.

Noblesse
Von Frankreich ausgehende und sich über ganz Europa ausbreitende Bezeichnung für Ritter und Adelige.

Noor
Im Norden Schleswig-Holsteins von einem großen Gewässer (Förden und Ostsee-Buchten) fast vollständig abgetrennte seeartige Wasserflächen. Das Noor ist durch natürliche Durchflüsse mit den Förden verbunden wodurch sich der Wasserstand und der Salzgehalt des Noorwassers ständig ändert und zu einer ganz besonderen Flora und Fauna in und am Noor führen.
Am bekanntesten ist das "Haddebyer Noor" bei Schleswig, Olpenitzer Noor bei Kappeln und das Windebyer Noor bei Eckernförde.

Norddeutscher Bund
Ein 1866 gegründetes militärisches Schutz- und Trutzbündnis. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 annektierte Preußen sämtliche Gebiete seiner Kriegsgegner nördlich des Mains. Am 18. August 1866 schlossen sich die Fürstentümer und Hansestädte nördlich des Mains unter Führung der Preußen zum Norddeutschen Bund zusammen, der zunächst 15 Mitglieder (Staaten und freie Städte) hatte. Dazu gehörten auch einige preußische Territorien südlich des Mains.
Der Norddeutsche Bund entstand nach der Auflösung des deutschsprachigen Staatenbündnis aus dem Deutschen Bund, dem auch die Länder südlich des Mains und auch Österreich angehörten. Er bestand zwischen 1815 bis 1866. Der Deutsche Bund hatte 39 Mitglieder. Der Deutsche Bund war ein Nachfolgebündnis des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
1867 gab sich der Norddeutsche Bund eine Verfassung die ihn zu einem Bundesstaat machte. Der Norddeutsche Bund umfasste 22 Staaten und hatte fast 30 Millionen Menschen.
1870 verbündeten sich die südlich des Mains nicht zum Norddeutschen Bund gehörenden Länder mit diesem gegen Frankreich. Nach dem Deutsch-Französischem Krieg (1870/1871) bildeten sie zusammen das Deutsche Reich.

Nordelbische Kirche
Organisation der evangelisch-lutherischen Kirche.
Am 12. 1. 1867 wurde Schleswig-Holstein preußische Provinz. Die Kirche organisierte sich von 1867 bis 1945 als Landeskirche Schleswig-Holstein.
Nach 1945 gab es auf der kirchlichen Landkarte eine Vielzahl kirchlicher Grenzen zwischen Hamburg und der dänischen Grenze im Norden. Auf diesem Gebiet befanden sich die Landeskirche Schleswig-Holstein, die Stadtkirchen von Lübeck und Hamburg, die Landeskirche Eutin und der zu Hannover gehörende Kirchenkreis Harburg, die sich in Struktur und Organisation teils stark unterschieden. Bestrebungen sie zu vereinen und zu vereinheitlichen führten erst nach 20 Jahren am 1. Januar 1977 mit der Gründung der "Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche" zum Erfolg.
Sie gliedert sich in drei Sprengel: Schleswig, Holstein-Lübeck und Hamburg. An der Spitze steht jeweils ein Bischof (Bischöfin).
Sie besteht aus 27 Kirchenkreisen und 640 Kirchengemeinden.
Im Jahre 2012 werden die Nordelbische Kirche und die Landeskirchen Mecklenburg und Pommern zu einer "Nordkirche" fusionieren.
Ein neuer Bischof und das Kirchenamt kommen nach Lübeck. Die Bischöfe der Sprengel werden ihren Sitz in Schleswig, Hamburg, Greifswald und zunächst auch noch Schwerin haben.

Norderhofenden / Süderhofenden
Die Grundstücksenden der großen Handelshöfe vom Holm und der Großen Straße in Flensburg, die am nördlichen und südlichen Teil des Hafens endeten und in Privatbesitz der Handelsherren waren.

Nordertor
Altes 1596 errichtetes Stadttor der Stadt Flensburg als Kontrolltor für Einreisende in die Stadt. Bei Anbruch der Dunkelheit wurde es geschlossen. Es trägt die Inschrift: "Friede ernährt, Unfriede verzehrt". Bis 1777 durfte außerhalb des Nordertors nicht gebaut werden und bis 1796 bildete es die Nordgrenze der Stadt. 1797 begann der Bau der Neustadt außerhalb des Nordertores.
Es war eines von ehemals mehreren Toren wie das Friesische Tor, das Angelbrotor, das Rote Tor (1606).

Nordfriesland
Region im Nordwesten Schleswig-Holsteins. Ursprünglich das Siedlungsgebiet der Nordfriesen, heute ein Kreis Nordfriesland, der gut 1/3 größer ist als das Ursprungsgebiet.
Zweimal wanderten Friesen (s. d.) aus dem Süden im Norden ein. Im 8. Jh. besiedelten sie die Inseln und Teile Eiderstedts. Die Marsch (s. d.) wurde um die Jahrtausendwende besiedelt und diese dehnte sich auf die Geest (s. d.) aus.
Nordfriesland wurde 1424 das erste Mal urkundlich erwähnt. Die friesisch besiedelten Harden waren im Mittelalter in den Utlanden (s. d.) zusammengeschlossen und hatten ein eigenes friesisches Recht.
Die Region umfasste das Küstengebiet zwischen den Flüssen Eider (s. d.) und Wiedau (s. d.), die nordfriesischen Inseln und Halligen und das angrenzende Wattenmeer.

Nordische Graupen
Geschälte Gerste die in Graupenmühlen gemahlen wurde. Lange waren sie ein Exportartikel im Norden.

Nordmarkfest
Siehe unter Scheersbergfest.

Nord-Ostsee-Kanal
Siehe unter Kaiser-Wilhelm-Kanal.

Nordschleswig / Nordslesvig / Südjütland / Sönderjülland
Nördlicher Teil des einstigen Herzogtums Schleswig. Geographisch erstreckt sich Nordschleswig von der deutsch-dänischen Grenze bis an die Königsau (s. d.), im Westen bis Ribe und im Osten bis an den Kleinen Belt südlich von Kolding.
In Dänemark spricht man auch von Sönderjülland, dass im Jahr 2007 Syddanmark (Süddänemark) wurde.
Es leben heute etwa 250.000 Menschen dort von denen etwa 8 - 10 % der Deutschen Minderheit angehören.
Im Mittelalter war Nordschleswig ein Teil des Königreichs Dänemark aber schon im 12. Jh. kristallisierte sich Schleswig als selbständiges Jarltum heraus und löste sich im 14. Jh. endgültig vom Königreich. Es war aber als Lehen mit den holsteinischen Herzögen in Personalunion verbunden. Nordschleswig war bis 1864 ein Teil des Herzogtums Schleswig.
Schlimm kam es für die mit den Dänen verbundenen Nordschleswiger im 1. Weltkrieg 1914 - 1918, als 30.000 dänisch gesinnte Nordschleswiger einberufen wurden und für Deutschland gegen Frankreich und Russland kämpfen mussten. Etwa 6.000 (ungefähr jeder 5.) von ihnen fiel. Nur etwa 2.500 Nordschleswiger Wehrpflichtige konnten sich der Einberufung entziehen oder "desertieren" und sich in Reichsdänemark niederlassen.
1920 fiel Nordschleswig bei der Volksabstimmung an das Königreich Dänemark.

Normannen
Zwei regional verschiedene Gemeinschaften. Einmal Nordgermanen und zum anderen romanisierte Normannen aus der Normandie.
Fälschlicherweise wurde die Bezeichnung Normanne oft auch für die Wikinger (s. d.) verwendet. Richtig ist, dass es sich um einen Oberbegriff handelt dem auch die Wikinger angehörten.
Bei den nordgermanischen Normannen handelte es sich um Seefahrer des 8. bis 11. Jh. von Nordskandinavien und Dänemark die an den Nordseeküsten (England, Friesland) an Land gingen und Raubzüge unternahmen. Teilweise gelangten sie bis an die spanische Südküste.

Notgeld
In Krisenzeiten von Ländern, Städten, Gemeinden, Ämter und sogar Firmen gedruckte Zahlungsmittel (Notgeldscheine).
Besonders während und nach dem 1. Weltkrieg von1914 - 1922 gab fast jede Gemeinde eigenes Notgeld heraus. Durch das Horten von Silbermünzen deren Materialwert den Nominalwert überschritt, und dem hohen Metallbedarf der Kriegsindustrie kam es zu Kleingeldmangel. Mit Beginn des 1. Weltkrieges wurden die Reichsgoldmarkmünzen eingezogen. Bald folgten die größeren Silbermünzen zu zwei, drei und Fünfmark. Auch die Münzen aus kriegswichtigem Kupfer und Nickel wurden stillschweigend eingezogen.
Die ersten Ausgaben von Notgeld wurden 1914 bekannt. Gemeinden füllten diese Lücke des Kleingeldmangels aus und druckten eigenes Papiergeld (Notgeld). Die Scheine waren von großer Verschiedenartigkeit und jede Gemeinde versuchte regionale Besonderheiten herauszustellen oder auch politische und wirtschaftliche Ziele. Teils wurden die Scheine auch mit anklagenden oder durchhaltenden Parolen und mehr oder weniger fatalistischen Sprüchen versehen. Notgeld fand im Wahlkampf durch aufgedruckte Bilder und Texte und zur Beeinflussung des politischen Willens teils eine große Bedeutung.
War das anfängliche Notgeld noch mit einem Geldwert versehen, so änderte sich dieses, als man kein Vertrauen mehr in dieses Geld hatte und vor allem Firmen gaben eigenes Notgeld in Form von Gutscheinen für Waren aus. (10 Ziegelsteine von der Ziegelei, Ein Zentner Roggen von der Landhilfe, aber auch für Kohle, Strom u. ä.) ,
Der Staat duldete diese Ausgaben, weil er selbst die Knappheit an Zahlungsmitteln nicht beseitigen konnte. So kam es zu 1, 2 und 5-Pfennigscheinen von Privaten und Gemeinden.

In der zweiten Notgeldperiode von 1918-1920 waren die Scheine nicht mehr so primitiv wie 1914/15. Nach ihnen setzte eine lebhafte Sammlernachfrage ein, sodass sie dem Markt verloren gingen. Da sie aber nicht gegen Waren eingelöst wurden, war dieses für den Staat ein gutes Geschäft. 1920/21 beschäftigten sich zahlreiche Sammelclubs mit diesem Notgeld.
In der Zeit um 1920 gab es 2.967 öffentliche und private Ausgabestellen mit etlichen tausenden Notgeldscheinarten.
Durch Reichsverordnung vom 17. 7. 1922 wurde das Notgeld verboten.

Notgeld mit hohen Nominalen bis in den Billion-Mark-Bereich brachte auch die Inflation (s. d.). Die offiziellen Prägeanstalten und Druckereien kamen bei dem rasanten Wertverlust (Inflation) des Geldes mit dem Gelddrucken nicht mehr nach.

Notdurft
Dringlichkeiten und notwendige Bedürfnisse des Menschen bestanden zu allen Zeiten und überall. Anfangs bei sehr dünner Besiedelung kein Problem. Man machte "Glieks achter de Hacken" und grub seine Hinterlassenschaft ein. Erst Anfang des 20. Jh. wurden in ländlichen Regionen hierzu "Örtlichkeiten" in Form einfacher Plumpsklosetts (Herzhäuschen) geschaffen. Bis dahin ging man Sommers achtern Wall (hinter die Knicks) und Winters in den Stall (die Mistrinne in den Kuhstall). An manchen Angelner Häusern stand draußen ein Spaten, den man mitnahm, ein Loch grub, seine Notdurft verrichtete und wieder zuschaufelte. Schon in der Bibel wird von einer "Draußenlösung" gesprochen.
"Du sollst außen vor dem Lager einen Ort haben, dahin du zur Not hinausgehest und sollst ein Schäuflein haben, und wenn du dich draußen setzen willst, sollst du damit graben; und wenn du gesessen bist, sollst du zuscharren, was von die gegangen ist."
In den mittelalterlichen Städten baute man sich auf den Hinterhöfen Abtritte (Holzverschläge) aus denen die Fäkalien in die Ehgräben und Schwindgruben liefen. Nachts machte man in Eimer und Gefäße, die man tagsüber in den Ehgräben entsorgte.
Die weitaus überwiegende Zeit zivilisierter Menschheit herrschte diese "Hockkultur". Erst mit den Plumpsklosetts ging man auch im Norden von der Hock- zur "Sitzkultur" über.
Auf dem Lande baute man das "Tante Meier" das nur von der Familie gebraucht werden durfte in den Schweinestall. Der "Goldeimer" in den man hier machte wanderte einmal wöchentlich auf dem Misthaufen und wurde zu Dünger. In der Stadt war dieses wesentlich problematischer.
Die Moderne begann erst mit dem Anschluß an die öffentliche Wasserversorgung nach Ende des 2. Weltkrieges ab 1945.
Siehe auch unter Ehgraben.

Novemberverfassung von 1863
1863 setzte König Christian IX. entgegen den Beschlüssen des Londoner Protokolls vom 12. 5. 1852 die sog. Novemberverfassung in Kraft. Ziel war es das Herzogtum Schleswig stärker an das Königreich zu binden und von Holstein zu trennen.

Noverca / noversa
(lat.) Stiefmutter.

Novercus / noversus
(lat.) Stiefvater.

nurus
(lat.) Schwiegertochter.

Nutzholz
Siehe unter Bauholz.

Pfeil oben


O

obbit
(lat.) war gestorben.

obstetrix
(lat.) Hebamme.

Ochseninseln
Zwei zu Dänemark gehörende Inseln an der Nordseite der Flensburger Förde. Erstmalig erwähnt wurden die Öhen 1231 im Grundbuch von König Waldemar. 1540 sollen Mönche des Rude-Klosters (s. d.) auf den Inseln gelebt haben.
Die Ochseninseln wurden in früher Zeit zum Auftrieb und zur Mästung von Ochsen verwendet, die dort nicht entweichen konnten. 1411 sollen dort auch die zur Duburg gehörenden Ochsen geweidet haben. Diese Tatsachen tragen wohl zur Namensgebung bei.
Erster nachweislicher Siedler auf den Inseln war Claus Claus, der zwischen 1660 und 1700 auf den Inseln wirtschaftete.
Zwischen 1200 bis 1300 hauste in der Flensburger Förde der berüchtigte Seeräuber Alf (der Rote Ons). 1298 wurde er gefangen und hingerichtet. Kurz vorher hatte er seine zusammengeraubten Schätze auf der Großen Ochseninsel vergraben. Dieser Schatz wurde bis heute nicht gefunden.
1412 starb Königin Margarethe nach ihrem Sieg über Flensburg auf ihrem Schiff im Flensburger Hafen an der Pest. Ihre gesamte Mannschaft hatte sie verlassen. Aus Angst vor Ansteckung begrub man sie zunächst auf der Kleinen Ochseninsel. Später wurde sie in die Domkirche zu Roskilde überführt.
Als 1643 die Schweden in Flensburg einmarschierten flüchteten Flensburgs Führende und Begüterte auf die Inseln. Es gab dort nur die eine Kate der Clausens und die Unterbringung der Flüchtenden geschah sehr notdürftig im Freien. Sie schauten des Nachts frierend, hungernd und verzweifelt auf das lodernde Feuer in Flensburg und sahen hilflos zu wie ihre Häuser abbrannten.
Auch Clausens Kate wurde niedergemacht, aber wieder aufgebaut. Sie stand bis 1981.
Um die Mitte des 18. Jh. war die Große Ochseninsel ein "heimlicher Ort", ein Ort "der Schande" in dem uneheliche Kinder zur Welt gebracht werden konnten, ohne das der Vater genannt werden mußte. (siehe unter heimliche Entbindungen). Meistens kamen die Frauen aus den Städten in die "heimlich geflüsteten Orte". Als Väter wurden angegeben: Knechte, Matrosen, Schiffer, Soldaten, Beamte und bessere Bürger. Ihre Namen waren fast immer fingiert.
1782 wurden beide Inseln sehr stark während einer Sturmflut geschädigt.
Verwaltungsmäßig gehörten sie bis 1920 zum Amt Flensburg, danach zu Dänemark.

Ochsenwege / Ochsenhandel
Sehr alte Fernverbindungen. Es gab zwei Ochsenwege, einen östlichen von Jütland aus Viborg an Harderslev, Flensburg und Haitabu (Schleswig) vorbei nach Wedel (Hamburg) und einen zweiten westlichen an Ribe, Tondern, Leck und Husum vorbei nach Wedel. Zu unterscheiden war dabei zwischen Mager- und Fettviehhandel. Das führte zu diesen unterschiedlichen Ochsenwegen. Beide Ochsenwege folgten in ihrem Verlauf weitestgehend den alten Heerwegen (s. d.) Beide waren keine befestigten Straßen sondern nur ausgetretene und ausgefahrene Sandwege.
Wenn heute vom Ochsenweg gesprochen wird ist fast immer der östliche gemeint.
Jütland war in Nordeuropa das Haupterzeugerland für Ochsen. Lebend wurden die Ochsen in Triften von 50 Tieren in südlich gelegene Zentren (Hamburg) getrieben.
Die Obrigkeit (Landesherr) erkannte schnell die Möglichkeit der Geldeinnahme und so richtete der König 1490 bei Landesteilung an den Ochsenwegen Zollstellen ein. Oft mussten von Beginn bis Ende der Trift bis zu 20 Zollstellen passiert werden.
(siehe unter Unterschleif).
Jährlich wurden 20 - 30.000, in guten Handelsjahren auch 50.000 Ochsen nach Süden getrieben. Auch andere Waren wurden später auf dem Ochsenweg transportiert.
Oft wurden diese Handelszüge von Räubern überfallen. Eine solche Stelle war Kropp bei Schleswig. Wer Kropp noch nicht passiert hatte, unkte "Du büst bi Kropper Busch noch nich vörbi".
Meistens waren die Ochsenwege bei Kriegen auch Heerwege (s. d.).

Öömrang
Nordfriesischer Dialekt der auf Amrum gesprochen wurde.

Oehe
Ort und Gut bei Maasholm auf einer Insel in der Schleimündung im Kirchspiel Gelting (s. d.). Seit 1561 war das zu dem Dorf Maas und später Maasholm gehörige Gut eigenständig. Erste Besitzer waren ab 1339 die Familie von Sehestedt. Es folgte Familie von Pogwisch von denen es 1588 an die Familie von der Wisch überging, die es 1656 für 39.500 Taler mit allen Untertanen an die von Ahlefeld verkaufte. Es ging an den König und an den Domprobst und 1747 an die von Rumohr.
1790 wurde das Gut in 26 Stellen parzelliert. Damit war gleichzeitig die Leibeigenschaft aufgehoben.
Gut Oehe musste in seiner langjährigen Geschichte immer mit dem Hochwasser kämpfen, weil es auf einer Insel lag. Das Herrenhaus wurde 1707 von Johann Ludwig Freiherr von Königstein erbaut.
1835 brach der Seedeich. 1893 wurde das Herrenhaus erweitert.

Oestergaard
Herrenhaus Gut Oestergaard am östlichen Rand der Gemeinde Steinberg an der Lippingau .Es wurde erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt. 1856 entstand auf diesem Hof ein Gutshaus mit Kellergewölbe und eisernen Freitreppen.
1926 wurde das Gut an die preußische Domänenverwaltung verkauft.

Oeversee
Schlachtort im Deutsch-Dänischen Krieg ca. 15 KM südlich von Flensburg.
Die erste Schlacht zwischen Dänemark und Preußen fand am 24. April 1848 statt. Die Dänen wurden geschlagen und 300 Dänen gefangen genommen. Flensburg wurde von den Dänen geräumt. Einen Tag später wird Flensburg von den deutschen Truppen besetzt.
Am 6. Februar 1864 trafen in einer zweiten Schlacht die mit den Preußen verbündeten Österreicher vom 6. k u. k.- Armeekorps auf die sich auf dem Rückzug befindlichen Dänen. Es kam zu einem Kampf mit vielen Toten und Verwundeten bei denen die Dänen unterlagen.
28.500 Österreicher und 43.000 Preußen überschreiten am 1. Februar die Eider. Die gesamte Armee bestand aus 57 Battaillonen, 39 Eskadrons, 24 Batterien = 110 Geschütze und 18.494 Pferde gegen 40.000 Dänen.
Die Einwohner des etwa 10 km entfernten Flensburgs gedenken noch heute der Hilfe ihrer Bürger, die sie den Verwundeten und Verletzten am Tag nach dem Gefecht zukommen ließen mit dem traditionellen Oeversee-Marsch.

Offiziale
Königliche und bischöfliche Beamte.

Ökelnamen
Beinamen die auf besondere Eigenschaften oder Tätigkeiten der so benannten Personen hinwiesen. (z.B. Hein Schooster, Fiete Post oder Kuddel Snittker). Im Ort meist bekannter als die richtigen Familiennamen.

Oessel
Maßeinheit.

ogena
(lat.) Lasten (Steuern und Dienste).

Oheim
Bruder des Vaters.

Oktroy / Octroy / Oktroi / Octroi
(lat. auctoritas) Freibrief der in Nordfriesland Investoren im 17. u. 18. Jh. weitgehende Rechte in den Kögen gewährte, die durch deren Einsatz entstanden waren. Sie bekamen eine eigene Jurisdiktion und die Polizeiaufsicht über die Insassen eines Kooges.
Oktroy war praktisch eine Privatisierung von großen Baumaßnahmen die sich der Landesherr (die öffentliche Hand) nicht leisten konnte.
Oktroy ermöglichte es Kapital und Können aus anderen Ländern anzuziehen. Zahlreiche Eindeichungen und Trockenlegungen erfolgten durch Holländer im Wege des Oktroy.

Ökonom / Oekonom
Leiter eines Armen- und Arbeitshauses.

Oldengeld
Mastgeld für Schweinemast in den Wäldern.

Oldermänner
Die Ältesten einer Egerschp (s. d.)

Optanten
Dänisch gesinnter Bevölkerungsanteil im Herzogtum Schleswig, die nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges (s. d.) 1864 nach dem Anschluss an Preußen für die dänische Staatsbürgerschaft optierte.
Häufige Ursache dafür war nicht dänischer Patriotismus sondern Angst vor der preußischen Militärpflicht. So setzten sich vor allem viele junge Männer nach Dänemark ab und wurden sofort dänische Staatsbürger.
Wer daraufhin aus dem Preußischen Untertanenverband ausgeschlossen wurde, verlor seine Staatsbürgerschaft und seine Zugehörigkeit zu Deutschland.
Wollte ein Optant wieder naturalisiert (in Preußen eingebürgert werden), so musste er sich vorerst zum preusischen Militärdienst verpflichten.

orbatus
(lat.) verwaist, vaterlos.

Ortsnamen, Bedeutung von Endsilben
... aften ungeklärt. Übel, schlecht ?, Abend?
... au Au, Bach
... ballig Teil einer Ortschaft
... bek, beck Bach, von einem Bach umflossen
... berg an einem Berg / Anhöhe liegend
... brarup Dorf an einer Anhöhe / Hang liegend
... brieck Bohlenweg
... brode Furt
... brook feuchte Wiese für Winterfütterung
... broe Brücke
... bühren Ansiedlung
... büll, bel Stall, Siedlung
... by Dorf, Siedlung
... dall, dal Tal. Schwankender Wiesengrund, Sumpf.
... damm Teich
... delf Graben
... dorp Dorf
... eng dän. = Wiese
... feld von dän. Faella = Rodung durch Abbrennen
... fleeth an einem Wasserlauf gelegen
... gaard Edelhof
... gatt Öffnung, Ableitung von gade = Straße
... grau von gra = Ecke, Winkel abgeleitet.
... hacht Hecke
... haff Meer, am Meer liegend
... haft Einhegung
... have umzäuntes kleines Stück Land, Garten
... heck auf eine Heckkate (s. d.) hindeutend
... höft Haupt als Bezeichnung eines Landvorsprungs
... horn Vorsprung
... horst Gestrüpp, Gehölz
... hoi / hoe / hoy Grabhügel
... holm Erhebung in feuchter Niederung , Insel
... holt, holtz Wald, Gehölz
... husen bei den Häusern
... huus Haus
... hy Hügel, Grabhügel
... kamp eingefriedetes Stück Land
... kiel Quelle
... kier Busch, Kratt, Bruch
... kilde dän. Quelle
... kjer / kjär dän. Sumpf, sumpfige bewachsene Niederung
... klues Klause
... krug / krog von Krooch, an einer Ecke, Biegung
... lee Hinterlassenschaft, Erbe, Eigentum
... koog eingedeichtes Gebiet
... laag Gartenpforte
... lak am See
... lohe nd. für Hain
... loit Einhegung
... lück eingehegtes Landstück, Koppel
... lum Erhebung
... lund Hain, Gehölz
... may dän. = Wiese
... mark Rodung
... mis Sumpfiger Wald, Gehölz
... moos Moor auch Birkenwiese
... münde an einer Mündung gelegen
... nis Nase = Landvorsprung
... rade Rodung
... ries Reisig
... odde schlanke ins Meer ragende Landzunge
... poel dän. Pfuhl, Pfütze
... roe, roi, roy Rodung
... rott , ratt Rodung
... rup von dorp = Dorf
... schau Wald
... schauby Walddorf
... siek sumpfige Niederung mit Seggen bestanden
... slet Ebene
... solt Salz
... stade Gestade, Ufer
... stapel 1) Gerichtssäule an einem Gerichtsplatz
2) Umschlagplatz, Hafen
... stedt Wohnstätte
... streng nd., dän. Langgestrecktes Stück Land
... sund schmaler Wasserweg, Enge
... toft Hausplatz, Wohnplatz, Siedlungsplatz
... torf von torp, Dorf
... torp dän. Dorf
... trup Dorf
... twedt Rodung, abhauen.
... watt an einer Furt, am Wasser gelegen
... wedel Furt bei einer Burg
... wisch Wiese
... witt Wald
... wiehe Stelle zur Verteidigung geeignet
... wik, wig, wyk Bucht, Meerbusen
... wöhrden zu den Wohnplätzen
... wohld Wald

Örtung / Ortung / Ortug
1) Raummaß: 1 Örtung = 10 Schipp Roggen = 12 Schipp Gerste = 20 Schipp Hafer.
2) alte nordische Gewichts-, Flächen- und Münzeinheit.
1 Mark = 8 Öre, 1 Öre = 3 Örtung, sodass 1 Örtung 1/24 Mark wert war.
3) kleinste Preiseinheit.

okkupieren
besetzen, sich aneignen. Meist in militärischem kriegerischem Zusammenhang.

Oktant
Messinstrument der Schifffahrt. Höhenmesser für die Gestirne. Erfunden wurde er von dem Engländer John Hadley (1682 - 1744). Er blieb im Gebrauch bis zum Ende des 19. Jh.

Onera
1) (lat., Mehrzahl von onus), im Allgemeinen die mit dem Besitz einer Sache oder eines Rechts verknüpften Beschwerden und Leistungen. Daher oneros, mit Verpflichtungen verbunden; z. B. ein oneroses Rechtsgeschäft.
2) Ganz allgemein für Lasten und Steuern.

Originarii
Uradel.

Ornum
Land im Individualeigentum, das außerhalb der Feldgemeinschaft lag und nicht zur Allmende gehörte.
Siehe auch unter Stuf.

Ortstein
Eine wasserundurchlässige Schicht, die sich nach der letzten Eiszeit auf den ausgedehnten Sanderflächen der Geest gebildet hat. Ursache war das Auswaschen aller nichtsandigen Feinstoffe im Sandboden. Humus-, Eisen-, Aluminium- und Manganteilchen waren nur in einem bestimmten pH-Bereich (Säurebereich) wasserlöslich und verdichteten sich in 30 - 40 cm Tiefe mit dem Sand zu einer oft steinharten Schicht dem Ortstein. Bei starkem Regen konnte der Regen darüber nicht abfließen, das Land versumpfte und bei Trockenheit kamen die Wurzeln nicht zum Grundwasser und die Pflanzen vertrockneten. Über Ortstein konnten sich nur sehr widerstandsfähige, flachwurzelnde, extrem trockenheitsresistente Heidepflanzen ansiedeln.
Mitte des 18. Jh. wurden hier die Heide- und Moorkolonisten (s. d.) angesiedelt, die häufig daran scheiterten großflächig die Ortsteinflächen aufzubrechen um das Land urbar zu machen. Erst Ende des 19. Jh. gab es mit Tiefenflügen, die von Dampflokomobilen gezogen wurden und den Ortsteinboden aufbrachen.

Ortsfamilienbuch
Auch Ortssippenbuch. Familienweise Zusammenstellung von Familien (Vater - Mutter - Kinder / teils auch Großeltern und Ehepartner der Kinder) aus Kirchenbuchaufzeichnungen und anderen Quellen geistlicher und weltlicher Herkunft. Auch Dorfsippenbücher basieren auf dem Prinzip der Ortsfamilienbücher.

Oxhoft
Flüssigkeitsmaß besonders für Wein und Bier. Je nach Region 148 - 235 Liter.
1 Oxhoft = 1,5 Ohm, = 180 Quart.

Otting / Oetting
1) Hauptmaß für den Besitzanteil. Es war nicht die Größe des Besitzes sondern die Anzahl der Anteile an einem Gemeinbesitz. Die Anteile eines Otting schwankten zwischen einem Drittel bis einem Achtel einer Hufe.
2) Maß zur Größe der Besteuerung. War abhängig von der Ertragskraft des Bodens. Z.B. 1 Otting = 1/4 Bohl bis 11/2 Bohl.
3) Vor der Verkoppelung, während der Zeit der Allmende, wurde der Otting auch zur Berechnung der Viehzahl herangezogen, die ein Bauer auf die Allmende treiben durfte.

Pfeil oben


P

Packhauskirchen
Kaufmannskirchen in Handelsniederlassungen. Die steinernen Kirchen waren bei Feuer und Überfall sicherer als die hölzernen Warenlager und so lagerte man bald die Handelsgüter in den Kirchen. Hier wurden auch die Waagen und Gewichte aufbewahrt. Packhauskirchen entstanden nach englischem Vorbild wahrscheinlich zwischen 700 bis 1100 n. Chr.. Bei uns gab es sie nachweislich in Hollingstedt und zwei in Schleswig. Es gab aber mehrere im Norden. Die St. Peterkirche in Schleswig war eine solche.

Pandeknecht / Pande
Im Gagdwesen ein Netzesteller zum Fangen des Wildes. Pande waren Netze.

Pandemie
(gr. pandemia = pan = alles, demos = Volk; also "alles Volk betreffend") Nicht örtlich beschränkte sondern länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit.
Die Pestwelle von 1347 - 1352 in ganz Europa mit 25 Millionen Toten (1/3 der damaligen Bevölkerung) war eine Pandemie.

Panßen
Lagerraum für Getreide in der Scheune.

Papist
1) Abschätzige Bezeichnung für Anhänger des Papsttums und für Katholiken seit der Reformationszeit.

Parentation
Der Begriff Parentation stand für Seelenmesse, Totenehrung, Totenfeier, Trauerrede, Leichenpredigt. In Angeln auch "Utsprok" genannt.
Die Leichenrede im Trauerhaus die nichts mit der Beerdigung zu tun hatte, wurde nicht vom Pastor, sondern vom Lehrer oder Küster gehalten und wurde vom Chorgesang einiger Schüler umrahmt.

parentes
(lat.) Eltern.

Partizipanten
Teilhaber an bestimmten Projekten. Z. B. bei der Eindeichung von Kögen. Dafür wurden Partizipantenscheine ausgestellt, die Rechte und Pflichten des Partizipanten enthielten.

Parzellierung
Seit Beginn des 19. Jh. ging es den adeligen Gütern wirtschaftlich nicht mehr so gut. Die Zeit billiger Arbeitskräfte durch die Leibeigenschaft (s. d.) war seit 1805 endgültig vorbei. Gutserweiterungen durch Bauernlegen (s. d.) gab es auch nicht mehr. Ein großer Teil des Adels war verschuldet, was sich in häufigem Besitzwechsel zeigte. Da begann der Adel seine Güter stückweise abzustoßen (zu parzellieren)
Das war der Beginn der Aufteilung von großen Gütern in mehrere kleinere Höfe. Dadurch wurde eine große Zahl lebensfähiger selbständiger Bauernstellen geschaffen. Parzellierungen von Gütern fanden statt:
1749 in Schwensby; 1755 in Rübel und Rosgaard und im Glücksburgischen Lehnsdisstrikt; 1765 in Ohefeld; 1768 in Oestergaard; 1769 in Dollrott; 1770 in Satrupholm; 1777 in Mohrkirchen; 1778 in Flarup, 1782 in Töstrup, 1783 in Lindau; 1783/1785 in Düttebüll; 1786 und 1790 in Oehe; 1788 in Lundsgaard; 1789 in Gelting, 1789 in Priesholz; 1799 in Roest und 1800 in Buckhagen bei Rundhof.
Eine königliche Resolution sah 1763 den Verkauf aller königlichen Domänen vor. Folgende Domänen wurden parzelliert:
1770 Satrupholm; 1778 Mohrkirch; 1784 Dänisch-Lindau; 1783 Meierhof in Glücksburg.
In beiden Herzogtümern (Schleswig und Holstein) wurden innerhalb von 20 Jahren 52 Krongüter niedergelegt und darauf 800 neue Familien angesiedelt und bisher Leibeigene oder hofdienstpflichtig Gewesene in persönliche und wirtschaftliche Freiheit gebracht.

Parzellisten
In einigen Gemeinden wurden im 19. Jahrhundert die vorhandenen Güter parzelliert und an Parzellisten zur Bewirtschaftung vergeben. Die Übernahme erfolgte durch Kauf. Parzellisten waren also freie Eigentümer ihrer Höfe. Häufig waren ihre Parzellen weit in der Feldmark zerstreut.
Als Starterleichterungen gewährte man ihnen die ratenweise Bezahlung des Kaufgeldes und gewisse Freiheitsjahre vom Canon (s. d.) Außerdem waren sie vom Kriegsdienst, von Naturallieferungen und Fuhren befreit.

Pate
(siehe unter Gevatter).

Patent
öffentlich angeschlagener und bekannt gemachter obrigkeitlicher Befehl.

pater
(lat.) Vater.

Paternität
Vaterschaft.

Patrimonialgerichtsbarkeit / Patrimonialherrschaft
Freie Gerichtsbarkeiten der kirchlichen und klösterlichen und adeligen Güter über ihre Untergehörigen über deren "Hals und Hand", also die Ahndung von Verbrechen mit der Todesstrafe oder Verstümmelung sie bestimmten konnten.
Später umfasste sie aber meist nur noch die niedere Gerichtsbarkeit bei Eigentums-, Familien-, Erb- und Gutsrechten, Raufereien, Beleidigungen usw.. Die Blut-, Hals- und peinliche Gerichtsbarkeit blieb meist bei den höheren Gerichten.
In Preußen wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit 1850 abgeschafft.
Die Patrimonialherrschaft verkörperte die absolute Herrschaft des Patrimonialherren (Feudalherren) über sein Privatvermögen. So schlossen Grundherren, die ihren Besitz Dritten überließen keine Verträge, sondern diktierten einseitig den Festebrief zu ihren Gunsten. Außerdem konnten sie diesen jederzeit zu ihren Gunsten verändern.

patrinus , patrina
(lat.) Tauppate, Taufpatin.

Patrizier
Mitglieder der ratsfähigen Familien in den Städten die zumeist im Handel (Kaufleute) tätig waren.

Patronat
Schutzherrschaft, Schirmherrschaft.

Pasquill
Ehrverletzende Schmäh- oder Spottschrift, später auch für Flugblatt.

patris infantes
(lat.) der Vater des Kindes.

Patronymische Namensgebung
Patronym aus dem griech. patronymikon = Vatername. Er gab an wie der Vater des Namensträgers mit Vornamen hieß.
Form der patronymischen Namensgebung in Norddeutschland z.B.:
1.) des Sohnes nach dem Vornamen des Vaters durch Anhängen von "sen". (Hansen = Hans Sohn, Petersen usw.),
bei Töchtern durch das Ergänzen des Vornamen mit "s" (Hanses, Peters).
2.) Benennung nach dem Namen des Großvaters:
z.B.: Peter Matthiesen - Matthias Petersen - Peter Matthiesen.
Form der patronymischen Namensgebung in Nordosten Deutschlands. Z.B.:
1) Anhängen von -ke / -cke (niederdeutsche Verkleinerungsform) an den Vornamen des Vaters. Geri-cke = der Kleine von Gerd / Gerhardt
Patronymische Namen ändern sich von Generation zu Generation.
Erst 1771 verfügte König Christian IV. als Herzog von Schleswig die Einführung bleibender fester Familiennamen.
Nimmt der Name auf die Mutter Bezug so spricht man von Metronymischer Namensgebung (s.d.)

Pegel
(vom nd. pegel = "Eichstrich", konnte aber auch mit "peilen" in Zusammenhang stehen).
Messeinrichtung zur Bestimmung des Wasserstandes. Am Pegel wird der Pegelstand gemessen, aus dem sich der Wasserstand ableiten lässt.
Fälschlicherweise wurde der Pegel oft für den Wasserstand selbst verwendet.
Pegelmessungen kamen schon im Mittelalter vor.

Peinliches Gericht
Kriminalgericht.

Petroleumlampen
1859 wurde die erste Petroleumlampen aus Amerika eingeführt. Sie lösten die bis dahin gebräuchlichen Öllampen ab, weil Petroleum wesentlich preiswerter war und physikalische Vorteile hatte. Bis zu ihrer Durchsetzung in den dörflichen Haushalten vergingen Jahrzehnte.
Anfangs gab es nur stehende Lampen, die dann später von Pertroleum-Hängelampen abgelöst wurden.

Petschaft
Siegelstempel aus einem harten Material mit eingraviertem Siegel. Es wurde kein Stempelkissen verwendet, sondern die Petschaft wurde auf eine aufgetragene Masse (Siegellack) eingedrückt. Auf diese Weise wurden Dokumente und Botschaften versiegelt.

Pensionaris / Pensionär
Erbpächter.

persona coelebs
(lat.) unverheiratete Person.

permittiert
veralteter Ausdruck für erlauben, zulassen.

Pertinentien
1) Eigentum an Äckern und Wiesen in Feld und Dorf.
2) Im Recht der Besitzandteil an einer anderen Sache.

Pers Awten
Siehe unter Bikebrennen.

Peuplierung des Landes
(franz.) Peuplement auch Pöblierung als Bezeichnung für Populationsanreicherung.
Bevölkerungspolitische Maßnahmen zur Besiedelung leerer oder bevölkerungsarmer Gebiete. Die Ansiedelung von Heide- und Moorkolonisten z. B. oder von Glaubensflüchtlingen (Friedrichstadt) waren Peuplierungen. Teilweise wurde sogar die uneheliche Nachkommenschaft durchziehender Soldaten, eher vorteilhaft gesehen und der Peuplierung zugerechnet. So war es nach Kriegszeiten (und die waren im Norden fast immer) nicht verwunderlich, dass nicht jeder Schleswiger dem "Nordischen Typ" entsprach.

Pesel
Gute Stube des Bauernhauses für festliche Anlässe. Beheizt wurde er mit einem Bilegger (s. d.). Abgeleitet war Pesel von lat. balneum persile = "mit warmer Luft beheizte Stube".

Pest im Herzogtum Schleswig
Pest, auch "Klebende Seuche" oder "Klebende Krankheit" genannt, die wie ein Fluch an den Opfern klebte und nicht abzuschütteln war.
1349/50 wurden in einigen Kirchspielen bis zu 80 % der Bevölkerung dahingerafft. Handel und Landwirtschaft brachen zusammen und viele Häuser und Höfe und sogar ganze Dörfer standen leer.
1356 starben in Schleswig 4/5 aller Einwohner an der Pest.
1367 - 1369 Hadersleben.
1423 in Hadersleben, 1439/40 in Eiderstedt , 1495 in Flensburg zusammen mit erster Syphilis, 1502 in Flensburg, 1524 in Schleswig, 1525-1529, 1537 - 1539 in Schleswig, 1539 und 1549 in Tondern, 1564 in Angeln, 1565 in Flensburg, 1574 bis 1577 in Angeln, 1582 in Flensburg, 1583 im Herzogtum Schleswig, 1602 in Angeln, 1628 in Husum, 1629 in Schleswig; 1630 auf Amrum, 1669 in Schleswig, 1682 letzte Pest in Schleswig; 1712 überall verbreitet,
1547 und 1549 flackerte sie als "Kinderpest" wieder auf. (Überlebende der ersten Pestwelle waren immunisiert, neugeborene Kinder nicht, darum starben fast nur sie.)
1629 Pest im Norden. Sie grasierte besonders in Husum, Schleswig, Eckernförde, Kiel, Rendsburg, Flensburg und Tondern. Viele Dörfer wurden fast vollständig entvölkert.
1659 wurde der Norden wieder von der Pest heimgesucht. Z. B. ein Drittel der Einwohner von Ribe fiel der Pest zum Opfer.
1713 war die letzte Pest nördlich der Elbe. Ein Beispiel für das Grauen aus Mildstedt: Es wurden 51 Kinder geboren und im gleichen Zeitraum starben 331 Menschen.
1715 brach unter den Soldaten Stenbocks in Nordfriesland die Pest aus. Die Kranken wurden in die umliegenden Dörfer gefahren und verbreiteten so die Seuche. In Witzwort starben von den 1.200 Personen die dort lebten 270 Einwohner.
1894 wurde der Pesterreger entdeckt und erst Ende des 19. Jh. war die Pest sicher zu diagnostizieren.
Übertragen wurde die Pest von Flöhen, die von Ratten auf den Menschen übersprangen.
Es war zu unterscheiden zwischen Beulenpest, Lungenpest und abortiver Pest.
Als Kinderpest bezeichnete man eine zweite Pestwelle, die weinige Jahre nach einer ersten kam, und fast nur Kinder hinwegraffte, weil die Überlebenden der 1. Welle lebenslang immunisiert waren.
Die letzte Pestwelle (3. Pestpandemie) die allerdings Europa verschonte war von 1896 bis etwa 1945 und forderte rd. 12 Millionen Tote.

Petuh / Petuhtanten
Nur in Flensburg gebräuchliche Sprache der Petuhtanten. Das Petuh war eine eigenwillige Mischung aus dänischer Grammatik und dänischem Satzbau mit deutschen Wörtern. Markant waren dabei das sehr scharf gesprochene "s" am Anfang von Wörtern und ein zum "ch" verfälschtes "g".
Petuhtanten waren meist ältere Damen die sich vor dem 1. Weltkrieg regelmäßig zu Ausflugsfahrten mit dem Dampfer ("Alexandra") auf der Förde trafen, um bei Kaffee und Kuchen "Klönsnack" zu halten.
Petuh leitet sich von dem Wort "partout". Partoutkarten hießen früher die Jahresdauerkarten für diese Schiffstouren.

Phänomene
Ende August 1883 glühte der ganze Himmel über dem Norden blutrot. Es war kein Abendrot und auch kein Nordlicht. Wolken aus Blut und Flammen hingen über den Menschen. Zittern und Zagen ergriff die einfachen Leute. Viele glaubten an einen Weltuntergang, andere an ein furchtbares Zeichen Gottes. Später stellte sich heraus, dass es sich um Ausbruchserscheinungen des Vulkans Krakatau im Indischen Ozean handelte bei dem 36.417 Menschen getötet wurden.
Siehe auch unter Blutregen.

Pfahlgeld
Hafenabgabe für anlegende Schiffe, die die Stadt Flensburg 1480 einführte.

Pharisäer
Getränk aus Kaffee mit Rum und einer Sahnehaube; der aus typischen Pharisäertassen getrunken wird. Interessant ist die Entstehung:
1873 auf Nordstrand wurde ein Bauer zum 7. Mal Vater. Bei der Tauffeier war auch der Pastor zugegen, der als leidenschaftlicher Abstinenzler bekannt war und keinen Alkohol zuließ. Die Bauern tranken den Alkohol nun im Kaffee versteckt. Die Sahnehaube verhinderte, dass der Alkohol zu riechen war. Obwohl "kein" Alkohol floss wurde die Stimmung immer gelöster bis zu dem Zeitpunkt als der Pastor zufällig eine falsche Tasse mit Rum bekam. Sein Ausruf daraufhin "Oh, ihr Pharisäer" und der Name war geboren.
Den Pharisäerhof gibt es heute noch auf Nordstrand, ebenso wie das Getränk im Norden.

Pfennigmeister
Er war der rechnungsführende Beamte; das die Kasse beaufsichtigende Mitglied der Selbstverwaltung.

Pfennigseite
Siehe unter Groschenseite.

Pferdebahnen / Straßenbahnen
Auf Schienen laufendes und von Pferden gezogenes Verkehrs- mittel.
1869 wurde in Schleswig eine Pferdebuslinie eingerichtet. 1890 wurde sie durch eine Pferdebahn mit Führungsschiene in der Mitte ersetzt. Sie hatte eine Länge von 4 Km. 1910 wurde diese vom Bahnhof in die Innenstadt führende Strecke elektrifiziert und schienengeführt. 1936 wurde sie eingestellt.
1881 nahm die Flensburger Pferdebahn von der Neustadt zur Angelburger Straße ihren Betrieb auf. 1894 als Flensburg ein Elektrizitätswerk bekam bestand die Absicht die Pferdebahn als Straßenbahn zu elektrifizieren und die Gleise auf der Pferdebahnroute zu verlegen. Da die Straßenbahn nicht durch das Nordertor (s. d.) fahren konnte, gab es Pläne dieses abzureißen. 1907 fuhr dann die schienengeführte Straßenbahn um das Nordertor herum.
1881 wurden auch Pferdebahnen in Kiel und Lübeck eingerichtet.
Um 1900 begann man die "Hafermotoren" durch Elektromotoren zu ersetzen und aus Pferdebahnen wurden Straßenbahnen.
Husum hatte ab 1858 eine Pferdebahn vom Hafen bis zum Bahnhof, die aber nur Frachten transportierte.

Pferdehufmuschel
Besonders große Auster von der Größe eines Pferdehufes. Sie breitete sich zeitweise stark in der Nordsee aus. Im Gegensatz zur "Sylter Auster" war sie weniger delikat.

Pflug ... als Maßeinheit
Ursprünglich Hof in einer Größe der mit einem Pflug und Vorspann bearbeitet wurden konnte.
Später kein Land-, sondern ein Steuermaß, dass kein genaues Flächenmaß war und je nach Bonitierung des Bodens zwischen 6 und mehr ha schwanken konnte.
Die Bezeichnung war Pflug Landes.

Pflug .... in früherer Zeit
Landwirtschaftliches Gerät zum Umbrechen der Oberschicht eines Ackers. Schon in prähistorischer Zeit löste der Pflug die Hacke oder den Grabstock ab. Bearbeitet wurden mit dem Pflug nur kleine Flächen. Anfangs wurden sie von Menschen (Leibeigenen), dann von Ochsen im Joch und später von Pferden gezogen.
Die ersten Pflugschare bestanden aus Holz und wurden von den Bauern selbst hergestellt. Noch um 1860 war dieser noch als Radpflug im Norden in Gebrauch, wobei die Räder aus Eisen waren. Im 18. Jh. war dieses der gängige Pflug.
1832 wurde in Angeln der erste Schwungpflug aus Eisen gebaut. Er wurde erstmalig auf dem Jacobimarkt (s. d.) zur Schau gestellt. Er wurde von zwei oder vier Pferden gezogen. Trotz dieser guten Erfindung herrschte zwischen 1865 und 1890 noch der hölzerne Schwungpflug vor. Danach setzte sich der sog. Sacks-Pflug, ein leichter wendiger Eisenpflug durch.

Pflugmänner
Zur Entlastung der Dorfvögte (s. d.) wurde in den westlichen und friesischen Harden zur Erhebung der Abgabelasten die nach Pflugzahlen berechnet wurden Pflugmänner berufen. Der Pflugmann hatte die auf volle Pflugzahl berechneten Abgaben an den Vogt zu zahlen, nachdem er sie von seinen "Zulage-Interessenten" eingezogen hatte.

Pflugsteuer
1249 von König Erich IV. eingeführte Landsteuer in Höhe von einem Pfennig je Pflug. König Erich erhielt dafür den Beinamen "Erich Plogpenning".

Pflugtreiber
Junge (7 - 12 Jahre alt), der Zugochsen vor dem Pflug antreiben musste.

Pflugzahl
Statt von Hufen sprach man später von Pflügen. Pflüge waren die tatsächlich vorhandenen Bauernstellen. Im 17. Jh. ging diese Beziehung verloren und die Pflugzahl wurde immer mehr zu einer bloßen Steuermesszahl.

Physikus / Amtsphysikus / Physikate
1) Allgemein frühere Bezeichnung für den Beruf des Arztes.
2) Stadt- und Landphysikus (Amtsarzt) hatte die Aufgabe Ärzte, Apotheker, Wundärzte, Chirurgen und Hebammen zu überwachen.
Der Physikatbezirk Flensburg reichte von Apenrade bis zur Eider. Die ersten Physikate wurden 1757 eingerichtet.

Pilger / pilgern / Pilgerweg
Obwohl es im Norden keinen eigentlichen Pilgerweg (Jacobsweg) gab, pilgerte man auch von Jütland und aus den Herzogtümern an die bekannten Pilgerstätten. Gepilgert wurde auf dem Ochsenweg (s. d.) oder auf den Fußwegen von Kloster zu Kloster. Erstmalig wurde 1150 ein Pilgerweg im Norden erwähnt. 1500 gab es einen weiteren Hinweis auf einen Weg der in Viborg und Ribe begann.
Persönliche Gründe für das Pilgern waren:
1) Verehrung eines Heiligen;
2) Arbeit für das eigene Seelenheil;
3) Buße aus eigenem Wunsch;
4) Hoffen auf ein Wunder (Heilung, Fruchtbarkeit usw.);
5) Erfüllung eines Gelübdes.
Eine große Motivation für Pilgerfahrten des Mittelalters waren die geschürten Ängste vor dem Fegefeuer. Durch die Pilgerfahrt erwarb man sich die Gnade Gottes. Der Wunsch nach einem paradiesischen Leben im Jenseits war lebensbestimmend. Dafür war man auch bereit zu zahlen. Immer mehr kleine Pilgerorte entstanden, die gut daran verdienten sog. Pilgerabzeichen zu verkaufen. Der Verkauf von Ablassbriefen (s. d.) an solchen Stellen tat ein Übriges.
Pilgerreisen aus Lübeck führten bis 1508 nach Melle (bei Osnabrück). Allmählich überzog ein ganzes Netz von Pilgerwegen das Abendland.
Bekannte Pilgerorte im Ausland waren. Jerusalem, Rom, Santiago de Compostela.
Bekannte Pilgerorte in Deutschland waren: Trier, Aachen, Köln, Einsiedeln und Wilsenack. Sie standen in der zweiten Reihe der Pilgerorte und waren Reiseziele für die weniger Begüterten.
Pilgerorte in Schleswig-Holstein und in Südjütland waren:
Apenrade, Klipleff, Klues bei Flensburg, Bohnert an der Schlei, Gettorf, Kirchnüchel, Heiligenstedten, Windbergen, Ahrensbök, Schwartau und Schmalfeld.
Der Aufbruch der Pilger war oft spontan. Einer plötzlichen Eingebung folgend oder von plötzlicher Angst getrieben rannten sie von Feld, Haus und Hof, von der Arbeit weg, um Ablaß für ihre Sünden zu erlangen. Es gab bald feste Tarife:
Eine Wanderung nach Wilsenack brachte 1 Jahr und 40 Tage weniger Fegefeuer, jede gelaufene Meile verringerte das Fegefeuer um 40 Tage.
Eine Pilgerfahrt nach Santiago de Compastela bedeutete 200 Jahre erlassene Höllenpein.
Es war nicht nötig den Weg selber zu machen, man konnte auch "pilgern lassen", indem man die Kosten und den Aufwand für einen Pilger trug. Man hatte auch bald einen Namen dafür "Delegationspilgern". Wer sicher gehen wollte, schickte auch mehrere auf Pilgerfahrt. Schnell entwickelte sich im Mittelalter der Stand des Berufspilgerers der für reiche Sünder pilgerte. .
Nicht verwunderlich war, dass es auch das Strafpilgern gab, eine kirchliche Strafe oder kirchliche Buße. So wurden Mörder geschickt, die für das Seelenheil ihres Opfers zu beten und zu pilgern hatten. Bald wurde die Bestrafung auch für banale Strafen wie Wildern, Körperverletzungen, Krakelen, Müßiggang usw. mit Strafpilgern geahndet. Dieses war sehr praktisch, "denn man war die Sünder für längere Zeit los".
Im Jahre 1321 pilgerten allein von Lübeck 400 Personen nach Aachen, 80 nach Wilsnack, 58 nach Einsiedeln, 41 nach Thann, 22 nach Santiago de Compastelo und 5 nach Rom.
Ein sehr ausführlicher Beitrag findet sich im Heimatkalender Nordfriesland - Zwischen Eider und Wiedau - 1988 auf Seite 53ff.

Pinasse / Pinkschiff
Siehe unter Schiffstypen.

Plaggen / Placken / Flachen
Durchwurzelte Oberbodenstücke mit der Gras- und Heidevegetation die mit vollem Wurzelwerk mit der Plaggenhacke aus dem Boden herausgehoben wurden. Sie wurden benutzt, um die Firste von Reetdächern zu befestigen und zum Heizen.

Plenterbetrieb / Plenterwirtschaft / Plenterung
Begriff aus der mittelalterlichen Holzwirtschaft als noch die Wälder als Allmende (Allgemeingut) bewirtschaftet wurden. Möglicherweise kommt der Begriff Plenter von "plündern" und der Plenterwald war der Plünderwald. Wälder die in Plenterwirtschft betrieben wurden, wurden ungeregelt (ohne feste Regeln) genutzt. Ab 1827 wurde die Plenterung verboten.

Pliet
Wertloses Zeug (eigentlich minderwertiger Weißfisch).

Pocken
Siehe unter Blattern.

Polder
An der Nordseeküste durch Eindeichung und Entwässerung gewonnenes fruchtbares Marschland.
In West- und Ostfriesland Polder, in Nordfriesland Koog (s. d.) genannt.

Poppostein
Hügelgrab aus der jüngeren Steinzeit in Poppholz am Helligbek bei Idstedt gelegen. Der Sage nach taufte hier Bischof Poppo im 10. Jh. im Bach "Hilligebeke" (s. d.) zum Christentum bekehrte Heiden. Auch der dänische König Harald Blauzahn soll um 960 hier mit seiner Familie getauft worden sein, nachdem er Bischof Poppo eine Feuerprobe auferlegt hatte, die dieser bestand.

Possession / Possessor
(lat.) Besitz. / Besitzer

posthumus / posthuma
(lat.) Nachgeborene(r).nach dem Tode des Vaters/der Mutter geboren.

Postwesen
Die erste Angeln berührende Postverbindung wurde 1625 im Auftrage des dän. Königs Christian IV. eingeführt. Es handelte sich um eine kombinierte Brief-, Fracht- und Personenpost von Kopenhagen - Flensburg - Rendsburg - Itzehoe - Hamburg.
Angeln direkt hatte bis 1773 keine eigenen Posteinrichtungen.
Die erste Postordnung wurde 1694 von König Herzog Christian V. erlassen. An allen Orten wo nötig sollten tüchtige Postillone mit guten und frischen Pferden bereitstehen. Reitende Posten durften nur Briefe bis 50 Lot Gewicht mitgegeben werden.
Vor der Errichtung der Staatsposten hatten auch schon die Kirchen und Domkapitel in Schleswig eigene Botenposten.
Für den nördlichen Bereich gab es Ende des 18. Jh. die Postlinie Altona - Hadersleben über Rendsburg, Schleswig, Flensburg und Apenrade. Außerdem bestand noch zwischen Hamburg und Kopenhagen eine reitende Post, die zweimal und eine fahrende, die einmal wöchentlich verkehrte
In den Herzogtümern gab es im Ganzen 45 Poststationen mit 52 Postbedienten. Das gesamte Postwesen in Dänemark und den Herzogtümern unterstand dem königlichen Generalpostamt Kopenhagen. In Postordnungen wurde die Beförderung von Personen und Sendungen geregelt.
Wer außer der Post gegen Entgeld Personen beförderte wurde mit empfindlichen Strafen belegt.
Eine Reise von Flensburg nach Hamburg dauerte mit Extrapost mindestens 30 Stunden. Im Winter waren die Wege grundlos tief durchweicht und Rad- und Achsbruch keine Seltenheit. Reisende mussten helfen festgefahrene Kutschen freizuschieben. Auch Wegelagerer trieben ihr Unwesen und überfielen die Postkutschen. Besonders gefürchtet war die Gegend um Kropperbusch (s. d.) "Wi sind Kropperbusch noch nich vorbi" unkten die Ängslichen.
Bei Nacht waren Richtfeuer aufgestellt, damit die Kutsche nicht vom Wege abkam und die Richtung nicht verfehlt wurde.
Um für die Personenbeförderung Abfahrtszeiten festlegen zu können, wurden alle Poststationen verpflichtet Sonnenuhren anzubringen. Mit Circular vom 5. 2. 1848 wurden für alle Postillione "Folgeuhren" (Dienstuhren) eingeführt. Sie wurden bei Antritt der Reise aufgezogen und mit Segelgarn und Papier versiegelt.
1848 wurden erste Briefkästen in Schleswig-Holstein aufgestellt und am 15. November 1850 wurden Briefmarken eingeführt.
Noch am 29. 10. 1853 beschreibt die Flensburger Zeitung die Briefbeförderung aufs Land so:
Die größte Mehrzahl der Briefe die von der Stadt aufs Land gehen werden in Wirtshäusern abgegeben, in denen ländliche Reisende einkehren. Sie suchen nach Briefen aus ihrer Gegend, nehmen sie mit und geben sie im Gasthaus ihres Dorfes ab. Dort werden sie dann zufällig von Gästen gefunden, wenn sie nicht vom Wirt informiert werden.
1929 wurde in Angeln eine Landpostverkraftung durchgeführt (Umstellung von Pferdefuhrwerken und -kutschen auf Bahn, Busse und Kraftfahrzeuge.
Siehe auch unter Charten.

Potatos
Kartoffeln

Pott
Maßeinheit. (z.B. Mergel) = 24,099 cbm.

Poudrette
Menschlicher und tierischer Fäkaldünger.

Pracher
besonders hartnäckige Bettler.

Prachervogt
siehe unter Bettlervogt.

Präbende
vom Mittellateinischen praebenda für "Unterhalt" abgeleitet.
Pfründe. Ursprünglich Naturalverpflegung von Nonnen, Mönchen und Weltgeistlichen am gemeinsamen Tisch; dann überhaupt von einer öffentlichen Anstalt (z. B. Kirche) gewährte jährliche Einkünfte (Leibrente).

Präbendar
einer der Leibrente erhielt.

Prähme
Mittelalterliches Plattbodenschiff, das sowohl dem Transport diente als auch als Schiffsanleger für andere Schiffe genutzt wurde. Ein Prähmen hatte im 16. Jh. eine Länge von 20 m und eine Breite von 7 Metern.
Sowohl in den Binnen- wie den Außenhäfen gab es bis ins 19. Jh. keine steinernen Kaianlagen, sondern diese bestanden aus fest verankerten Prähmen, an denen die Schiffe anlegten.

Präparandenanstalt
Hier wurden ausgewählte junge Leute auf das Lehrerstudium an den Lehrer-Seminaren in Tondern und Kiel vorbereitet. Eine Präparandenanstalt gab es in Rissum (Nordfriesland). Ihr Gründer war Ernst Leberecht Kaper (1815 - 1888)

Prästanda / Praestando
Abgaben an den Landesherrn.

Präzeptor
1) Lehrer, besonders Hauslehrer. Im 18. u. 19. Jh. auch Lehrer von Lateinschulen und anderer höherer Schulen.
2) Auch Ehrentitel für besondere Leistungen.

Pras / Praase
Selbstgemachte dünne Talgkerze.

Predigerkonvent
Um 1680 in Angeln gegründete Vereinigungen von Pastoraten mit dem Zweck der Unterstützung der hinterbliebenen Witwen und Waisen von Pastoren.
Die Kirchenordnung von 1542 gestand den Predigerwitwen lediglich ein Gnadenjahr zu. An jeglicher weiterer Unterstützung fehlte es.
1715, 1751, 1820, 1853, 1866 und 1875 wurden die Statuten modifiziert.
Schon 1640 war in Flensburg das auch Nordangeln umfasste, eine Prediger-Witwen- und Waisenkasse begründet worden.

Predigeropfer
An vier Opfertagen im Jahr, Lichtmess-, Oster-, Pfingst- und Weihnachtsopfer opferten die Gläubigen im öffentlichen Altarumgang straks nach der Predigt 1 Schilling für den Pastor.

Pricken
Stangen mit Reisig oder auch lange schlanke Bäume die im Wattenmeer gesteckt wurden um das Fahrwasser (Fahrrinne) zu markieren.

privignus
(lat.) Stiefsohn.

proavus / proavua
(lat.) Urgroßvater, Urgroßmutter.

Proband
Ahnenträger.

Proclam / Proklama
(lat.) Erlass. Öffentliche Anordnung. Sie wurde durch Aushang von Plakaten und durch Proklamation von der Kanzel verbreitet.

Profoß / Profoss / Profos / Provost / Profot
Ausdruck aus dem Militärwesen. Der Proofoss hatte sich um die Durchsetzung und Einhaltung der Feldordnung im Heer zu kümmern und war für Disziplinarstrafen zuständig. In der preußischen Armee hatte der Profoß das niedrige Ansehen eines "Stockmeisters", der Prügelstrafen ausführte. Er trug einen einfachen feldgrauen Rock.

Proklamation / Proclamation
öffentliche Bekanntmachung, Aufruf. Z. B. wurden Verlobte vor der Copulation (s. d.) dreimal öffentlich vom Pastor in der Kirche proclamiert. Dafür erhielt er eine Gebühr.
Für den Proclamations-Schein zahlten unverehelichte Leute 6 Mark, Witwer oder Witwen 4 Mark.

Prokurator
Vom lat. procurare = "besorgen" abgeleitet, stellvertretend "für etwas Sorge tragen". Verwalter, Beauftragter, Vertreter der Obrigkeit. Im Mittelalter vertrat der Prokurator die finanziellen Interessen (wie Steuereintreibung) für seinen Landesherrn.

proles
(lat.) Nachkomme.

proles spuria
(lat.) uneheliches Kind.

Promemoria
1) (lat.) Häufige Inschrift auf Gedenktafeln. "zur Erinnerung".
2) Merkzettel. Gedächtnishilfe

Protestantismus / Protestanten
Die aus der Reformation (s. d.) hervorgegangene Ausprägung des Christentums. Die Anhänger waren Protestanten evangelischen Glaubens, namentlich Lutheraner und Reformierte. Seinen Ursprung nahm der Protestantismus 1529 in Speyer.

Provisor
1) Vorsteher, Verwalter von Klöstern, Gütern besonders in geistlichen Einrichtungen.
2) Stellvertreter eines Geistlichen.
3) Hilfslehrer.
4) Erster Gehilfe eines Apothekers.

Prühnen / Prähnen
Schweine die zur Mast in Wäldern und auf Weiden liefen wurden geprühnt, damit sie nicht die Grasnarbe aufwühlten oder Wurzeln beschädigten. Beim Prühnen wurden ihnen Draht, Eisenringe oder Nägel durch die Nase gezogen, die das Wühlen sehr schmerzhaft machten.

puella
(lat.) Mädchen.

Puffhund
Aus Porzellan bestehende manchmal auch beleuchtete Hundefigur. Der Puffhund wurde von jungen Mädchen die ihren heimlichen Freund erwarteten ins Fenster gestellt. War "die Luft rein", also die Eltern nicht zu Hause und wie man heute sagt "die Bude sturmfrei", so wurde die Figur mit dem Kopf zum Fenster gestellt und der Junge konnte kommen. Umgekehrt war es, wenn die Eltern anwesend waren, dann wurde der Puffhund mit dem Hinterteil zum Fenster gestellt und der Freund wusste Bescheid und musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

puer
(lat.) Junge/Knabe.

Punsch
Glühwein mit einem Schuss Rum wurde in Flensburg grundsätzlich nur als Punsch bezeichnet.

pupilla, pupillus
(lat.) Mündel (weiblich, männlich)


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